Patsches Dreierpack 

"Oh nein, nicht schon wieder, dass jemand seinen Senf dazu abgibt", wird jetzt der eine oder andere denken. Das mag sein, aber dennoch müssen manchmal die Gedanken geordnet und die hitzigen Diskussionen zu Papier gebracht werden. Und so versuche ich die 90 Minuten (oder manchmal auch mehr) des FC Schalke 04 auf dem grünen Rasen für mich selber aufzuarbeiten. Somit ist "Patsches Dreierpack" nichts anderes als ein Selbstreinigungsprozess. Denn über Dinge, die einen beschäftigen soll man ja bekanntlich reden bzw. schreiben.

Saison 2018 / 2019

S04 - FC Bayern München 0:2 (0:1)

 

Königsblau bleibt punktlos. Auch im 04. Spiel der Saison hat der FC Schalke 04 den Platz als Verlierer verlassen. Im Heimspiel gegen den FC Bayern München kassierten die Knappen eine verdiente 0:2-Niederlage. James Rodrigues erzielte per Kopf früh die Führung für die Bajuwaren. Nach einer knappen Stunde machte Robert Lewandowski mit einem verwandelten Strafstoß zum 2:0 den Deckel bereits drauf. Über die gesamte Spielzeit gesehen verteidigten die Schalker gar nicht mal so schlecht gegen den Rekordmeister. Allerdings hatten sie auch in einigen Aktionen etwas Glück, als David Alaba die Latte traf oder James aus einem Meter die Kugel am Tor vorbei schob. Und so fielen die beiden Gegentore nicht aus dem Spiel heraus, sondern resultierten aus Eckbällen. Mal wieder waren die Knappen beim ruhenden Ball im Tiefschlaf. Eklatant war zudem die offensive Leistung des S04. Manuel Neuer musste nicht einmal in Aktion treten. Schalke erspielte sich nicht eine nennenswerte Torchance.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Tiefschlaf nach Eckbällen: Erst Wolfsburg, dann Gladbach und jetzt München. Wieder kassierten die Schalker das 0:1 nach einem Eckball. Diesmal war Sebastian Rudy im Tiefschlaf und ließ James ziehen. Joshua Kimmich zirkelte die Kugel an den ersten Pfosten, wo der Kolumbianer unbedrängt einköpfen konnte. Wahrscheinlich war es das erste Kopfball-Tor nach einem Eckball in der Karriere von James.  Es ist einfach unfassbar, wie schlecht die Schalker gegen die ruhenden Bälle verteidigen. Die nächste Kostprobe folgte nach einer knappen Stunde. Diesmal spielten die Bayern die Ecke kurz aus. Schalke pennte, so dass nur Uth gegen Kimmich und James verteidigte. James zog an Uth vorbei und ging mit Tempo in den Strafraum. Dort empfing ihn Schöpf. Doch der Österreicher agierte ungeschickt und foulte Bayerns Nummer 11 – Elfmeter. Lewandowski verwandelte eiskalt. Das war’s.

 

Spielweise: Schalkes Offensivspiel lag mal wieder brach. Die Aufstellung ließ bereits erahnen, wohin die Reise geht. Franco di Santo spielte erneut auf der Zehn, also würde es wieder eine Flut an langen Flugbällen auf den Argentinier, Breel Embolo und den immer wieder nachrückenden Weston McKennie geben. Ertrag? Gleich Null. Mats Hummels und Niklas Süle ließen nichts anbrennen. Da Schalke auch bei den zweiten Bällen immer wieder das Nachsehen hatte, strahlten die Knappen keinerlei Gefahr aus. Eroberte sie aber dennoch mal in der gegnerischen Hälfte die Kugel, fehlte es an der Qualität in Eins-gegen-Eins-Situationen. Egal ob di Santo, Embolo, Uth oder später auch Burgstaller, sie waren einfach nicht in der Lage, auch mal einen Mann aussteigen zu lassen und so Überzahl-Situationen zu schaffen. Es war ernüchternd zu sehen, wie harmlos die Offensivkräfte dabei agierten.

 

Hoffnungsträger: Wenn man Schalkes Spiel so sieht, tut es einem besonders weh, wenn Spieler wie Amine Harit und Yevhen Konoplyanka auf der Bank versauern. Keine Frage, bei dem Duo klappt auch nicht immer alles. Allerdings hat man bei Ihnen immer die Hoffnung, dass sie im Dribbling oder mit ihren technischen Fähigkeiten oder ihrem Tempo auch mal für Überraschungsmomente sorgen. Die gibt es derzeit überhaupt nicht.  Wahrscheinlich sind sie nicht die geeigneten Umschaltspieler beim Gegen-Pressing bzw.  laufen den Gegner auch nicht so an wie Uth, Burgstaller oder di Santo. Vielleicht verliert man mit Kono und Harit ein wenig an Stärke in der Rückwärtsbewegung. Aber durch das Duo würde man einen Mehrgewinn an offensiver Power bekommen und es dem Gegner nicht mit dem statischen Kick and Rush so einfach machen. Denn aktuell ist es grausam, wie sich Schalke in die gegnerische Hälfte quält und im letzten Drittel eine unglaubliche Harmlosigkeit ausstrahlt. Einfache Dinge wie Doppelpässe, Spieler hinterlaufen oder Kombinationen über drei, vier Stationen gibt es im Schalker Offensivspiel derzeit überhaupt nicht. Das macht einen bedenklich! Aber leider wohl auch so vom Trainer gewollt.

 

S04: Fährmann – Sane, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie (54. Bentaleb), Rudy,  Schöpf – di Santo (65. Harit) – Embolo, Uth (73. Burgstaller)
FCB: Neuer – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Goretzka, Thiago – James (87. Sanchez), Müller, Ribery (84. Gnabry) – Lewandowski (79. Wagner)
Tore: 0:1 James (8.), 0:2 Lewandowski (per Foulelfmeter)

S04 - FC Porto 1:1 (0:0)

 

Remis zum Auftakt in der Champions League. Der FC Schalke 04 und der FC Porto haben sich am 1. Spieltag der Gruppenphase 1:1 getrennt. In einer ausgeglichen Partie hatten die Knappen leichte Vorteile im physischen Spiel, während Porto das fußballerisch bessere Team war. Dank starken zehn Minuten kurz nach der Pause gingen die Königsblauen in Führung. Suat Serdar ging im Mittelfeld aggressiv zu Werke und eroberte den Ball. Mit einem schnellen Pass schickte er Weston McKennie in die Tiefe. Mit einem überlegten Querpass bediente der US-Amerikaner Breel Embolo in der Mitte. Der Schweizer schien den Ball zu weit nach Außen mitzunehmen, schoss aber aus spitzem Winkel am herauseilenden Iker Casillas vorbei. Zwar nicht mit Wucht, aber so gezielt gegen die Laufrichtung zweier Portospieler, dass die Kugel über die Torlinie rollte – 1:0 S04. Danach wurden die Schalker zu passiv und hatten on top noch Pech mit einer fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidung. In bester „Nimm-Du-den-Ball-ich-habe-ihn-sicher“ zögerte Naldo eine Sekunden, so dass Moussa Marega zwischen Naldo und Salif Sane an den Ball kam. Dabei berührte Schalkes Nummer 29 seinen Gegenspieler wenn überhaupt ganz zart, der aber wie von der Tarantel gestochen zu Boden ging. Schiedsrichter Jesus Gil Manzano zeigte zum zweiten Mal im Spiel auf den Elfmeterpunkt. Bereits nach zwölf Minuten hatte Porto einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung, nachdem Naldo den Ball an die Hand bekommen hatte. Den ersten Elfer konnte Ralf Fährmann gegen Alex Telles noch parieren, gegen den zweiten Strafstoß von Otavio war der S04-Keeper machtlos – 1:1.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Trainer-Analyse: In seiner Taktik-Kolumne bei SPOX sezierte Fabian Hürzeler (Spieler-Trainer vom FC Pipinsried in der Regionalliga Bayern) Schalkes Partie gegen Porto. An dieser Stelle spreche ich seine Analyse an, weil ich seine Eindrücke größtenteils teile. Da ich aber nur ein S04-Fan auf der Tribüne bin und auch keinen Trainerschein habe, möchte ich auch seine Sichtweise hier preisgeben und meinen Senf dazugeben. Hürzelers erster Satz seines Fazits lautete: „Es war ein Spiel, in dem Schalke spielerisch und technisch dem Gegner unterlegen war, jedoch wieder zur alten Stärke gefunden hat.“ Es war schon auffallend, welche Unterschiede zwischen beiden Teams in Puncto Ball-Annahme, Ball-Mitnahme und Passspiel (Schalkes Passquote lag laut opta-Data bei 68 %, Porto 76%) zu erkennen waren. Während die Portugiesen zumeist technisch sauber agierten und sich eher auf die nächste Aktion konzentrierten, dauerte dieser Ablauf bei den S04-Spielern gefühlt immer länger, weil sie damit beschäftigt waren, den Ball zu kontrollieren. Das kostet wertvolle Zeit, auch wenn es nur (Zehntel-) Sekunden sind. Doch diese kurzen Momente nutzt der Gegner, um sich wieder zu positionieren und die kurz entstandenen Räume zu schließen. Ob diese kleinen aber feinen technischen Mängel auch der Grund für Schalkes bescheidenen Ballbesitz-Fußball sind? Hürzeler spricht davon, dass „das Spiel von Schalke nach vorne sehr einfach strukturiert war. Die ständigen hohen Bälle in den Rücken der Abwehr und die Tiefenläufe der Stürmer machten sich zu Beginn der zweiten Halbzeit bemerkbar, da sie nun meist den Rücken der gegnerischen Außenverteidiger und nicht der Innenverteidiger belaufen sind.“ Also mal wieder Kick and Rush, anstatt Kombinationsfußball. „Die beiden 8er Serdar und McKennie boten sich kaum für eine flache Passoption in den Zwischenräumen an, sondern versuchten, auch aus dem Mittelfeld die Tiefe zu belaufen bzw. für den Gewinn des zweiten Balles zu unterstützen“, beobachtete Hürzeler. Dass Schalke Porto trotzdem nicht komplett unterlegen war, hatte andere Gründe. „Königsblau machte Porto durch gut Zweikampfführung und effektives Pressing das Leben schwer“, so Hürzeler. Und in Schalkes bester Phase des Spiels zwischen der 55. und 65. machten sie besonders gut und aggressiv. „Schalke nutzte die kurze Drangphase im Stile einer Spitzenmannschaft mit einem überragenden Umschaltspiel und erzielte die Führung“, erklärte Hürzeler. Doch anstatt daran weiter anzuknüpfen, schalteten die Schalker wieder in den Verwaltungsmodus. „Danach wurde Schalke jedoch zu passiv und versuchte, das Spiel zu verwalten. Der Ausgleich war verdient und nach dem Spielverlauf auch gerecht. (…).“ Keine Frage, nach der Führung spielt man keinen Hurra-Fußball, aber das Spielen komplett einzustellen? Auch wenn es letzte Saison durchaus des Öfteren geklappt hat, geht es insgesamt gesehen zu selten gut – leider.

 

Standards: Wenn Schalkes Spiel offensiv so limitiert ist, nehmen die Standardsituationen eine besondere Rolle ein. In der letzten Saison schlugen die Schalker aus Ecken und Freistöße brutal effektiv zu. Hürzeler bilanzierte die ruhenden Bälle gegen Porto wie folgt: „Die Standardstärke von Schalke spielte in diesem Spiel leider keine tragende Rolle.“ Ich sage, sie waren eine Katastrophe. Bestes Beispiel war ein Freistoß in Höhe der Eckfahne in der Nachspielzeit. Es war die letzte Chance, vielleicht doch noch den Siegtreffer zu erzielen. Und dann das. Daniel Caligiuri brachte die Freistoß-Flanke vor das Tor, in einer Höhe, wo selbst der für Torhüter nicht so große Iker Casillas (1,85 m) keinerlei Mühe hatte, die Kugel abzufangen. Kann passieren, doch passiert es derzeit zu oft. Schalkes Standards sind miserabel.  

 

Kartenpreise: 52 Euro hat der Spaß gegen den FC Porto in Block S6 gekostet. Das war für die Horster Kurve bisher das teuerste Heimspiel seit der Eröffnung der Arena im Jahr 2001. Besonders bitter stößt einem dabei auf, dass im Vorfeld weder eine Info über die Erhöhung der Kartenpreise an sich, noch irgendetwas zu den Hintergründen, warum die Kartenpreise in der Champions League plötzlich zehn Euro teurer sind als in der Bundesliga. Stattdessen wird dem Dauerkarteninhaber wie selbstverständlich der Betrag per Lastschrift eingezogen. Dieser Umstand macht einen traurig. Man selbst ist ja nicht blauäugig und sieht, dass die Preisspirale im Fußball an allen Ecken und Enden explodieren. Und ich weiß auch, dass wir wahrscheinlich gerade zu Anfang der Arena mit den Ticketpreisen verwöhnt waren. Damals hieß es noch, dass man im strukturschwachen Gelsenkirchen den Menschen den Arena-Besuch mit den niedrigen Kartenpreisen ermöglichen will. Da hat die Dauerkarte für die Bundesliga in S6 noch 275 Euro gekostet, was 16,18 Euro pro Spiel bedeutete. Klar, dass der Preis nicht für alle Ewigkeiten beibehalten werden konnte. Seit zwei Jahren werden jährlich 625 Euro eingezogen, was 36,76 Euro pro Partie entspricht (Tageskassenpreis: 42 Euro). Auch wenn es mittlerweile 20 Euro pro Spiel mehr kostet, halte ich den Preis für einen Sitzplatz für angemessen. Allerdings ist irgendwann auch ein Ende der Fahnenstange erreicht. Und die erneute Preiserhöhung um 10 Euro (+23,8 %), für Dauerkarteninhaber sogar um 15 Euro (+ 41,5 %), für die Einzelspiele in der Königsklasse inklusive der fehlenden Kommunikation dazu sind eine Frechheit.

