Patsches Dreierpack 

"Oh nein, nicht schon wieder, dass jemand seinen Senf dazu abgibt", wird jetzt der eine oder andere denken. Das mag sein, aber dennoch müssen manchmal die Gedanken geordnet und die hitzigen Diskussionen zu Papier gebracht werden. Und so versuche ich die 90 Minuten (oder manchmal auch mehr) des FC Schalke 04 auf dem grünen Rasen für mich selber aufzuarbeiten. Somit ist "Patsches Dreierpack" nichts anderes als ein Selbstreinigungsprozess. Denn über Dinge, die einen beschäftigen soll man ja bekanntlich reden bzw. schreiben.

Saison 2016 / 2017

S04 – Neftchi Baku 1:0 (1:0)

 

Im ersten Testspiel während des königsblauen Trainingslagers in Österreich hat Schalke gegen Baku mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages bei der Wasserschlacht in Neukirchen erzielte Bernard Tekpetey, der erst kurz vor Anpfiff für den am Rücken verletzten Yevhen Konoplyanka in die Startelf rutschte, auf Vorarbeit von Fabian Reese. Die Knappen waren insgesamt die spielbestimmende Mannschaft. Allerdings war ein gepflegter Fußball bei den Witterungsbedingungen und dem tiefen, mit Pfützen übersäten Grün nicht möglich. Besonders erfreulich waren die Comebacks von Breel Embolo (nach neun Monaten Pause) und Benedikt Höwedes (nach Leisten-OP). Auch gegen den achtmaligen Meister aus Aserbaidschan setzte S04-Coach Tedesco erneut auf eine 3-4-3-Formation. Und wie auch schon in den Testspielen zuvor wechselte er zur Pause munter durch. Mit Beginn des Trainingslagers begann auch für ein S04-Quartett Vorbereitung auf die neue Saison. Die Partie gegen Baku kam aber für den Confed-Cup-Sieger Leon Goretzka, der sich allerdings im ersten Training direkt einen Muskelfaserriss zuzog und eine Woche pausieren muss, sowie die U21-Europameister Max Meyer, Felix Platte und Thilo Kehrer noch zu früh. Dagegen gehören Sidney Sam, Donis Avdijaj und Haji Wright (U23) nicht mehr zum Kader der königsblauen Reisegruppe.

 

S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Nastasic – Coke, Geis, Bentaleb, Oczipka – Reese, di Santo, Tekpetey
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua (67. Höwedes), Stambouli, Uchida – Harit, Hemmerich, McKennie, Caligiuri – Reese (62. Embolo), Burgstaller, Tekpetey
Baku: Agayev – Mirzabekov (62. Rahman), Dreksa (70. Mammadov), Petrov, Abishov – Isayev (70. Edson), Jahangirov – Jafarov (46. Muradbayli), Segovia (46. Bargas), Aleskerov (70. Buludov) – Herrera (70. Abbasov)   
Tor: 1:0 Tekpetey (27.)
Zuschauer: 1 000

Inter Mailand – S04 1:1 (0:0)

 

Im 2. Testspiel der China-Reise in Changzhou haben sich Schalke und Inter 1:1 getrennt. Nach einer Stunde gingen die Knappen in Führung. Tekpetey zog von Linksaußen in die Mitte und spielte rechts raus auf Caligiuri. Der 29-Jährige zog in den Strafraum, ließ einen Mailänder stehen und drosch die Kugel mit links in die Maschen. Keine Viertelstunde später antworteten die Italiener mit einem sehenswerten Distanzschuss von Murillo zum 1:1. Dabei war Nübel chancenlos. Ansonsten wusste der junge S04-Keeper aber zu überzeugen. Tedesco wechselte wieder munter durch, vertraute aber durchweg auf seine Grundformation im 3-4-3. Bei den klimatischen Gegebenheiten mit hoher Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad gibt es durchaus angenehmeres als 90 Minuten auf dem grünen Rasen zu verbringen. Da fragt man sich schon, warum Spieler freiwillig ins Reich der Mitte wechseln – aber der Yen steht gerade hoch im Kurs.

