Patsches Dreierpack 

"Oh nein, nicht schon wieder, dass jemand seinen Senf dazu abgibt", wird jetzt der eine oder andere denken. Das mag sein, aber dennoch müssen manchmal die Gedanken geordnet und die hitzigen Diskussionen zu Papier gebracht werden. Und so versuche ich die 90 Minuten (oder manchmal auch mehr) des FC Schalke 04 auf dem grünen Rasen für mich selber aufzuarbeiten. Somit ist "Patsches Dreierpack" nichts anderes als ein Selbstreinigungsprozess. Denn über Dinge, die einen beschäftigen soll man ja bekanntlich reden bzw. schreiben.

Saison 2017 / 2018

S04 – Hamburger SV 2:0 (1:0)

 

GEliefert! Der FC Schalke 04 hat sein Heimspiel gegen den Hamburger SV mit 2:0 gewonnen. Franco di Santo (17. per Foulelfmeter) und Guido Burgstaller (77.) schossen die Königsblauen am 12. Spieltag auf zweiten Tabellenplatz. Wie in dieser Saison gewohnt, spulten die Knappen ihr nüchtern sachliches Pensum effektiv herunter. Mit frühem Pressing und sehr guter Arbeit der gesamten Mannschaft gegen den Ball hielten die Schalker den Gast aus Hamburg vom eigenen Tor fern und ließen nur sehr wenige Torchancen zu. Das galt aber auch für den HSV, so dass sich beide Teams lange Zeit neutralisierten. Um möglichst wenig anbrennen zu lassen, folgte oftmals der lange Ball nach vorne, wo sich die Stürmer mit den Abwehrspielern einen Abnutzungskampf liefert. Meistens mit dem besseren Ende für die Defensivreihen. Dennoch hatten der S04 leichte Vorteile. In den wenigen aussichtsreichen Offensivaktionen schlugen die Schalker eiskalt zu. Mit der Führung im Rücken ging es in den Verwaltungsmodus. In dieser Phase schafften es die Blauen (mal wieder) nicht, ihre Konter effektiv zu spielen und die Führung frühzeitig auszubauen. Sie vertrauten auf ihre Defensive, als selber mit etwas mehr Risiko auf das 2. Tor zu gehen. Der Plan ging gegen Hamburg erneut auf, denn bei einer Unachtsamkeit spielte auch das Glück mit, als Aaron Hunt nur den Außenpfosten traf. Immerhin spielten die Schalker noch einen Konter stark zu Ende und hatte mit dem 2:0 die Partie eingetütet.   

 

Dreierpack zum Spiel

 

GEliefert: Wie oft war es schon der Fall, dass wir sonntags in die Veltins Arena gegangen sind und gesagt haben: „So, fast alle haben am Samstag für Schalke gespielt, jetzt müssen die Knappen mit einem Sieg zuschlagen.“ Das war schon einige Male der Fall und in gefühlt 80 Prozent der Fälle haben die Schalker nicht geliefert. Doch gegen Hamburg war es anders. Da haben die Königsblauen GEliefert und es geschafft, die Konkurrenz zu überflügeln. Den 2. Platz sollte man nach 12. Spieltagen nicht überbewerten. Aber es gibt ein gutes Gefühl, dass Schalke in der Lage ist, von den Ausrutschern der Konkurrenz zu profitieren. Denn das ist auch ein Indiz von Konstanz. Die Knappen sind seit sechs Spielen (4 Siege, 2 Remis) ungeschlagen und können mit einer breiten Brust zum Revierderby fahren.

 

Systemoptimierung: Gegen den HSV setzte S04-Coach Domenico Tedesco wieder auf 3-4-3. Er verzichtete dabei auf einen dritten zentralen Mittelfeldspieler und vertraute Max Meyer und Weston McKennie im Zentrum. Das Duo gehörte zu den stärksten Spielern im blauen Trikot und spulte mit jeweils über zwölf Kilometern das größte Lauf-Pensum ab. Vor allem Meyer muss man wieder nennen, der seine neue Rolle einfach hervorragend ausfüllt. Durch die Optimierung in der Zentrale, verstärkte Tedesco die Außenbahnen. Yevhen Konoplyanka links und Franco di Santo (nach dem Seitenwechsel Breel Embolo) rechts bildeten zwar faktisch die offensive Sturmreihe mit Guido Burgstaller, hatten aber auch die Aufgabe Bastian Oczipka und Daniel Caligiuri in der Defensive immer wieder zu unterstützen, um das Hamburger Flügelspiel im Keim zu ersticken. Mit Erfolg. Die Null stand am Ende. Bis auf wenige Ausnahmen hatte die Schalker Defensive alles im Griff. Wenn es mal brenzlig wurde, war Ralf Fährmann zur Stelle (41., gegen Waldschmidt) oder der Pfosten rettete (57., Hunts Schuss). Mit dem 2. Treffer war der Haken hinter dem Heimsieg gemacht.

 

Erfolgreiche Stürmer: „Na endlich“, wird sich Franco di Santo in der 17. Spielminute gedacht haben, als er, mit dem Kopf im Nacken und beiden Händen in die Luft gereckt, Richtung Eckfahne lief. Endlich hat der Argentinier auch mal wieder in der Bundesliga getroffen – zuletzt am 5. März 2016 beim 3:1-Erfolg beim 1. FC Köln. Souverän verwandelte di Santo den Elfmeter, mit einem Flachschuss links unten. Zuvor hatte Yevhen Konoplyanka den Turbo gezündet, Haken geschlagen, um dann von Gideon Jung unsanft im Strafraum gecheckt zu werden. Di Santo erledigte den Rest und brachte die Knappen auf die Siegesstraße. Den Sack zugemacht hat di Santos Sturmkollege. In guter alter Gerd-Müller-Manier stand der Österreicher genau richtig und musste die Kugel aus fünf Metern nur noch ins leere Tor schießen. Es war das i-Tüpfelchen des besten Angriffs der Schalker, dessen Plan in diesem Moment aufging. Caligiuri mit der Balleroberung an der Mittellinie. Der Deutsch-Italiener legte sofort den Turbo ein, ließ Douglas Santos alt aussehen und marschierte bis zur Grundlinie. Es folgte der Rückpass auf Konoplyanka, der clever quer auf Burgstaller legte – 2:0, die Entscheidung. Beide Stürmer getroffen – perfekt.    

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, McKennie, Meyer (90. Nastasic), Oczipka – di Santo (46. Embolo), Burgstaller, Konoplyanka (87. Schöpf)
HSV: Mathenia – Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Douglas Santos – Jung, Sakai (69. Wood) – Ito (35. Waldschmidt), Hunt, Kostic (83. Hahn) - Arp
Tore: 1:0 di Santo (17., Foulelfmeter), 2:0 Burgstaller (77.)
Zuschauer: 62.271

Die Mannschaftsteile in der Analyse

 

Nachdem man sagen kann, dass sich die meisten Spieler unter Neu-Trainer Domenico Tedesco verbessert haben, folgt nur der Blick auf die Mannschaftsteile. Hier ist festzustellen: Das Qualitätsgefälle zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen ist zu groß. Während die Abwehr und das zentrale Mittelfeld qualitativ hochwertig besetzt ist, fehlt es auf den Außenbahnen und im Angriff an Klasse und Alternativen.

 

Der Überblick                        

 

Abwehr: Nach den Bajuwaren von Weißwurst-Äquator haben die Königsblauen die zweitbeste Defensive der Liga. Zehn Gegentore in elf Spielen machen einen Schnitt von 0,91 Gegentoren pro Partie. Ein sehr guter Wert. Ralf Fährmann ist unumstritten und der große Rückhalt zwischen den Pfosten. Dazu passt in der Dreierkette die Mischung aus erfahrenen, jungen und kompromisslosen Verteidigern. Naldo, Thilo Kehrer, Matija Nastasic und / oder Benjamin Stambouli bilden einen sich gut ergänzenden Abwehrblock. Allerdings profitieren sind natürlich auch von der guten Arbeit gegen den Ball im Angriff und Mittelfeld.
Fazit: Sowohl auf den Keeper als auch auf die Dreierkette ist Verlass und bildet das Fundament der Mannschaft. Die Defensivreihe gehört zur Spitze der Bundesliga.   

 

Mittelfeld: Hier muss man differenzieren. Zum einen die Außenbahnen, zum anderen die Zentrale. Im Zentrum hat Tedesco die Qual der Wahl – sowohl qualitativ als auch quantitativ. Die 1. Reihe bilden Max Meyer, Leon Goretzka und Amine Harit. Ein hervorragendes Dreieck. Jeder der Spieler verfügt über eine andere individuelle Klasse (Lauf-, Zweikampfstark, Passspiel, Wege in die Tiefe, Dribbling oder Tempo), das als Gesamtkonstrukt bisher sehr stark agiert. Vor allem die Evolution von Meyer zum Sechser war Tedescos bisheriges Meisterwerk. Doch der Schalker Neu-Coach hat im zentralen Mittelfeld noch drei starke Alternativen, die auch über besondere Qualitäten verfügen: Weston McKennie, Nabil Bentaleb und Yevhen Konoplyanka. Mit diesem Sextett im zentralen Mittelfeld muss sich Schalke vor keinem anderen Bundesligisten verstecken.
Leider sucht man vergeblich nach dieser Klasse auf den Außenbahnen. Auf der rechten Seite ist aktuell Daniel Caligiuri erste Wahl. Bisher ohne Alternative, da Coke nicht in Tedescos Konzept passt und keine Option darstellt. Nach der Länderspielpause dürfte dennoch der Konkurrenzkampf angeheizt werden. Alessandro Schöpf wird nach seinem Kreuzbandriss wieder angreifen. Vielleicht können sie sich gegenseitig pushen und zu Höchstleistungen anstacheln. Beide Spieler sind nicht schlecht, aber nicht mehr als Durchschnitt in der Liga. Nicht besser, sogar eher schlechter sieht es auf links aus. Dort ist Bastian Oczipka die Stammkraft. Zwar ist der 28-Jährige wie Caligiuri ein gestandener Bundesliga-Spieler, aber um im Konzert der Großen mitzuspielen, fehlt die Klasse. Ein Indikator dafür: Obwohl es in der deutschen Nationalmannschaft einen Mangel an Linksverteidigern gibt, scheint Oczipka keine Option für den Bundestrainer zu sein. Hinzu kommt, dass es auf links keine andere Alternative mit einem linken Fuß gibt. Sollte Oczipka ausfallen, gibt es nur Notlösungen und keinen Facharbeiter. Hier besteht in der Winterpause Handlungsbedarf. Davon würde auch Oczipka profitieren.
Fazit: Die Besetzung im zentralen Mittelfeld genügt den höchsten Ansprüchen der Liga. Davon kann auf den Außenbahnen nicht die Rede sein. Da ist Schalke zu dünn besetzt.

 

Angriff: Ebbe Sand und Emile Mpenza oder Klaas-Jan Huntelaar und Raul bildeten bereits auf Schalke ein Sturmduo – zum Zunge schnalzen. Die aktuelle Doppelspitze bei den Knappen heißt Guido Burgstaller und Franco di Santo. Keine Frage, in puncto ‚malochen auf dem Platz‘ und ‚gegen den Ball arbeiten‘ sucht das österreich-argentinische Duo seinesgleichen. Doch von Torjägern bei beiden Angreifern zu sprechen, kann leider keine Rede sein. Während bei di Santo in dieser Bundesliga-Saison immer noch die Null (in 10 Partien) steht, traf Burgstaller wenigstens drei Mal in zehn Spielen. Doch von 15 (geschweige denn 20) Toren sind beide meilenweit entfernt. Als Alternativen dahinter stehen Breel Embolo und Fabian Reese. Während Reese noch auf seinen Durchbruch wartet, muss man bei Embolo, nach seinem Totalschaden im Sprunggelenk, Geduld haben. Es bleibt abzuwarten, ob der Schweizer jemals wieder in die Verfassung wie vor der schweren Verletzung kommt – gerade im Hinblick auf Antritt und Schnelligkeit. Man kann es ihm nur wünschen!
Fazit: Auf Dauer ist der Angriff zu schwach besetzt. Die Knappen brauchen endlich wieder eine Tormaschine. Leichter gesagt als getan. Aber: Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang oder Anthony Modeste entwickelten sich auch erst zu Torjägern. Schalke braucht auf dem Transfermarkt einen Glücksgriff für die Abteilung Attacke, der sich zu einem Torgarant entwickelt.

Spielentwicklungen unter Tedesco

 

Wer hätte das gedacht? Nach einem Drittel der Saison steht der FC Schalke 04 mit 20 Punkten auf Rang vier der Bundesliga-Tabelle und damit auf einem Champions-League-Rang. Es ist jetzt nicht so, als ob Neu-Trainer Domenico Tedesco den Fußball auf Schalke nach drei Monaten revolutioniert hat. Fußballerisch ist es immer noch zu oft Magerkost. Vor allem im Offensivspiel ist noch viel Sand im Getriebe. Sowohl beim Kombinationsspiel als auch beim Umschaltspiel ist noch Luft nach oben.  14 Tore, davon acht nach Standards, nach elf Spielen sagen eigentlich alles. Dennoch reicht die Torausbeute, um in der Spitzengruppe mitzumischen. Denn Schalke ist, wie es Tedesco sogar fordert, „ekelig“ zu spielen. Mit nur zehn Gegentoren stellen die Königsblauen die zweitbeste Abwehrreihe der Liga. Schalke verteidigt als Mannschaft sehr gut. Ein Verdienst von Tedesco. Zudem muss man dem Coach auch zu Gute halten, dass er einzelne Spieler besser gemacht hat. Wie haben sich die Spieler unter dem 32-jährigen Deutsch-Italiener entwickelt?

 

Die Bewertung erfolgt lediglich anhand meiner Wahrnehmung während der 90 Minuten auf dem Rasen. Die Trainingsleistung kann ich nicht beurteilen. Die Bewertung: (+) besser, (=) Level gehalten, (o) passt nicht ins System, (x) keine Bewertung möglich

 

Ralf Fährmann (+): Zeigt konstant starke Leistungen. Sehr gut auf der Linie, überragend im Eins-gegen-Eins. Fußballerisch mit weiter Schwächen. Neuer Kapitän. Mehr Wertschätzung geht nicht.

 

Alexander Nübel (x): Gilt als großes Torwart-Talent. Muss sich hinter Fährmann aber gedulden. Hat aber die Möglichkeit, sich jetzt bei der deutschen U21-Mannschaft zu präsentieren.

 

Thilo Kehrer (+): Zum Stammspieler aufgestiegen. Nach Wacklern zu Saisonbeginn (Tor in Hannover verschuldet) stabilisierte er seine Leistungen. Kompromisslos, zweikampfstark, variabel – eine Bank.

 

Naldo (+): Endlich der Souverän in der Dreierkette. Erlebt gerade seinen dritten Frühling. Mit seiner Erfahrung und seinem Stellungsspiel kaschiert er seine altersbedingten Defizite im Antritt.  

 

Matija Nastasic (=): Der Serbe steht für knallharte Verteidigung. Nüchtern und abgeklärt wie immer. Im Spielaufbau konservativ. Verzichtete auf jeglichen Risikopass. Leider verletzungsanfällig.

 

Benjamin Stambouli (+): Guter Schachzug: Umfunktioniert vom defensiven Mittelfeldspieler zum rechten Innenverteidiger. Dadurch besser als letzte Saison. Muss seine Risikopässe weiter reduzieren.

 

Pablo Insua (x): Der Spanier ist noch ohne Bundesligaeinsatz. Leider erkrankte er an einer Herzbeutelentzündung (8 kg Gewichtsverlust) und fällt auf unbestimmte Zeit aus.

 

Bastian Oczipka (=): Solide! Mal Licht, mal Schatten. Mal gute Flanken, mal schlechte Flanken. Mal gefährliche Standards, mal harmlose Standards. Leider konkurrenzlos, was nicht fördernd ist.  

 

Daniel Caligiuri (=): Im Vorwärtsgang stärker als in der Rückwärtsbewegung. Mit Stellungsfehlern in der Defensive. Spielt oft Sicherheitspässe. Seine Flanken sind ausbaufähig. Konkurrenz tut ihm gut.

 

Alessandro Schöpf (x): Nach seinem Kreuzbandriss kämpfte sich der Österreicher im Laufe der Hinrunde in den Kader. Sollte den Konkurrenzkampf auf rechts während der Saison noch erhöhen.

 

Coke (o): Nach der letzten verletzungsbedingten Seuchen-Saison kommt der Spanier auch unter Tedesco nicht in Schwung und scheint außen vor. Angeblich fehlt es ihm an Tempo und Spritzigkeit.

 

Sascha Riehter (x): Bekam im Laufe der Saison einen Vertrag bis Saisonende. Noch ohne Einsatz, was wohl auch so bleiben wird. Füllt den schmalen Kader auf. Wichtig für die Trainingsarbeit.

 

Weston McKennie (+): Schaffte problemlos den Sprung von der U19 zu den Profis. Ein Rohdiamant. Schon jetzt eine echte Alternative im zentralen Mittelfeld. Zweikampf- und spielstark. Ein Gewinn!

 

Max Meyer (+): Der Gewinner der Hinrunde. Zunächst nur Bankdrücker. Dann entdeckte Tedesco in Meyer den defensiven Mittelfeldspieler. Ein genialer Schachzug. Seitdem bärenstark auf der Sechs.

 

Nabil Bentaleb (=): Einerseits kann er Spiele mit genialen Momenten entscheiden. Anderseits hat er den Hang zu Risikopässen, die zu Ballverlusten führen. Diese kosten ihn den Stammplatz.  

 

Leon Goretzka (+): Aufstieg zum Führungsspieler und Vize-Kapitän. Erzielte vier Tore: drei Mal das 1:0, einmal zum 2:1-Sieg. Entwickelt sich immer weiter und wird besser. Leider verletzungsanfällig.