 

S04: Fährmann – Sane, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Bentaleb, Schöpf – Serdar (84. Harit), McKennie – Uth (65. Konoplyanka), Embolo (72. Burgstaller)
Porto: Casillas – Maxi Pereira, Felipe, Eder, Alex Telles – Otavio (90. Hernani), Danilo Pereira, Herrera – Marega, Aboubakar (60. Corona), Brahimi (82. Oliveira)
Tore: 1:0 Embolo (64.), 1:1 Otavio (75., Foulelfmeter)

Mönchengladbach - S04 2:1 (1:0)

 

Pleitenserie geht weiter. Auch das dritte Bundesliga-Spiel hat der FC Schalke 04 verloren. Bei Borussia Mönchengladbach kassierten die Knappen eine 1:2-Niederlage. Mathias Ginter und Patrick Herrmann erzielten die Treffer für die Fohlen. Breel Embolo betrieb mit einem satten Rechtsschuss in den Giebel nur noch für Ergebniskosmetik. Insgesamt war es erneut ein enttäuschender Auftritt der Königsblauen. Bei einem defensiven Standard im Tiefschlaf – 0:1. Bei eigenen Standards oftmals zu harmlos und mit Pech als Yann Sommer Salif Sanes Kopfball stark parierte. Defensiv löchrig und passiv – wie beim 0:2 Herrmann, wo die Schalker trotz Überzahl nie nah genug beim Gegenspieler waren. Besonders besorgniserregend war erneut die Offensive. Viel „Kick-and-rush“ und keine individuelle Klasse im Eins-gegen-Eins. Dass Schalke die defensive Stabilität aus der Vorsaison nicht so halten kann, war zu erwarten, da die Gegner akribisch nach Lösungen gegen die Knappen suchen. Dass nicht immer das Spielglück auf königsblauer Seite ist, damit musste man auch rechnen. Was aber Sorge macht, ist die Tatsache, dass sich das fußballerische Element nicht entwickelt. Hier hatte ich die Hoffnung, dass man im zweiten Jahr unter Tedesco einen Fortschritt erkennt. Bislang ist es gar ein Rückschritt.  

 

Patsches Dreierpack

 

1. Gegentor: Natürlich kann es mal passieren. Aber eigentlich ist es nicht zu fassen, dass Schalke in den ersten drei Spielen zwei Gegentore nach einer Ecke bekommt. Mit Salif Sane, Naldo, Matija Nastasic plus Franco di Santo und Guido Burgstaller verfügen die Knappen über geballte Kopfball-Power. Doch wie schon gegen Wolfsburg versagte die Zonenverteidigung bei einem Eckball und der kopfballstärkste Spieler des Gegners köpfte in die Maschen. Immerhin war Mathias Ginter (Daniel Caligiuri kam „nur“ einen Tick zu spät) nicht so mutterseelenlos allein am 2. Pfosten wie John Anthony Brooks am 1. Spieltag, was beileibe kein Trost ist. So durften die Schalker schon nach drei Minuten einem unnötigen Rückstand hinterherlaufen.

 

Fußballerische Armut: Mit di Santo auf der Zehner-Positionen gingen die Schalker in die Partie. Da war zu erahnen, was die Knappen wollten. Die Gladbacher Viererkette bestand nicht gerade aus Riesen. Mit langen Bällen von Sane und Naldo auf di Santo und Burgstaller sollte das Mittelfeld überbrückt werden. Die Angreifer hätten den Ball fest gemacht bzw. die Mannschaft wäre auf die 2. Bälle gegangen, um so schnell vor das Tor zu kommen. Die Rechnung ging aber überhaupt nicht auf. Torchancen aus diesen Situationen waren Mangelware. Setzte man sich doch mal im letzten Drittel der Fohlen fest, wirkte alles kompliziert und ideenlos. Einfach harmlos. Ob das britische „Kick-and-Rush“ aber auch die Lösung ist, mag ich bezweifeln. Das zeugt eher von fußballerischer Armut. Aber es scheint so gewollt zu sein. Denn auf die Akteure mit der spielerischen Komponenten bzw. mit Stärken in Eins-gegen-Eins-Situationen blieben auf der Bank. Amine Harit schaute 90 Minuten zu, Breel Embolo und Cedric Teuchert 67 Minuten. Yevhen Konoplyanka war leider gesperrt. Zu meiner Überraschung analysierte Domenico Tedesco die Partie wie folgt: „Gladbach hat uns zu Beginn überrollt, die Abstände haben nicht gestimmt. Aber insgesamt war das ganz gut heute. Mein Mann des Spiels war Yann Sommer, der hat ein paar Dinger rausgeholt. Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie gearbeitet haben.“ Hege quittierte diese Sätze mit einem, „Tedesco ist angekommen auf Schalke“ und dachte wohl an die ganzen Schönredner wie Jens Keller in der königsblauen Vergangenheit. Wie man nach dieser Partie sagen kann, dass es „ganz gut“ war und man „stolz auf die Jungs“ ist, ist mir schleierhaft. Mir fehlen die Worte.

 

Neuzugänge: Das Debüt für Hamza Mendyl im königsblauen Trikot endete letztlich noch glimpflich. Nach 25 Minuten war für den 20-Jährigen Schicht. Dabei hätte er fast schon zwei Minuten früher unter die Dusche gekonnt. Gegen Nico Elvedi kam der marokkanische Nationalspieler in der gegnerischen Hälfte deutlich zu spät und traf ihn am Fuß. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff das Foul, ließ die gelbe Karte aber stecken. Glück für Mendyl, da er zwei Minuten zuvor bereits Gelb nach einem Foul an Thorgan Hazard gesehen hatte. So reagiert Tedesco und brachte Alessandro Schöpf, der zwölf Minuten später auch direkt Gelb sah, für Mendyl. Irgendwie steht Mendyls Auftritt sinnbildlich für die Neuzugänge des FC Schalke 04. Sie sind noch nicht angekommen am Schalker Markt und rufen ihr Potenzial (noch) nicht ab. Mark Uth wartet immer noch auf seinen ersten Scorerpunkt. In Gladbach vergab er eine dicke Chance kläglich, nachdem Tony Jantschke einen katastrophal Pass in den Fuß von Uth spielte. Für den S04-Stürmer war der Weg frei zum Tor. Doch sein Schuss aus 16 Metern ging drei Meter links am Kasten vorbei. In Hoffenheim hätte Uth den wahrscheinlich blind gemacht. Seine starke Form aus Hannover hat Sane auch nicht nach Gelsenkirchen rüber retten können. Der Senegalese strahlt keine Ruhe in der Dreierkette aus. Immer wieder schleichen sich unnötige Fouls in sein Spiel ein. Zudem ist er nicht fehlerfrei im Spielaufbau. Da vermisst man schon den verletzten Benjamin Stambouli. Auch Sebastian Rudy hat sich noch nicht am Emscher-Strand akklimatisiert. Das Fußballspielen wird ihm aber auch nicht leicht gemacht. Rudy agiert halt nicht in einer spielstarken Mannschaft wie Bayern, Hoffenheim oder dem DFB-Team. Und in der Rückwärtsbewegung wurde er auch schon überlaufen. Für Rudy musste Suat Serdar zunächst auf die Bank. Doch der Ex-Mainzer ist noch nicht so weit, um Akzente zu setzen. Verletzungsbedingt konnten Steven Skrzybski und Omar Mascarell noch nicht eingreifen. Besonders auf die Rückkehr von Mascarell ist man gespannt. Vielleicht bringt der Spanier die nötige Struktur ins Spiel. Bleibt aber zu hoffen, dass seine Verletzungsanfälligkeit der letzten Jahre sich nicht wie ein roter Faden weiter zieht. Keine Frage! Nach drei Spielen kann man sich noch kein endgültiges Urteil bilden. Dennoch muss man leider konstatieren, dass kein Neuzugang direkt wie eine Bombe eingeschlagen ist - leider.

 

BMG: Sommer – Eelvedi, Ginter, Jantschke, Wendt – Hofmann, Strobl, Zakaria (72. Kramer) – Hazard, Plea (86. Neuhaus), Johnson (67. Herrmann)
S04: Fährmann – Sane, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Rudy, Bentaleb, Mendyl (25. Schöpf) – di Santo (67. Embolo) – Burgstaller (67. Teuchert), Uth
Tore: 1:0 Ginter (3.), 2:0 Herrmann (77.), 2:1 Embolo (90.+3)

 

S04 - Hertha BSC Berlin 2:0 (1:0)

 

Enttäuschender königsblauer Auftritt. Auch das zweite Saisonspiel hat der FC Schalke 04 verloren. Mit 0:2 mussten sich die Knappen Hertha BSC Berlin geschlagen geben. Mit einem Doppelpack schoss Ondrej Duda die Hauptstädter zum zweiten Saisonsieg. Dabei hätten die Schalker sogar früh in Führung gehen können. Doch Daniel Caligiuri verschoss einen Handelfmeter. 120 Sekunden später gingen die Berliner durch Duda mit 1:0 in Führung. Danach passierte nicht mehr viel vor den Toren. Erst in der Nachspielzeit wurde es hektischer. Guido Burgstaller und Mark Uth scheiterten am starken Rune Jarstein. In der Schlussminute sah Yevhen Konoplyanka die rote Karte wegen einer Notbremse an Dennis Jastrzembski. Den fälligen Freistoß versenkte Duda zum 2:0 für die destruktiven aber nicht unverdienten Sieger aus Berlin.

 

Dreierpack zum Spiel:

 

Handelfmeter: Es war die erste Chance im Spiel. Nach einer Flanke kam Naldo am zweiten Pfosten völlig frei zum Schuss. Doch die bessere Rückgabe war kein Problem für Jarstein. Hertha konterte und war schon in Schalkes Hälfte, bis es wieder so weit war: Videobeweis. Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte vor Naldos Abschluss ein Handspiel von Grujic übersehen. Die Folge: Elfmeter nach Videobeweis. Es war bereits der dritte Elfmeter in Folge. Zuvor hatte Nabil Bentaleb gegen Schweinfurt und Wolfsburg sicher verwandelt. Alle guten Dinge sind also drei. Doch Pustekuchen. Warum auch immer schnappte sich Caligiuri die Kugel und setzte sie links vorbei. Keine Frage, einen Strafstoß kann man verschießen. Es war auch Caligiuris erster Fehlschuss nach neun Treffern in Folge. Aber warum zum Teufel durfte Bentaleb nicht ran, der trotz Caligiuri zuvor getroffen hatte? Natürlich wäre es keine Garantie, dass das Netz gezappelt. Aber in der vollführten Konstellation macht man sich unnötig angreifbar.   

 

System-Puzzle: Es war schon Wahnsinn, wie oft Domenico Tedesco die Ausrichtung seiner Mannschaft geändert hat. Von Dreier- zur Viererkette und wieder zurück zur Dreierkette, und das alles mit einem munteren Personal-Karussell. Weston McKennie begann als rechter Mann der Dreierkette. Früh konnte man erkennen, dass sich der US-Boy auf dieser Position nicht wohl fühlte. McKennies zweite Stellungsfehler mussten die Knappen teuer bezahlen. Javairo Dilrosun war auf Linksaußen durch und bediente Duda zum 1:0. Kurz darauf folgte die erste Systemumstellung: von Dreier- auf Viererkette. McKennie wurde erlöst und durfte auf die Doppel-Sechs, um Rudy zu helfen, der mit der Manndeckung durch Duda nicht zurecht kam. Die Änderung sorgte aber auch nicht für die Belebung des Offensivspiels. Also wurde die Rotationsmaschine wieder angeschmissen. Nach einigen Spielerwechseln, war McKennie Rechtsverteidiger in der Viererkette. Und was machte Uth? Der rotierte vom Mittelstürmer zum Rechtsaußen und fand sich nach der Auswechslung von Baba als Linksverteidiger wieder. Da alle Änderungen aber weiterhin keinen Ertrag brachten, ging es wieder zurück zur Dreierkette mit McKennie als zentralen Mann und Naldo als Stoßstürmer. Dazu begann die Zeit des Kick and Rush. Fast hätte es zum Erfolg geführt, aber Jarstein entschärfte die Schüsse von Burgstaller und Uth. Bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der ganzen Rochade von Tedesco. Auf der einen Seite kann man dem S04-Coach attestieren, dass er alles versucht hat, um die Offensive zu beleben. Jedoch ohne Erfolg. Aber ist das nicht alles zu viel Aktionismus? Teilweise hatte man das Gefühl, die ganzen Änderungen verunsichern bzw. überfordern die Spieler. Einfach Pässe von Baba, Salif Sane, Naldo oder Bentaleb über fünf oder zehn Meter ohne Bedrängnis kamen nicht an. In der gegnerischen Hälfte hatte man regelrecht das Gefühl, die Königsblauen wissen überhaupt nicht, was sie mit dem Ball anfangen sollen. Wie schon in Wolfsburg waren die Schalker nicht in der Lage, aus ihrem Ballbesitz gefährlich zu werden. Stattdessen blieb die Offensive gegen Berlin erneut harm- und ideenlos. Einstudierte Spielzüge oder Abläufe einen Angriff zu kreieren, waren nicht zu sehen. In dieser Hinsicht ist leider keine Entwicklung zu sehen, was nach der Sommerpause ziemlich bedenklich ist. Zumindest ist bisher eine offensive Spielidee nicht zu erkennen.

 

Slapstick: Zu Schalkes Spiel passte eine Slapstick-Einlage von Sane und Baba. Beide wollten einen langen Ball ablaufen. Dabei liefen sie sich fast über den Haufen und Baba schoss Sane kurios gegen das Schienbein, so dass Kalou ‚Danke‘ sagte und allein auf Ralf Fährmann zu lief. Glück im Unglück, dass der Abschluss des Berliners aus spitzem Winkel links vorbei ging. Allerdings war es symptomatisch für den Auftritt der Schalker Abwehrspieler. Sane ist zwar bei hohen Bällen eine Bank, aber insgesamt strahlte er keine Sicherheit aus. Und sein Passspiel war alles andere als sauber. Sehr durchwachsen war auch der Auftritt von Baba. Dem Ghanaer merkt man an, dass er lange verletzt war und noch lange nicht bei 100 Prozent ist. Zweikampf, Stellungsspiel, Passspiel, in allen Belangen fehlt immer ein Tick. Insgeheim hatte man auf das Debüt von Hamza Mendyl gehofft, der im Training von Tedesco sehr gelobt wurde, da er viel Tempo und Dynamik reinbrachte. Da der Neuzugang aus Lille aber kein Deutsch und nur schlecht englisch spricht, verzichtete der Coach freiwillig auf ihn, da er ein taktisch geprägtes Spiel erwartete, wo viel kommuniziert werden würde. Dabei dachte ich, dass Fußball ein einfaches Spiel ist und in der Sprache inertnational ist. Aber vielleicht ist das aktuell Tedescos Problem. Vielleicht verkompliziert er derzeit zu viele Dinge, die man auch einfach lösen kann.