 

Inter: Handanovic – D’Ambrosio (69. Murillo), Skriniar (79. Valietti), Miranda (69. Ranocchia), Nagatomo – Gagliardini (69. Pinamonti), Kondogbia (46. Borja Valero) – Candreva (46. Joao Mario), Brozovic (69. Biabiany), Perisic (46. Barbosa) – Eder (46. Jovetic)
S04: Nübel – Stambouli, Naldo, Nastasic (74. Insua) – Caligiuri (64. Hemmerich), McKennie (46. Geis), Bentaleb, Oczipka (46. Tekpetey) – Konoplyanka (74. Coke), Burgstaller (64. Wright / 82. Avdijaj), Harit (46. Reese)
Tore: 0:1 Caligiuri (60.), 1:1 Murillo (73.)
Zuschauer: 20.000

 

Besiktas Istanbul – S04 2:3 (0:1)

 

Im ersten Test auf der Asienreise hat Schalke in Zhuhai den türkischen Meister mit 3:2 besiegt. Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit verlief die erste Halbzeit schleppend. Das Highlight setzte McKennie mit einem Zuckerpass in die Tiefe auf Harit, der vor dem Tor eiskalt zum 1:0 verwandelte. Zu Beginn der 2. Hälfte wechselte Tedesco neun Mal aus, agierte aber weiterhin im 3-4-3. Und das erfolgreich. Ballgewinn Hemmerich an der Mittellinie. Nach einem Doppelpass mit Avdijaj traf der 19-Jährige mit links zum 2:0. Das 3:0 war eine Kopie des 2. Treffers – Ballgewinn, schnelles Umschalten, Tor. Burgstaller hatte sich die Kugel in der gegnerischen Hälfte erkämpft. Der Österreicher schickte Avdijaj steil, der quer auf Konoplyanka legte. Der Ukrainer schob ins leere Tor ein. Im sicheren Gefühl der 3-Tore-Führung wurden die Knappen (mal wieder) nachlässig und musste noch einmal um den Sieg zittern. Tosun brachte Besiktas per Doppelpack zurück ins Spiel. Nach einer Freistoßflanke vollstreckte der Torjäger blank am 2. Pfosten. Kurz darauf lupfte er den Ball über Fährmann ins Tor hinein, nachdem die Schalker die Kugel im Strafraum nicht klären konnten. Danach fingen sich die Königsblauen und brachten den Sieg konzentriert nach Hause.

 

Besiktas: Zengin (46. Fabri) – Beck, Mitrovic, Tosic (90. Bukari), Adriano (62. Nukan) – Hutchinson (62. Pektemek), Arslan (74. Aksoy) – Babel (74. Özbiliz), Özyakip, Caner - Tosun
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Stambouli, Nastasic – Coke, Geis, McKennie, Caliguiri – di Santo, Wright, Harit
S04 (2. Halbzeit): Fährmann – Stambouli (66. Sam), Naldo, Uchida – Reese, Hemmerich, Bentaleb, Tekpetey – Avdijaj, Burgstaller, Konoplyanka
Tore: 0:1 Harit (42.), 0:2 Hemmerich (57.), 0:3 Konoplyanka (63.), 1:3 Tosun (68.), 2:3 Tosun (75.)
Zuschauer: 6.500

Insua, Harit und Oczipka - Schalkes Neuzugänge

 

Das Personalkarussell am Schalke Markt dreht sich! Durch die verpasste Qualifikation für das internationale Geschäft war und ist die Hauptaufgabe von Sportvorstand Christian Heidel den Kader zu verkleinern. Die Folge zum Stand 17. Juli 2017: von zehn Spielern trennten sich die Königsblauen. Die auslaufenden Verträge von Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), Dennis Aogo, Sascha Riether, Eric-Maxim Choupo-Moting und Timon Wellenreuther (Willem II Tilburg) wurden nicht verlängert. Dagegen hätte Heidel das Arbeitspapier von Sead Kolasinac gerne verlängert, jedoch entschied sich der bosnische Nationalspieler für einen Wechsel zum FC Arsenal. Auf eine freiwillige Luftveränderung entschieden sich auch Fabian Giefer (FC Augsburg) und Phil Neumann (FC Ingolstadt). Zudem endeten die Leih-Verträge von Holger Badstuber und Abdul Rahman Baba. Während Badstuber nicht mehr zu den Knappen zurückkehren wird, besteht die Möglichkeit, dass Baba nach seinem Totalschaden im Knie noch einmal von Chelsea ausgeliehen wird. Derweil ist die Zukunft von einigen Youngsters im Kader offen. Bernard Tekpetey, Fabian Reese oder Felix Platte sind Kandidaten für ein Leih-Geschäft. Genauso wie die aus der U19 der Knappenschmiede hochgezogenen Weston McKennie, Haji Wright und Luke Hemmerich. Dem gegenüber stehen aber auch die ersten drei externen Neuzugänge.