 

Amine Harit (+): Ein Glücksgriff. Dribbelstark und flink. Wirbelt Abwehrreihen durcheinander, vergisst aber nicht die Rückwärtsbewegung. Immer gut für gefährliche Aktionen. Eine Bereicherung für S04.

 

Yevhen Konoplyanka (+): Deutliche Steigerung zur Vorsaison. Vor allem die Defensivarbeit ist besser geworden. Kono macht gute Laufwege. Nur sein Abschluss ist stark verbesserungswürdig.

 

Guido Burgstaller (=): Nach einem Durchhänger zu Beginn kämpfte er sich in die Saison und belohnte sich mit Toren. Dem österreichischen Arbeitstier ist kein Weg zu weit und ist die erste Abwehrsau.

 

Franco di Santo (=): Der Argentinier reißt Kilometer ab und spielt sehr gut gegen den Ball. Das schätzt Tedesco an ihm. Doch ein Stürmer ohne jegliche Torgefährlichkeit wird es auf Dauer schwer haben.

 

Fabian Reese (=): Hat sich zum Kaderspieler entwickelt. Bekommt immer wieder Einsatzminuten als Joker. Er ist einsatzfreudig und geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Aber ohne Durchschlagskraft.

 

Breel Embolo (x): Nach seinem Totalschaden im Sprunggelenk zurück im Trainings- und Spielbetrieb. Jetzt braucht der Schweizer Zeit und Geduld. Offen bleibt, welches Leistungslevel er erreichen wird.

SC Freiburg – S04 0:1 (0:0)

 

Puuh, ein glücklicher Auswärtssieg. Mit 1:0 hat sich der FC Schalke 04 beim SC Freiburg durchgesetzt. Der Ex-Freiburger Daniel Caligiuri erzielte den entscheidenden Treffer (62.). Dabei hatte der 29-Jährige Glück, dass sein Schuss von Christian Günter unhaltbar für SCF-Keeper Alexander Schowlow abgefälscht wurde. Tja, wenn du oben stehst, geht so ein Ding rein. Trotz des Sieges war die Leistung der Königsblauen bescheiden. Obwohl hinten die Null stand, präsentierte sich die S04-Defensive alles andere als sattelfest. Selbst der sonst so souveräne Naldo schlug ein wildes Luftloch im eigenen Strafraum. So musste vor der Pause zwei Mal das Aluminium für Schalke retten. Nach dem Seitenwechsel konnten sich die Knappen bei Ralf Fährmann bedanken, dass ihr Kapitän im Eins-gegen-Eins gegen Nils Petersen die Oberhand behielt (50.). Nach der Führung stabilisierte sich die Schalker Defensiv-Reihe. Zudem profitierten sie vom verletzungsbedingten Aus für Freiburgs Aktivposten Mike Frantz nach einer Stunde, die zudem noch auf Top-Angreifer Florian Niederlechner verzichten mussten, der sich im Training die Kniescheibe gebrochen hatte. Die Breisgauer fanden in der Schlussphase keine Mittel mehr gegen die gut gestaffelte „weiße“ Wand. Im Verwaltungsmodus fuhren die Königsblauen den Auswärtssieg ein.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Alte Weisheit: „Wenne nicht aufs Tor knallst, kannste auch kein Tor machen“, sagten schon  unsere Jugendtrainer. Klingt abgedroschen, trifft es aber auf den Punkt. Wer nicht den Mut hat auf das Tor zu schießen, wird auch nicht belohnt. Das dachte sich wohl auch Caligiuri in der 62. Minute. Aus einer nicht gerade idealen Schussposition hielt Schalkes Nummer 18 einfach mal drauf. Eigentlich wäre es eine leichte Beute für Schowlow. Da aber Günter den Ball abfälschte, durften die Schalker Jubeln. Naja, Caligiuri tat es mehr innerlich, da er aus Respekt vor dem Gegner auf Jubel-Arien verzichtete. Immerhin spielte der Deutsch-Italiener acht Jahre für die Breisgauer. Einer seiner Jugendtrainer war unter anderem Christian Streich, Freiburgs aktueller Trainer. Mit seinem Ex-Coach gab es sogar während des Spiels an der Seitenlinie eine herzliche Umarmung und nette Worte. Vielleicht erkundigte sich Caligiuri auch nach dem Gesundheitszustand von Streich. Freiburgs Trainer wurde früh im Spiel unsanft von Janik Haberer (nach einem Schubser von Benjamin Stambouli) umgesenst. Dabei fiel der 52-Jährige auf die rechte Schulter. Mit schmerverzerrtem Gesicht coachte Streich weiter. Dennoch fasste er sich immer wieder an die Schulter. Nach der Partie gab er zu Protokoll: „Meine Schulter ist uninteressant, weil ich nicht kicken kann. Ich würde sie eintauschen, meine Schulter kaputt und zwei Spieler gesund.“

 

Alu im Weg: Die ereignisarmen ersten 45 Minuten hatten immerhin ihre drei Hallo-Wach-Effekte. Den Anfang machten die Schalker. Mit ihrem besten Angriff der Partie spielte Franco di Santo einen zentimetergenauen Pass in die Tiefe – zwischen zwei Freiburgern direkt in den Fuß von Yevhen Konoplyanka. Der Ukrainer lief alleine auf Schowlow zu und lupfte die Kugel am Torwart vorbei. Doch der Ball ging nur an den Innenpfosten (29.). Kono im Pech. Drei Minuten später zogen die Freiburger nach. Fährmann parierte zunächst einen Schuss von Frantz. Den Nachschuss setzte Nils Petersen, noch leicht abgefälscht von Stambouli, ans Lattenkreuz (32.). Pech für Freiburg, die aber noch nachlegten. Bartosz Kapustka zog von links in die Mitte und zog ab. Die Kugel klatschte an die Querlatte (37.). Pech für Freiburg, Glück für Schalke. Und zum Glück kein Videobeweis.

 

Schalkes Offensive: Das Problemkind auf Schalke bleibt die Abteilung Attacke. In Freiburg war sie erneut nicht mehr als ein laues Lüftchen. Bis auf den Pfostenschuss von Kono und dem glücklichen Tor produzierte sie nichts, was die Hausherren in Angst und Schrecken versetzte. Besonders ernüchternd waren die Konter in der Schlussphase. Obwohl die Hausherren immer mehr öffneten, war Schalke nicht in der Lage, die Räume sinnvoll zu nutzen. Falsche Laufwege und schlechte Pässe machten die guten Ausgangslagen immer wieder zu Nichte. Das war erschreckend. Schon gegen Wolfsburg fiel dieses Defizit auf, was in der Nachspielzeit bestraft wurde. In Freiburg blieb das böse Erwachen aus. Selbstverständlich schmerzt dabei der Ausfall von Leon Goretzka (knöcherne Stress-Reaktion im Unterschenkel – was es nicht alles gibt). Doch auch mit dem deutschen Nationalspieler lief die Offensive nicht gerade wie geschmiert. In Freiburg verzichtete S04-Coach Domenico Tedesco zudem noch freiwillig auch Amine Harit, der unter der Woche wegen einer leichten Blessur kürzer treten musste. Für Goretzka und Harit durften Weston McKennie und Konoplyanka vor dem erneut starken Max Meyer ran. Eine gewisse Struktur ins Offensivspiel konnte keiner des Trios bringen. Dadurch hingen auch Guido Burgstaller und Franco di Santo oftmals in der Luft und rieben sich bei Kopfballduellen auf. Doch auch sonst gelang dem Sturm-Duo nicht fiel. Und so stehen für die Knappen gerade einmal 14 Tore nach elf Bundesliga-Spielen zu Buche. Mager, reicht aber dennoch für Rang vier, punktgleich mit dem schwatt-gelben Nachbarn, die aber doppelt so oft getroffen haben (28 Mal). Bleibt zu hoffen, dass Tedesco im Laufe der Saison auch dieses Schalker Probleme in den Griff bekommt. Zuzutrauen ist ihm das allemal.

 

SCF: Schowlow – Koch, Schuster, Stanko – Stenzel, Frantz (61. Abrashi), Höfler, Günter – Kapustka (75. Kath), Haberer – Petersen (78. Terrazzino)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – McKennie, Konoplyanka (65. Harit) – di Santo (79. Embolo), Burgstaller (90. Reese)
Tor: 0:1 Caligiuri (62.)
Zuschauer: 24.000

 

S04 – VfL Wolfsburg 1:1 (1:0)

 

Kalte Dusche in der Nachspielzeit! In der 93. Minute musste der FC Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg den 1:1-Ausgleich einstecken. Nach einem langen Ball an die Strafraumgrenze verlängerte Mario Gomez den Ball irgendwie per Kopf in Richtung linkem Fünfmeter-Eck. Dort kam Divock Origi an die Kugel. Der VfL-Joker traf den Ball nicht richtig. Dennoch kullerte er aber an Ralf Fährmann vorbei ins königsblaue Nest. Der bittere Ausgleich! Zuvor hatte Nabil Bentaleb die Knappen mit einem verwandelten Foulelfmeter mit 1:0 in Front (43.) gebracht. Es war der Lohn für eine sehr gute erste Hälfte von Schalke, die zuvor Pech bei einem Pfosten-Schuss von Amine Harit (29.) hatten. Schalke war hinten kompromisslos und vorne variabel unterwegs. Dazu funktionierte das Pressing, so dass Wolfsburg meistens nur reagieren konnte. Nach dem Seitenwechsel wurden die Wölfe stärker und übernahmen das Kommando. Schalke ging in den Verwaltungsmodus über. Über weite Strecken hatte der S04 die harmlosen Wölfe defensiv im Griff, versäumte es aber, offensiv nachzulegen. Als dann zunächst noch das Glück auf Seiten der Heimelf war, Mario Gomez rutschte bei einem Foulelfmeter weg und drosch den Ball über das Tor (60.), schien es so, als ob die Gäste aus Niedersachsen gar nicht mehr treffen würden. Doch falsch gedacht. In der Nachspielzeit wurden die Königsblauen für ihre Passivität in der Offensive doch noch bestraft.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Videobeweis: Tja, der Videobeweis, er hat mal wieder genervt an diesem Nachmittag in Veltins Arena. Zwei Mal kam er zum Einsatz, einmal nicht. Eigentlich soll der Videobeweis für Klarheit sorgen. Doch davon kann aktuell keine Rede sein. Stattdessen wird weiterhin über die Entscheidungen diskutiert – sowohl bei den Experten als auch bei den Pay-TV-Zuschauern. Ach ja, und dann gibt es noch den Stadionbesucher. Ja, wir, die nicht gerade wenig Geld für so ein Ticket ausgeben, diskutieren auch über die Szenen, doch mit einem großen Nachteil: Wir wissen gar nicht, worum es letztendlich geht und werden auch nicht aufgeklärt. Doch der Reihe nach. Kurz vor der Pause ging es los. Ecke für Schalke. Kopfball Naldo und alle schreien: „Hand!“. Wir sind uns sicher, dass ein Wolfsburger Naldos Kopfball mit der Hand geblockt hat. Doch Schiedsrichter Markus Schmidt reagierte nicht, bis er sich plötzlich ans Ohr fasste. Oha, Videobeweis. Kurz darauf Elfmeter für S04, mit der Geste von Schmidt einer Umklammerung. Umklammerung? Fragende Gesichter auf den Rängen. Die Aufklärung erfolgte per WhatsApp-Gruppe von Blömme, der am Fernseher saß: „Kuscheln gegen Kehrer wurde gepfiffen.“ Die Diskussion gab es oben drauf. „Dann gibt es ab jetzt zehn Elfer pro Spiel. Unglaublich“, sagte Blömme. Doch Joe sah es anders: „Klares Foul. Er hat gehalten. Einfach zu blöd vom Wolf.“ Fakt ist, für den Stadionbesucher war es nicht klar, ob es sich um ein Hand- oder Foulspiel handelte. Der Schiedsrichter erkannte weder ein Foul- noch ein Handspiel. Der Video-Schiedsrichter sah ein Foulspiel und schritt ein. Letztendlich kann man den Elfer geben, ist aber kein Muss. Genauso strittig war die zweite Elfmeterentscheidung. Yannick Gerhardt ging im Schalker Strafraum nach einem Kopfballduell gegen Naldo zu Boden. Die Wolfsburger protestierten, der Schiedsrichter ließ weiter spielen. Dann wieder der Griff zum Ohr. Oha, Videobeweis. Die Entscheidung? Schmidt musste sich die Situation selbst im TV anschauen und hat danach auf Elfmeter entschieden. Doch allein die Tatsache, dass der Schiedsrichter die Szene selbst noch einmal am TV prüfen musste, lässt vermuten, dass das vermeintliche Foulspiel fragwürdig war. Beim Foulspiel an Thilo Kehrer musste Schmidt sich nicht selbst vergewissern. Allein dieser Umstand sorgt für Unruhe im Stadion und berechtigte Diskussionen nach dem Spiel. Und wie beim ersten Elfmeter auch hier das Urteil: man kann den Elfer geben, muss aber nicht. Zu guter Letzt gab es die dritte strittige Szene als Kehrer der Ball kurz vor Schluss an die Hand sprang. Schiedsrichter Schmidt reagierte nicht mit einem Pfiff und auch der Griff ans Ohr blieb aus. Kehrer fand nach dem Spiel dazu die richtigen und ehrliche Worte: „Das war strittig. Ich gehe mit dem Kopf zum Ball, aber der Ball springt mir erst gegen die Hand und dann an den Kopf. Wenn man die zwei Elfmeter sieht, dann kann man den Elfer vielleicht geben, muss man aber nicht.“ Da sind wir wieder beim „kann“, „muss“ aber nicht. Solange es für diese „kann/muss“-Situationen keine klare Regelung geben wird, bleibt es bei den elendigen Diskussionen um den Videobeweis. Darüber hinaus braucht es mehr Transparenz für den Stadionbesucher, damit er auch im Bilde ist und nicht von WhatsApp-Gruppen abhängig ist.

 

VfL-Joker sticht: Einen Ausgleich in der Nachspielzeit zu kassieren ist besonders ärgerlich. Aufgrund der zweiten Hälfte war der Punkt für Wolfsburg aber nicht mal unverdient. Zudem stach der Joker der Wölfe. Origi stand dort, wo ein Stürmer stehen muss. Während man bei Wolfsburg mit den Einwechslungen von Daniel Didavi, Origi und Landry Dimata zumindest das Gefühl hatte, dass die Mannschaft dadurch besser wurde, war es bei Schalke nicht der Fall. Fabian Reese, Weston McKennie und Yevhen Konoplyanka wurden eingewechselt, konnte aber keine Akzente setzen. Dabei hatte Reese eine vielversprechende Situation auf der rechten Seite, die er aber nicht gut zu Ende spielte. Wahrscheinlich wäre der ohne Frage schwere Querpass zu McKennie auch zu viel verlangt. Dennoch braucht es auch Qualität von der Bank, um solche Spiele vielleicht auch mal vorzeitig zu entscheiden.

 

Goretzka: Kurz vor Anpfiff entrollte die Nordkurve einen Banner. Ein Appell an Schalkes Nummer 8: „Ey Leon: Hier ist Deine Heimat, hier gehörst Du hin!“ Ein klares Statement der Schalke-Fans, dass Leon Goretzka doch bitte seinen auslaufenden Vertrag zum Saisonende auf Schalke verlängern soll. Goretzka ist aber (anscheinend) noch in der Findungsphase über seine Zukunft. Grund genug für alle Medienvertreter die Spekulationen rund um den deutschen Nationalspieler anzuheizen. Mal verlängert er seinen Vertrag auf Schalke für ein Jahresgehalt von zehn Millionen Euro inklusive 70-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel, dann wechselt er sicher zu den Weißwürsten gen Süden. Am nächsten Tag ist der FC Barcelona in der Pole Position, danach wieder Juventus Turin. Goretzka selbst sollen die Berichte nerven. Die Lösung: eine Entscheidung muss her. Wichtig ist aber auch weiterhin auf dem Platz. Doch gegen Wolfsburg musste Goretzka wie schon in Wiesbaden passen. Muskuläre Probleme ließen einen Einsatz nicht zu. Wann Goretzka auf den Platz zurückkehrt ist offen. Auch wenn der 22-Jährige das nicht gerne hören will, so stoppen ihn immer wieder muskuläre Probleme – mal größere, mal kleinere. Warum, wieso wird er besser wissen als alle anderen. Vielleicht aber ein Umstand, der andere Vereine abschreckt. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass Goretzka langfristig auf Schalke bleibt. Leon, wir warten!

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Harit (83. Konoplyanka), Bentaleb (77. McKennie) – di Santo (75. Reese), Burgstaller
WOB: Casteels – Verhaegh, Brooks, Uduokhai, Tisserand (66. Didavi) – Guilavogui (77. Origi), Arnold – Blaszczkowski (82. Dimata), Malli, Gerhardt – Gomez
Tore: 1:0 Bentaleb (43. FE), 1:1 Origi (90.+3)
Zuschauer: 60.429

SV Wehen Wiesbaden – S04 1:3 (0:2)

 

Pokalhürde beim Drittligisten souverän gemeistert! Der FC Schalke 04 hat sich mit 3:1 beim SV Wehen Wiesbaden durchgesetzt und ist damit ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Mit einem Doppelschlag innerhalb von 04 Minuten brachten Franco di Santo (26.) und Guido Burgstaller (30.) die Königsblauen auf die Siegesstraße. Nach dem Seitenwechsel fiel die endgültige Entscheidung nach einem Eigentor von Alf Mintzel (54.) zum 3:0, wobei man da durchaus ein Foul von Burgstaller hätte pfeifen können. Die Gastgeber aus Wiesbaden zeigten eine engagierte Leistung, ließen sich niemals hängen und wurden mit dem Anschlusstreffer zum 1:3 durch David Blacha (76.) belohnt. Am Ende setzte sich aber der individuell besser besetzte Bundesligist verdient durch.