 

S04: Fährmann – McKennie, Naldo, Sane – Caligiuri, Rudy (51. Serdar), Bentaleb, Baba (73. Harit) – Embolo (57. Burgstaller), Uth, Konplyanka
BSC: Jarstein – Lazaro, Stark, Rekik (6. Dilrosun), Torunarigha – Maier – Kalou (90+4. Jastrzembski), Grujic, Duda, Mittelstädt – Ibisevic (67. Lustenberger)
Tore: 0:1 Duda (15.)
Rote Karte: Konoplyanka (90+5., Notbremse)
Besonderes Vorkommnis: Caligiuri verschießt Handelfmeter nach Videobeweis (13.)

 

VfL Wolfsburg - S04 2:1 (1:0)

 

Bundesliga-Auftakt in den Sand gesetzt. Der FC Schalke 04 hat beim VfL Wolfsburg verdient mit 1:2 verloren. John Anthony Brooks brachte die Wölfe mit 1:0 in Führung. Kurz vor Schluss foulte der VfL-Torschütze Breel Embolo im Strafraum. Den fälligen Strafstoß versenkte Nabil Bentaleb sicher zum 1:1-Ausgleich. In der Nachspielzeit scheiterte Yannick Gerhardt zunächst an Ralf Fährmann, den Nachschuss setzte Joker Daniel Ginczek zum 2:1-Siegtreffer ins Netz. Die Königsblauen zeigten in der Defensive ungewohnten (naive) Schwächen, während in der Offensive die altbekannten Probleme sichtbar wurden. Als i-Tüpfelchen oben drauf kam die Posse rund um den Videobeweis inklusive einem emotionalen Schiedsrichter Patrick Ittrich, der sich während des Spiels gegenüber S04-Trainer Domenico Tedesco Luft machte und vom schwersten Spiel seiner Karriere sprach.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Gegentore: Beim 0:1 wollte man seinen Augen nicht trauen. Eigentlich unfassbar wie frei der Zielspieler Brooks nach einer Ecke von Maxi Arnold aus sechs Metern zum Kopfball kam und traf. Im Umkreis von zwei oder drei Metern war nicht ein Schalker Gegenspieler zu sehen! Alle Knappen orientierten sich wie fast alle Wolfsburger in Richtung ersten Pfosten. Zudem wurde Nastasic geschickt geblockt, so dass sich Brooks zum zweiten Pfosten absetzen konnte. Die S04-Defensive war im kollektiven Tiefschlaf, dazu eine verheerende Raumaufteilung. Ein naives Abwehrverhalten. Nicht viel besser machten es die Knappen in der Nachspielzeit. In Unterzahl gelang den Knappen per Foulelfmeter immerhin och der Ausgleich. Es war das Maximum, was man an diesem Nachmittag in der VW-Arena hätte erreichen können. Deswegen ist es unerklärlich, warum S04 in den sechs Minuten Aufschlag so offen agierte und in einen Konter lief. Abdul Rahman Baba unterschätzte einen langen Ball. Gerhardt stand plötzlich frei vor Fährmann, der den Ball im Eins-gegen-Eins stark pariert. Doch gegen den Nachschuss von Ginczek war der S04-Kapitän machtlos. Doch wo waren da die anderen Abwehrspieler? Erneut ein naives Abwehrverhalten.

 

Berechenbare Offensive: Ballbesitz scheint für den S04 Gift zu sein. Viele Fehlpässe im Spielaufbau prägten das Spiel der Schalker. Viel zu oft landete die Kugel im Niemandsland. Natürlich standen die Wolfsburger kompakt und liefen gut an. Doch es ist erschreckend, dass die Königsblauen darauf keine Lösungen haben. Sich unter Druck fußballerisch zu befreien, mit Doppelpässen oder einem Dribbling, ist Mangelware. Stattdessen quälen sie sich oftmals in die gegnerische Hälfte. Von Torchancen kreieren, rede ich erst gar nicht. Auffällig ist, dass wenn Harit abgemeldet ist und nicht mit einem Dribbling Situationen für eine Überzahl schafft, ist Schalkes zu statisch, berechenbar, zu langsam. Es fehlt das Tempo sowie die Inspirationen aus der Zentrale. Bleibt zu hoffen, dass Omar Mascarell und Sebastian Rudy die Lösungen für die Probleme im Mittelfeld sind.

 

Videobeweis: Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust über die Horror-Show namens Videobeweis zu sprechen. Es ist ein einziges Desaster. Ich habe auch keine Lust, auf jede Szene einzeln einzugehen. Ich verstehe einfach nicht, warum der Video-Assistent bei Nastasic und Wout Weghorst eingegriffen hat? Beides waren Tatsachenentscheidungen und noch nicht einmal Fehlentscheidungen. Und passiert der ganze Heckmeck nicht rund um Nastasic, kommt es auch gar nicht zu der Szene zwischen Guido Burgstaller und Weghorst. Dazu kommt noch, dass die ganze Entscheidungsfindung rund um den Videobeweis einfach zu lange dauert und jegliche Transparenz vermissen lässt. Wer? Warum? Wieso? Antworten gibt es nicht! Keine Frage, Schalke hat nicht wegen dem Videobeweis verloren, dafür war sie schon selbst verantwortlich, weil zu schlecht. Doch die Anwendung des Videobeweisess in der aktuellen Form macht den Fußball kaputt.

 

WOB: Casteels – William, Knoche, Brooks, Roussillon – Guilavogui (46. Gerhardt), Camacho, Arnold – Steffen Weghorst (75 . Ginczek), Brekalo (86. Mehmedi)

S04: Fährmann – Sane, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Serdar (83. Bentaleb), McKennie, Harit (58. Embolo), Baba – Burgstaller (73. Teuchert), Uth

Rote Karte: Nastasic (65. nach Videobeweis)

Tore: 1:0 Brooks (33.), 1:1 Bentaleb (85. Foulelfmeter), 2:1 Ginczek (90+4.)

 

1. FC Schweinfurt 05 - S04 0:2 (0:1)

 

Glanzlos in die 2. Runde. Der FC Schalke 04 hat seine Pflichtaufgabe im DFB-Pokal mit 2:0 beim 1. FC Schweinfurt erfüllt. Nabil Bentaleb brachte den Bundesligisten per Foulelfmeter mit 1:0 (24.) in Front. Nach einer Ecke von Daniel Caligiuri köpfte Matija Nastasic aufs Tor, Adam Jabiri fälschte unhaltbar für seinen Keeper ins Netz zum 0:2 (75.) ab. Die Königsblauen standen defensiv gewohnt stabil und ließen so gut wie keine Torchance zu. Deutlich mehr Probleme hatten die Knappen in der Offensive. Viele Torchancen erspielte sich der S04 nicht. Vor allem die Bälle in die Spitze waren fast durchweg zu ungenau, so dass Schweinfurt auch keine größere Mühe hatte, zu verteidigen. Doch auf die Standards war auch Schalker Seite mal wieder Verlass.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Aufstellung: Mit zwei Neuzugängen starteten die Schalker in die Pflichtspielsaison 2018 / 2019. Salif Sane übernahm den Part in der Dreierkette neben Naldo und Matija Nastasic. Dabei deutete das Trio bereits, dass sie sowohl defensiv als auch offensiv die Herren der Lüfte sein werden. Mit hohen Bällen sollten die Knappen dieses Jahr nur schwer bezwingbar sein. Im Mittelfeld setzte S04-Coach Tedesco auf altbewährtes. Zentral räumten Weston McKennie und Bentaleb ab, taten sich im Spiel nach vorne aber schwer. Wenn es gefährlich wurde, dann über Amine Harit, wenn der Wirbelwind zum Dribbling ansetzte. Über rechts marschierte Caligiuri, während links Abdul Rahman Baba seine erste Chance nach seinem Kreuzbandriss von Beginn an erhielt. Beide spielten solide. Das Sturm-Duo bildeten Guido Burgstaller und Mark Uth. Im Anlaufen agierten beide vorbildlich. Im gegnerischen Strafraum blieben hingegen beide blass. Allerdings hat die gesamte Mannschaft im Offensivspiel noch viel Luft nach oben.

 

Passgenauigkeit: Auffällig im Spiele der Schalker waren die Fehlpässe in die Spitze oder bei Seitenwechsel. Zu lang oder zu steil, die Füße schienen bei Naldo, Bentaleb und Co. noch nicht feinjustiert zu sein. So wurden einige vielversprechende Situationen, durch gute Laufwege, durch schlechtes Passspiel zu Nichte gemachte. Wie schon im letzten Jahr wurden erneut die Konter schlecht ausgespielt. Zu oft wurde es verpasste den richtigen Pass zur Tempoverschärfung verpasst.

 

Spielerkarussell: Nachdem es lange Zeit ruhig war am Schalker Markt, ging es eine Woche vor dem Pokalspiel richtig zur Sache. Etwas überraschend wechselte Thilo Kehrer nach Frankreich. Dabei stand  der Youngster kurz vor einer Vertragsverlängerung beim S04 stand. Doch Paris St. Germain grätschte dazwischen. Und sie ließen sich nicht lumpen! 37 Millionen Euro sind ihnen die Dienste Kehrers Wert. Eine Summe bei denen Schalke aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nicht „Nein“ sagen kann, auch wenn der Verlust des nächsten Spielers aus der Knappenschmiede schmerzt. Doch auch auf der Habenseite reagierten die Knappen noch einmal auf den längerfristigen Ausfall von Bastian Oczipka. Vom OSC Lille kommt Hamza Mendyl. Der Linskverteidiger aus Marokko erhält einen Fünf-Jahres-Vertrag und kostet sechs Millionen Euro plus maximal eine Million Euro an Bonus. Derweil löste Donis Avdijaj seinen Vertrag auf und spielt in Zukunft für Willem II Tillburg in den Niederlanden.

 

S05: Eiban – Messingschlager, Strohmaier, Kleineheismann, Lo Scrudato (77. Weiß) – Kracun, Fery – Piller (61. Trinks), Krautschneider, Maderer (70. Fritscher) – Jabiri

S04: Fährmann – Sane, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie, Bentaleb (48. Schöpf), Harit – Uth (77. Teuchert), Burgstaller (55. Embolo)  

Tore: 0:1 Bentaleb (24., FE), 0:2 Jabiri (75., ET)

„Wir brauchen keine Schale,
wir scheißen auf Pokale,
deutscher Vizemeister,
ESS NULL VIER!“

 

Was für eine Saison hat der FC Schalke 04 da hingelegt? Im Jahr eins unter Neu-Trainer Domenico Tedesco sichern sich die Königsblauen souverän die Vize-Meisterschaft und kehren nach drei Jahren Abstinenz wieder in die Champions League ein. Mit einem kleinen, kompakten Kader überzeugte der S04 als kompakte Einheit mit einer starken Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Mit der Rückkehr ins internationale Geschäft muss der Kader der Knappen aber zum einen aufgestockt werden, gleichzeitig aber auch die Abgänge kompensiert werden. Thilo Kehrer (Paris St. Germain, 37 Mio €), Benedikt Höwedes (Lok Moskau, 5 Mio €), Leon Goretzka (Bayern), Marko Pjaca (Rückkehr zu Juventus Turin), Max Meyer (Crystal Palace), Coke (Levante, 1,5 Mio €), Donis Avdijaj (Willem II Tilburg) und Luke Hemmerich (Erzgebirge Aue)  werden in der kommenden Spielzeit nicht mehr das neue königsblaue Umbro-Trikot tragen. Doch Sport-Vorstand Christian Heidel bastelt bereits fleißig am neuen Kader. Ein Überblick über die Neuzugänge am Schalker Markt:

 

Die Neuzugänge

 

Sebastian Rudy: Schalke legt auf dem Transfermarkt noch einmal nach und verpflichtet für 16 Millionen Euro Rudy vom FC Bayern. Der 28-Jährige unterschreibt einen Vierjahres-Vertrag am Emscher-Strand und soll im Mittelfeld für die Stabilität im Spiel der Königsblauen sorgen. „Wir bekommen einen sehr spielintelligenten und technisch versierten Spieler, der sein Können bereits international unter Beweis stellen konnte“, freut sich S04-Coach Domenico Tedesco über seine neue Nummer 13. Der in Villingen-Schwenningen geborene Rudy begann beim FC Dietingen als kleiner Junge mit dem Fußballspielen. Nach zwei Jahren (2001-2003) beim SV Zimmer zog es ihn ins Jugendleistungszentrum des VfB Stuttgart. Vier Jahre lang wurde er bei den Schwaben ausgebildet und schaffte mit 17 Jahren bereits den Sprung in die 2. Mannschaft (37 Spiele, 12 Tore) des VfB. Am 4. Spieltag der Saison 2008/2009 feierte Rudy sein Profi-Debüt gegen 1899 Hoffenheim. Nach 15 Bundesligaspielen wechselte der Mittelfeldspieler 2010 in den Kraichgau zur TSG. Dort absolvierte er insgesamt 195 Partien (11 Tore) und entwickelte sich mit den Jahren zu einem Führungsspieler. Die Belohnung für seine starken Leistungen im Hoffenheim-Trikot erfolgte mit der Nominierung in die deutsche Nationalmannschaft zum EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan im Juni 2011. Seitdem verbuchte Rudy 26 Länderspiele (1 Tor) und nahm an der WM 2018 in Russland teil. Der Nationalspieler Rudy wurde auch für die Bayern interessant, die ihn 2017 ablösefrei verpflichteten. In München kam er auf 25 Bundesliga-Spiele (1 Tor), stand aber unter Trainer Jupp Heynckes nur in der 2. Reihe. Dieser Umstand soll sich auf Schalke ändern, wo Rudy im Mittelfeld die Fäden ziehen soll.