 

Dreierpack zu den Neuzugängen

 

Pablo Insua: Der spanische Innenverteidiger wechselt von Deportivo La Coruna zu den Königsblauen und hat einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Die Ablösesumme soll um die 3,5 Millionen Euro betragen. „Er ist ein taktisch sehr gut geschulter Spieler, handlungsschnell, hat eine gute Antizipation“, freut sich Trainer Domenico Tedesco über den 1,87 Meter großen Abwehrmann, der aber nicht der Schnellste sein soll. In den letzten beiden Spielzeiten wurde der 23-Jährige von La Coruna an CD Leganes ausgeliehen, wo er Heldenstatus erlangte. Den Madrider Vorort-Verein köpfte er am letzten Spieltag der Saison 2015/2016 gegen CD Mirandes zum Aufstieg in die Primera Division. Insua ist in der Nachwuchsabteilung von Depor groß geworden und schaffte dort auch den Sprung ins Profi-Team, bevor es ihn weiter nach Leganes zog. Insgesamt stehen bei ihm 74 Spiele (4 Tore) in der Segunda Division und 49 Partien (1 Tor)  in der Primera Division zu Buche. Bei Spaniens U19-EM-Sieg 2012 stand er im Kader, kam aber nur zu einem Einsatz. Ob Insua bei der Konkurrenz mit Naldo, Benedikt Höwedes, Matija Nastasic und Thilo Kehrer zu vielen Einsatzminuten kommt, erscheint auf den ersten Blick fraglich. Die Chance von Schalkes neuen Nummer 3 liegt vor allem darin, dass er im Spielaufbau überzeugt, einer der großen Baustellen der Knappen in der letzten Saison. Bringt er diese Qualität mit, wird er sich über mangelnde Einsatzzeiten nicht beschweren können.

 

Amine Harit: Am 8. Juli postete Harit auf Instagram ein Bild von sich vor einem Privat-Jet mit den Worten: „Off to Germany“. Einen Tag später bestätigte Tedesco: „Amine ist unser zweiter Neuzugang“. Offiziell wurde der Deal am 10. Juli. Der Franzose mit marokkanischen Wurzeln kommt für ca. zehn Millionen Euro vom FC Nantes und erhält beim S04 einen Vier-Jahres-Vertrag. Tedesco lobt: „Amine ist ein technisch versierter Spieler, der über ein starkes Tempo-Dribbling verfügt und sich zudem defensiv gut einbringt. Er sucht oft mutige Offensivlösungen und kann dadurch den Unterschied ausmachen.“ Gelernt hat Harit seine Fertigkeiten u.a. in der Jugend von Paris St. Germain und Red Star Paris. 2012 wechselte Schalkes 25 ins Jugendinternat von Nantes. Bei den Kanarienvögeln schaffte mit 19 Jahren den Sprung ins Prof-Team und etablierte sich direkt als Stammspieler. Harit absolvierte 30 Spiele, verbuchte aber nur zwei Scorerpunkte (1 Tor, 1 Assist). Für einen offensiven Spieler überschaubar. Diese Quote muss er auf Schalke steigern. Über die Voraussetzungen verfügt der Floh - 67 Kilogramm auf 1,79 Meter verteilt. Die Chancen wird er bekommen. Nach quirligen und schnellen Spielern sehnt man sich auf Schalke. Mit Konoplyanka könnte es eine interessante Konstellation auf den blau-weißen Flügeln geben, die für Highspeed-Fußball sorgen. Harit muss nur auf dem Boden bleiben und den Privat-Jet im Hangar lassen.