 

Dreierpack zum Spiel                         

 

Rotation: Schalke-Trainer Domenico Tedesco hatte vor der Partie personelle Veränderungen angekündigt. Letztendlich nahm der 32-Jährige aber nur drei Änderung in der Startelf vor, allesamt im Mittelfeld. Coke durfte erstmals in dieser Saison von Beginn an ran und übernahm den Posten auf der rechten Seite von Daniel Caligiuri. Dem Spanier merkte man die fehlende Spielpraxis an. Es fehlte an Spritzigkeit und Timing in den Zweikämpfen. Auch wenn er beim Gegentor gegen Blacha zu spät kam, machte Coke seine Sache dennoch ordentlich. Eine Bewerbung für einen Stammplatz sieht aber anders aus. Der scheint für Nabil Bentaleb auch erstmal in weite Ferne gerückt zu sein. Der Algerier übernahm den Part von Leon Goretzka (pausierte wegen muskulärer Probleme) und zeigte eine gute Vorstellung, auch wenn er immer wieder mal einen Fehlpass im Repertoire hat. Allerdings musste der Algerier nach knapp einer Stunde mit Rückenproblemen raus. Wie schwerwiegend die Verletzung ist wird sich erst noch zeigen. Einen unauffälligen Abend bei seiner Rückkehr in die Startelf hatte Yevhen Konoplyanka. Der Ukrainer spielte für Amine Harit, konnte aber kaum Akzente setzen. Keine Änderungen nahm Tedesco indessen in der Dreierkette und bei den Stürmern vor.  

 

Erfolgreiches Sturm-Duo: Allein beim Jubeln konnte man erkennen, für welchen Stürmer das Tor eine Erlösung war und für wen es „buisness as usual“ war. Doch der Reihe nach. Es lief die 26. Spielminute als Bastian Oczipka eine scharfe Flanke in den Fünfmeterraum schlug. Perfekt getimt, köpfte di Santo die Kugel ins Tor. Kurz darauf sank er auf die Knie und zeigte gen Himmel. Was eine Erlösung für den Argentinier. Nach 598 Tagen hat der 28-jährige Angreifer wieder ein Törchen erzielt. Nur vier Tage musste Burgstaller auf seinen nächsten Treffer warten. Im Gegensatz zu di Santo verzog der Österreicher beim Jubel keine Miene, als wenn es total normal wäre. Und so abgezockt vollstreckte er auch. Nach einem Zuspiel von Oczipka, vernaschte er Sören Reddemann im Strafraum und chippte die Kugel lässig an Keeper Markus Kolke vorbei ins Tor. Bleibt zu hoffen, dass Burgi seinen 1-Wochen-Tor-Rhythmus beibehält und di Santo nicht wieder 600 Tage warten muss.

 

Embolo: In der 86. Minute bekam der eingewechselte Breel Embolo den Ball hinter der Mittellinie in den Fuß gespielt und hatte nur noch Mockenhaupt vor sich. Eigentlich eine ideale Eins-gegen-Eins-Situation, um mit Tempo an den Abwehrspieler vorbei zu gehen. Embolo versuchte es auch, aber ohne Erfolg. Im Antritt kam der Schweizer an Wiesbadens Abwehrmann, der den langen Pokal-Fight schon in den Beine hatte, nicht vorbei. Natürlich muss man diese eine Szene nicht überbewerten, aber sie zeigt, dass Embolo noch weit entfernt von seiner Top-Form ist. Man sollte keine Wunderdinge vom 20-Jährigen erwarten und ihm Zeit geben. Man sagt nicht umsonst, dass man nach einer Verletzung in etwa solange Zeit benötigt, um wieder sein altes Niveau zu erreichen, solange man ausgefallen ist. Bei Embolo war es knapp ein Jahr. Hinzu kommt, dass auch niemand außer Embolo und die S04-Verantwortlichen wissen, wie es mit seinem Sprunggelenk nach seinem Totalschaden aussieht. Ist es zu 100 Prozent wieder hergestellt oder wird er immer wieder Probleme damit haben? Nicht ohne Grund stand Embolo gegen Mainz nicht im Kader. Ob es nur am Fitnesszustand lag oder zum Schutz des Spielers galt, sei mal dahingestellt. Es bleibt nur zu hoffen, dass Embolo wieder der Alte wird und sich Schritt für Schritt an sein altes Niveau heran tastet.

 

SVWW: Kolke – Kuhn (70. Blacha), Mockenhaupt, Reddemann, Mintzel – Andrist, Andrich, Mrowca, Diawusie (58. Breitkreuz) – Schäffler, Mvibudulu
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Coke, Meyer (65. Schöpf), Oczipka – Bentaleb (57. McKennie), Konoplyanka – di Santo, Burgstaller (73. Embolo)
Tore: 1:0 di Santo (26.), 2:0 Burgstaller (30.), 3:0 Mintzel (54., ET), 3:1 Blacha (76.)
Zuschauer: 11.373

S04 – 1. FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

 

Heimsieg! Zu Null! Der FC Schalke 04 hat gegen den 1. FSV Mainz 05 die Oberhand mit 2:0 behalten. Leon Goretzka (13.) und Guido Burgstaller (74.) ließen die Königsblauen jubeln. Ein hochverdienter Dreier der Knappen. Nach der frühen Führung verpassten es die Schalker zwar schnell nachzulegen, gerieten aber dank der konzentrierten Defensivarbeit gegen harmlose Mainzer so gut wie nie in Bedrängnis. Am Ende stand der zweite Zu-Null-Sieg in Folge.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Tedescos Handschrift: Schalke-Coach Domenico Tedesco verzichtete auf personelle Wechsel und vertraut derselben Startelf, die in Berlin begonnen hatte. Burgstaller und Franco di Santo bildeten erneut das Sturmduo im 3-3-2-2. Angeführt von den beiden Angreifern machte Schalke Jagd auf die Kugel, um schnell in Ballbesitz zu kommen. „Ich habe selten eine Schalke-Mannschaft gesehen, die so aggressiv gespielt hat“, kommentierte der 05er-Abwehrspieler Stefan Bell nach der Partie. Eindeutig die Handschrift des neuen S04-Coaches. Durch die intensive Arbeit der Offensivspieler gewinnt auch die Defensive immer mehr an Stabilität und Souveränität. Die Folge: in den letzten beiden Partien verbuchten die Gegner insgesamt nur zwei Torchancen. Leider machen die Knappen noch zu wenig aus ihren Ballgewinnen. Zu oft werden noch falsche Entscheidungen im Umschaltspiel nach vorne getroffen. Aber auch das muss sich erst entwickeln.

 

Interessantes Dreieck: Sowohl beim 2:0 in Berlin als auch beim 2:0 gegen Mainz setzte Tedesco auf drei Youngster in der Zentrale. Meyer, Goretzka und Amine Harit bilden im Mittelfeld ein interessantes Dreieck, das in den beiden Spielen sehr gut funktionierte. Max Meyer agierte als alleiniger Sechser und überzeugte erneut. Neben seiner starken Laufleistung mit 12,3 Kilometer (Top-Wert der Partie) stopfte Schalkes Nummer 7 Löcher, war aggressiv im Duell Mann gegen Mann und sicher im Spielaufbau. Zudem hielt er Harit und Goretzka den Rücken frei, was vor allem Schalkes Nummer 8 sinnvoll nutzte. Wie so oft ging Goretzka den langen Weg mit Tempo in die Spitze. Burgstaller bediente den stürmenden Nationalspieler mustergültig und Goretzka lupfte die Kugel cool über 05-Keeper Rene Adler zum 1:0 ins Netz. Toller Spielzug, geniales Tor. Der Dritte im Bunde verfügt über die nötige Schnelligkeit und sorgt mit seinen Dribblings für Überzahlsituationen. Auch wenn Harit es manchmal übertreibt ist der 20-Jährige eine Belebung im Spiel der Schalker. Es scheint so, als ob sich da ein Trio gefunden hat, dass von seiner Veranlagung her unterschiedlicher nicht hätte sein können, aber als Gesamtwerk hervorragend zueinander passt. Jetzt gilt es, das Zusammenspiel weiter zu verfeinern und diese Leistungen konstant abzurufen.

 

Verwaltungsmodus: Schalke kontrollierte das Spiel und hatte mehr Ballbesitz als die Rheinhessen. Allerdings verwaltete der S04 lange Zeit nur die Führung und hielt die Mainzer so im Spiel. Eigentlich ein Vabanque-Spiel, das man gerade als gebranntes Schalke-Kind kritisch beäugt. Und fast hätte Yoshinori Muto die Schalker kurz nach der Pause kalt erwischt. Doch der Japaner scheiterte an Ralf Fährmann (47.). Danach gingen die Knappen wieder konzentrierter zu Werke und schalteten nach einer Stunde noch einen Gang höher. Nach einer Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka köpfte Thilo Kehrer die Kugel an den rechten Pfosten (67.). Besser machte es etwas später Burgstaller. Der Österreicher staubte in bester Stürmermanier zum 2:0 (74.) ab, nachdem Adler zuvor noch den Kopfball von Naldo pariert hatte. 120 Sekunden später hätte Yevhen Konoplyanka beinahe auf 3:0 erhöht. Nachdem der Ukrainer Bell den Ball stibitzte, schoss Kono jedoch knapp rechts vorbei (76.). Auf der Gegenseite hätte es Kenan Kodro fast noch einmal spannend machen können. Doch sein Kopfball aus fünf Metern ging rechts vorbei (81.). Das war es dann. Bis auf die beiden Chancen von Muto und Kodro war die S04-Defensive erneut sehr konzentriert und kompromisslos.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Goretzka, Harit (89. Coke) – Burgstaller (84. Reese), di Santo (68. Konoplyanka)
M05: Adler – Donati (70. Maxim), Balogun (79. Kodro), Bell, Diallo, Brosinski – Gbamin, Latza – Öztunali, De Blasis (62. Fischer) - Muto
Tore: 1:0 Goretzka (13.), 2:0 Burgstaller (74.)
Zuschauer: 59.476

Hertha BSC - S04 0:2 (0:0)

 

Drei Punkte in der Hauptstadt. Der FC Schalke 04 hat sich verdient mit 2:0 bei Hertha BSC Berlin durchgesetzt. Leon Goretzka per Foulelfmeter (54.) und Guido Burgstaller (78.) schossen den königsblauen Sieg heraus. Spielentscheidend war die Rote Karte von Genki Haraguchi kurz vor der Pause (44.). Etwas übermotiviert säbelte der Japaner an der Mittellinie Burgstaller um. Schiedsrichter Benjamin Brand zögerte keine Sekunde und stellte Haraguchi vom Feld. Bis dahin war es eine zähe Partie mit Vorteilen für die Knappen, die die harmlosen Berliner im Griff hatten, aber auch keine Torgefährlichkeit ausstrahlten. So verbuchten die Statistiker für beide Teams nur jeweils einen Torschuss in den ersten 45 Minuten – Minusrekord in der aktuellen Bundesliga-Saison. Auch in der 2. Halbzeit kontrollierte Schalke mit einem Mann mehr die Partie. Prunkstück war die Defensive, die überhaupt nichts anbrennen ließ. In der Offensive lief es zwar nicht wesentlich besser. Wenigstens kam dann der Elfmeter zum richtigen Zeit und die Kugel zappelte mit etwas Glück, da Hertha-Keeper Rune Jarstein mit den Fingerspitzen dran war, im Netz.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Personal-Rotation: Durch die Ausfälle von Matija Nastasic, Weston McKennie, Pablo Insua sowie dem Trainingsrückstand von Nabil Bentaleb war S04-Trainer Domenico Tedesco gezwungen, seine Startelf zu umzubauen. Und der 32-Jährige nahm nicht nur personelle Änderungen vor, sondern optimierte auch das System. Anstatt im 3-4-3 agierten die Schalker im Olympiastadion im 3-3-2-2. Im Mittelfeld setzte Tedesco dabei auf das Dreieck Max Meyer, Goretzka und Amine Harit, wobei Meyer den Part als alleinige Nummer Sechs übernahm. Wie schon in Hoffenheim überzeugte Schalkes Nummer 7 mit Zweikampfstärke und hielt Goretzka und Harit den Rücken frei. Es scheint so, als wenn Meyer seine neue Aufgabe annimmt und sich damit auch in Zukunft anfreunden kann. Zudem probierte es Tedesco mit der Doppelspitze Burgstaller / di Santo. Zum einen setzte er dabei auf zwei „Laufschweine“, die die ganze Zeit Jagd auf Herthas Abwehrspieler machen sollten, zum anderen erhoffte er sich dadurch auch eine Belebung der Offensive mit zwei echten Stürmern. Der Plan ging nur teilweise auf. Die Abteilung Attacke blieb auch in Berlin über weite Strecke ein laues Lüftchen. Wer weiß, wie viele Torschüsse (13 in 90 Minuten) es geworden wären, wenn Schalke nicht in Überzahl gespielt hätte. Oftmals wirkte es zu umständlich, was vor allem das Sturm-Duo fabrizierte. Es dauerte schlichtweg zu lange, bis sie zum Abschluss kamen. Anderseits bekamen sie auch kaum brauchbare Bälle. Die wenigen Flanken von Bastian Oczipka und Daniel Caliguiri waren einfach schlecht. Immerhin ging Tedescos Plan beim 2:0 auf. Burgstaller blieb zäh und spitzelte Karim Rekik den Ball vom Fuß. Naldo schaltete blitzschnell und spielte die Kugel direkt in die Tiefe auf den Österreicher. Burgstaller umspielte Jarstein und schob zum 2:0 ein.

 

Hege zu Tedesco: Schalkes Offensive läuft auch unter Tedesco alles andere wie geschmiert. Zehn Tore in acht Spielen sind nicht gerade furchterregend. Sieben von zehn Treffern fielen dabei aus Standardsituationen. Damit erzielten die Knappen gerade einmal drei Törchen aus dem Spiel heraus, was die Harmlosigkeit der königsblauen Offensive unterstreicht. Warum bekommt es auch Tedesco nicht hin, die S04-Offensive ins Laufen zu bringen? Doch die Diskussion will Hege erst gar nicht führen. „Ich finde, Tedesco macht einen guten Job. Muss er auch, denn die Mannschaft hat nicht gerade viel Potential“, meinte der ehemalige Spielmacher und Trainer von Horst 08 und legte nach: „Heidel hat für mich jetzt den richtigen Trainer geholt. Dazu scheint er die Finanzen und Gehälter gut im Griff zu haben. Jetzt nach und nach Einkäufe a la Harit und ich bin guter Hoffnung, dass es mittelfristig wieder was wird. Aber das braucht auch einfach Zeit und Geduld.“ Bleibt nur die Frage, ob das Duo Heidel und Tedesco in Ruhe weiter arbeiten können. Siege wie in Berlin helfen dabei.

 

Starke Defensive: Offensiv ist noch Sand im Schalker Getriebe. Da muss Tedesco noch tüfteln, wie es mit dem Spielermaterial besser läuft. Da ist die S04-Defensive schon einen deutlichen Schritt weiter. Schalke steht insgesamt gesehen stabil, hatte lediglich Phasen im Spiel, wo sie unsortiert standen. Doch was die Mannschaft defensiv in Berlin leistete, war schon außergewöhnlich. Trotz personellen Ausfällen ließ S04 bei heimstarken Herthaner nicht eine echte Torchance zu. Das wird nicht vielen Teams in Berlin gelingen. Wie die Elf als Mannschaft verteidigte, war schon herausragend. Selbst möglich Kontersituationen erstickten sie bereits im Keim. Ein Verdienst von Tedesco, was das Fundament für die nächsten „offensiven“ Schritte ist.

 

BSC: Jarstein – Pekarik, Stark, Rekik, Plattenhardt – Skjelbred, Darida – Weiser (64. Lazaro), Duda (46. Leckie), Haraguchi – Kalou (46. Selke)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer (87. Schöpf), Oczipka – Goretzka, Harit (67. Konoplyanka) – di Santo, Burgstaller (81. Reese)
Rote Karte: Haraguchi (44., Foul an Burgstaller)
Tore: 0:1 Goretzka (54., FE, Darida an Harit), 0:2 Burgstaller (78.)
Zuschauer: 50.590

S04 - Bayer Leverkusen 1:1 (1:0)

 

Kein Sieger im Duell der Möchtegern-Champions-League-Teilnehmer. Der FC Schalke 04 und Bayer 04 Leverkusen trennten sich in der Veltins-Arena 1:1. Die Königsblauen gingen durch einen tollen Freistoß-Treffer von Leon Goretzka vor der Pause mit 1:0 in Führung (34.). Nach dem Seitenwechsel vergab Goretzka ein dickes Ding zum 2:0 (54.). Kurz darauf glich Leon Bailey zum 1:1 (61.) aus. Unterm Strich ging das Remis in Ordnung, verdeutlichte aber, dass beide Mannschaften, wie schon in der letzten Saison, ihren eigenen Ambitionen hinterher rennen und im Mittelmaß der Liga stecken bleiben. Oder ist es einfach die neue (bittere) Realität?!?

 

Dreierpack zum Spiel

 

Traumtor und Fehlschuss: Es etwas mehr als eine halbe Stunde gespielt. Da lag der Ball. Freistoß für S04. 23 Meter vor dem Bayer-Tor, halbrechte Position. Vier Meter dahinter, einige Schalker in einer Diskussionsrunde. Dabei ist doch klar, dass Naldo drauf zimmern wird, oder? Falsch gedacht. Goretzka übernahm und zirkelte die Kugel rechts an der Mauer vorbei in die Maschen! Was ein geiles Ding, die Arena explodierte. Aus dem Nichts ging Schalke mit 1:0 in Führung. Was ein feines Füßchen von Goretzka, der der Held des Spiels werden konnte. Denn nach dem Seitenwechsel hatte der 22-Jährige das 2:0 auf dem Fuß. Nach einer Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka legte Naldo per Brust auf, doch Goretzka knallte die Kugel völlig unbedrängt aus sechs Meter über den Kasten. Schalkes Nummer 8 raufte sich die Haare und gab nach dem Spiel zu Protokoll: „Den hätte meine Oma gemacht.“ Kurz darauf glichen die Leverkusener durch einen von Matija Nastasic abgefälschten Schuss von Bailey zum 1:1 aus. So schnell geht es manchmal im Fußball.