 

Hamza Mendyl: Vom OSC Lille wechselt der 20-jährige Linksverteidiger für sechs Millionen Euro (plus maximal eine Million Euro Bonus) zum S04. Mit der Verpflichtung reagieren die Königsblauen auf den längerfristigen Ausfall von Bastian Oczipka. Während der WM-Teilnehmer Marokkos (ohne Einsatz) für viele S04-Fans ein unbeschriebenes Blatt ist, beschäftigten sich die Knappen bereits seit einiger Zeit mit Mendyl. „Wir haben uns lange und ausführlich mit Hamza beschäftigt. Er bringt sehr viel mit, was wir uns für diese Position wünschen“, erklärt Chef-Coach Domenico Tedesco auf S04.de und zählt auf: „Athletik, Dynamik, Robustheit und Mut in der Offensive.“ Attribute, die in den kommenden Jahren fünf Jahren auf Schalke weiter verfeinert werden sollen. Der in Casablanca geborene Linksfuß wurde in Marokko auf der Academie Mohammed VI ausgebildet. 2016 wagte Mendyl den Sprung nach Europa und schloss sich der Jugendakademie von Lille an. In der letzten Saison gab er sein Debüt in der französichen Ligue 1 und bestritt 13 Spiele für den OSC. Im Jahr 2016 gab Mendyl sein Debüt in der A-Nationalmannschaft Marokkos und bestritt seitdem elf Länderspiele.

 

Omar Mascarell: Von Real Madrid haben die Knappen für zehn Millionen Euro Omar Mascarell gekauft und mit einem Vier-Jahres-Vertrag ausgestattet.  Im zentralen Mittelfeld soll der 25-Jährige den defensiven Part übernehmen. „Omar ist lauf- und zweikampfstark und zudem spielintelligent“, beschreibt S04-Coach Domenico Tedesco den Spanier. Mascarell ist auf Teneriffa geboren und spielte auf der Kanaren-Insel in der Jugend für UD Santa Cruz (1998 bis 2000), UD Tegueste (2000 bis 2007) und CD Laguna (2007 bis 2010). Mit 17 Jahren folgte der große Sprung auf das spanische Festland. Real Madrid holte Mascarell in sein Jugendzentrum. Ein Jahr später schaffte er den Sprung in die zweite Mannschaft. 2013 debütierte Mascarell unter Trainer Jose Mourinho bei den Königlichen in der Primera Division. Es sollte sein einziges Spiel bleiben. Zur Saison 2014 / 2015 wurde er nach England an Derby County ausgeliehen, zwölf Monate später folgte die Leihe zu Sporting Gijon. In den letzten beiden Jahren kickte Mascarell für Eintracht Frankfurt (37 Spiele, 1 Tor) und gewann im Mai 2018 den DFB-Pokal. Im Sommer zog Real Madrid seine Rückkaufoption in Höhe von vier Millionen Euro und verkaufte in direkt weiter an Schalke 04.

 

Mark Uth: Der 27-Jährige kommt ablösefrei von 1899 Hoffenheim und bindet sich bis 2022 an die Königsblauen. Der gebürtige Kölner kann sowohl im Zentrum als auch auf den Flügeln wirbeln. Sein Arbeitsnachweis der letzten Saison: 14 Tore und 8 Vorlagen. „Mark ist der derzeit torgefährlichste deutsche Angreifer der Bundesliga und wird unsere Optionen in der Offensive noch einmal deutlich verbessern“, freut sich Heidel auf S04.de. Mit dem Fußballspielen begann Uth in der Jugend von TuS Langel. Mit 13 Jahren wechselte er zum 1. FC Köln, wo er bis 2012 blieb – inklusive einem Intermezzo bei Viktoria Köln (2007 bis 2009). Beim Effzeh schaffte er es zwar nicht in den Profikader, spielte aber zwei Jahre lang in der 2. Mannschaft. 2012 ging es für ihn in die Niederlande zum SC Heerenveen. Über die Reserve (25 Spiele, 22 Tore) und einem Jahr bei Heracles Almelo (28 Spiele, 8 Tore) gelang ihm im dritten Jahr in Heerenveen den Durchbruch. In 35 Spielen netzte Uth 15 Mal ein und gab elf Assists - plus fünf Tore in der Europa League. 2015 schnappte sich Hoffenheim den Stürmer, für die er in 78 Spielen 29 Tore erzielte. Ab sofort geht Uth für die Knappen auf Torejagd.

 

Salif Sané: S04 hat wieder einen Sané. Nachdem Leroy vor zwei Jahren für über 50 Millionen Euro zu Manchester City wechselte, kommt nun Salif von Hannover 96 an den Emscher-Strand. Die Knappen machen dabei Gebrauch von einer Ausstiegsklausel in Höhe von sieben Millionen Euro und holen den 28-Jährigen für vier Jahre. Zwar verfügt Salif nicht über die Offensiv-Qualitäten eines Leroy, doch  beeindruckt der senegalesische Nationalspieler (19 Länderspiele) mit andere Vorzügen. Mit seinen 1,96 Meter ist er sowohl in der Defensive als auch Offensive der Herr der Lüfte und könnte neben Naldo der zweite Turm in der S04-Brandung werden. Doch der zweikampfstarke Abwehrhüne ist auch eine Option für das defensive Mittelfeld. „Mit Salif bekommen wir einen flexibel einsetzbaren Defensivspieler“, sagt Heidel auf S04.de. Geboren wurde Sané in Lormont (Vorort von Bordeaux). Dort begann er auch mit dem Kicken. Von US Lormont zog es ihn 2009 ins B-Team von Girondins Bordeaux, wo er ein Jahr später auch vier Spiele in der Ligue 1 verbuchte. 2011 wechselte er für zwei Jahre zum AS Nancy (66 Spiele, 4 Tore), bevor ihn Hannover unter Vertrag nahm. Nach fünf Jahren (122 Spiele, 11 Tore) an der Leine beginnt für Sané auf Schalke das nächste Kapitel seiner Karriere.  

 

Suat Serdar: Die Attribute des 21-Jährigen hören sich vielversprechend an: ballsicher, passsicher, gutes Tempo, geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Dazu hat Serdar aber noch in allen genannten Bereich und vor allem bei der Ausstrahlung von Torgefahr Entwicklungsspielraum. „Suat ist ein junger, sehr ehrgeiziger Spieler mit viel Potenzial. Er wird bei uns die notwendige Zeit bekommen, sich zu einem sehr guten Bundesliga-Spieler zu entwickeln“, erklärt Heidel auf der Schalker Internetseite. Die S04-Macher sind überzeugt vom neuen Achter, so dass sie bereit waren, die Ausstiegsklausel in Höhe von 10,5 Millionen Euro an Mainz 05 zu überweisen. Bei den Knappen unterschreibt Serdar einen Vier-Jahres-Vertrag. Damit endet für den Deutsch-Türken nach einem Jahrzehnt die Zeit bei den Rheinessen. Mit zwölf Jahren wechselte der in Bingen am Rhein geborene Suat von Hassia Bingen ins Nachwuchsleistungszentrum der Null-Fünfer. 2015 schaffte er den Sprung in die zweite Mannschaft der Mainzer und pendelte zwischen dem Profiteam. In der letzten Saison war er dann endgültig fester Bestandteil des Bundesliga-Teams (57 Spiele, 2 Tore). Parallel dazu durchlief Serdar nahezu alle Jugendmannschaften des DFB. Von der U16 bis hin zu U21 stehen bei ihm 30 Partien (4 Tore) zu Buche. Auf Schalke tritt er die Nachfolge von Leon Goretzka an.

  

Steven Skrzybski: Für die Offensive haben die Königsblauen Steven Skrzybski von Union Berlin verpflichtet. Der 26-Jährige kommt dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von ca. 3,5 Millionen Euro nach Gelsenkirchen und unterschreibt einen Drei-Jahres-Vertrag. „Steven ist torgefährlich, gibt immer 100 Prozent und ist in seinem Spiel sehr variabel. Deshalb kann er auch auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden“, beschreibt Tedesco bei S04.de seinen neuen Angreifer. Mit Skrzybski verlieren die Eisernen eine Identifikationsfigur. Mit acht Jahren wechselte er von der SG Stern Kaulsdorf zu Union. Mit 17 Jahren feierte er sein Profi-Debüt in der 2. Liga (136 Spiele, 29 Tore). Der Offensiv-Mann gilt in der Hauptstadt als ein Spieler, der sich durchbeißen kann und sich gegen Widrigkeiten stemmt. In all den Jahren an der Alten Försterei hat er sich kontinuierlich weiterentwickelt. Während Union die sportlichen Ziele in der letzten Saison deutlich verpasste, legte Skrzybski noch zu und erzielte 14 Tore. Nun sucht er eine neue Herausforderung. Gefunden hat er diese bei seinem anderen Herzensverein: Schalke 04. Und da heißt es: Bundesliga und Champions League anstatt 2. Liga! Genau das richtige, wie Skrzybski in einem Facebook-Post zu seinem Abschied geschrieben hat: „Ich will meine Grenzen ausloten.“ Sehr gerne, Steven. Gib Gäs!

Saison 2017 / 2018

RB Leipzig – S04 3:1 (1:0)

 

Den Knappen werden die Grenzen aufgezeigt. Der FC Schalke 04 muss sich bei Rasenballsport Leipzig völlig verdient mit 1:3 geschlagen geben. Auf den 0:1-Rückstand durch Naby Keita (41.) hatten die Knappen zwar nach dem Seitenwechsel noch durch Naldo eine Antwort zum 1:1 (55.). Doch von dem  Doppelschlag innerhalb von 120 Sekunden durch Timo Werner (69.) und Bruma (71.) erholten sich die Knappen nicht mehr und mussten sich nach 13 Pflichtspielen erstmals wieder geschlagen geben. Schalke machte sich das Leben mit fatalen Ballverlusten im Zentrum selber schwer. Dazu kam, dass die Offensive so gut wie gar nicht stattfand. Eine bittere Erkenntnis, da in der kurzen Winterpause besonders am Offensivspiel gefeilt wurde.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Ballverluste: Fehlpässe im Aufbauspiel gegen eine sehr gute Pressing-Mannschaft sind tödlich. Das bekamen die Königsblauen in Leipzig zu spüren. Und das, obwohl S04-Trainer Domenico Tedesco vor der Partie darauf hingewiesen hatte, dass man auf Risikobälle im Spielaufbau verzichten sollte, da die Hausherren nur auf diese Fehler warteten. 30 Minuten hielten sich die Knappen an den Plan, danach nahm das Unheil seinen Lauf, was Tedesco wurmte: „In den zweiten 45 Minuten hatten  wir insgesamt zu viele Ballverluste. Dadurch haben wir RB stark gemacht.“ Bereits vor dem 0:1 durch einen abgefälschten Schuss von Keita hätte ein leichtsinniger Ballverlust von Daniel Caligiuri an der Mittellinie fast zur Führung der Leipziger geführt. Den schnellen Gegenangriff stoppte Benjamin Stambouli mit einem Foulspiel an Jean-Kevin Augustin im Strafraum. Doch da hatten die Knappen noch Glück, dass Ralf Fährmann den fälligen Strafstoß des Gefoulten glänzend parierte (37.). In der 2. Hälfte häuften sich die Fehlpässe bei den Knappen, die Leipzig dann zu schnellen Gegenangriffen nutzte. Nach einem ungenauen Zuspiel links in der eigenen Hälfte, ging Konrad Laimer dazwischen. Nach einem gelupften Doppelpass mit Marcel Sabitzer legte Laimer quer auf Timo Werner. Der eingewechselte Nationalspieler musste nur noch zum 2:1 einschieben. Der Anfang vom Ende.

 

Tragische Figur: Mister Derby-Held Naldo avancierte zur tragischen Figur in Leipzig. Den Schuss von Keita fälschte der 35-Jährige unglücklich und damit unhaltbar für Fährmann ab. Auf der Gegenseite stand er dann bei einem Freistoß von Daniel Caligiuri goldrichtig und köpfte zum 1:1 aus. Doch danach hatte der Deutsch-Brasilianer den entscheidenden Fauxpas zu verantworten. Nach einem Ballgewinn war sein Pass zu Bastian Oczipka zu unsauber. Laimer ging dazwischen, der Rest ist bekannt. Und auch beim 1:3 machte Naldo eine unglückliche Figur, als er Brumas Schuss erneut unglücklich abfälschte. Unterm Strich ein gebrauchter Tag für Naldo, was den alten Haudegen aber bestimmt nicht umhauen wird.

 

Offensivspiel: Im Trainingslager im spanischen Benidorm lag der Fokus der Schalker im Offensivspiel. Schnelle Gegenangriff und vertikales Spiel standen auf der Tagesordnung. Doch davon war in Leipzig nicht viel zu sehen. Die Offensive der Knappen lag brach. Von Kombinationsspiel oder Tempo-Fußball konnte nicht die Rede sein, was vor allem auch der Aufstellung geschuldet war. Tedesco richtete sich nach dem Gegner und bot eine Elf auf, die vor allem gegen Ball stark sein sollte. Franco di Santo und Guido Burgstaller sind dafür bekannt, sehr gute verteidigende Stürmer zu sein und den Gegner übers Feld zu jagen. Zudem spielte der laufstarke Alessandro Schöpf im offensiven Mittelfeld neben Amine Harit, der damit der einzige Schalker Spieler war, der über eine gewisse Schnelligkeit verfügt. Das war insgesamt aber zu wenig, um die Leipziger Defensive in Verlegenheit zu bringen. Max Meyer hatte alle Hände voll mit der Defensive zu tun. Die offensiven Qualitäten von Oczipka und Caligiuri gegen stärkere Mannschaften sind genauso beschränkt wie die von Schöpf und den beiden Stürmer. Leider brachten auch der Ausgleich von Naldo sowie die Einwechslungen von Marko Pjaca und Breel Embolo keinen neuen Schwung ins Schalker Offensivspiel. Leipzig hatte weiterhin alles im Griff und gewann die Partie aufgrund ihres gut geölt Angriffspiels. Davon war Schalke leider weit entfernt und hat in Zukunft noch viel Luft nach oben.