 

Bastian Oczipka: Zu Beginn der Vorbereitung stand Schalke ohne einen gelernten Linksverteidiger da. Kolasinac, Baba und Aogo suchte man vergeblich am Schalker Markt. Mit der Verpflichtung von Oczipka hat das ein Ende. Die Knappen verpflichteten den 28-Jährigen für ca. vier Millionen Euro von Eintracht Frankfurt. Dafür bekommen sie einen erfahrenen Spieler, der zu den Leistungsträgern der Frankfurter gehörte. „Bastian ist ein zuverlässiger Linksverteidiger, der die Bundesliga gut kennt. Er besitzt die Fähigkeit, seine Seite als Außenverteidiger defensiv zu schließen und offensiv dennoch für Gefahr zu sorgen“, beschreibt Tedesco Oczipkas Vorzüge, der einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hat. In den letzten fünf Jahren trug er 146 Mal das Adler-Trikot (2 Tore) und entwickelte sich zu einer Konstanten am Main. Seine Fußball-Karriere hatte er als Fünfjähriger beim BW Hand begonnen. 1997 wechselte er zu Bergisch Gladbach, wo Bayer Leverkusen auf ihn aufmerksam wurde. Als Zehnjährige schloss sich Oczipka der Jugendabteilung der Werkself an und schaffte es bis in den Bundesliga-Kader. Den Durchbruch schaffte er dort aber nicht. Der Linksverteidiger ließ sich ausleihen und sammelte in Rostock (2008) und auf St. Pauli (2010) Spielpraxis. 2012 zog es ihn weiter in die Main-Metropole, wo er sich als Bundesliga-Spieler etablierte. Für Schalke scheint es eine solide Lösung zu sein, den der ein oder andere im königsblauen Umfeld auf den ersten Blick unterschätzen wird.

SC Paderborn 07 – S04 0:1 (0:1)

 

Einen Tag vor der Marketing-Reise nach China hat der S04 das Vorbereitungsspiel beim SC Paderborn 07 mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages erzielte Yevhen Konoplyanka nach Vorarbeit von Franco Di Santo. Insgesamt war es ein glücklicher Sieg, da man merkte, dass der 3. Ligist in der Vorbereitung vier Wochen weiter war als die Knappen. Interessant war lediglich die System-Frage. Wie schon in Erkenschwick setzte Tedesco auf ein 3-4-3-System. Vielleicht die neue Grundausrichtung der Knappen. Für Erkenntnisse der neuen Spielphilosophie ist es noch zu früh.

 

Paderborn: Ratajczak (46. Zingerle) – Vucinovic (82. Herzenbruch), Boeder, Strohdiek, Bertels (82. Mauer) – Wimmer (62. Zolinksi), Antwi-Adjej (62. Soyak), Wassey (70. Piossek), Krauße – Srbeny, Michel (70. Geurts)
S04: Fährmann (46. Nübel) – Insua (59. McKennie), Naldo (59. Geis), Nastasic (59. Hemmerich) – Caligiuri (59. Tekpetey), Stambouli (59. Bentaleb), Coke (59. Reese), Uchida – Burgstaller (59. Harit), Di Santo (59. Wright), Konoplyanka (59. Sam)
Tor: 0:1 Konoplyanka (20.)
Zuschauer: 8.017

SpVgg Erkenschwick - S04 1:9 (0:3)

 

Im ersten Testspiel unter Neu-Trainer Domenico Tedesco ist Schalke zu einem 9:1-Erfolg gegen die SpVgg Erkenschwick gekommen. Avdijaj trug sich als erster Torschütze in der Ära Tedesco ein. Konoplyanka erhöhte per Doppelpack bis zur Pause. Nach dem Seitenwechsel überraschte Uchida mit einem Doppelpack. Richtig Feuer fing danach Wright. Der 19-jährige US-Boy traf vier Mal innerhalb von 15 Minuten. Drepper gelang der Ehrentreffer für den Westfalenligisten. Für die Knappen war es ein lockeres Warmlaufen für den Start der Sommer-Vorbereitung.