 

Wir brauchen Tore: Sieben Spiele, acht Tore, davon nur zwei aus dem Spiel heraus. Immerhin sechs Treffer aus Standardsituationen. Okay, in der Bundesliga gibt es wahrhaftig noch neun Teams, die weniger Tore erzielt haben als die Knappen. Allerdings ist das nur ein schwacher Trost. Schalkes Offensive ist nicht mehr als ein laues Lüftchen. Tore zu schießen, scheint für Schalke wie eine Qual zu sein. Erspielten sich die Königsblauen in Hoffenheim wenigstens noch einige Torchancen, waren diese gegen Leverkusen Mangelware. Nach vorne ging nicht viel. Selbst wenn es zu Ballgewinnen an der Mittellinie oder in der gegnerischen Hälfte kam, wussten die Schalker damit wenig anzufangen. Es wird zu oft zu kompliziert gespielt bzw. es wird zu oft die falsche Entscheidung getroffen. So verlebte Leverkusens Keeper Bernd Leno einen ruhigen Abend, während Ralf Fährmann drei oder vier Mal in höchster Not retten musste. Bleibt Schalkes Abteilung Attacke weiterhin ein laues Lüftchen, wird die Realität weiter Bundesliga-Mittelmaß heißen. Jetzt alles auf die Karte Breel Embolo zu setzen, wäre zudem falsch. Glücklicherweise feierte der Schweizer nach einem Jahr sein Startelf-Comeback, was nach Aussagen von Manager Christian Heidel keineswegs selbstverständlich war, da ihm sogar die Sport-Invalidität (Totalschaden im Sprunggelenk inkl. Wadenbeinbruch) drohte. Doch man hat auch gesehen, dass der 20-Jährige noch einen weiten Weg vor sich hat. Deswegen braucht der Schweizer Zeit, um wieder in Schwung zu kommen und nicht den Druck, um für Schalke direkt 25 Tore zu schießen. Doch ob ihm die Zeit gegeben wird, ist bei einer Ablöse von über 20 Millionen Euro fraglich.

 

Video-Beweis: Und wieder sorgt der Video-Beweis in der Veltins-Arena für Kopfschütteln. Im Duell zwischen Guido Burgstaller und Jonathan Tah ging der Schalker im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiter spielen. Im Anschluss kam es an der Seitenlinie nach einem Zweikampf zwischen Kai Havertz und Oczipka zu einer Rudelbildung. Hektik, Handgreiflichkeiten, die Arena tobte. Plötzlich: Video-Beweis! Warum? War es doch Elfmeter an Burgstaller? Oder wegen der Rudelbildung? Deswegen doch nicht, oder? Genau das ist ein Problem des Video-Beweises. Die Zuschauer im Stadion wissen nicht Bescheid, warum das technische Hilfswerk zum Einsatz kommt. Alle Blicke gingen Richtung Winkmann. Doch der Schiedsrichter trabte nach zwei Minuten zur Außenlinie in Höhe der Mittellinie. Was macht der Schiri da? Die Antwort: Er schaute sich die Szene selber im Fernsehen an. Doch welche? Elfmeter? Rudelbildung? Und warum konnte der Video-Assistent Dr. Jochen Drees nicht in Köln selber entscheiden? Es folgte die Entscheidung: Gelb für Oczipka. Wahrscheinlich für das Foul? Eine Aufklärung gab es nicht. Das war es dann. Vier Minuten rumgeeiere für eine gelbe Karte? Ein Witz!

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Goretzka, McKennie (90. Meyer), Oczipka – Harit, Embolo (54. Burgstaller), Konoplyanka (84. di Santo)
B04: Leno – Retsos, Tah, S. Bender, Wendell – L. Bender, Aranguiz (46. Havertz) – Ballarabi (46. Bailey), Brandt (82. Kohr) – Volland, Alario
Tore: 1:0 Goretzka (34.), 1:1 Bailey (61.)
Zuschauer: 61.515

1899 Hoffenheim – S04 2:0 (1:0)

 

Unnötige Auswärtsniederlage im Kraichgau. Der FC Schalke 04 hat bei der TSG 1899 Hoffenheim mit 0:2 den Kürzeren gezogen. Dennis Geiger (13.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor (welch eine Überraschung, dass der Gegner Schalke hieß) und Lukas Rupp (90+3.) erzielten die Treffer für die Hausherren. Die Knappen haben die ersten 25 Minuten verschlafen. Sie hatten keinen Zugriff auf den Gegner, ließen ihm zu viele Freiräume und gerieten in Rückstand. Nach einer knappen halben Stunde übernahmen die Königsblauen dann das Kommando und waren das bessere Team – insgesamt 57 Prozent Ballbesitz. Vor allem fußballerisch war es im Vergleich zu den bisherigen Auftritten unter Domenico Tedesco ein Schritt nach vorne. Endlich wussten die Schalker etwas mit dem Ball im Offensivspiel anzufangen und spielten sich Chancen heraus. Besonders Amine Harit und Yevhen Konoplyanka konnten in Eins-gegen-Eins-Situationen überzeugen. Allerdings konnte der S04 keine der hochkarätigen Möglichkeiten nutzen, so dass Rupp in der Nachspielzeit (Fährmann kommt einen Schritt zu spät) den Deckel für Hoffenheim drauf machte.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Chancenauswertung: „Uns fehlte der Killerinstinkt“, brachte es Max Meyer nach dem Spiel auf den Punkt. Wer sich so viele Chancen heraus spielt und keine davon nutzt, muss sich am Ende nicht beklagen, mit leeren Händen zurück nach Gelsenkirchen zu fahren. Allein Konoplyanka vergab drei dicke Dinger. In bester Arjen-Robben-Manier zog der Ukrainer von links in die Mitte und visierte mit rechts das lange Eck an. Zwei Mal zischte die Kugel knapp rechts am Pfosten vorbei. Bei seiner besten Chance scheiterte Konoplyanka, nach guter Vorarbeit von Meyer, aus fünf Meter am Querbalken. Aber auch seine Kollegen machten es nicht besser. Guido Burgstaller verzog einmal aus 13 Metern und ballerte die Kugel aus fünf Metern daneben. Tragisch sind mittlerweile die Auftritte von Franco di Santo. Dem Argentinier kann man mangelnden Einsatz nicht vorwerfen, aber als Stürmer ist er leider die Harmlosigkeit in Person. Zudem war auffällig, dass die Schalker bei ihren Schüssen so gut wie nie das Tor trafen. Wie man überlegt und präzise auf das Tor schießt, zeigte Geiger. Mit einem Flachschuss aus 20 Metern traf der 19-Jährige unhaltbar ins linke Eck. Das ist auch eine Qualität, die den Unterschied ausmacht. Neu ist das Problem aber unter Tedesco nicht. Bereits in der Vorbereitung hatten die Knappen in den Tests kaum mehr als ein Tor geschossen. In der Bundesliga blieb der S04 in drei von sechs Spielen torlos.

 

Personelle Änderungen: Gefühlt bot Tedesco im Mittelfeld sein letztes Aufgebot auf. Mit Nabil Bentaleb und Bastian Oczipka standen zwei Spieler für das Mittelfeld nicht zur Verfügung. Für Leon Goretzka blieb nur der Platz auf der Bank. Demzufolge musste der S04-Coach in Hoffenheim ein neues Vierer-Mittelfeld aufbieten und entschied sich für Thilo Kehrer, Meyer, Weston McKennie und Daniel Caligiuri. Das neuformierte Quartett kam nur behäbig ins Spiel. 1899 hatte viel zu viel Raum, was Geiger eiskalt ausnutzte. Nach einer halben Stunde der Findungsphase wurde es besser, auch wenn die TSG nach dem Seitenwechsel einige Konterchancen hatte, was aber bei einem Rückstand auch nicht überraschend ist. Dennoch machte vor allem die neuformierte Doppel-6 ihre Sache ordentlich. McKennie macht dabei einfach nur Spaß, mehr muss man zum 19-jährigen US-Boy nicht sagen. Er soll sich weiter so entwickeln. Auch wenn der Einsatz von Meyer ein Risiko war, überzeugte der 22-Jährige endlich mal positiv. Meyer leitete nicht nur einige Angriff ein, sondern holte auch zu einer Grätsche aus. Zwar kassierte er dafür die Gelbe Karte, setzte aber ein Zeichen. Trotzdem bleibt festzuhalten: zu wenig Alternativen mit qualitativen Defiziten, vor allem auf den …

 

Außenpositionen: Oczipka ist auf links konkurrenzlos, Kehrer nur eine Notlösung. Der 21-Jährige machte seine Sache nicht schlecht, aber ihm fehlen die offensiven Waffen. Dazu ein linker Fuß, um in bestimmten Situationen einfach mal zu flanken. Ähnlich sieht es derzeit auf rechts aus. Caliguiri ist konkurrenzlos, da Alessandro Schöpf verletzungsbedingt weiterhin nicht zur Verfügung steht. Warum Coke überhaupt keine Option ist, verwundert schon. So viel schlechter kann der Spanier eigentlich gar nicht sein. Auf den Außenpositionen ist Schalke nur durchschnittlich besetzt und hat zudem keine Alternativen, um den Konkurrenzkampf zu schüren.

 

1899: Baumann – Kaderabek, Nordtveit, Hübner, Zuber (73. Schulz) – Vogt – Amiri (29. Rupp), Geiger, Kramaric – Uth, Gnabry (54. Wagner)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie (74. Goretzka), Meyer (78. Embolo), Kehrer – Harit, di Santo (55. Burgstaller), Konoplyanka
Tore: 1:0 Geiger (13.), 2:0 Rupp (90+3.)
Zuschauer: 30.150

S04 – FC Bayern München 0:3 (0:2)

 

Leck die Ziege, das sind so Spiele, die einen frustrieren. Den Willen kann man dem FC Schalke 04 im Heimspiel gegen den FC Bayern München nicht absprechen. Da aber die Qualität an zu vielen Ecken und Enden fehlt, mussten die Knappen eine 0:3-Heimpleite einstecken. Bis zum Doppelschlag durch Robert Lewandowsi (25., Handelfmeter nach Videobeweis) und James (29.) kann man den Königsblauen nicht viel vorwerfen. Sie waren aggressiv in den Zweikämpfen und verteidigten mutig. Sie erzielten sogar ein Tor durch Bastian Oczipka, welches aber wegen Abseits nicht gegeben wurde. Fast im Gegenzug gingen die Gäste in Führung und legten schnell nach. Danach war die Partie quasi entschieden. Die Müchener ließen Ball und Gegner laufen und dominierten das Geschehen. Schalke versucht zwar alles, hatte aber nicht die Mittel, um den Gegner dauerhaft unter Druck zu setzen. Mehr als Nadelstiche gab es nicht. Vielleicht wäre noch etwas gegangen, wenn Guido Burgstaller den Anschlusstreffer erzielt hätte. Doch der Österreicher scheiterte frei vor FCB-Keeper Sven Ulreich (66.). Endgültig durch war die Partie nach Arturo Vidals 3:0 (77.). Ernüchternd und frustrierend.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Videobeweis: Nach dem 5. Spieltag habe ich schon die Schnauze voll vom Videobeweis. Dabei geht es noch nicht einmal um die technischen Unterstützungen an sich, sondern an der Umsetzung des Ganzen. Hier scheint es zu viel Spielraum zu geben. Der Videobeweis soll für mehr „Gerechtigkeit“ sorgen und „Fehlentscheidungen“ vermeiden. Doch stattdessen gibt es Diskussionen. Der Handelfmeter auf Schalke ist das beste Beispiel. Aus meiner Sicht hat Schiedsrichter Marco Fritz das Handspiel von Naldo gesehen, es aber nicht als absichtliches gewertet, da der Ball vom Fuß an die Hand ging, und auf Ecke entschieden. Doch der Video-Assistent hatte eine andere Meinung und überstimmte die Entscheidung des Referees. Die Folge: Elfmeter. Beim Schalker Auswärtsspiel in Hannover gab es exakt dieselbe Situation. Dort wehrte Salif Sané die Flanke aus kurzer Distanz ebenfalls mit der Hand ab. Der Schiedsrichter wertete die Aktion ebenfalls nicht als absichtliches Handspiel und entschied auf Eckball. Doch in der AWD-Arena schritt der Video-Assistent nicht ein. Warum gab es in Hannover keinen Elfmeter? (Worüber sich ja auch keiner aufgeregt hat, weil es ja zweifelsohne nicht absichtlich war). Warum gab es dagegen aber auf Schalke einen Strafstoß? Ist das gerecht? Ist das eine einheitliche Vorgehensweise? Nein! Wenn das weiterhin der Fall sein sollte, sollte man lieber auf diese „Hilfe“ verzichten.

 

Nicht in Bestbesetzung: Jetzt müssen wir uns nichts vormachen. Der S04 hat nicht wegen des Videobeweises verloren. Die Münchener waren eine Nummer zu groß. Die Königsblauen haben nicht die Qualität im Kader, um den Bayern paroli zu bieten. Diese Erkenntnis ist jetzt auch nicht gerade neu. Meine (vielleicht auch gewagte und provozierende) These ist, dass Schalke nicht mehr als ernstzunehmender Konkurrent angesehen wird. Woran ich das festmache? An der Aufstellung der Bayern. Eigentlich liefen die Bayern in den letzten Jahren fast immer in Bestbesetzung auf. Darauf verzichtete Carlo Ancelotti bewusst. Unfreiwillig musste der FCB-Coach zwar ohne Arjen Robben (Grippe) und Manuel Neuer (Mittelfußbruch) auskommen. Doch freiwillig ließ der Italiener Thiago, Arturo Vidal, Franck Ribery, Jerome Boateng und Mats Hummels auf der Bank. Das Quintett wird gegen die Schwarz-Gelben, gegen Leipzig oder Paris St. Germain bestimmt nicht geschont. Ein weiteres Indiz war die Auswechslung und damit die Schonung von Lewandowski nach 65 Minuten (!) – beim Stand von 2:0. Zu guter Letzt war da der Auftritt von James über 90 Minuten. Vor dem Spiel hatte man aus München gehört, dass der 26-Jährige nach seiner Verletzung noch nicht fit ist. Für Schalke hat es gereicht. Der Kolumbianer holte den Elfer heraus, erzielte das 2:0 selbst und bereitete das 3:0 mit einem Lupfer-Pass auf Vidal genial vor. Die Knappen haben nicht enttäuscht, aber in der Wahrnehmung werden sie mittlerweile anders eingestuft.

 

Spielaufbau: Die Diskussionen rund um das 0:1 waren schon ärgerlich. Doch viel schlimmer war der Treffer zum 0:2, weil es wieder einmal ein Ballverlust im Spielaufbau war, der zum Gegentor führte. Schalke hatte einen Einwurf. Bentaleb vertändelte die Kugel gegen Thomas Müller tief in der eigenen Hälfte - verheerend. Danach ging es schnell. Über Lewandowski und Coretin Tolisso landete das Leder bei James, der eiskalt zum 2:0 vollstreckte. Das Defizit im Schalker Spielaufbau war nicht nur in dieser Szene eklatant. Es zog sich sowohl während der Partie sowie der bisherigen Saison wie ein roter Faden durchs blau-weiße Spiel – Hannover lässt grüßen. Riskante sowie ungenaue Pässe machen da die Runde. Hinzu kommt, dass dem Ballführenden zu wenig Anspielstationen zur Verfügung stehen, um hinten raus zu spielen. Wie es geht, zeigten die Bayern. Schalke presste in einigen Situationen gar nicht mal so schlecht. Aber Doppelpässe mit einem Kontakt sind halt Mittel, um sich ausbrenzligen Situationen zu befreien. Das ist aber leider auch eine Frage der Qualität. Und die ist bei Bayerns B-Elf immer noch besser als bei Schalkes Bestbesetzung.