 

RBL: Gulacsi – Öaimer, Orban, Upamecano, Bernardo – Kampl, Demme, Keita (67. Poulsen) – Sabitzer, Augustin (63. Werner), Bruma (84. Ilsanker)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Schöpf (55. Pjaca), Harit (82. Konoplyanka) – Burgstaller, di Santo (55. Embolo)
Tore: 1:0 Keita (41.), 1:1 Naldo (55.), 2:1 Werner (69.), 3:1 Bruma (71.)
Bes. Vork.: Fährmann hält Foulelfmeter (Stambouli an Augustin)von Augustin (37.)
Zuschauer: 42.255

Transferfenster wieder geöffnet

 

Seit dem 1. Januar 2018 ins das Transferfenster wieder geöffnet. Nun haben wieder alle Fußball-Vereine die Möglichkeit neue Spieler zu verpflichten oder auch abzugeben. Auch auf Schalke dreht sich bereits das Spielerkarussell. Bereits fix sind zwei Abgänge Abgang. Coke wird bis zum Saisonende an UD Levante ausgeliehen, Donis Avdijaj versucht in der Rückrunde sein Glück bei Roda Kerkrade. Für den Rest der Königsblauen Truppe ging es am Neujahrstag nach Benidorm ins Trainingslager. In Spanien begrüßten die Knappen direkt einen Rückkehrer. Bernard Tekpeteys Leihvertrag mit dem SCR Altach wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Der Ghanaer steht somit wieder im Kader der Schalker. Doch es gibt auch externe Neuzugänge am Schalker Markt:

 

Marko Pjaca: Schalke rüstet seine Offensive weiter auf. Mit Pjaca verpflichten die Knappen einen dribbelstarken Linksaußen, der über einen explosiven Antritt verfügt. Der Kroate wird für ein halbes Jahr von Juventus Turin ausgeliehen. Als Leihgebühr stehen 800.000 Euro im Raum plus die Übernahme des Gehaltes im Raum. Eine Kaufoption für S04 soll es nicht geben. Auf Schalke soll der 21-Jährige Spielpraxis auf höchstem Niveau sammeln. Nach seinem Kreuzbandriss im März 2017 kämpfte sich Pjaca zwar wieder ans Profi-Team heran, doch zu mehr als vier Partien (2 Tore, 3 Assists) reichte es bisher nicht. Da die Konkurrenz in Turin groß ist und Pjaca seine WM-Chance wahren will, entschloss er sich für eine Ausleihe. Der Sohn eines Wrestlers und einer Judoka begann seine Karriere mit neun Jahren bei Dinamo Zagreb. Nach einem einjährigen Intermezzo in der Jugend bei ZET Zagreb landete Pjaca 2010 bei NK Lok Zagreb, wo ihm der Durchbruch gelang. Mit 16 Jahren debütierte er 2012 in der 1. kroatischen Liga. Nach 48 Erstliga-Spielen und neun Toren holte ihn Dinamo zurück. Dort setzte Pjaca in der Europa League mit drei Treffern beim 4:3-Erfolg gegen Celtic Glasgow ein dickes Ausrufezeichen. Internationale Top-Vereine buhlten um das Talent, Juventus Turin erhielt 2016 schlussendlich für 23 Millionen Euro den Zuschlag. Trotz großer Konkurrenz kam Pjaca zu seinen Einsatzzeiten (14 Spiele). Bis den 13-maligen kroatischen Nationalspieler (1 Tor) die Knieverletzung stoppte. Auf Schalke will er wieder in Form kommen und durchstarten.

 

Cedric Teuchert: Es scheint so langsam Tradition zu werden, dass die Knappen sich in der Winterpause beim 1. FC Nürnberg bedienen. Teuchert ist nach Allessandro Schöpf (2016) und Guido Burgstaller (2017) bereits der dritte Wintertransfer in Folge vom Glubb. Für angeblich eine Million Euro plus möglichen Bonuszahlungen in derselben Höhe wechselt der 20-Jährige ins Ruhrgebiet und unterschreibt einen Vertrag bis Sommer 2021. „Cedric ist ein junger, talentierter Spieler, der über eine freche Spielweise und einen guten Torriecher verfügt“, freut sich S04-Coach Domenico Tedesco, der ihn selbst in Nürnberg gescoutet haben soll, über seinen neuen Mann in der Offensive. Der Flügelflitzer bringt enormes Tempo mit und ist dribbelstark. Zudem weiß er, wo das Tor steht. In der U17-Bundesliga (38 Spiele, 27 Tore) und der U19-Bundesliga (22 Spiele, 16 Tore) war Teuchert in der Nürnberger Jugend (kam 2009 vom DVV Coburg) äußerst treffsicher. Die Folge: Profi-Debüt für den Glubb mit 17 Jahren. Seitdem erzielte er in der 2. Liga elf Treffer in 41 Spielen. Schweren Herzens geben die Franken ihr Talent jetzt ab. Allerdings lief sein Vertrag im Sommer 2018 aus, so dass sie zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Ablöse kassieren konnten. Auf Schalke gilt es für Teuchert nun den nächsten Schritt zu gehen. Er muss zeigen, dass seine Stärken auch in der Bundesliga Waffen sind. Vor allem muss Teuchert an Robustheit gewinnen und seine Leistung konstant abrufen.

S04 - 1. FC Köln 1:0 (0:0)

 

Kopfballungeheuer Maxl schießt Schalke ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Dank des Treffers von Max Meyer hat der FC Schalke 04 den 1. FC Köln mit 1:0 besiegt. Nach einem Eckball von Bastian Oczipka köpfte Meyer den Ball am ersten Pfosten per Bogenlampe ins lange Eck (63.). Damit war das Kölner Abwehrbollwerk geknackt und Schalke auf der Siegesstraße. Am Ende versäumten es die Knappen nachzulegen. Doch gegen harmlose Geißböcke hielt die knappe Führung bis zum Schlusspfiff.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Meyer: Schalkes Nummer 7 krönte mit dem Treffer des Tages seine starke Hinrunde. Der Schachzug von Domenico Tedesco Meyer auf die Sechs zu stellen, war genial. Meyer entwickelte sich nicht nur zum passsicheren Taktgeber im Spielaufbau, sondern mutierte auch zur Kampfsau vor der Abwehr. Diese Transformation des 22-Jährige hielt ich für unmöglich. Doch was Meyer daraus gemacht hat, war schlichtweg überragend. Der Siegtreffer gegen Köln war letztendlich sein i-Tüpfelchen auf eine starke Hinrunde.

 

Spielaufbau: Bis Schalke auf Kurs kam, war es ein hartes Stück Arbeit. Vor allem in den ersten 45 Minuten bissen sich die Knappen die Zähne am Kölner Abwehrbeton aus. Die Geißböcke erwarteten die Königsblauen zehn Meter in der eigenen Hälfte und machten die Räume dicht. Schalke suchte nach Lösungen, machte sich das Leben aber selber schwer. Im Spielaufbau versuchten sie es zu oft durch die Mitte zu spielen. Ohne Erfolg, da Naldo und Thilo Kehrer, bereits in der gegnerischen Hälfte, viele Fehlpässe spielten. Schalke hatte Glück, dass die Kölner mit den abgefangenen Bällen nichts anfangen konnten und harmlos bei den Kontern waren. Erst nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel der Knappen besser, da sie versuchten, über die Außen zu kommen. Das funktionierte besser, so dass sie auch endlich zu Chancen kamen. Und nach einer Ecke knackten sie den Beton.

 

Slapstick: Nach dem Rückstand mussten die Kölner ihre defensive Taktik aufgeben und selber offensiv aktiv werden. Allerdings blieb es lediglich bei dem Versuch. Gefährlich wurde es bis zum Schluss nicht, auch wenn man bei den langen Bällen zitterte – Wolfsburg lässt grüßen. Schalke verpasste es, den Sack mit dem 2:0 vorzeitig zuzumachen, weil sie ihre Konter schwach ausspielten. Am Ende sorgten sie noch für eine Slapstick-Einlage. Nach einer Flanke von Guido Burgstaller hätte sich Weston McKennie aus fünf Metern mit dem Kopf nur noch die Ecke aussuchen müssen. Doch Breel Embolo kam dem US-Boy in die Quere. Per Fallrückzieher versuchte der Schweizer den Ball zu versenken. Und so behinderte sich beide Schalker gegenseitig und brachten nichts zu Stande :-)

 

S04: Fährmann – Kehrer (46. Stambouli), Naldo, Nastasic – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Schöpf (79. McKennie), Harit – di Santo (75. Embolo), Burgstaller
Köln: T.Horn – Olkowski (39. Clemens), Sörensen, Meré, Heintz, J.Horn – Lehmann, Özcan – Klünter (70. Höger), Jojic, Führich (71. Goden)
Tor: 1:0 Meyer (63.)
Zuschauer: 56.392

Eintracht Frankurt – S04 2:2 (1:0)

Na- Na- Naldo, der Mann für die Nachspielzeit. Er hat es schon wieder getan. Wie schon im Revier-Derby in der verbotenen Stadt. Es war erneut die 90.+04 Minute. Schalke lag zurück und Naldo schoss die Königsblauen in die Glückseligkeit. Dank des Treffers in der Nachspielzeit des 35-jährigen Deutsch-Brasilianers hat sich der FC Schalke 04 bei Eintracht Frankfurt noch ein 2:2 gesichert und legte erneut ein starkes Comeback in einem Auswärtsspiel hin. Wie schon in Dortmund und in Mönchengladbach ließen die Knappen nach einem Rückstand nicht die Köpfe hängen. In Frankfurt hieß es nach Treffern von Luka Jovic (1.) und Sebastien Haller (66.) bereits 2:0 für die Eintracht. Doch der S04 zeigte Moral. Breel Embolo hauchte den Knappen mit dem 1:2-Anschlusstreffer (82.) neue Hoffnung ein. Und der unbedingte Wille wurde belohnt. Langer Ball von Benjamin Stambouli, Guido Burgstaller und Breel Embolo wuselten im Strafraum. Irgendwie rollte der Ball Richtung Strafraumgrenze. Naldo nahm Maß und versenkte die Kugel flach ins rechte Eck - der 2:2-Ausgleich.

Dreierpack zum Spiel

Unkonzentriert: Es war nicht einmal eine Minute gespielt im Waldstadion, da stand es schon 0:1 aus Schalker Sicht. Stambouli unterschätzte einen langen Ball und wurde danach von Ante Rebic böse vernascht. Danach ging es schnell. Pass zu Mijat Gacinovic, der mit seinem Querpass Matija Nastasic tunnelte, und in der Mitte Jovic mustergültig bediente. Der 19-Jährige netzte unbedrängt aus fünf Metern ins Schalker Tor ein. Durch diese Unachtsamkeit waren die Gelsenkirchener gezwungen direkt aktiv zu werden. Das machten sie auch, taten sich aber schwer zum Abschluss zu kommen. Die beste Chance vergab Alessandro Schöpf, dessen Schuss SGE-Keeper Peter Hradecky glänzend parierte (45.). Nach der zweiten Unkonzentriertheit von Stambouli schlug die Eintracht erneut zu. Sein Pass im Spielaufbau zu Schöpf war zu kurz und durchsichtig. Gacinovic fing die Kugel ab und ging steil. Im Strafraum ließ er Max Meyer alt aussehen und spielte quer. In der Mitte vollendete Haller per Hacke zum 2:0. Schalke mit dem Rücken zur Wand.

Schlechte Standards: Gegen die körperbetont agierenden Frankfurter gelang es den Schalkern kaum gefährlich vor das Frankfurter Tor zu kommen. Immerhin erarbeiteten sich die Knappen durch die Spielweise der Eintracht viele Freistöße. Eigentlich sind ruhende Bälle eine Stärke der Königsblauen, doch an diesem Nachmittag waren sie lediglich Rohrkrepierer. Frankfurt hatte kaum Mühe diese Bälle zu verteidigen. Die meisten Hereingaben waren Ivan-Rakitic-Gedächnis-Bälle, ohne Bums dahinter. Zudem war Naldo durchgehend der Zielspieler, worauf sich die Eintracht sehr gut eingestellt hat. Gerade in Spielen, wo es nicht rund läuft, tut es besonders weh, wenn die Standards stumpfe Waffen sind.

Comeback-Könige, aber … Trotz Rückstands kämpfte Schalke bis zum Schluss. Genau das ist es, was man auf Schalke sehen will: die Malocher-Mentalität. Und das hat S04-Trainer Domenico Tedesco der Mannschaft anscheinend eingeimpft. Auch wenn man aussichtslos zurück liegt: die Jungs sollen kämpfen. 0:4 in Dortmund, 0:1 in Gladbach und 0:2 in Frankfurt. Schalke lag am Boden, zeigte aber den Willen und die Moral weiter zu machen. Und wurde belohnt. Diesen Charakter zeichnet die Königsblauen aktuell aus. Allerdings darf man jetzt nicht alles rosarot sehen. Embolos Zitat, „Es fühlt sich wie ein Sieg an“, mag ja psychologisch durchaus stimmen, doch am Ende gibt es nur einen Punkt für das 2:2. Immer nur moralischer Sieger zu sein, bringt nichts Zählbares. Denn Fakt ist auch, dass diese Mannschaft sich selbst erst in die missliche Lage gebracht hat. Warum klappt es bei Schalke auswärts erst, wenn sie in Rückstand geraten? Zwar lobte Naldo den Trainer: „Umstellungen und Anweisungen haben uns auf den richtigen Weg gebracht“. Jedoch muss man hinterfragen, warum Tedescos Plan A für das Spiel erneut nicht funktioniert hat. Natürlich ist es eine Stärke, einen Plan zu korrigieren und ihn nicht blindlings durchzuboxen. Schalke sollte sich nicht nur auf seine Comeback-Qualitäten verlassen, sondern aus den Fehlern zu Beginn des Spiels lernen. Nichtsdestotrotz machte jedes einzelne Comeback der letzten drei Spielen jeden Schalker stolz.