 

Erkenschwick: Kunz (46. Kröger / 85. Karatas) – Tottmann (64. Drepper), Mandla (84.Schulz), Konarski, Weßendorf (69. Kniza) – Sawatzki (64. Moughli), Bröcker (46. Ilias), Lehmann (59. Hildwein), Avci (46. Filipovic), Hegel (46. Soltane) – Kündig (46. Bamba)
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Stambouli – Coke, Geis, McKennie, Caligiuri – Avdijaj, Di Santo, Konoplyanka
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua, Geis, Hemmerich – Uchida, Stambouli, McKennie, Tekpetey – Konoplyanka (60. Sam), Wright, Reese
Tore: 0:1 Avdijaj (8.), 0:2, 0:3 Konoplyanka (14., 27.), 0:4, 0:5 Uchida (48., 54.), 0:6, 0:7, 0:8, 0:9 Wright (58., 61., 65., 73.), 1:9 Drepper (77.)
Zuschauer: 5.187

Schalkes Sponsoring: Veltins, Umbro & AllyouneedFresh

 

Sportlich war der FC Schalke 04 in der Bundesliga nur Mittelmaß. Doch wirtschaftlich spielen die Knappen weiterhin im nationalen Konzert der Großen mit. Der eingetragene Verein, mit über 140.000 Mitgliedern, erzielte in der letzten Saison einen Umsatz von 265,1 Millionen Euro - Vereinsrekord. Unterm Strich stand ein Gewinn von 29,1 Millionen Euro zu Buche. Die Verbindlichkeiten sanken auf 129,7 Millionen Euro. „Dank der verlässlichen Einnahmenquelle wie der Veltins-Arena, unseren treuen Partnern und Sponsoren sowie Transfererlösen war dieses Ergebnis möglich“, freute sich Finanzvorstand Peter Peters bei der Mitgliederversammlung 2017. Darunter fiel natürlich auch der Rekordtransfer von Leroy Sané für ca. 50 Millionen Euro zu Manchester City. Aber auch die 95 Millionen Euro Umsatzerlöse aus dem Marketing, die der zuständige Vorstand Alexander Jobst jährlich steigert. „Wir haben eine klare Strategie, die wir konsequent umsetzen. Das honorieren unsere Partner, die weiterhin auf uns setzen“, erklärte Jobst auf der MV. Diese Strategie stößt aber nicht immer auf Gegenliebe. Vor allem die Internationalisierung gen USA oder China wird kritisch gesehen. Was will man da? Wo ist die Identifikation oder die Langfristigkeit, die man anstrebt? Als Beispiele gelten Huawei und Hisense, die bereits nach kurzer Zeit ihr Sponsoring wieder eingestellt haben. Weil der Tabellen-Zehnte der Bundesliga nicht mehr attraktiv ist? Weil das Werben für die UEFA oder FIFA lukrativer ist? Im Millarden-Geschäft Fußball dreht sich vieles nur noch um Gewinnmaximierung. Dieser Kommerz geht vielen Fußball-Fans gegen den Strich. Zwar betont Jobst, dass „die Tradition die DNA von Schalke 04 ist, die Seele des Vereins“, um aber auch direkt nachzuschieben: „Aber Tradition allein reicht nicht“. Wollen die Königsblauen weiterhin im Konzert der Großen mitspielen, sind die Märkte in Übersee und/oder Asien unabdingbar. Dann muss sich Schalke dort präsentieren und etablieren. Ein Balanceakt für Jobst zwischen Tradition und Moderne, den die S04-Fans genau beobachten. Doch es gibt auch Deals, über die sich die Anhängerschaft freuen.