 

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie (57. Embolo), Bentaleb, Oczipka – Goretzka, Burgstaller (78. di Santo), Harit (46. Konoplyanka)
FCB: Ulreich – Kimmich, Martinez (76. Hummels), Süle, Rafinha – Rudy, Tolisso (69. Vidal) – James, Müller, Coman – Lewandowski (65. Thiago)
Tore: 0:1 Lewandowski (25., Handelfmeter), 0:2 James (29.), 0:3 Vidal (77.)
Zuschauer: 62.271

Werder Bremen – S04 1:2 (1:1)

 

Auswärtssieg! Der FC Schalke 04 hat sich beim SV Werder Bremen mit 2:1 durchgesetzt. Dabei sind die Norddeutschen durch Lamine Sané in Führung (20.) gegangen. Allerdings konnten die Königsblauen schnell ausgleichen und profitierten von einem Eigentor von Milos Veljkovic (22.). Den Dreier machten die Knappen kurz vor Schluss perfekt. Leon Goretzka reagierte reflexartig und staubte zum 2:1 (83.) ab. Insgesamt ein glücklicher Sieg der Schalker. Kämpferisch hielten sie bei ungemütlichem Wetter mit Wind und Regen gut dagegen. Zu Beginn des Spiels pressten Gelsenkirchener sogar am gegnerischen Strafraum. Im Laufe der ersten Halbzeit funktionierte das Pressing nicht mehr, da immer mehr 2. Bälle verloren gingen, so dass Bremen etwas Oberwasser bekam. Nach der Pause zogen sich die Knappen etwas mehr zurück, gewannen aber deutlich mehr 2. Bälle. Dadurch konnten sie Werder besser vom eigenen Tor fernhalten und kamen besser in die gegnerische Hälfte. Allerdings war es dann spielerisch schwere Kost. Schalke versäumte es, aus ihren guten Ausgangslagen etwas Gefährliches zu kreieren. Da fehlte die zündende Idee oder der letzte Pass, um zum Abschluss zu kommen. So blieb der S04 aus dem Spiel heraus harmlos. Weder Amine Harit noch Yevhen Konoplyanka konnten Tempo aufnehmen. Guido Burgstaller rieb sich in vorderster Front an Sané auf. In der Zentrale tat sich Leon Goretzka schwer, weil ihm auch die Unterstützung durch Benjamin Stambouli fehlte. Das wurde erst nach der Pause mit Nabil Bentaleb (für Stambouli) besser. Goretzka riss Löcher, wenn er mit dem Ball am Fuß Geschwindigkeit aufnahm. Doch daraus entstanden letztlich auch kaum gefährliche Aktionen. Den Willen konnte man ihnen aber nicht absprechen. Auch Trainer Domenico Tedesco versuchte alles und brachte mit Franco di Santo und Breel Embolo, der nach fast einem Jahr sein Comeback in der Bundesliga gab, frische Kräfte für den Angriff. Die Belohnung folgte nach einer Ecke.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Eckenfestival: Alle Tore im Weserstadion fielen nach einer Ecke. Und alle drei Treffer hatten etwas Kurioses an sich. Den Anfang machten die Grün-Weißen. Nach einer Ecke von Florian Kainz köpfte Ludwig Augustinsson die Kugel am ersten Pfosten per Bogenlampe an den zweiten Pfosten. Alle Schalker schauten der Flugbahn des Balles hinterher, es fehlte nur noch Popcorn. Den Abpraller hätte Daniel Caligiuri klären können. Er trat aber über die Kugel, so dass Sané das Leder aus zehn Metern in die Maschen zimmerte. Die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten. Wobei man sagen muss, dass die Schalker sich erneut auf das Zuschauen (und Popcorn essen) beschränkten. Nach einer Ecke köpfte Thilo Kehrer den Ball Richtung Fünfmeterraum. Weiter und breit war dort allerdings kein Spieler im weißen Schalker Trikot (was wahrscheinlich auch gut so war :-) Dafür wollten Veljkovic per Kopf und Sané per Fallrückzieher klären. Der Serbe sah wohl im Augenwinkel, den Fuß seines Kollegen anrauschen und zog etwas zurück. Doch es war zu spät. Veljkovic köpfte die Kugel ins eigene Netz und bekam den Schlappen von Sané auf die Rübe. Neben dem 1:1 gab es noch Kopfschmerzen. Die gab es dann für die gesamte Werder-Mannschaft sieben Minuten vor Schluss. Wieder stand eine Ecke für Schalke auf dem Programm. Caligiuri brachte den Ball an den ersten Pfosten, wo Matija Nastasic köpften wollte, aber das Leder nicht traf. Der Ball ging an Freund und Feind vorbei und senkte sich mittig am Fünfmeterraum. Reflexartig hielt Goretzka seinen linken Schlappen hin und das Runde kullerte ins Eckige – 2:1 Schalke. Auswärtssieg.

 

Typsich, Schalke: Selbstverständlich ist es so, dass Gegentore immer unnötig sind. Doch bei Schalke schaut man sich irgendwie an und sagt: „Typisch, Schalke“. In gewissen Situationen wirkt die Mannschaft schlichtweg schlafmützig. So auch in Bremen. Das Momentum sprach eigentlich für die Knappen. Kurz zuvor musste Max Kruse verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Kehrer hatte gegrätscht, traf den Ball, aber auch Kruse. Der 29-Jährige fiel unglücklich und brach sich die Schulter. Gute Besserung, Max! Bremens bester Offensivspieler musste ausgewechselt werden. Ein Schock für Werder. Doch keine zwei Minuten später gingen die Hausherren in Führung, weil Schalke nicht wach war. Da fragt man sich schon, wer da gerade in Schockstarre war. Zum Glück für die Knappen, dass fast im Anschluss der Ausgleich fiel. Und wahrscheinlich wird der ein oder andere Werderaner in dieser Situationen ebenfalls gedacht haben: „Typisch, Werder.“

 

Alles Ansichtssache: Für die einen ist das Glas halbleer. „Da kannst besser 08 als Schalke gucken“, moserte Helle während des Spiels, da fußballerisch recht wenig bei den Knappen zusammen lief. Unrecht hat er ja nicht, da Horst 08 gerade mit der 1. und 2. Mannschaft mit jeweils sechs Siegen in sechs Spielen perfekt in die Saison gestartet ist. Für die anderen ist das Glas dagegen halbvoll. „Jetzt mal den Frust der letzten 20 Jahre weglassen. Ich fand es gut. Guter Kampf bis zum Schluss“, meinte Joe und hatte auch Recht. Endlich haben die Schalker bis zum Schluss dagegen gehalten, was leider nicht immer der Fall ist – siehe Hannover. Allerdings sollte die kämpferische Komponente für den selbsternannten Malocherklub zum Standard gehören und nicht „außergewöhnlich“ sein. Genauso kann man aber auch erwarten, dass die Mannschaft fußballerische Akzente setzt und nicht nur Magerkost. Trotz des abgespeckten Kaders ist genug Qualität vorhanden, um Mannschaften wie Hannover, Stuttgart oder Bremen auch spielerisch vor Problemen zu stellen. Daran hakt es derzeit. Im Spielaufbau quält sich die Mannschaft, die Offensive läuft alles andere als rund. Es erwartet keiner Champagner-Fußballer, aber die ein oder andere Kombination oder rausgespielte Chance möchte man dann doch sehen. Doch egal ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, am Ende zählt das Ergebnis. Da fasste Nobbi am Ende zusammen: „Ob verdient oder unverdient: Für Siege muss man sich nicht entschuldigen!“ 

 

SVW: Pavlenka – Bauer, Sané, Veljkovic – Gebre Selassie (84. Hajrovic), M.Eggestein, Augustinsson, Kainz, Delaney – Kruse (19. Belfodil)
S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Stambouli (46. Bentaleb), Goretzka, Oczipka – Harit (80. Embolo) , Burgstaller, Konoplyanka (61. di Santo)
Tore: 1:0 Sané (20.), 1:1 Veljkovic (22., Eigentor), 1:2 Goretzka (83.)
Zuschauer: 42.100

S04 - VfB Stuttgart 3:1 (1:1)

 

Königsblauer Doppelschlag entscheidet die Partie. Der FC Schalke 04 hat den VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt. Die frühe Schalker Führung durch Nabil Bentaleb (4., per Foulelfmeter durch den Videobeweis) konnten die Schwaben kurz vor der Pause verdient durch Chadrac Akolo (40.) ausgleichen. Doch gegen den Blitzstart der Knappen nach dem Seitenwechsel und dem Doppelpack durch Naldo (47.) und Guido Burgstaller (48.) zum 3:1 hatte der VfB nichts mehr entgegen zu setzen. Die Königsblauen ließen nichts mehr anbrennen und gingen als verdienter Sieger vom Feld.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Systemumstellung: Schalke legte munter los und ging schnell in Führung. Doch nach einer Viertelstunde stellten die Knappen das Fußballspielen ein. Sie verloren jeglichen Zugriff in den Zweikämpfen und rannten den Stuttgartern hinterher. Das Pressing funktionierte nicht. Die Raumaufteilung war schlecht. Konter erstickten bereits in der eigenen Hälfte im Keim. Der VfB bekam immer mehr Oberwasser, ohne gefährlich zu werden. Domenico Tedesco reagierte von der Bank aus und stellte das System um. Während des Spiels wurde von Dreier- auf Viererkette gewechselt. Benjamin Stambouli rückte von der rechten Verteidigerposition auf die Sechs vor. Thilo Kehrer und Bastian Oczipka ließen sich als Rechts- bzw. Linksverteidiger fallen. Doch die Umstellung schien die Spieler mehr zu verwirren als zu helfen. Kurz darauf erzielten die Stuttgarter den Ausgleich. Zum Glück für die Schalker, dass kurz darauf der Pausenpfiff ertönte.

 

Personelle Umstellung: In der Pause reagierte Tedesco erneut. Doch nicht die erneute Rückkehr auf das 3-4-3 brachte den Erfolg, sondern seine personellen Wechsel. Guido Burgstaller ersetzte Max Meyer, Daniel Caligiuri kam für Nabil Bentaleb. Die ganze Mannschaft wirkte sofort aggressiver, ging vorne drauf und zwang den VfB zu Fehlern. So holte Amine Harit einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte heraus. Die Flanke von Bastian Oczipka köpfte Naldo zum 2:1 ein. 82 Sekunden später vollendete Burgstaller nach einem Doppelpass mit Harit zum 3:1. Die Partie war entschieden, weil sich der VfB von diesem Doppelschlag nicht mehr erholte und insgesamt zu harmlos agierte.

 

Mentalität: „Der Unterschied zur ersten Hälfte war, dass wir eine andere Mentalität und Aggressivität hatten“, wurde Tedesco im „kicker“ zitiert. Da sind wir wieder bei einem alten Thema auf Schalke: Mentalität. Sobald die Knappen ein Ergebnis verwalten wollen oder sich zu sicher fühlen, lassen sich nach. Symbolisch stehen dafür die beiden ausgewechselten Spieler zur Pause: Max Meyer und Nabil Bentaleb. Der Algerier wirkte nach der Führung zu leichtsinnig in seinen Aktionen. Es fehlte die Klarheit in seinem Spiel. Bentaleb hat oft genug bewiesen, dass er es auch anders kann, allerdings schleicht sich bei ihm ab und an der Schlendrian ein. Die Auswechslung war nachzuvollziehen. Genauso bei Meyer, über den Nobbi direkt sagte: „Das war es für ihn auf Schalke.“ Der 21-Jährige stand mal wieder in der Startelf. Doch seine Chance wusste er nicht zu nutzen. Da es für Burgstaller und Breel Embolo nur für die Bank reichte und Franco di Santo verletzungsbedingt gar nicht zur Verfügung stand, optimierte Tedesco für Meyer das System. Schalkes Nummer 7 agierte nicht direkt als Sturmspitze, sondern zurückgezogen hinter Harit und Yevhen Konoplyanka, die mehr nach innen einrückten. Doch Meyer blieb blass. Jetzt kann keiner von ihm erwarten, dass er so aggressiv zu Werke geht wie Burgstaller nach seiner Einwechslung beim Pressing. Dafür ist Meyer auch nicht der Typ. Aber spielerisch drückt er dem Spiel auch nicht seinen Stempel auf. Wenn es läuft, spielt er mit und hat seine Aktionen. Wenn es nicht läuft, ist er nicht mehr als ein Mitläufer, der nicht in der Lage ist, das Spiel rumzureißen, weder spielerisch und schon gar nicht durch Zweikampftstärke und Aggressivität. Und einfach nur so seinen Stiefel runterspielen, geht weder bei Meyer noch bei der gesamten Mannschaft.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Kehrer, Goretzka, Bentaleb (46. Caligiuri), Oczipka – Meyer (46. Burgstaller) -  Harit (76. McKennie), Konoplyanka
VfB: Zieler – Pavard, Baumgartl, Kaminski – Beck (77. Asano), Mangala (62. Ascacibar), Gentner, Aogo – Brekalo, Terodde, Akolo (59. Donis)
Tore: 1:0 Bentaleb (4., FE), 1:1 Akolo (40.), 2:1 Naldo (47.), 3:1 Burgstaller (48.)
Zuschauer: 61.098

18 Abgänge verzeichnet der FC Schalke 04

 

Das Personalkarussell am Schalke Markt hat sich in der Sommerpause mächtig gedreht. Durch die verpasste Qualifikation für das internationale Geschäft war die Hauptaufgabe von Christian Heidel den Kader zu verkleinern. Und der Sportvorstand hat eine Radikalkur vorgenommen. 18 Spieler haben den FC Schalke 04 in diesem Sommer ganz oder vorübergehend verlassen. Für den größten Wirbel sorgte der Abgang von Benedikt Höwedes. Der 29-Jährige wurde für ein Jahr an Juventus Turin ausgeliehen. Die Leihgebühr soll 3,5 Millionen Euro betragen. Neben vereinbarten Bonuszahlungen gibt es eine Kaufoption, die bei 13 Millionen Euro liegen soll, falls Höwedes auf 25 Pflichtspiele kommt. Ein Ende nach 16 Jahren auf Schalke, das sich Höwedes so sicherlich nicht gewünscht hat. Über die Art und Weise des Wechsels lässt sich diskutieren, ja gar streiten. Es gibt Pro und Contra für seine Absetzung als Kapitän. Genauso, ob er den Konkurrenzkampf auf Schalke hätte annehmen müssen. Die Aussage Tedescos mit den Reisenden, die man nicht aufhalten soll, war bei einer Identifikationsperson wie Höwedes nicht angebracht. Immerhin hat er sich dafür entschuldigt. In Zeiten der Fußball-Söldner, die für 222 Millionen Euro den Verein wechseln oder schon immer unbedingt in ihrem „Traumland“ China kicken wollten, galt Höwedes als Paradebeispiel der Fußballromantiker, die für Vereinstreue stehen. Aus dieser Sicht ist es unverständlich, warum man so einen verdienten und treuen Spieler nicht mit aller Macht im Verein hält. Betrachtet man die Lage allerdings nur nüchtern aus sportlicher Sicht, kommt man zu dem Schluss, dass Höwedes in den letzten beiden Jahren nicht mehr das Niveau eines unumstrittenen Stammspielers hatte. Was aber durch seine Verletzungen und dem damit verbundenen Fitnesszustand lag. Höwedes muss 100 Prozent fit sein, um seine Leistung abzurufen, das war er nicht. Aber vielleicht wäre er es gerade jetzt geworden, weil er sich auf Schalke ohne die Binde am Arm mehr auf sich selbst hätte konzentrieren können, um sein altes Niveau wieder zu erreichen und erneut zum unumstrittenen Abwehrrecken zu werden? Wir werden es niemals erfahren, sondern lediglich seinen Werdegang in Italien beobachten. Zyniker werden an dieser Stelle sagen: Für Juventus, die die Champions League gewinnen wollen, ist Höwedes gut genug, für Schalke nicht.   

 

Dreierpack zu den Abgängen

 

Verliehen: Neben Höwedes wurden vier weitere Spieler verliehen. In letzter Sekunden entschied sich Johannes Geis ein Angebot vom FC Sevilla anzunehmen. Der Mittelfeldspieler wechselt zunächst für ein Jahr nach Andalusien. Die Leihgebühr soll bei knapp unter einer Million Euro liegen. Dazu soll es eine Kaufoption über neun Millionen Euro geben. Vielleicht wird er der neue Ivan Rakitic. Umstritten auf Schalke zieht es ihn erstmal nach Sevilla, um dann den nächsten Schritt zum FC Barcelona zu gehen. Darüber hinaus wurden einige Youngsters verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Luke Hemmerich schließt sich dem VfL Bochum an. Haji Wright geht für den SV Sandhausen auf Torejagd. Bernard Tekpetey wechselt nach Österreich zum SCR Altach.

 

Vertragsende: Bei zehn Spielern lief der Vertrag auf Schalke zum 30. Juni 2017 aus, beziehungsweise wurde Einvernehmen aufgelöst. Die auslaufende Verträge von Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), Dennis Aogo (VfB Stuttgart), Sascha Riether, Eric-Maxim Choupo-Moting (Stoke City) und Timon Wellenreuther (Willem II Tilburg) wurden nicht verlängert. Dagegen hätte Heidel das Arbeitspapier von Sead Kolasinac gerne verlängert, jedoch entschied sich der bosnische Nationalspieler für einen Wechsel zum FC Arsenal. Darüber hinaus liefen die Leihverträge von Holger Badstuber (VfB Stuttgart) und Abdul Rahman Baba (FC Chelsea) aus. Zudem hat man sich mit Atsuto Uchida und Sidney Sam auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Beide Spieler kicken demnächst in der 2. Liga. Uchida verteidigt für den 1. FC Union Berlin, Sam wird Flügelflitzer beim VfL Bochum.

 

Verkauft: Rund zwei Millionen Euro nehmen die Königsblauen durch Spielerverkäufe ein. Felix Platte schließt sich diesmal endgültig dem SV Darmstadt 98 (ca. eine Millionen Euro) an. Fabian Giefer versucht sein Glück beim FC Augsburg (ca. 750.000 Euro), während Phil Neumann die Defensive des FC Ingolstadt 04 (ca. 250.000 Euro) verstärkt.