SGE: Hradecky – Salcedo, Russ, Falette – Wolf, Boateng, Fernandes, Willems (42. Chandler) – Gacinovic – Jovic (82. Barkok), Rebic (50. Haller)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Schöpf (81. McKennie), Harit (56. di Santo) – Burgstaller, Konoplyanka (68. Embolo)
Tore: 1:0 Jovic (1.), 2:0 Haller (66.), 2:1 Embolo (82.), 2:2 Naldo (90.+4)
Zuschauer: 50.600

S04 – FC Augsburg 3:2 (1:0)

 

Effektive Knappen siegen trotz Blackout! Der FC Schalke 04 hat sich gegen den FC Augsburg mit 3:2 durchgesetzt. Nach einer müden ersten Halbzeit nahm das Spiel nach dem Seitenwechsel rasant an Fahrt auf. Dabei sahen die Königsblauen nach 47 Minuten wie der souveräne Sieger aus. Nachdem Franco di Santo (44.) und Guido Burgstaller (47.) die Königsblauen mit 2:0 in Führung geschossen hatten, sprach alles für die Hausherren. Doch Augsburg erwachte nach dem Rückstand und schlug zurück. Caiuby verkürzte nach einer Ecke von Philipp Max auf 1:2 (64.). Die Fuggerstädter machten weiter Druck und kamen zum verdienten Ausgleich. Michael Gregoritsch verwandelte einen Foulelfmeter sicher zum 2:2 (79.). Zuvor hatte Matija Nastasic seinen einzigen Blackout im Spiel und Bastian Oczipka konnte Gregoritsch nur per Foul stoppen. Das sah zwar Schiedsrichter Sven Jablonski nicht. Doch der Video-Assistent ahndete das Vergehen, so dass der Referee auf Strafstoß entschied. Schalke taumelte, setzte aber noch einen Lucky Punch. Daniel Caligiuri blieb cool und versenkte einen Foulelfmeter zum 3:2-Endstand (83.).

 

Dreierpack zum Spiel

 

Effektive Knappen: Über weite Strecken des Spiels bissen sich die Schalker die Zähne an den Augsburgern aus. Dabei hätten sie fast einen Traumstart hingelegt. Doch Weston McKennie schaffte es irgendwie, den Querpass von Burgstaller aus weniger als einem Meter nicht über die Linie zu bringen. Danach war es aber schon vorbei mit der blau-weißen offensiven Herrlichkeit. Gegen die kompakten Gäste, die sich im 5-2-3 tief fallen ließen und auch nichts für die Offensive taten, fanden die Hausherren kein Mittel. Die Doppelspitze mit di Santo und Burgstaller hing in der Luft. Zündende Ideen waren Mangelware. Doch aus dem Nichts explodierte die S04-Offensive kurz vor der Pause. Mit einer genialen Körpertäuschung vernaschte Harit Gegenspieler Max. Den Querpass vollendete di Santo aus fünf Metern per Hacke zum 1:0. Ein geiles Ding! Schalke effektiv und machte nach dem Seitenwechsel direkt weiter. Erst scheiterte Oczipka freistehend an Hitz, di Santos Nachschuss wurde zur Ecke abgewehrt (46.). Naldo köpfte Oczipkas Ecke an den zweiten Pfosten, wo Burgstaller die Kugel mit dem langen Bein über die Linie drückt. Nach zähen 47 Minuten stand es aus dem Nichts 2:0 für Schalke – vier Torchancen, zwei Treffer. Die Hausherren mit einem souveränen Heimsieg? Von wegen.

 

Blackout: Schalke führte 2:0, doch danach riss der Faden komplett. Bei den Hausherren ging nichts mehr und Augsburg drehte so richtig auf. Bei den Gäste lief auf einmal die Kugel wie am Schnürchen. Schalke hatte überhaupt keinen Zugriff mehr auf den Gegner. Das eigene Pressing funktionierte überhaupt nicht und auf das aggressive Pressing der bayerischen Schwaben kamen sie überhaupt nicht zurecht. So wurden viele Bälle einfach nur nach vorne geschlagen. Dazu kamen die Schalker Spieler nicht mehr in die Zweikämpfe und gewannen so gut wie keinen Kopfbälle oder zweiten Bälle. Die Quittung folgte mit zwei Gegentoren. Schalke wackelte, fiel aber nicht.

 

Comeback: Schalke taumelte 30 Minuten lang gegen stark aufspielende Augsburger und schenkte einen 2:0 Vorsprung her. Doch die Knappen bäumten sich noch einmal auf und legten wieder den Vorwärtsgang ein. Jeffrey Gouweleeuw vertändelte die Kugel. Harit zog in den Strafraum und wollte Hitz umkurven. Der FCA-Keeper traf Schalkes Nummer 25 am Fuß. Jablonski zeigte sofort auf den Punkt – Elfmeter. Doch der Videobeweis wurde konsultiert, die Entscheidung wurde aber nicht revidiert. Caligiuri blieb cool und traf flach ins linke Eck. Schalke jubelte und besann sich wieder auf konzentrierte Defensivarbeit. Sie ließen nichts mehr anbrennen und fuhren den Heimsieg nach Hause.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Harit (87. Kehrer), McKennie – di Santo (72. Embolo), Burgstaller (86. Reese)
FCA: Hitz – Opare, Danso (62. Khedira), Gouweleeuw, Hinteregger, Max – Baier (87. Schmid), Koo – Gregoritsch, Finnbogason, Caiuby
Tore: 1:0 di Santo (44.), 2:0 Burgstaller (47.), 2:1 Caiuby (64.), 2:2 Gregoritsch (79., FE), 3:2 Caligiuri (83.)
Zuschauer: 59.215

Borussia M’Gladbach – S04 1:1 (1:0)

 

Ordentlicher Auftritt der Königsblauen! Im Borussia-Park haben sich Borussia Mönchengladbach und der FC Schalke 04 1:1 getrennt. Die Fohlen-Elf ging durch Christoph Kramer mit 1:0 in Front (23.). Die Knappen kamen durch ein Eigentor von Jannik Vestergaard zum 1:1-Ausgleich (62.). Kurz vor Schluss hatte der eingewechselte Guido Burgstaller die dicke Chance zum Siegtreffer für die Königsblauen. Doch nach einem sehr gut ausgespielten Konter scheiterte der Österreicher im Eins-gegen-Eins an Yann Sommer (87.). Auch wenn die Schalker am Ende dieser Möglichkeit ein wenig hinterher trauern, war es unter dem Strich ein leistungsgerechtes Unentschieden.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Systemumstellung: Schalke Trainer Domenico Tedesco überraschte in Gladbach. Zum einen mit der Aufstellung, in dem er auf Franco di Santo und Breel Embolo für Burgstaller und Yevhen Konoplyanka in der Startelf setzte. Zum anderen, weil Tedesco das System umstellte. Anstatt im 3-4-3 agierten der S04 im 4-1-4-1. Dabei bildeten Thilo Kehrer (defensiv) und Embolo (offensiv) die rechte Seite und Bastian Oczipka (defensiv) und Daniel Caligiuri (offensiv) die Linke. Doch das Experiment wurde schon nach einer Viertelstunde ad acta gelegt. Vor allem in der Offensive lief nicht viel zusammen. Tedesco stellte wieder auf das gewohnte 3-4-3 auf, um einen besseren Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Doch auch nach der Umstellung hatten die Schalker ihre Probleme mit den kombinationssicheren Fohlen. Vor allem, wenn sie in der gegnerischen Hälfte Ballverluste zu verzeichnen hatten und die Stindls, Raffaels, Hazards und Grifos blitzschnell ausschwärmten. Aus so einem Konter ergab sich eine Ecke für Gladbach. Matthias Ginter verlängerte gegen Kehrer die Kugel per Kopf an den 2. Pfosten, wo sich Kramer im Rücken von Embolo davon schlich und mit dem langen Bein aus kurzer Distanz zum 1:0 (23.) einnetzte. Zwar hatten die Schalker fast eine Antwort parat, als Ginter Kehrers Schuss auf der Linie per Kopf abwehrte (31.), dennoch war Gladbach das gefährlichere Team. Kurz vor der Pause übernahm dann mal wieder der Videobeweis die Hauptrolle …  

 

Videobeweis: Da ist das Ding wieder, der Videobeweis. In Gladbach wurde es wieder wild. Der Reihe nach. Grifo knallte die Kugel gegen die Latte, Stindl staubte zum 2:0 ab. Tor? Nein, denn der Schiedsrichter-Assistent hob - zu Recht - die Fahne, da Stindl beim Lattenschuss im Abseits stand (37.). Dennoch bemühte Schiedsrichter Sascha Steegmann den Videoassistenten. Die Entscheidung kein Tor blieb, aber nicht wegen der Abseitsstellung vor dem Tor, sondern wegen Abseits von Stindl zehn Sekunden vor dem nicht gegeben Treffer. Zurück in die Vergangenheit, Teil 1. Und es folgte Teil 2. gute 04 Minuten später. Da ging es wieder um einen Regelverstoß 20 Sekunden zuvor. Naldo foulte Stindl. Steegmann zeigte auf den Elfmeterpunkt – unstrittig. Doch dann ging es los. Videobeweis, das Warten begann. Der Schiedsrichter lief selbst zum Monitor. Die Entscheidung: kein Elfmeter! Freistoß für Schalke an der Grundlinie. Was? Warum? Die Aufklärung für den Fernsehzuschauer kam kurz darauf. 20 Sekunden bevor Naldo foulte, hatte Oskar Wendt Daniel Caligiuri mit einem Check zu Boden gebracht. Steegmann sah die Aktion, wertete es nicht als Foul und ließ weiter spielen. Doch Anhand des Videobeweises wurde nun Wendts Check als Foul gewertet und somit auf Freistoß für Schalke entschieden. Obwohl Schalke von dieser Entscheidung profitierte, ist diese Entscheidungsfindung aus meiner Sicht ein Witz. Steegmann hatte eine gute Sicht und bewertete die Situation zwischen Caligiuri und Wendt nicht als Foul. Eine Tatsachenentscheidung, die in dieser Situation nicht spielentscheidend war. Daraus entstand eine neue Spielsituation, aus der Sekunden später ein Elfmeter für Gladbach heraussprang. Dieser wird nicht gegeben, weil man zurück in die Vergangenheit geht und sich anschaut, ob es da eventuell einen Regelverstoß gab? Das ist mir des Guten zu viel. Vor allem tun mir mal wieder die Zuschauer im Stadion leid, die von alldem Wahnsinn nichts mitbekommen und im Ungewissen gelassen werden, weil die Entscheidung nicht erklärt wird. Hege brachte es auf den Punkt: „Die Umsetzung des Videobeweises ist einfach nur lächerlich.“

 

Zwei Gesichter: Wie schon in der verbotenen Stadt zeigten die Königsblauen in Gladbach ihre zwei Gesichter. Wobei man ihnen zu Gute halten muss, dass das „schlechte“ Gesicht in beiden ersten Halbzeiten gar nicht unter aller Sau war. Man muss auch mal feststellen, dass der Gegner es in den ersten 45 Minuten offensiv richtig gut bzw. effektiv gemacht hat. Die Fohlen waren flink und kombinationssicher. Doch Schalke begünstigte diese Situationen durch Ballverluste in der gegnerischen Hälfte. Dadurch kam die Defensive ins Wackeln. Beispielsweise misslangen in Gladbach zwei Seitenwechsel. Die Pässe über 30 bzw. 40 Metern quer in der gegnerischen Hälfte waren zu durchsichtig bzw. zu kurz. Für den 2. langen Fehlpass wurden die Königsblauen bestraft. Nach dem Konter gab es die Ecke, die zum Tor führte. Doch mittlerweile verkraften die Schalker solche Rückschläge. Sie zeigen dann ihr „gutes“ Gesicht, indem sie in der Lage sind, zurück zu schlagen. In Gladbach war mit dem Eigentor von Vestergaard nach Caligiuri-Flanke etwas Glück dabei. Doch nach dem Ausgleich übernahm die Knappen das Kommando und verdienten sich den Ausgleich. Plötzlich waren sie das spielbestimmende Team, das Gladbach in Verlegenheit brachte. Und fast hätte es noch zum Auswärtssieg gereicht, wenn Burgstaller nicht seinen Meister in Sommer gefunden hätte. Es bleibt aber festzuhalten, dass Schalke aus den letzten drei Spielen „nur“ drei Mal Remis spielte. Sowohl in Dortmund, gegen Köln und in Gladbach gab es Phasen, wo Schalke zu viele Ballverluste in der gegnerische Hälfte hatte, aus denen gefährliche Konter bzw. auch Tore entstehen. Diese gilt es abzustellen, was aber auch gleichzeitig heißt, weiter an der Offensive zu feilen.

 

BMG: Sommer – Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt – Kramer (79. Cuisance), Zakaria – Hazard, Grifo (76. Bobadilla) – Raffael, Stindl
S04: Fährmann – Kehrer (67. Stambouli), Naldo, Nastasic, Oczipka – Meyer – Embolo (60. Burgstaller), McKennie, Harit (83. Konoplyanka), Caligiuri – di Santo
Tore: 1:0 Kramer (23.), 1:1 Vestergaard (62., ET)
Zuschauer: 54.018

S04 – 1. FC Köln 2:2 (1:0)

 

Ärgerliches Remis gegen den Tabellenletzten. Der FC Schalke 04 ist gegen den 1. FC Köln nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus gekommen. Trotz zweimaliger Führung durch Guido Burgstaller zum 1:0 (36.) und Amine Harit zum 2:1 (72.) schafften es die Königsblauen nicht, den Sieg einzufahren. Die Geißböcke kämpften sich zwei Mal zurück ins Spiel und kamen durch Sehrou Guirassy jeweils zum Ausgleich (50., 78.). Auch wenn der zweite Gegentreffer diskutabel war, müssen sich die Knappen an die eigene Nase fassen. Beide Gegentore fielen nach Standardsituationen, die die Kölner immer wieder provozierten und Schalke ihnen gewährte. Da fehlte den Knappen die Cleverness. Doch vor allem offensiv versäumten sie es nachzulegen und die verunsicherten Gäste in Bedrängnis zu bringen. Zwar hatte Naldo wie im Derby nach einem Eckball die Chance zum Tor, allerdings ging der Ball dieses Mal knapp links vorbei (90.). Es wäre an diesem Abend aber wohl des Guten zu viel gewesen, auch wenn sich die Schalker darüber keinesfalls beschwert hätten.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Videobeweis bei Handspiel: Ja, was denn nun? Der Videobeweis sorgte mal wieder für Unmut. Nach einem Schuss von Guirassy bekam Benjamin Stambouli den Ball aus kurzer Distanz an den Arm. Schiedsrichter Tobias Stieler ließ weiter spielen, der Video-Schiedsrichter schritt aber ein. Allerdings war es nicht so eindeutig, so dass Stieler selbst zum Monitor laufen und sich die Szene ansehen musste. Daraufhin entschied der Referee auf Strafstoß. Für Schalke-Trainer Domenico Tedesco war die Entscheidung ein Witz. Hätte Stieler keinen Elfmeter gegeben, hätte es durchaus berechtigte Proteste der Kölner gegeben. Aber was ist richtig und was ist falsch? Das Problem: es scheint Auslegungssache der Regel zu sein. Uwe veranschaulichte es in der Horster Kurve: „Ich verstehe nicht mehr, wann Hand im Strafraum gewertet wird. Letzte Woche schiebt Aubameyang das Spielgerät auf der Torlinie mit der Hand ins Tor. Argument: keine Absicht. Von Stambouli war es auch keine Absicht, aber der Arm ist zu hoch. Ich lache mich schlapp.“ Im Derby war es Aubameyang, gegen Köln Stambouli. Damit war es bereits das vierte Mal in dieser Saison, wo es auf Schalke Diskussionen wegen eines Handspiels gibt. In Hannover wurde das Handspiel von Salif Sane im Strafraum nicht mit einem Strafstoß geahndet, auch nicht vom Videoassistenten. Für dasselbe Sane-Handspiel von Naldo gab es nach dem Videobeweis einen Elfmeter für Bayern. Eine einheitliche Auslegung sieht eindeutig anders aus und sorgt mal wieder für Ärger.