 

Dreierpack zum Sponsoring

 

Schluck auf, Veltins: Seit 1997 gibt es die Sponsoring-Ehe zwischen Schalke und Veltins, seit 2005 heißt die Donnerhalle Veltins-Arena. Seit 20 Jahren hält die Partnerschaft und wird noch mindestens ein weiteres Jahrzehnt anhalten. Beide Seite einigten sich auf eine vorzeitige Verlängerung der Namensrechte der Arena bis 2027. „Wir sind stolz, dass wir unsere Partnerschaft fortsetzen. Das unterstreicht die Langfristigkeit und Glaubwürdigkeit unserer Zusammenarbeit, die nicht zuletzt von unseren Fans intensiv gelebt wird“, sagte Jobst über den Deal, der S04 angeblich 6,5 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Doch auch für Veltins ist es ein lukrativer Deal, wie Veltins-Chef Michael Huber launig auf der MV erklärte: „Schalke ist unsere größte Kneipe“, und versprach: „Beim ersten Heimspiel gibt’s eine Runde Freibier.“ Das ist mal ein Wort J

 

Welcome, Umbro: Umbro wird neuer Trikot-Ausrüster auf Schalke. Ab Juli 2018 tragen sowohl das Profi- als auch die Knappenschmiede-Teams die Trikots des britischen Traditionsunternehmens. Damit endet nach 55 Jahren die Sponsoren-Ehe zwischen Adidas und Schalke. Keine große Überraschung, da sich die Trennung in den letzten Monaten abgezeichnet hat. Adidas setzt nur noch auf die Zugpferde der Branche wie Real Madrid, Manchester United, den Bazen oder dem DFB-Team. Zwar gab Adidas ein Angebot ab, das lehnten die Knappen allerdings ab. „In unserer Entscheidungsfindung der letzten Monate lag das Augenmerk auf drei wesentlichen strategischen Punkten: Wertschätzung, Wirtschaftlichkeit und Identität“, erklärte Jobst und stellte klar: „In allen drei Komponenten fiel die Entscheidung eindeutig zugunsten von Umbro.“ Die in den Medien gehandelten sechs Millionen Euro pro Jahr stimmen laut Jobst nicht. Bei Umbro, die u.a. Nürnberg und Everton ausrüsten, sollen die Königsblauen das Zugpferd der Marke werden. „Der FC Schalke 04 und Umbro haben beide eine große Fußballtradition. Wir teilen gemeinsame Ziele und Werte“, freute sich Umbro-Sprecher Michael Scholz über die Zusammenarbeit.

 

AllyouneedFresh: Erstmals dürfen die Bundesligisten ihren Trikotärmel selbst vermarkten. Hier sorgten die Knappen direkt für ein Novum. Für die kommenden vier Jahren und angeblichen 20 bis 22 Millionen Euro wird das Logo von AllyouneedFresh das königsblaue Trikot am Ärmel zieren. AllyouneedFresh, ein Tochter-Unternehmen der Deutschen Post, ist ein Online-Supermarkt, der auch für Amazon ausliefert. Der Clou beim Schalke-Trikot: Im Ärmelbadge ist ein Chip integriert, mit dem man in den Arena-Kiosken sein Veltins oder seine Bratwurst bezahlen kann.  „Wir sind stolz, so eine Weltneuheit zu präsentieren. Dies unterstreicht einmal mehr unsere Position als Innovationsführer der Bundesliga“, strahlte Jobst bei der Präsentation.

Schalkes neuer Trainer: Domenico Tedesco

 

Der Nächste, bitte! Zum dritten Mal in Folge geht der FC Schalke 04 mit einem neuen Trainer in die Saison. Nach Andre Breitenreiter folgte Markus Weinzierl, und jetzt soll Domenico Tedesco das schwankende königsblaue Schiff auf Kurs bringen. Keine leichte Aufgabe für den 31-Jährigen, der sofort liefern muss. „Mit ihm wollen wir zurück ins internationale Geschäft“, meinte Christian Heidel auf der Mitgliederversammlung 2017. Die Ankündigung scheint den Deutsch-Italiener zumindest äußerlich nicht zu belasten. Auf der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung im Medienzentrum der Veltins-Arena wirkte der neue Schalke-Coach zunächst zurückhaltend und verzichtete auf große Ankündigungen: „Es wird keine One-Man-Show, ich gehe mit Demut heran.“ Allerdings betonte er, dass „ich von dem Projekt und der Qualität der Mannschaft überzeugt bin.“ Er ist heiß auf die neue Herausforderung. Das waren aber auch die unzähligen vorherigen Coaches am Schalker Markt. Tedesco muss beweisen, dass seine Vorstellungen vom Fußball die Spieler auf dem grünen Rasen umsetzen können.