Der Kader des FC Schalke 04

 

Neben 18 Abgängen präsentierte der FC Schalke 04 auch NullVier Neuzugänge. Pablo Insua (Deportivo La Coruna), Amine Harit (FC Nantes), Bastian Oczipka (Eintracht Frankfurt) und Michael Langer (IFK Norrköping) tragen ab sofort das königsblaue Trikot. Darüber hinaus wurde Nabil Bentaleb (Tottenham Hotspur) und Yevhen Konoplyanka (FC Sevilla) fest verpflichtet. Zudem stößt Weston McKennie aus der Knappenschmiede zu den Profis. Damit stehen Trainer Domenica Tedesco 19 Feldspieler und drei Torhüter zur Verfügung. Auch ohne internationalen Wettbewerb scheint es ein schmaler Kader zu sein, wo Verletzungen und/oder Sperren für Engpässe sorgen könnten. Hier der Kader des FC Schalke 04:

 

Tor: Ralf Fährmann (Rückennummer: 1), Alexander Nübel (34), Michael Langer (35)

Abwehr: Pablo Insua (3), Matija Nastasic (5),Thilo Kehrer (20), Coke (23), Bastian Oczipka (24), Naldo (29)

Mittelfeld: Weston McKennie (2), Max Meyer (7), Leon Goretzka (8), Nabil Bentaleb (10), Yevhen Konoplyanka (11), Benjamin Stambouli (17), Daniel Caligiuri (18), Amine Harit (25), Alessandro Schöpf (28)

Sturm: Franco di Santo (9), Fabian Reese (16), Guido Burgstaller (19), Breel Embolo (36)

 

Dreierpack plus 1 zu den Neuzugängen

 

Michael Langer: Die Knappen haben mit dem 32-Jährigen ihr Torhüter-Trio komplettiert. Hinter Ralf Fährmann und Alexander Nübel übernimmt der 1,94 Meter große Österreicher die Planstelle der Nummer 3. Langer ist ablösefrei, da sein Vertrag bei IFK Norrköping nach einem Jahr ausgelaufen ist, und erhält einen Vertrag bis 2019. „Wir haben uns für einen Erfahrenen entschieden, weil wir einen dritten Torwart brauchen, der akzeptiert, dass er eher nicht zum Zuge kommen wird, den wir jedoch angesichts seiner Qualität bedenkenlos ins kalte Wasser werfen können, wenn plötzlich mal Not am Mann ist“, erklärt Christian Heidel gegenüber dem „kicker“. Das Fußballspielen im Verein hat Langer beim FC Hard begonnen. 2003 zog es Schalkes neue Nummer 34 weiter zu Viktoria Bregenz, wo er ein Jahr später den Sprung in die Senioren schaffte. 2006 wechselte der Keeper zum VfB Stuttgart. Bei den Schwaben feierte er seinen größten Erfolg. Als Ersatzmann von Timo Hildebrand wurde Langer zum Leidwesen der Königsblauen deutscher Meister. 2008 zog es ihn weiter zum SC Freiburg. Über den FSV Frankfurt (2010 bis 2012), SV Sandhausen (2012 bis 2014), Valarenga Oslo (2014 bis Dezember 2015) und Tampa Bay (Februar bis Juni 2016) landete er in Schweden bei Norrköping.

 

Pablo Insua: Der spanische Innenverteidiger wechselt von Deportivo La Coruna zu den Königsblauen und hat einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Die Ablösesumme soll um die 3,5 Millionen Euro betragen. „Er ist ein taktisch sehr gut geschulter Spieler, handlungsschnell, hat eine gute Antizipation“, freut sich Trainer Domenico Tedesco über den 1,87 Meter großen Abwehrmann, der aber nicht der Schnellste sein soll. In den letzten beiden Spielzeiten wurde der 23-Jährige von La Coruna an CD Leganes ausgeliehen, wo er Heldenstatus erlangte. Den Madrider Vorort-Verein köpfte er am letzten Spieltag der Saison 2015/2016 gegen CD Mirandes zum Aufstieg in die Primera Division. Insua ist in der Nachwuchsabteilung von Depor groß geworden und schaffte dort auch den Sprung ins Profi-Team, bevor es ihn weiter nach Leganes zog. Insgesamt stehen bei ihm 74 Spiele (4 Tore) in der Segunda Division und 49 Partien (1 Tor)  in der Primera Division zu Buche. Bei Spaniens U19-EM-Sieg 2012 stand er im Kader, kam aber nur zu einem Einsatz. Ob Insua bei der Konkurrenz mit Naldo, Benedikt Höwedes, Matija Nastasic und Thilo Kehrer zu vielen Einsatzminuten kommt, erscheint auf den ersten Blick fraglich. Die Chance von Schalkes neuen Nummer 3 liegt vor allem darin, dass er im Spielaufbau überzeugt, einer der großen Baustellen der Knappen in der letzten Saison. Bringt er diese Qualität mit, wird er sich über mangelnde Einsatzzeiten nicht beschweren können.

 

Amine Harit: Am 8. Juli postete Harit auf Instagram ein Bild von sich vor einem Privat-Jet mit den Worten: „Off to Germany“. Einen Tag später bestätigte Tedesco: „Amine ist unser zweiter Neuzugang“. Offiziell wurde der Deal am 10. Juli. Der Franzose mit marokkanischen Wurzeln kommt für ca. zehn Millionen Euro vom FC Nantes und erhält beim S04 einen Vier-Jahres-Vertrag. Tedesco lobt: „Amine ist ein technisch versierter Spieler, der über ein starkes Tempo-Dribbling verfügt und sich zudem defensiv gut einbringt. Er sucht oft mutige Offensivlösungen und kann dadurch den Unterschied ausmachen.“ Gelernt hat Harit seine Fertigkeiten u.a. in der Jugend von Paris St. Germain und Red Star Paris. 2012 wechselte Schalkes 25 ins Jugendinternat von Nantes. Bei den Kanarienvögeln schaffte mit 19 Jahren den Sprung ins Prof-Team und etablierte sich direkt als Stammspieler. Harit absolvierte 30 Spiele, verbuchte aber nur zwei Scorerpunkte (1 Tor, 1 Assist). Für einen offensiven Spieler überschaubar. Diese Quote muss er auf Schalke steigern. Über die Voraussetzungen verfügt der Floh - 67 Kilogramm auf 1,79 Meter verteilt. Die Chancen wird er bekommen. Nach quirligen und schnellen Spielern sehnt man sich auf Schalke. Mit Konoplyanka könnte es eine interessante Konstellation auf den blau-weißen Flügeln geben, die für Highspeed-Fußball sorgen. Harit muss nur auf dem Boden bleiben und den Privat-Jet im Hangar lassen.

 

Bastian Oczipka: Zu Beginn der Vorbereitung stand Schalke ohne einen gelernten Linksverteidiger da. Kolasinac, Baba und Aogo suchte man vergeblich am Schalker Markt. Mit der Verpflichtung von Oczipka hat das ein Ende. Die Knappen verpflichteten den 28-Jährigen für ca. vier Millionen Euro von Eintracht Frankfurt. Dafür bekommen sie einen erfahrenen Spieler, der zu den Leistungsträgern der Frankfurter gehörte. „Bastian ist ein zuverlässiger Linksverteidiger, der die Bundesliga gut kennt. Er besitzt die Fähigkeit, seine Seite als Außenverteidiger defensiv zu schließen und offensiv dennoch für Gefahr zu sorgen“, beschreibt Tedesco Oczipkas Vorzüge, der einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hat. In den letzten fünf Jahren trug er 146 Mal das Adler-Trikot (2 Tore) und entwickelte sich zu einer Konstanten am Main. Seine Fußball-Karriere hatte er als Fünfjähriger beim BW Hand begonnen. 1997 wechselte er zu Bergisch Gladbach, wo Bayer Leverkusen auf ihn aufmerksam wurde. Als Zehnjährige schloss sich Oczipka der Jugendabteilung der Werkself an und schaffte es bis in den Bundesliga-Kader. Den Durchbruch schaffte er dort aber nicht. Der Linksverteidiger ließ sich ausleihen und sammelte in Rostock (2008) und auf St. Pauli (2010) Spielpraxis. 2012 zog es ihn weiter in die Main-Metropole, wo er sich als Bundesliga-Spieler etablierte. Für Schalke scheint es eine solide Lösung zu sein, den der ein oder andere im königsblauen Umfeld auf den ersten Blick unterschätzen wird.

Hannover 96 – S04 1:0 (0:0)

 

Enttäuscht auf ganzer Linie! Der FC Schalke 04 hat bei Hannover 96 mit 0:1 verloren. Jonathas markierte den Treffer des Tages (67.) unter gütiger Mithilfe der Knappen. Thilo Kehrer spielte im Spielaufbau einen katastrophalen Fehlpass quer vor dem eigenen Strafraum. Marvin Bakalorz eroberte die Kugel und legte ab auf Jonathas, der frei vor Fährmann cool blieb. Der brasilianische Stürmer wurde erst drei Tage zuvor für die 96er-Rekordsumme von 8,5 Millionen Euro von Rubin Kasan verpflichtet und netzte direkt fünf Minuten nach seiner Einwechslung ein – gefühlt war das mal wieder „irgendwie typisch Schalke“! Im Duell zweier fußballerisch limitierter Mannschaften ging Hannover als verdienter Sieger hervor. Sie leisteten sich keine Fehler und nutzten selbst einen des Gegners gnadenlos aus.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Ratlosigkeit: Nach dem Heimspielerfolg gegen RB Leipzig war zu vermuten gewesen, dass Schalke mit Selbstvertrauen an die Leine fahren und mit breiter Brust auftreten würde. Doch was die Mannschaft in der AWD-Arena zeigte, war ernüchtern. Die Königsblauen verfielen in alte Muster der letzten Jahren und offenbarten Defizite in allen Belangen. Angeblich war der Plan, Hannover aus der eigenen Hälfte zu locken, um dann die Linie zu überspielen und selber schnell vor das Tor zu kommen. Die Realität sah anders aus. Der Spielaufbau funktionierte überhaupt nicht. Hannover stellte gut zu und sorgte dafür, dass Fährmann gefühlt 50 Mal die Murmel aus seinem Strafraum drosch. Dass hohe Bälle auf Yevhen Konoplyanka und Amine Harit sinnlos sind, versteht sich bei ihrer Körpergröße von selbst. Doch auch di Santo (1. Hälfte) und Guido Burgstaller (2. Hälfte) sahen in Kopfballduellen gegen Salif Sane oder Felipe kein Land. Da Schalke zudem die zweiten Bälle nicht gewann, kamen die Königsblauen selten in die gegnerische Hälfte. Warum die Knappen die Hannoveraner nicht mal selbst in deren Hälfte unter Druck setzten, bleibt ein Geheimnis. Entweder sie sollten nicht oder sie können es einfach nicht. Schafften die Schalker es in den wenigen Fällen doch mal über die Mittellinie, folgte das nächste Problem. Es fehlte an Kreativität. Schalke war schlichtweg zu harmlos in Hannovers Hälfte. Flanke oder Pässe in die Tiefe fanden so gut wie nie einen Abnehmer. Unterm Strich standen zwei gute Chancen auf der Guthabenseite. Vor der Pause säbelte Daniel Caligiuri über einen flachen Rückpass von Bastian Oczipka, nach dem Seitenwechsel ging der Schuss von Konoplyanka nach Oczipka-Flanke knapp rechts vorbei. Mehr kam nicht vom S04. Viel zu wenig und enttäuschend! Oder wie Helle es sagte: „Das ist noch nicht einmal mehr peinlich, das ist einfach ‚es geht nicht‘.“

 

Standardsituationen: Wenn schon aus dem Spiel nicht viel bei rum kommt, bleibt die Hoffnung auf Standards. Doch mittlerweile entpuppt sich das zu einem hoffnungslosen Fall. Ecken und Freistöße sind total ungefährlich. Bestes Beispiel war ein Freistoß aus dem Halbfeld, 30 Meter vor dem Tor. Der eingewechselte Max Meyer drosch die Bogenlampe direkt ins Toraus. Ganz anders Hannover. Auch sie strahlten aus dem Spiel heraus null Torgefährlichkeit aus. Doch bei Standards hatte man stets das Gefühl, dass da was möglich war. Die beste Chance hatte Sane nach einer Ecke per Kopf, doch Fährmann lenkte die Kugel zur Ecke. So sah es lange Zeit nach einem torlosen Remis aus – bis zum Blackout von Kehrer, den 96 eiskalt ausnutzte.

 

Personal: Tedesco setzte auf die Erfolgself des 1. Spieltags. Also wieder mit di Santo als Sturmspitze, obwohl sich Burgstaller fit meldete. Der Argentinier konnte an seiner Leistung der Vorwoche bei weitem nicht anknüpfen, was aber auch an seinen Kollegen lag, die Kick-and-Rush spielten. Di Santo musste zur Pause mit einer starken Schulterprellung raus, doch auch mit Burgstaller wurde es nicht besser. Vor allem Konoplyanka und Harit hingen in der Luft und konnten ihre Schnelligkeit nie ausspielen. Das Thema der Woche war aber Benedikt Höwedes, der dem Verein mitteilte, dass er sich vorstellen könnte, zu Juventus Turin zu wechseln. Jetzt liegt es am S04 und den Italienern sich auf eine Ablösesumme zu einigen. Das erste Angebot, angeblich zwei Millionen Euro Leihgebühr für ein Jahr plus Kaufoption über acht Millionen Euro, lehnten die Knappen ab. Höwedes stand zwar im Kader, saß aber 90 Minuten auf der Bank. Kehrer erhielt aufgrund seiner Leistung gegen Leipzig (zu Recht) den Vorzug. Wie es aber so im Fußball ist, verschuldete ausgerechnet Kehrer das Gegentor. Wie es mit Höwedes weiter geht, wird sich bis zum Ende des Transferfensters am 31. August klären. Die Tendenz: man wird sich trennen.

 

H96: Tschauner – Korb, Sane, Felipe, Ostrzolek – Bakalorz, Anton, Schwegler – Harnik (81. Maier), Füllkrug (62. Jonathas), Klaus (73. Karaman)
S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri (83. Reese), Bentaleb, Goretzka – Harit (73. Harit), di Santo (46. Burgstaller), Konoplyanka
Tor: 1:0 Jonathas (67.)
Zuschauer: 49.000

S04 – RB Leipzig 2:0 (1:0)

 

Traumstart in der Bundesliga. Der FC Schalke 04 ist mit einem 2:0-Erfolg gegen Rasenballsport Leipzig in die neue Saison gestartet. Nabil Bentaleb (44., Foulelfmeter) und Yevhen Konoplyanka (73.) erzielten die Treffer. Damit feierte Neu-Trainer Domenico Tedesco einen Einstand nach Maß. Zwar waren die Gäste von der Spielanlage, dem Spielerischen und die Raumaufteilung beim Pressing besser als die Königsblauen, aber in puncto Leidenschaft, Zweikampfstärke und Aggressivität wussten die Knappen zu überzeugen. So ließ die S04-Defensive die roten Bullen bis zum Strafraum austoben, um dann kompromisslos zu zeigen, dass es von da an kein Durchkommen gab. Demzufolge kam Leipzig erst in der 80. Minute zu seiner ersten und einzigen guten Torchance. Doch Ralf Fährmann entschärfte die Schuss von Naby Keite aus kurzer Distanz. Insgesamt war es kein unverdienter Dreier.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Startaufstellung: Für die größte Überraschung sorgte Tedesco in der Sturmspitze. Dort durfte Franco di Santo ran. Allerdings profitierte der Argentinier vom kurzfristigen Ausfall von Guido Burgstaller (Fußverletzung). Auch für Breel Embolo wäre ein Einsatz zu früh gekommen, obwohl er im Kader stand und einen Tag später auch 90 Minuten in der U23 spielte. Doch di Santo enttäuschte nicht. Wie immer, wenn er fit ist, war dem 28-Jährigen kein Weg zu weit und übte seine Aufgabe als erster Verteidiger hervorragend aus. Was ihm leider immer noch abgeht ist die Torgefahr. Immerhin war di Santo aber einer der Hauptprotagonisten beim 1:0. Schalke konterte und schickte Schalkes Nummer 9 auf Reisen. Im Strafraum stellte sich Gegenspieler Dayot Upamecano ungeschickt an und foulte di Santo. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte auf den Punkt. Bentaleb vollstreckte eiskalt zur Führung. In der Startelf zu erwarten, war dagegen die defensive Dreierreihe mit Thilo Kehrer, Naldo und Matija Nastasic. Für Benedikt Höwedes, der noch nicht bei 100 Prozent ist, blieben nur die 90 Minuten auf der Bank. Enttäuschend für den Ex-Kapitän, der nach dem Spiel von der Nordkurve gefeiert wurde. Jedoch auch nachvollziehbar, da das Trio eine überragende Leistung zeigte. An den drei Türmen war für Leipzig kein Vorbeikommen. Vor der Dreierkette erledigten Daniel Caligiuri, Leon Goretzka, Bentaleb und Bastian Oczipka mit viel Laufarbeit vor allem defensiv stark ihren Job. Für die Ausrufezeichen sorgten derweil die beiden offensiven Außenspieler. Amine Harit und Konoplyanka sorgten mit ihrem Tempo immer wieder für Entlastung. Folgerichtig ging das 2:0 auch auf deren Konto. Harit eroberte tief in der eigenen Hälfte den Ball, vernaschte mit starker Ballbehandlung zwei, drei Gegenspieler und schickte Konoplyanka in die Tiefe. Der Ukrainer startete aus der eigenen Hälfte, blieb eiskalt vor dem Tor und netzte aus 15 Metern zum 2:0 ein. Verdammt noch mal, war das ein geiler Konter, den man so lange nicht mehr in der Donnerhalle gesehen hat.   

 

Grundausrichtung: Schalke agierte in der defensiven Variante des 3-4-3, in dem die beiden offensiven Außen sich hinter der Sturmspitze fallen ließen. Zwar versuchten die Knappen, von Beginn an auch die Leipziger zu pressen, doch dies war nicht von Erfolg geprägt. Leipzig schnürte die Knappen regelrecht in deren eigenen Hälfte ein, die in den ersten 25 Minuten gefühlt kaum über die Mittellinie kamen. Doch gefährlich wurden die Bullen nicht. Schalke hielt physisch dagegen. Kehrer und Oczipka setzten Grätschen an, bei denen nicht nur der Ball auf die Tribüne flog, sondern auch Yussuf Poulsen über den grünen Rasen. Danach machte dem Dänen das Fußballspielen sichtlich keinen Spaß mehr. Nach einer halben Stunde kamen die Schalker auch fußballerisch besser ins Spiel und konterten. Denn sobald Leipzigs Pressing-Netz in der S04-Hälfte nicht zum Erfolg kam und die Blau-Weißen sich in die gegnerischen Hälfte spielten, zeigte sich, dass Rasenballsports Viererkette nicht die Qualität des Mittelfelds und Sturms hat. Dort sind sie verwundbar, was vor allem die beiden Tore zeigten. Die Basis für den S04-Erfolg war aber ohne Zweifel die Defensivarbeit, wo sich jeder Spieler den Arsch aufriss und sich nicht zu schade war, für seinen Mitspieler in die Bresche zu springen. Und so war es am Ende ein Sieg der Maloche.