 

Klare Worte von Tedesco: Auch wenn die Elfmeter-Entscheidung für Diskussionen sorgte, war es nicht der Hauptgrund, warum die Königsblauen nur einen Punkt gegen Köln holten. Dabei fingen die Schalker überragend an. Harit wirbelte, Burgstaller traf aber nur die Latte (7.). Doch mit der ersten Chance der Kölner haben die Knappen den Faden verloren. Zwar parierte Ralf Fährmann stark im Eins-gegen-Eins gegen Milos Jojic (11.), doch der Schwung der Schalker war bis zum Ende des Spiels raus. Tedesco analysierte offen und ehrlich: „Wir waren lethargisch und langsam. Wir haben viele Spielminuten verschlafen und verschleppt. Köln hat uns in Manndeckung genommen. Es war so, dass die Kölner im ersten Durchgang zu zwei, drei eingeladen wurden und wir sie dadurch stark gemacht haben. Wir hätten es nicht zu 100 Prozent verdient gehabt, zu gewinnen.“ Dabei konnte es Schalke auch anders, wie sie bei den beiden Toren zeigten …

 

Starke Tore: Plötzlich explodierte die Schalker Offensive. Daniel Caligiuri zog endlich mal an und machte den Weg in die Tiefe. Max Meyer chippte ihm die Kugel über die Kölner Abwehrreihe perfekt in den Lauf. Caligiuri umspielte FC-Keeper Timo Horn und legte aus der Drehung quer, so dass Burgstaller den Ball nur noch in das leere Tor zum 1:0 schob. Genauso ansehnlich das 2:0. Burgi ließ auf dem rechten Flügel Frederik Sörensen alt aussehen. Nach dem Doppelpass mit Breel Embolo stürmte der Österreicher in den Strafraum. Querpass in die Mitte, wo Harit mit der Fußspitze den Ball über die Torlinie bugsierte. Leider kam die Abteilung Attacke nur zwei Mal so richtig in Fahrt. Ansonsten war viel Leerlauf mit Ungenauigkeiten, Fehlpässen und fehlenden Ideen. Zu wenig, um zu Hause den Tabellenletzten zu besiegen.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic (82. Schöpf) – Caligiuri, McKennie (56. Goretzka), Meyer, Oczipka – Harit, Burgstaller, Konoplyanka (70. Embolo)
Köln: T.Horn – Meré (46. Bisseck), Sörensen, J.Horn – Olkowski, Lehmann, Özcan, Rausch – Jojic (72. Clemens), Guirassy (82. Handwerker) – Osako
Tore: 1:0 Burgstaller (36.), 1:1 Guirassy (50.), 2:1 Harit (72.), Guirassy (78., Handelfmeter)
Gelb-Rot: Osako (90.+3, Schwalbe)
Zuschauer: 61.761

Borussia Dortmund - S04 4:4 (4:0)

 

Wahnsinn, da wirst Du verrückt! 0:4-Rückstand zur Pause. 4:4-Ausgleich in der 90. plus NullVier. Dazu noch Rudelbildungen während und nach dem Spiel, ein Platzverweis, ein aberkanntes Tor nach dem Videobeweis sowie ein Aluminiumtreffer. Emotion, Spannung, Himmel und Hölle – Dramatik pur im Revier-Derby. 4:4 haben sich Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 getrennt. Ein Spiel für die Geschichtsbücher.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Kompletter Systemausfall: „Nicht zu fassen“, kommentierte Hege nach 25. Spielminuten das Geschehen auf dem grünen Rasen. Gerade war das 4:0 für Dortmund gefallen. Was ist da in der letzten Viertelstunde passiert? Schalke hatte einen kompletten Systemausfall. Da ging gar nichts mehr. Dabei hatte es gut begonnen. Schalke presste und hatte durch Yevhen Konoplyanka das 1:0 für S04 auf dem Fuß. Sein Lupfer ging aber über das Tor (2.). Dortmund wirkte verunsichert und spielte ungenaue Pässe, die ins Aus gingen. Da geht was für Schalke! Doch falsch gedacht. Nach zehn Minuten kippte die Partie. Erster schneller Angriff der Hausherren über rechts. Christian Pulisic zu Nuri Sahin, dessen Schuss misslang. Aber am 2. Pfosten war Pierre-Emerick Aubemeyang einen Meter vor dem Tor eine Fußspitze vor Benjamin Stambouli am Ball. Ralf Fährmann parierte glänzend, doch die Kugel ging von Aubameyangs Hand über die Linie. Handspiel? Nein, reguläres Tor 1:0 (12.). Darüber lässt sich natürlich diskutieren. Wäre die Hand nicht da gewesen, wäre der Ball niemals ins Tor gegangen. Von absichtlichem Handspiel kann aber auch keine Rede sein. Nur: mal wird so etwas abgepfiffen, mal nicht. Pech für Schalke, bei denen in der Folgezeit nichts mehr zusammenlief. Und bei den Zecken waren die nächsten drei Torschüsse – und nicht nur deren – irgendwie wieder im S04-Nest. Freistoß Sahin, Stambouli unbedrängt mit der Fußspitze ins eigene Netz – 0:2 (18.). 120 Sekunden später. Konoplyanka will am gegnerischen Strafraum zum Ball und prallte voll auf Schiedsrichter Deniz Aytekin. Konter Dortmund. Aubameyang marschierte auf rechts und flankte. Daniel Caligiuri unterlief die Kugel und Mario Götze köpfte zum 3:0 (20.) ein. Schalke taumelte. Ein geblockter Schuss von Aubameyang landete bei Raphael Guerreiro. Der Portugiese nahm die Kugel volley und traf zum 4:0 (25.) in die Maschen. Beim Stand von 0:0 wäre der Ball wahrscheinlich in den Oberrang geflogen. Aber in dieser Phase hätten die Borussen wohl aus Scheiße Gold gemacht. Denn so richtig wussten die Dortmunder auch nicht, warum sie gerade 4:0 im Revier-Derby führten. Jeder Torschuss war ein Treffer. Dabei waren die Hausherren nicht einmal überragend, Schalke aber auch nicht erbärmlich. Nur es gibt so Phasen, wo bei einer Mannschaft alles gelingt, beim anderen Team nichts. Nach dem 4:0 beruhigte sich die Partie und Schalker Trainer Domenico Tedesco reagierte noch vor der Pause. Doppelwechsel (34.): Leon Goretzka und Amine Harit ersetzten Weston McKennie (gelb-rot-gefährdet) und Franco di Santo. Irgendwie noch ohne weiteren Gegentreffer in die Pause kommen. Und Schalke hatte noch Glück, dass sie mit elf Mann in die Kabine gehen konnten. Der gelb vorbelastet Thilo Kehrer senste Andriy Yarmolenko an der Seitenlinie um. Dank der Gnade Aytekins durfte Kehrer weiterspielen. Aber nur bis zur Pause. Ihn ersetzte Matija Nastasic.

 

Reboot zur Pause: In der Kabine soll Tedesco ruhig zur Mannschaft gesprochen haben. Die erste Halbzeit sollte die Mannschaft vergessen und einen Reboot (Neustart) vollziehen. Die neue Marschroute lautete: es geht bei 0:0 los und man will die 2. Halbzeit gewinnen. Von einem Wunder war überhaupt nicht die Rede. Was folgte, war eine legendäre 2. Hälfte. Dabei schien es zunächst so, als ob sich das Seuchen-Spiel fortführen würde. Naldo köpfte eine Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka zum 1:4 ins Tor (53.). Doch der Video-Assistent schritt ein: Abseits! Leider korrekt, aber zum Kotzen. 180 Sekunden später fast das 5:0. Fährmann wollte Aubameyang ausspielen und verlor den Ball. Der Gabuner zieht aus spitzem Winkel ab, doch Fährmann hechtete zur Kugel und wehrte zur Ecke ab (56.). Leck die Ziege! Doch nach einer Stunde begann sich die Partie zu drehen. Stambouli schlug einen langen Ball aus der eigenen Hälfte. Guido Burgstaller köpfte aus 16 Metern die Kugel über dem zu weit vor seinem Tor stehenden Roman Weidenfeller ins Netz – Anschlusstreffer zum 1:4 (61.). Wenigstens der Ehrentreffer, oder doch mehr? NullVier Minuten später: Konoplyanka flankte von links mit rechts. Sahin unterlief den Ball, Harit vollendete zum 2:4 (65.). Uiiii, geht hier doch noch was? Die Antwort lautete: Jaaaa! Aubameyang säbelte Harit in der eignen Hälfte um. Der Gabuner hatte schon Gelb gesehen und sah die Ampelkarte (72.). Kurz darauf die dicke Chance für Burgstaller zum 3:4. Doch seinen Kopfball lenkte Weidelfeller an den Pfosten (73.). Der Glaube bei den Knappen an das Wunder war zu spüren. Bei Dortmund kam die Verunsicherung zurück. Die Wechsel von BxB-Trainer Peter Bosz ließen sogar Angst vermuten: Gonzalo Castro für Mario Götze (79.) und Dan-Axel Zagadou für Raphael Guerreiro (83.). Defensive Kräfte sollten für offensive Akteure die Schotten hinten dicht machen. Als ob Dortmund verteidigen kann. Allerdings musste Schalke zunächst noch einen Rückschlag einstecken. Castro trat Harit fies auf die Wade. Schalkes Nummer 25 musste vom Platz getragen werden und wurde minutenlang behandelt. Die Überzahl war dahin, da Tedesco bereits drei Mal gewechselt hatte. Doch Harit biss auf die Zähne und humpelte zurück aufs Feld. Die Knappen drängten. Es folgte der große Auftritt von Caligiuri. Der 29-Jährge tankte sich bis zur Grundlinie durch, zog nach innen in Richtung Elfmeterpunkt und feuerte die Kugel mit links ins lange Eck – Tooooooor! Nur noch 3:4 (86.). Die Spannung stieg, die Emotionen kochten über. Zweikampf zwischen Konoplyanka und Sokratis an der Seitenlinie. Der Grieche ging zu Boden: Rudelbildung (89.). Dann zeigte der vierte Offizielle die Nachspielzeit an: SIEBEN Minuten! Absolut gerechtfertigt nach dem Videobeweis, der Gelb-Roten Karte von Auba, der Verletzungspause von Harit und der Rudelbildung. Und so kam es in der 90. + NullVier Minute zum letzten Akt dieses verrückten Revierderbys. Ecke Schalke. Konoplyanka nahm Anlauf. Der Ball segelte in den Strafraum. Naldo stieg hoch und wichste diese verdammte Kugel mit dem Kopf ins Netz! Die totale Ekstase: jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Verdammte Scheiße, drin das Ding. Tooooooooooooooor für Schalke - 4:4. Leck mich fett am Arsch. Ist das geil! Kurz darauf folgte der Abpfiff. Das Adrenalin war aber noch im Körper der Spieler. Fährmann, der während des Spiels natürlich verbal beschimpft und mit Gegenständen beworfen wurde, ließ sich zu einer Provokation hinreißen, wofür er sich später entschuldigte. Das gefiel Sahin nicht. Rudelbildung, Handgreiflichkeit. Das war es dann. Schluss im wahnsinnigen Revierderby.

 

Reaktionen zum Spiel: In der Horster Kurve schimpfen wir gern mal, wenn es bei den Knappen nicht so richtig läuft. Doch nach dem 0:4 war es ruhig. So ergriff der Kurven-Vatter das Wort: „Alte Fußballer-Weisheit: Lieber einmal 0:4 verkacken und vier Mal knapp gewinnen als umgekehrt. Think positive!“ sagte Jimmy. Wenn jemand am Boden liegt, braucht man nicht noch drauf hauen, vor allem nicht wenn das Spiel noch läuft. Ein Gruß an alle, die sich zur Pause schon gefreut und mit Schadenfreude so um sich geschlagen haben. Denn der S04 zeigte schnell eine Reaktion, eine ehrlich gesagt nicht geglaubte Reaktion. Mit einer wahnsinnigen Moral standen die Knappen nach dem brutalen KO in der 1. Runde wieder auf. Was ein grandioser Charakter des Teams. Respekt auch an Tedesco, der die Elf wieder auf Kurs gebracht hat. Große Klasse. Aber es gilt auch, aus diesem Spiel zu lernen. So einen kompletten Systemausfall darf man sich nicht noch einmal leisten. Zudem sollte man nach dem Reboot nicht denken, dass jetzt alles von alleine läuft. Am kommenden Wochenende gastiert der 1. FC Köln in der Veltins Arena. Die Geisböcke sind noch sieglos. Und kein Schalker möchte erleben, dass ausgerechnet am Samstag der FC seinen ersten Bundesliga-Dreier der Saison einfährt.