 

Dreierpack zum neuen Trainer

 

Der Trainerwechsel: Heidel sah keine Entwicklung und suchte vergeblich nach einer Spielphilosophie in der letzten Saison. „Wir hatten klare taktische Defizite und Probleme gegen tiefstehende Mannschaften“, kritisierte Heidel auf der MV. Da ihn die Pläne von Weinzierl in der Saisonanalyse nicht hatten überzeugen können, vollzog er den Trainerwechsel von Weinzierl zu Tedesco. Doch was muss der neue Trainer anders machen als seine Vorgänger? Fachlich waren alle Trainer der letzten Jahre top geschult. Als Außenstehender hatte man jedoch immer das Gefühl, dass die Kellers, di Matteos, Breitenreiters und Weinzierls ab einem gewissen Zeitpunkt (mal früher, mal später) die Kabine verloren haben, so dass die Spieler nicht mehr das umgesetzt haben, was von ihnen erwartet wurde. Einem Ex-Schalke-Coach hat in der Vergangenheit kein Spieler öffentlich nachgeweint. Die Problematik scheint Heidel erkannt zu haben: „Tedesco ist taktisch sehr versiert, hat hohe soziale Kompetenzen und große Kommunikationsbereitschaft. Domenico ist ein Workoholic.“ Die (angeblichen) Vorzüge Tedescos kann man durchaus als Kritik am Vorgänger verstehen. Vor allem die sozialen Kompetenzen und die Kommunikationsbereitschaften deuten auf Probleme im Umgang mit den Spielern hin. Dort ist Tedesco besonders gefordert.

 

Infos zu Tedesco: Vielleicht bringt Tedesco den Fußball-Gott mit auf Schalke J Immerhin ist er im italienischen Rossano geboren, wo auch die früheren Päpste Johannes VII. (um 700 n. Chr.) und Johannes XVI. (um 1000 n. Chr.) das Licht der Welt erblickten. Lange hielt es ihn nicht in der Provinz Cosenza. Im Alter von zwei Jahren wanderte seine Familie nach Deutschland (Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg) aus. Als aktiver Fußballer dürfte der neue S04-Coach auf Augenhöhe mit vielen S04-Fans sein. Tedesco kickte in der Kreisliga A beim ASV Aichwald. Ebenso weiß er, was es bedeutet, einen „stink“-normalen Job zu haben. Er malochte als Paketpacker und bei einem Zulieferer für Automobil-Teile. Als Berufsausbildung steht in seiner Vita: Groß- und Außenhandelskaufmann. Es folgte ein Studium mit dem BA-Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen mit anschließendem Master in Innovations-Management. Tedesco ist verheiratet und hat eine Tochter (Dezember 2016).

 

Werdegang als Trainer: Seine Trainer-Karriere begann im Juli 2008 beim VfB Stuttgart. Neben seinem Studium assistierte der damals 22-Jährige dem heutigen DFB-Nationalmannschaft Co-Trainer Thomas Schneider. Fünf Jahre später stieg Tedesco zum Co-Trainer der U17 auf, die er im Laufe des Jahres als Chef-Coach übernahm. 2015 zog es ihn weiter in die Jugendabteilung von 1899 Hoffenheim, wo er 2016 die U19 der Kraichgauer übernahm. Am 8. März 2017 folgte der Schritt in den Profibereich. Erzgebirge Aue verpflichtete den Trainer-Youngster. Seine Aufgabe: den Tabellenletzten der 2. Liga  irgendwie vor dem Abstieg zu retten. Und Tedesco startete direkt durch – aus den ersten fünf Spielen holte Wismut 13 Punkte und legte mit diesem Zwischenspurt den Grundstein für den Klassenerhalt, der am letzten Spieltag, trotz einer 0:1-Pleite in Düsseldorf, geschafft wurde. Einen Monat später zog es ihn direkt weiter von den „Schalkern des Ostens“ zu den richtigen Schalkern, wo die nächste „Mammut“-Aufgabe auf ihn wartet.