 

Tedescos Debüt: Mit einem Sieg in der Bundesliga zu starten, ist das Beste was einem neuen Trainer passieren kann. Dazu war es ein Erfolg gegen den aktuellen Vizemeister, der auf Leidenschaft und Wille basierte. Was will man mehr auf Schalke? Nach der Partie konnte man zudem hören, dass Schalkes Matchplan aufging und es taktisch eine Entwicklung gab. Allerdings sollte man auch die Kirche im Dorf lassen oder wie es Tedesco immer wieder sagt: Demut zeigen. Keine Frage, es war ein toller Erfolg und Balsam auf die Schalker Seele. Jedoch sah es nach 25 Minuten noch nicht danach aus. Leipzig war überlegen, Schalkes Pressing funktionierte nicht, was Tedesco in der PK auch zugab: „Wir sind häufiger zu spät gekommen.“  Vom Offensivspiel war nicht viel zu sehen. Positiv war aber, dass Schalke sich darauf einstellte und einen anderen Weg fand, um ins Spiel zu kommen. Dafür war Tedesco verantwortlich. „Trotzdem ist es so, dass wir auch eine gewisse Idee haben, wie wir so etwas verteidigen“, sagte Tedesco. Und Plan B war erfolgreich. Lapidar gesagt, bestand der Plan auf gute Defensivarbeit mit Kampf, Wille und Leidenschaft. Das klappte, weil sich die Knappen keine individuellen Fehler leisteten, was in der Vergangenheit selten der Fall war. Die kommenden Spiele müssen allerdings zeigen, ob Plan A auch funktioniert. Es gab aber noch einen anderen Aspekt, bei dem Tedesco bei den S04-Fans Punkten konnte: seine Auswechslungen! Für den von Krämpfen geplagten di Santo kam Fabian Reese, der den Platz in der Sturmspitze übernahm. Kein Sicherheitswechsel mit einem Defensivmann. Doch nur für 15 Minuten. Dann ersetzte Weston McKennie Harit – erster Gedanken: ein Defensiver für einen Offensivmann kennen wir ja. Doch falsch gedacht. Die Grundausrichtung wurde nicht geändert. Reese ging auf Rechtsaußen und McKennie, der defensive Mittelfeldspieler, übernahm die Position in vorderster Front. Ein überraschender Schachzug, der voll aufging und die Erkenntnis brachte: Auch auf Schalke kann ein Trainer sinnvolle und innovative Wechsel durchführen und nicht nur die 0815-Wechsel in der 83., 86. und 89. Minute.

 

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Goretzka, Bentaleb, Oczipka – Harit (78. McKennie), di Santo (63. Reese), Konoplyanka (89. Meyer)
Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg (46. Forsberg) – Laimer (76. Augustin), Ilsanker – Sabitzer, Keita – Poulsen (75. Bruma), Werner
Tore: 1:0 Bentaleb (44., FE), 2:0 Konoplyanka (73.)
Zuschauer: 61.435

Horster Kurve hat abgestimmt

 

In einer Umfrage bei den Mitgliedern der Horster Kurve wurde gefragt: Welche Platzierung erreicht der FC Schalke 04 am Ende der Saison 2017 / 2018?

 

20 Kurvis haben mitgemacht und wie folgt abgestimmt:

45 Prozent der Mitglieder der Horster Kurve sind der Meinung, dass sich die Königsblauen am Ende der kommenden Spielzeit für die Europa League qualifizieren und unter Neu-Trainer Domenico Tedesco auf Rang fünf oder sechs landen.

 

Etwas optimistischer sind 04 Kurvis, die der Mannschaft vom Schalker Markt zutrauen, die Qualifikation für die Champions League zu schaffen und am Ende zwischen Rang zwei und vier einzulaufen.

 

Dagegen sind 25 Prozent nicht so optimistisch und glauben nicht an eine Rückkehr ins internationale Geschäft. Sie sehen die Königsblauen im oberen Mittelfeld zwischen Platz sieben und zehn.

 

Ein Kurven-Duo glaubt derweil an den großen Coup. Blömme und Jörg träumen von der deutschen Meisterschaft. "Wir machen die Leicester-City-Nummer", zwinkert Blömme.

BFC Dynamo – S04 0:2 (0:0)

 

Schalke 04 müht sich in die nächste Runde im DFB-Pokal. Beim BFC Dynamo haben sich die Knappen mit 2:0 durchgesetzt. Yevhen Konoplyanka erzielte beim Viertligisten in Berlin einen Doppelpack. Wie in den Testspielen setzte Tedesco auch im ersten Pflichtspiel auf eine 3-4-3-Grundformation. Große Überraschungen in der Startelf gab es nicht. Weston McKennie übernahm den Part im zentralen Mittelfeld von Leon Goretzka, der nach seinem leichten Muskelfaserriss zunächst auf der Bank saß, und erhielt damit den Vorzug vor Johannes Geis. Für Verwunderung sorgten aber doch noch zwei Personalien. Franco di Santo stand im Kader und wurde sogar direkt zur 2. Hälfte eingewechselt. Dagegen fehlte Coke auf dem Spielberichtsbogen, obwohl der Spanier fit war. Erst gar nicht nach Berlin reisten Breel Embolo, Alessandro Schöpft, Benedikt Höwedes (alle Trainingsrückstand) und Naldo (Zerrung).

 

Dreierpack zum Spiel

 

Neuer Kapitän: Bei der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel in Berlin teilte S04-Coach Domenico Tedesco mit, dass Ralf Fährmann ab sofort der neue Kapitän des FC Schalke 04 ist und damit Benedikt Höwedes nach sechs Jahren beerbt. Tedesco wolle die anderen Spieler, die sich hinter dem deutschen Weltmeister verstecken, mehr in die Verantwortung nehmen. Höwedes zeigte sich enttäuscht und erklärte in einer selbst veröffentlichen Meldung in den sozialen Medien, dass er diese Meinung nicht teilt, er aber weiterhin alles für den Verein geben wird. Das Echo auf diese Entscheidung war natürlich gewaltig, die Reaktionen vielfältig. Von Skandal bis absolut richtig war alles dabei. Es hängt alles von der Sicht des Betrachters ab. Fakt ist, dass Höwedes unbestritten den Verein lebt und mit Leib und Seele Schalke verkörpert. Allerdings muss man festhalten, dass er sportlich nicht mehr vollends überzeugen konnte. Seine Defizite im Spielaufbau sind bekannt, aber es gesellten sich individuelle Fehler hinzu, die zu Gegentore führten. Das Problem: durch Verletzungen wirkte Schalkes Nummer 4 seit zwei Jahren nie hundertprozentig fit. Und gerade so ein Spieler wie Höwedes lebt von seiner Fitness, um technische Mängel zu kaschieren. Deswegen scheint die Entscheidung von Tedesco nachvollziehbar zu sein, damit sich Höwedes wieder auf sich selbst konzentrieren kann. Ob darüber hinaus mannschaftsinterne Dinge vorgefallen sind, wird gegebenenfalls die Zukunft zeigen. Doch wer letztlich die Kapitänsbinde am Oberarm trägt, sollte in auf dem grünen Rasen egal sein. Da sind sowieso alle elf Mann auf dem Feld gefragt, und dass war eins der großen Defizite der letzten Saison.

 

1. Halbzeit: Schalke fand schnell in die Partie und übernahm das Kommando. Konoplyanka und Guido Burgstaller verpassten aber die schnelle Führung. Nach der guten Anfangsviertelstunde ließen die Knappen allerdings nach beziehungsweise legten die Berliner ihre Nervosität ab und kamen besser ins Spiel. Ein Dilemma, das man auch in der letzten Saison immer wieder beobachten konnte. Schalke scheint alles im Griff zu haben und lässt die Zügel schleifen. Offensiv brachte der S04 nicht mehr viel zu Stande, viel schlimmer noch, in der Defensive leisteten sich die Spieler Nachlässigkeiten. Nach einem Querschläger von Benjamin Stambouli als letzter Mann scheiterte Matthias Steinbron mit seinem Schuss an Fährmann. Dank des neuen S04-Kapitäns ging es torlos in die Kabine.

 

2. Halbzeit: Tedesco nahm zur Pause zwei Veränderung vor. Zum einen tauschten Thilo Kehrer (von der Mitte nach rechts) und Stambouli in der Dreierkette ihre Positionen, zum anderen ersetzte di Santo den blassen Amine Harit. Doch die erste Chance nach dem Pausentee hatte Dynamo. Nach einer Freistoß-Flanke von Ugurtan Cepni lenkte Fährmann einen Kopfball von David Kamm Al-Azzawe stark über die Latte. Danach übernahm aber wieder Schalke das Kommando und hatte mehrmals die Führung auf den Fuß. Aber Konoplyanka drosch die Kugel knapp drüber, Goretzka traf nur die Latte und Di Santos Schuss entschärfte BFC-Keeper Bernhard Hendl. Als die Berliner die Partie dann wieder erneut verschleppten, schlugen die Königsblauen zu. Goretzka schickte Konoplyanka auf die Reise, der seinen Gegenspieler Al-Azzawe tunnelte und mit einem Flachschuss aus 16 Metern zum 1:0 vollendete. Der BFC konnte nix mehr entgegensetzen und kassierte in der Nachspielzeit noch das 0:2. Diesmal bediente Max Meyer Konoplyanka mustergültig und der Ukrainer traf aus 15 Metern. Damit wurde die Pokal-Hürde in der Hauptstadt letztlich souverän genommen.

 

BFC Dynamo: Hendl – Rausch, Kamm Al-Azzawe, Adomah, Cepni – Steinborn, Schulz (63. Lambach), Cubukcu, Breustedt (86. Joshua Silva) – Dadashov, Okronkwo (70. Brand)
S04: Fährmann – Stambouli, Kehrer, Nastasic – Caligiuri, McKennie (55. Goretzka), Bentaleb, Oczipka – Harit (46. di Santo), Burgstaller (71. Meyer), Konoplyanka
Tore: 1:0 Konoplyanka (78.), 2:0 Konoplyanka (90.+1)
Zuschauer: 14.117

Crystal Palace – S04 1:1 (0:1)

 

Im letzten Testspiel vor dem Pflichtspielbeginn ist Schalke 04 zu einem 1:1-Remis bei Crystal Palace gekommen. Nach Anlaufschwierigkeiten bekamen die Knappen die Partie nach zehn Minuten besser in den Griff. Chancen waren auf beiden Seiten aber Mangelware. Kurz vor der Pause gingen die Knappen nach einer kurz ausgeführten Ecke in Führung. Pablo Insua erzielte nach einer Flanke von Bastian Oczipka das 1:0. Die 800 mitgereisten S04-Fans jubelten. Nach dem Seitenwechsel wurde Schalke gefährlicher, verpasste aber die Führung auszubauen. Naldos Kopfball nach Freistoßflanke von Oczipka, der auf seiner linken Seite einige Probleme mit Andros Townsend hatte, ging knapp vorbei. Dafür fiel der Treffer auf der Gegenseite. Nach einem Fehler von Ralf Fährmann staubte Christian Benteke zum 1:1 ab. Danach war es erneut ein Spiel auf Augenhöhe ohne nennenswerte Torchancen. Erst kurz vor Schluss hatte Benteke den Siegtreffer für die Londoner auf dem Fuß, scheiterte aber an Fährmann. Letztendlich aber ein leistungsgerechtes Unentschieden. Dabei agierte Schalke erneut im 3-4-3, was wohl die Grundformation für den Saisonstart sein wird. Allerdings musste Tedesco im Selhurst Park kurzfristig auf Yevhen Konoplyanka (Probleme mit dem Visum) und Matija Nastasic (Magen-Darm) verzichten. Dafür stand etwas überraschend Fabian Reese in der Startelf, zudem gab Goretzka sein Comeback nach seinem Muskelfaserriss. Dagegen gab der Kader in London einen Hinweis darauf, wer in Zukunft eventuell nicht mehr das blau-weiße Trikot tragen wird. Franco di Santo, Bernard Tekpetey, Luke Hemmerich und Atsuto Uchida machten die Reise erst gar nicht mit. Dagegen wurden Breel Embolo und Alessandro Schöpf noch geschont. Auffällig war erneut, dass die Defensive über weite Strecken sicher stand, die Offensive sich weiterhin schwer tut.

 

Crystal: Speroni – Milivojevic, Dann, Riedewald (81. Tomkins) – Townsend (70. Ward), Puncheon, Loftus-Cheek, van Aanholt – Zaham Benteke, Eyenka Lokilo (79. Lee)
S04: Fährmann – Stambouli (60. Goretzka), Naldo (60. Geis), Insua (46. Höwedes) – Caligiuri, Kehrer, Bentaleb, Oczipka (60.) – Reese (46. McKennie), Burgstaller, Harit (60. Meyer)
Tore: 0:1 Insua (43.), 1:1 Benteke (62.)

S04 - SD Eibar 1:0 (0:0)

 

Schalke hat auch sein zweites Testspiel während des Trainingslagers in Österreich mit 1:0 gewonnen. Gegen den spanischen Erstligisten aus Eibar entschied im Waldstadion in Mittersill Eigentor von Jose Angel die Partie zugunsten der Knappen. Und das gehört in die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“. Amine Harit presste Angel. Unter Druck wollte der spanische Außenverteidiger zu Torwart Riesgo spielen. Dieser stand aber weiter vor seinem Gehäuse als Angel angenommen hatte. Und so flog die Kugel über den Keeper ins Tor der Basken. Mehr Treffer gab es nicht zu bestaunen, da beide Abwehrreihen kompakt standen und kaum Torchancen zuließen. In der S04-Startelf standen dabei die drei U21-Europameister, die sich für 45 Minuten erstmals dem neuen Trainer präsentieren konnten. Im bereits bekannten 3-4-3 besetzte Felix Platte das Sturmzentrum, Meyer agierte auf Linksaußen und Kehrer spielte im defensiven Mittelfeld. Wie zuvor auch, wechselte Domenico Tedesco im Laufe der 2. Halbzeit komplett durch. Wie vor der Vorbereitung angekündigt, gibt der S04-Coach jedem Spieler im Kader Einsatzzeiten, um sich zu zeigen. Die ersten Erkenntnisse nach den Testspielen gegen Paderborn (1:0), Besiktas (3:2), Inter Mailand (1:1), Baku (1:0) und Eibar sind, dass Schalke defensiv stabil agiert, nach vorne aber noch Luft nach oben hat. Im letzten Vorbereitungsspiel am 5. August bei Crystal Palace sollte es den letzten Fingerzeig in Richtung Startelf geben. Meine Prognose: Fährmann – Stambouli, Naldo Nastasisc – Coke (defensive Variante) oder Caligiuri (offensive Variante), McKennie, Oczipka – Konoplyanka, Burgstaller, Harit

 

S04: Fährmann (63. Nübel) – Stambouli (63. Höwedes), Naldo (63. Insua), Nastasic (71. Hemmerich) – Caligiuri (63. Coke), Bentaleb (46. McKennie), Kehrer (63. Geis), Oczipka (63. Tekpetey) – Burgstaller (46. Harit), Platte (46. Reese), Meyer (46. Konoplyanka)
Eibar: Riesgo (71. Areitio) – Isasa, Ramis (88. Galvez), Oliveira, Angel – Pena, Rivera, Garcia, Bebe – Charles, Enrich (53. Capa)
Tor: 1:0 Angel (67., ET)
Zuschauer: 2 500

S04 – Neftchi Baku 1:0 (1:0)

 

Im ersten Testspiel während des königsblauen Trainingslagers in Österreich hat Schalke gegen Baku mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages bei der Wasserschlacht in Neukirchen erzielte Bernard Tekpetey, der erst kurz vor Anpfiff für den am Rücken verletzten Yevhen Konoplyanka in die Startelf rutschte, auf Vorarbeit von Fabian Reese. Die Knappen waren insgesamt die spielbestimmende Mannschaft. Allerdings war ein gepflegter Fußball bei den Witterungsbedingungen und dem tiefen, mit Pfützen übersäten Grün nicht möglich. Besonders erfreulich waren die Comebacks von Breel Embolo (nach neun Monaten Pause) und Benedikt Höwedes (nach Leisten-OP). Auch gegen den achtmaligen Meister aus Aserbaidschan setzte S04-Coach Tedesco erneut auf eine 3-4-3-Formation. Und wie auch schon in den Testspielen zuvor wechselte er zur Pause munter durch. Mit Beginn des Trainingslagers begann auch für ein S04-Quartett Vorbereitung auf die neue Saison. Die Partie gegen Baku kam aber für den Confed-Cup-Sieger Leon Goretzka, der sich allerdings im ersten Training direkt einen Muskelfaserriss zuzog und eine Woche pausieren muss, sowie die U21-Europameister Max Meyer, Felix Platte und Thilo Kehrer noch zu früh. Dagegen gehören Sidney Sam, Donis Avdijaj und Haji Wright (U23) nicht mehr zum Kader der königsblauen Reisegruppe.

 

S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Nastasic – Coke, Geis, Bentaleb, Oczipka – Reese, di Santo, Tekpetey
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua (67. Höwedes), Stambouli, Uchida – Harit, Hemmerich, McKennie, Caligiuri – Reese (62. Embolo), Burgstaller, Tekpetey
Baku: Agayev – Mirzabekov (62. Rahman), Dreksa (70. Mammadov), Petrov, Abishov – Isayev (70. Edson), Jahangirov – Jafarov (46. Muradbayli), Segovia (46. Bargas), Aleskerov (70. Buludov) – Herrera (70. Abbasov)   
Tor: 1:0 Tekpetey (27.)
Zuschauer: 1 000

Inter Mailand – S04 1:1 (0:0)

 

Im 2. Testspiel der China-Reise in Changzhou haben sich Schalke und Inter 1:1 getrennt. Nach einer Stunde gingen die Knappen in Führung. Tekpetey zog von Linksaußen in die Mitte und spielte rechts raus auf Caligiuri. Der 29-Jährige zog in den Strafraum, ließ einen Mailänder stehen und drosch die Kugel mit links in die Maschen. Keine Viertelstunde später antworteten die Italiener mit einem sehenswerten Distanzschuss von Murillo zum 1:1. Dabei war Nübel chancenlos. Ansonsten wusste der junge S04-Keeper aber zu überzeugen. Tedesco wechselte wieder munter durch, vertraute aber durchweg auf seine Grundformation im 3-4-3. Bei den klimatischen Gegebenheiten mit hoher Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad gibt es durchaus angenehmeres als 90 Minuten auf dem grünen Rasen zu verbringen. Da fragt man sich schon, warum Spieler freiwillig ins Reich der Mitte wechseln – aber der Yen steht gerade hoch im Kurs.

 

Inter: Handanovic – D’Ambrosio (69. Murillo), Skriniar (79. Valietti), Miranda (69. Ranocchia), Nagatomo – Gagliardini (69. Pinamonti), Kondogbia (46. Borja Valero) – Candreva (46. Joao Mario), Brozovic (69. Biabiany), Perisic (46. Barbosa) – Eder (46. Jovetic)
S04: Nübel – Stambouli, Naldo, Nastasic (74. Insua) – Caligiuri (64. Hemmerich), McKennie (46. Geis), Bentaleb, Oczipka (46. Tekpetey) – Konoplyanka (74. Coke), Burgstaller (64. Wright / 82. Avdijaj), Harit (46. Reese)
Tore: 0:1 Caligiuri (60.), 1:1 Murillo (73.)
Zuschauer: 20.000

 

Besiktas Istanbul – S04 2:3 (0:1)

 

Im ersten Test auf der Asienreise hat Schalke in Zhuhai den türkischen Meister mit 3:2 besiegt. Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit verlief die erste Halbzeit schleppend. Das Highlight setzte McKennie mit einem Zuckerpass in die Tiefe auf Harit, der vor dem Tor eiskalt zum 1:0 verwandelte. Zu Beginn der 2. Hälfte wechselte Tedesco neun Mal aus, agierte aber weiterhin im 3-4-3. Und das erfolgreich. Ballgewinn Hemmerich an der Mittellinie. Nach einem Doppelpass mit Avdijaj traf der 19-Jährige mit links zum 2:0. Das 3:0 war eine Kopie des 2. Treffers – Ballgewinn, schnelles Umschalten, Tor. Burgstaller hatte sich die Kugel in der gegnerischen Hälfte erkämpft. Der Österreicher schickte Avdijaj steil, der quer auf Konoplyanka legte. Der Ukrainer schob ins leere Tor ein. Im sicheren Gefühl der 3-Tore-Führung wurden die Knappen (mal wieder) nachlässig und musste noch einmal um den Sieg zittern. Tosun brachte Besiktas per Doppelpack zurück ins Spiel. Nach einer Freistoßflanke vollstreckte der Torjäger blank am 2. Pfosten. Kurz darauf lupfte er den Ball über Fährmann ins Tor hinein, nachdem die Schalker die Kugel im Strafraum nicht klären konnten. Danach fingen sich die Königsblauen und brachten den Sieg konzentriert nach Hause.

 

Besiktas: Zengin (46. Fabri) – Beck, Mitrovic, Tosic (90. Bukari), Adriano (62. Nukan) – Hutchinson (62. Pektemek), Arslan (74. Aksoy) – Babel (74. Özbiliz), Özyakip, Caner - Tosun
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Stambouli, Nastasic – Coke, Geis, McKennie, Caliguiri – di Santo, Wright, Harit
S04 (2. Halbzeit): Fährmann – Stambouli (66. Sam), Naldo, Uchida – Reese, Hemmerich, Bentaleb, Tekpetey – Avdijaj, Burgstaller, Konoplyanka
Tore: 0:1 Harit (42.), 0:2 Hemmerich (57.), 0:3 Konoplyanka (63.), 1:3 Tosun (68.), 2:3 Tosun (75.)
Zuschauer: 6.500

SC Paderborn 07 – S04 0:1 (0:1)

 

Einen Tag vor der Marketing-Reise nach China hat der S04 das Vorbereitungsspiel beim SC Paderborn 07 mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages erzielte Yevhen Konoplyanka nach Vorarbeit von Franco Di Santo. Insgesamt war es ein glücklicher Sieg, da man merkte, dass der 3. Ligist in der Vorbereitung vier Wochen weiter war als die Knappen. Interessant war lediglich die System-Frage. Wie schon in Erkenschwick setzte Tedesco auf ein 3-4-3-System. Vielleicht die neue Grundausrichtung der Knappen. Für Erkenntnisse der neuen Spielphilosophie ist es noch zu früh.

 

Paderborn: Ratajczak (46. Zingerle) – Vucinovic (82. Herzenbruch), Boeder, Strohdiek, Bertels (82. Mauer) – Wimmer (62. Zolinksi), Antwi-Adjej (62. Soyak), Wassey (70. Piossek), Krauße – Srbeny, Michel (70. Geurts)
S04: Fährmann (46. Nübel) – Insua (59. McKennie), Naldo (59. Geis), Nastasic (59. Hemmerich) – Caligiuri (59. Tekpetey), Stambouli (59. Bentaleb), Coke (59. Reese), Uchida – Burgstaller (59. Harit), Di Santo (59. Wright), Konoplyanka (59. Sam)
Tor: 0:1 Konoplyanka (20.)
Zuschauer: 8.017

SpVgg Erkenschwick - S04 1:9 (0:3)

 

Im ersten Testspiel unter Neu-Trainer Domenico Tedesco ist Schalke zu einem 9:1-Erfolg gegen die SpVgg Erkenschwick gekommen. Avdijaj trug sich als erster Torschütze in der Ära Tedesco ein. Konoplyanka erhöhte per Doppelpack bis zur Pause. Nach dem Seitenwechsel überraschte Uchida mit einem Doppelpack. Richtig Feuer fing danach Wright. Der 19-jährige US-Boy traf vier Mal innerhalb von 15 Minuten. Drepper gelang der Ehrentreffer für den Westfalenligisten. Für die Knappen war es ein lockeres Warmlaufen für den Start der Sommer-Vorbereitung.

 

Erkenschwick: Kunz (46. Kröger / 85. Karatas) – Tottmann (64. Drepper), Mandla (84.Schulz), Konarski, Weßendorf (69. Kniza) – Sawatzki (64. Moughli), Bröcker (46. Ilias), Lehmann (59. Hildwein), Avci (46. Filipovic), Hegel (46. Soltane) – Kündig (46. Bamba)
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Stambouli – Coke, Geis, McKennie, Caligiuri – Avdijaj, Di Santo, Konoplyanka
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua, Geis, Hemmerich – Uchida, Stambouli, McKennie, Tekpetey – Konoplyanka (60. Sam), Wright, Reese
Tore: 0:1 Avdijaj (8.), 0:2, 0:3 Konoplyanka (14., 27.), 0:4, 0:5 Uchida (48., 54.), 0:6, 0:7, 0:8, 0:9 Wright (58., 61., 65., 73.), 1:9 Drepper (77.)
Zuschauer: 5.187

Schalkes Sponsoring: Veltins, Umbro & AllyouneedFresh

 

Sportlich war der FC Schalke 04 in der Bundesliga nur Mittelmaß. Doch wirtschaftlich spielen die Knappen weiterhin im nationalen Konzert der Großen mit. Der eingetragene Verein, mit über 140.000 Mitgliedern, erzielte in der letzten Saison einen Umsatz von 265,1 Millionen Euro - Vereinsrekord. Unterm Strich stand ein Gewinn von 29,1 Millionen Euro zu Buche. Die Verbindlichkeiten sanken auf 129,7 Millionen Euro. „Dank der verlässlichen Einnahmenquelle wie der Veltins-Arena, unseren treuen Partnern und Sponsoren sowie Transfererlösen war dieses Ergebnis möglich“, freute sich Finanzvorstand Peter Peters bei der Mitgliederversammlung 2017. Darunter fiel natürlich auch der Rekordtransfer von Leroy Sané für ca. 50 Millionen Euro zu Manchester City. Aber auch die 95 Millionen Euro Umsatzerlöse aus dem Marketing, die der zuständige Vorstand Alexander Jobst jährlich steigert. „Wir haben eine klare Strategie, die wir konsequent umsetzen. Das honorieren unsere Partner, die weiterhin auf uns setzen“, erklärte Jobst auf der MV. Diese Strategie stößt aber nicht immer auf Gegenliebe. Vor allem die Internationalisierung gen USA oder China wird kritisch gesehen. Was will man da? Wo ist die Identifikation oder die Langfristigkeit, die man anstrebt? Als Beispiele gelten Huawei und Hisense, die bereits nach kurzer Zeit ihr Sponsoring wieder eingestellt haben. Weil der Tabellen-Zehnte der Bundesliga nicht mehr attraktiv ist? Weil das Werben für die UEFA oder FIFA lukrativer ist? Im Millarden-Geschäft Fußball dreht sich vieles nur noch um Gewinnmaximierung. Dieser Kommerz geht vielen Fußball-Fans gegen den Strich. Zwar betont Jobst, dass „die Tradition die DNA von Schalke 04 ist, die Seele des Vereins“, um aber auch direkt nachzuschieben: „Aber Tradition allein reicht nicht“. Wollen die Königsblauen weiterhin im Konzert der Großen mitspielen, sind die Märkte in Übersee und/oder Asien unabdingbar. Dann muss sich Schalke dort präsentieren und etablieren. Ein Balanceakt für Jobst zwischen Tradition und Moderne, den die S04-Fans genau beobachten. Doch es gibt auch Deals, über die sich die Anhängerschaft freuen.

 

Dreierpack zum Sponsoring

 

Schluck auf, Veltins: Seit 1997 gibt es die Sponsoring-Ehe zwischen Schalke und Veltins, seit 2005 heißt die Donnerhalle Veltins-Arena. Seit 20 Jahren hält die Partnerschaft und wird noch mindestens ein weiteres Jahrzehnt anhalten. Beide Seite einigten sich auf eine vorzeitige Verlängerung der Namensrechte der Arena bis 2027. „Wir sind stolz, dass wir unsere Partnerschaft fortsetzen. Das unterstreicht die Langfristigkeit und Glaubwürdigkeit unserer Zusammenarbeit, die nicht zuletzt von unseren Fans intensiv gelebt wird“, sagte Jobst über den Deal, der S04 angeblich 6,5 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Doch auch für Veltins ist es ein lukrativer Deal, wie Veltins-Chef Michael Huber launig auf der MV erklärte: „Schalke ist unsere größte Kneipe“, und versprach: „Beim ersten Heimspiel gibt’s eine Runde Freibier.“ Das ist mal ein Wort J

 

Welcome, Umbro: Umbro wird neuer Trikot-Ausrüster auf Schalke. Ab Juli 2018 tragen sowohl das Profi- als auch die Knappenschmiede-Teams die Trikots des britischen Traditionsunternehmens. Damit endet nach 55 Jahren die Sponsoren-Ehe zwischen Adidas und Schalke. Keine große Überraschung, da sich die Trennung in den letzten Monaten abgezeichnet hat. Adidas setzt nur noch auf die Zugpferde der Branche wie Real Madrid, Manchester United, den Bazen oder dem DFB-Team. Zwar gab Adidas ein Angebot ab, das lehnten die Knappen allerdings ab. „In unserer Entscheidungsfindung der letzten Monate lag das Augenmerk auf drei wesentlichen strategischen Punkten: Wertschätzung, Wirtschaftlichkeit und Identität“, erklärte Jobst und stellte klar: „In allen drei Komponenten fiel die Entscheidung eindeutig zugunsten von Umbro.“ Die in den Medien gehandelten sechs Millionen Euro pro Jahr stimmen laut Jobst nicht. Bei Umbro, die u.a. Nürnberg und Everton ausrüsten, sollen die Königsblauen das Zugpferd der Marke werden. „Der FC Schalke 04 und Umbro haben beide eine große Fußballtradition. Wir teilen gemeinsame Ziele und Werte“, freute sich Umbro-Sprecher Michael Scholz über die Zusammenarbeit.

 

AllyouneedFresh: Erstmals dürfen die Bundesligisten ihren Trikotärmel selbst vermarkten. Hier sorgten die Knappen direkt für ein Novum. Für die kommenden vier Jahren und angeblichen 20 bis 22 Millionen Euro wird das Logo von AllyouneedFresh das königsblaue Trikot am Ärmel zieren. AllyouneedFresh, ein Tochter-Unternehmen der Deutschen Post, ist ein Online-Supermarkt, der auch für Amazon ausliefert. Der Clou beim Schalke-Trikot: Im Ärmelbadge ist ein Chip integriert, mit dem man in den Arena-Kiosken sein Veltins oder seine Bratwurst bezahlen kann.  „Wir sind stolz, so eine Weltneuheit zu präsentieren. Dies unterstreicht einmal mehr unsere Position als Innovationsführer der Bundesliga“, strahlte Jobst bei der Präsentation.

Schalkes neuer Trainer: Domenico Tedesco

 

Der Nächste, bitte! Zum dritten Mal in Folge geht der FC Schalke 04 mit einem neuen Trainer in die Saison. Nach Andre Breitenreiter folgte Markus Weinzierl, und jetzt soll Domenico Tedesco das schwankende königsblaue Schiff auf Kurs bringen. Keine leichte Aufgabe für den 31-Jährigen, der sofort liefern muss. „Mit ihm wollen wir zurück ins internationale Geschäft“, meinte Christian Heidel auf der Mitgliederversammlung 2017. Die Ankündigung scheint den Deutsch-Italiener zumindest äußerlich nicht zu belasten. Auf der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung im Medienzentrum der Veltins-Arena wirkte der neue Schalke-Coach zunächst zurückhaltend und verzichtete auf große Ankündigungen: „Es wird keine One-Man-Show, ich gehe mit Demut heran.“ Allerdings betonte er, dass „ich von dem Projekt und der Qualität der Mannschaft überzeugt bin.“ Er ist heiß auf die neue Herausforderung. Das waren aber auch die unzähligen vorherigen Coaches am Schalker Markt. Tedesco muss beweisen, dass seine Vorstellungen vom Fußball die Spieler auf dem grünen Rasen umsetzen können.

 

Dreierpack zum neuen Trainer

 

Der Trainerwechsel: Heidel sah keine Entwicklung und suchte vergeblich nach einer Spielphilosophie in der letzten Saison. „Wir hatten klare taktische Defizite und Probleme gegen tiefstehende Mannschaften“, kritisierte Heidel auf der MV. Da ihn die Pläne von Weinzierl in der Saisonanalyse nicht hatten überzeugen können, vollzog er den Trainerwechsel von Weinzierl zu Tedesco. Doch was muss der neue Trainer anders machen als seine Vorgänger? Fachlich waren alle Trainer der letzten Jahre top geschult. Als Außenstehender hatte man jedoch immer das Gefühl, dass die Kellers, di Matteos, Breitenreiters und Weinzierls ab einem gewissen Zeitpunkt (mal früher, mal später) die Kabine verloren haben, so dass die Spieler nicht mehr das umgesetzt haben, was von ihnen erwartet wurde. Einem Ex-Schalke-Coach hat in der Vergangenheit kein Spieler öffentlich nachgeweint. Die Problematik scheint Heidel erkannt zu haben: „Tedesco ist taktisch sehr versiert, hat hohe soziale Kompetenzen und große Kommunikationsbereitschaft. Domenico ist ein Workoholic.“ Die (angeblichen) Vorzüge Tedescos kann man durchaus als Kritik am Vorgänger verstehen. Vor allem die sozialen Kompetenzen und die Kommunikationsbereitschaften deuten auf Probleme im Umgang mit den Spielern hin. Dort ist Tedesco besonders gefordert.

 

Infos zu Tedesco: Vielleicht bringt Tedesco den Fußball-Gott mit auf Schalke J Immerhin ist er im italienischen Rossano geboren, wo auch die früheren Päpste Johannes VII. (um 700 n. Chr.) und Johannes XVI. (um 1000 n. Chr.) das Licht der Welt erblickten. Lange hielt es ihn nicht in der Provinz Cosenza. Im Alter von zwei Jahren wanderte seine Familie nach Deutschland (Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg) aus. Als aktiver Fußballer dürfte der neue S04-Coach auf Augenhöhe mit vielen S04-Fans sein. Tedesco kickte in der Kreisliga A beim ASV Aichwald. Ebenso weiß er, was es bedeutet, einen „stink“-normalen Job zu haben. Er malochte als Paketpacker und bei einem Zulieferer für Automobil-Teile. Als Berufsausbildung steht in seiner Vita: Groß- und Außenhandelskaufmann. Es folgte ein Studium mit dem BA-Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen mit anschließendem Master in Innovations-Management. Tedesco ist verheiratet und hat eine Tochter (Dezember 2016).

 

Werdegang als Trainer: Seine Trainer-Karriere begann im Juli 2008 beim VfB Stuttgart. Neben seinem Studium assistierte der damals 22-Jährige dem heutigen DFB-Nationalmannschaft Co-Trainer Thomas Schneider. Fünf Jahre später stieg Tedesco zum Co-Trainer der U17 auf, die er im Laufe des Jahres als Chef-Coach übernahm. 2015 zog es ihn weiter in die Jugendabteilung von 1899 Hoffenheim, wo er 2016 die U19 der Kraichgauer übernahm. Am 8. März 2017 folgte der Schritt in den Profibereich. Erzgebirge Aue verpflichtete den Trainer-Youngster. Seine Aufgabe: den Tabellenletzten der 2. Liga  irgendwie vor dem Abstieg zu retten. Und Tedesco startete direkt durch – aus den ersten fünf Spielen holte Wismut 13 Punkte und legte mit diesem Zwischenspurt den Grundstein für den Klassenerhalt, der am letzten Spieltag, trotz einer 0:1-Pleite in Düsseldorf, geschafft wurde. Einen Monat später zog es ihn direkt weiter von den „Schalkern des Ostens“ zu den richtigen Schalkern, wo die nächste „Mammut“-Aufgabe auf ihn wartet.