 

BxB: Weidenfeller – Toprak, Sokratis, Schmelzer – Pulisic, Weigl, Sahin, Guerreiro (83. Zagadou) – Yarmolenko (69. Bartra), Aubameyang, Götze (78. Castro)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer (46. Nastasic) – Caligiuri, McKennie (34. Goretzka), Meyer, Oczipka – di Santo (34. Harit), Burgstaller, Konoplyanka
Tore: 1:0 Aubameyang (12.), 2:0 Stambouli (18., Eigentor), 3:0 Götze (20.), 4:0 Guerreiro (25.), 4:1 Burgstaller (61.), 4:2 Harit (65.), 4:3 Caligiuri (86.), 4:4 Naldo (90.+4)
Gelb-Rote Karte: Aubameyang (72., wiederholtes Foulspiel)
Zuschauer: 80.179

S04 – Hamburger SV 2:0 (1:0)

 

GEliefert! Der FC Schalke 04 hat sein Heimspiel gegen den Hamburger SV mit 2:0 gewonnen. Franco di Santo (17. per Foulelfmeter) und Guido Burgstaller (77.) schossen die Königsblauen am 12. Spieltag auf zweiten Tabellenplatz. Wie in dieser Saison gewohnt, spulten die Knappen ihr nüchtern sachliches Pensum effektiv herunter. Mit frühem Pressing und sehr guter Arbeit der gesamten Mannschaft gegen den Ball hielten die Schalker den Gast aus Hamburg vom eigenen Tor fern und ließen nur sehr wenige Torchancen zu. Das galt aber auch für den HSV, so dass sich beide Teams lange Zeit neutralisierten. Um möglichst wenig anbrennen zu lassen, folgte oftmals der lange Ball nach vorne, wo sich die Stürmer mit den Abwehrspielern einen Abnutzungskampf liefert. Meistens mit dem besseren Ende für die Defensivreihen. Dennoch hatten der S04 leichte Vorteile. In den wenigen aussichtsreichen Offensivaktionen schlugen die Schalker eiskalt zu. Mit der Führung im Rücken ging es in den Verwaltungsmodus. In dieser Phase schafften es die Blauen (mal wieder) nicht, ihre Konter effektiv zu spielen und die Führung frühzeitig auszubauen. Sie vertrauten auf ihre Defensive, als selber mit etwas mehr Risiko auf das 2. Tor zu gehen. Der Plan ging gegen Hamburg erneut auf, denn bei einer Unachtsamkeit spielte auch das Glück mit, als Aaron Hunt nur den Außenpfosten traf. Immerhin spielten die Schalker noch einen Konter stark zu Ende und hatte mit dem 2:0 die Partie eingetütet.   

 

Dreierpack zum Spiel

 

GEliefert: Wie oft war es schon der Fall, dass wir sonntags in die Veltins Arena gegangen sind und gesagt haben: „So, fast alle haben am Samstag für Schalke gespielt, jetzt müssen die Knappen mit einem Sieg zuschlagen.“ Das war schon einige Male der Fall und in gefühlt 80 Prozent der Fälle haben die Schalker nicht geliefert. Doch gegen Hamburg war es anders. Da haben die Königsblauen GEliefert und es geschafft, die Konkurrenz zu überflügeln. Den 2. Platz sollte man nach 12. Spieltagen nicht überbewerten. Aber es gibt ein gutes Gefühl, dass Schalke in der Lage ist, von den Ausrutschern der Konkurrenz zu profitieren. Denn das ist auch ein Indiz von Konstanz. Die Knappen sind seit sechs Spielen (4 Siege, 2 Remis) ungeschlagen und können mit einer breiten Brust zum Revierderby fahren.

 

Systemoptimierung: Gegen den HSV setzte S04-Coach Domenico Tedesco wieder auf 3-4-3. Er verzichtete dabei auf einen dritten zentralen Mittelfeldspieler und vertraute Max Meyer und Weston McKennie im Zentrum. Das Duo gehörte zu den stärksten Spielern im blauen Trikot und spulte mit jeweils über zwölf Kilometern das größte Lauf-Pensum ab. Vor allem Meyer muss man wieder nennen, der seine neue Rolle einfach hervorragend ausfüllt. Durch die Optimierung in der Zentrale, verstärkte Tedesco die Außenbahnen. Yevhen Konoplyanka links und Franco di Santo (nach dem Seitenwechsel Breel Embolo) rechts bildeten zwar faktisch die offensive Sturmreihe mit Guido Burgstaller, hatten aber auch die Aufgabe Bastian Oczipka und Daniel Caligiuri in der Defensive immer wieder zu unterstützen, um das Hamburger Flügelspiel im Keim zu ersticken. Mit Erfolg. Die Null stand am Ende. Bis auf wenige Ausnahmen hatte die Schalker Defensive alles im Griff. Wenn es mal brenzlig wurde, war Ralf Fährmann zur Stelle (41., gegen Waldschmidt) oder der Pfosten rettete (57., Hunts Schuss). Mit dem 2. Treffer war der Haken hinter dem Heimsieg gemacht.

 

Erfolgreiche Stürmer: „Na endlich“, wird sich Franco di Santo in der 17. Spielminute gedacht haben, als er, mit dem Kopf im Nacken und beiden Händen in die Luft gereckt, Richtung Eckfahne lief. Endlich hat der Argentinier auch mal wieder in der Bundesliga getroffen – zuletzt am 5. März 2016 beim 3:1-Erfolg beim 1. FC Köln. Souverän verwandelte di Santo den Elfmeter, mit einem Flachschuss links unten. Zuvor hatte Yevhen Konoplyanka den Turbo gezündet, Haken geschlagen, um dann von Gideon Jung unsanft im Strafraum gecheckt zu werden. Di Santo erledigte den Rest und brachte die Knappen auf die Siegesstraße. Den Sack zugemacht hat di Santos Sturmkollege. In guter alter Gerd-Müller-Manier stand der Österreicher genau richtig und musste die Kugel aus fünf Metern nur noch ins leere Tor schießen. Es war das i-Tüpfelchen des besten Angriffs der Schalker, dessen Plan in diesem Moment aufging. Caligiuri mit der Balleroberung an der Mittellinie. Der Deutsch-Italiener legte sofort den Turbo ein, ließ Douglas Santos alt aussehen und marschierte bis zur Grundlinie. Es folgte der Rückpass auf Konoplyanka, der clever quer auf Burgstaller legte – 2:0, die Entscheidung. Beide Stürmer getroffen – perfekt.    

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, McKennie, Meyer (90. Nastasic), Oczipka – di Santo (46. Embolo), Burgstaller, Konoplyanka (87. Schöpf)
HSV: Mathenia – Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Douglas Santos – Jung, Sakai (69. Wood) – Ito (35. Waldschmidt), Hunt, Kostic (83. Hahn) - Arp
Tore: 1:0 di Santo (17., Foulelfmeter), 2:0 Burgstaller (77.)
Zuschauer: 62.271

Die Mannschaftsteile in der Analyse

 

Nachdem man sagen kann, dass sich die meisten Spieler unter Neu-Trainer Domenico Tedesco verbessert haben, folgt nur der Blick auf die Mannschaftsteile. Hier ist festzustellen: Das Qualitätsgefälle zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen ist zu groß. Während die Abwehr und das zentrale Mittelfeld qualitativ hochwertig besetzt ist, fehlt es auf den Außenbahnen und im Angriff an Klasse und Alternativen.

 

Der Überblick                        

 

Abwehr: Nach den Bajuwaren von Weißwurst-Äquator haben die Königsblauen die zweitbeste Defensive der Liga. Zehn Gegentore in elf Spielen machen einen Schnitt von 0,91 Gegentoren pro Partie. Ein sehr guter Wert. Ralf Fährmann ist unumstritten und der große Rückhalt zwischen den Pfosten. Dazu passt in der Dreierkette die Mischung aus erfahrenen, jungen und kompromisslosen Verteidigern. Naldo, Thilo Kehrer, Matija Nastasic und / oder Benjamin Stambouli bilden einen sich gut ergänzenden Abwehrblock. Allerdings profitieren sind natürlich auch von der guten Arbeit gegen den Ball im Angriff und Mittelfeld.
Fazit: Sowohl auf den Keeper als auch auf die Dreierkette ist Verlass und bildet das Fundament der Mannschaft. Die Defensivreihe gehört zur Spitze der Bundesliga.   

 

Mittelfeld: Hier muss man differenzieren. Zum einen die Außenbahnen, zum anderen die Zentrale. Im Zentrum hat Tedesco die Qual der Wahl – sowohl qualitativ als auch quantitativ. Die 1. Reihe bilden Max Meyer, Leon Goretzka und Amine Harit. Ein hervorragendes Dreieck. Jeder der Spieler verfügt über eine andere individuelle Klasse (Lauf-, Zweikampfstark, Passspiel, Wege in die Tiefe, Dribbling oder Tempo), das als Gesamtkonstrukt bisher sehr stark agiert. Vor allem die Evolution von Meyer zum Sechser war Tedescos bisheriges Meisterwerk. Doch der Schalker Neu-Coach hat im zentralen Mittelfeld noch drei starke Alternativen, die auch über besondere Qualitäten verfügen: Weston McKennie, Nabil Bentaleb und Yevhen Konoplyanka. Mit diesem Sextett im zentralen Mittelfeld muss sich Schalke vor keinem anderen Bundesligisten verstecken.
Leider sucht man vergeblich nach dieser Klasse auf den Außenbahnen. Auf der rechten Seite ist aktuell Daniel Caligiuri erste Wahl. Bisher ohne Alternative, da Coke nicht in Tedescos Konzept passt und keine Option darstellt. Nach der Länderspielpause dürfte dennoch der Konkurrenzkampf angeheizt werden. Alessandro Schöpf wird nach seinem Kreuzbandriss wieder angreifen. Vielleicht können sie sich gegenseitig pushen und zu Höchstleistungen anstacheln. Beide Spieler sind nicht schlecht, aber nicht mehr als Durchschnitt in der Liga. Nicht besser, sogar eher schlechter sieht es auf links aus. Dort ist Bastian Oczipka die Stammkraft. Zwar ist der 28-Jährige wie Caligiuri ein gestandener Bundesliga-Spieler, aber um im Konzert der Großen mitzuspielen, fehlt die Klasse. Ein Indikator dafür: Obwohl es in der deutschen Nationalmannschaft einen Mangel an Linksverteidigern gibt, scheint Oczipka keine Option für den Bundestrainer zu sein. Hinzu kommt, dass es auf links keine andere Alternative mit einem linken Fuß gibt. Sollte Oczipka ausfallen, gibt es nur Notlösungen und keinen Facharbeiter. Hier besteht in der Winterpause Handlungsbedarf. Davon würde auch Oczipka profitieren.
Fazit: Die Besetzung im zentralen Mittelfeld genügt den höchsten Ansprüchen der Liga. Davon kann auf den Außenbahnen nicht die Rede sein. Da ist Schalke zu dünn besetzt.

 

Angriff: Ebbe Sand und Emile Mpenza oder Klaas-Jan Huntelaar und Raul bildeten bereits auf Schalke ein Sturmduo – zum Zunge schnalzen. Die aktuelle Doppelspitze bei den Knappen heißt Guido Burgstaller und Franco di Santo. Keine Frage, in puncto ‚malochen auf dem Platz‘ und ‚gegen den Ball arbeiten‘ sucht das österreich-argentinische Duo seinesgleichen. Doch von Torjägern bei beiden Angreifern zu sprechen, kann leider keine Rede sein. Während bei di Santo in dieser Bundesliga-Saison immer noch die Null (in 10 Partien) steht, traf Burgstaller wenigstens drei Mal in zehn Spielen. Doch von 15 (geschweige denn 20) Toren sind beide meilenweit entfernt. Als Alternativen dahinter stehen Breel Embolo und Fabian Reese. Während Reese noch auf seinen Durchbruch wartet, muss man bei Embolo, nach seinem Totalschaden im Sprunggelenk, Geduld haben. Es bleibt abzuwarten, ob der Schweizer jemals wieder in die Verfassung wie vor der schweren Verletzung kommt – gerade im Hinblick auf Antritt und Schnelligkeit. Man kann es ihm nur wünschen!
Fazit: Auf Dauer ist der Angriff zu schwach besetzt. Die Knappen brauchen endlich wieder eine Tormaschine. Leichter gesagt als getan. Aber: Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang oder Anthony Modeste entwickelten sich auch erst zu Torjägern. Schalke braucht auf dem Transfermarkt einen Glücksgriff für die Abteilung Attacke, der sich zu einem Torgarant entwickelt.

Spielentwicklungen unter Tedesco

 

Wer hätte das gedacht? Nach einem Drittel der Saison steht der FC Schalke 04 mit 20 Punkten auf Rang vier der Bundesliga-Tabelle und damit auf einem Champions-League-Rang. Es ist jetzt nicht so, als ob Neu-Trainer Domenico Tedesco den Fußball auf Schalke nach drei Monaten revolutioniert hat. Fußballerisch ist es immer noch zu oft Magerkost. Vor allem im Offensivspiel ist noch viel Sand im Getriebe. Sowohl beim Kombinationsspiel als auch beim Umschaltspiel ist noch Luft nach oben.  14 Tore, davon acht nach Standards, nach elf Spielen sagen eigentlich alles. Dennoch reicht die Torausbeute, um in der Spitzengruppe mitzumischen. Denn Schalke ist, wie es Tedesco sogar fordert, „ekelig“ zu spielen. Mit nur zehn Gegentoren stellen die Königsblauen die zweitbeste Abwehrreihe der Liga. Schalke verteidigt als Mannschaft sehr gut. Ein Verdienst von Tedesco. Zudem muss man dem Coach auch zu Gute halten, dass er einzelne Spieler besser gemacht hat. Wie haben sich die Spieler unter dem 32-jährigen Deutsch-Italiener entwickelt?

 

Die Bewertung erfolgt lediglich anhand meiner Wahrnehmung während der 90 Minuten auf dem Rasen. Die Trainingsleistung kann ich nicht beurteilen. Die Bewertung: (+) besser, (=) Level gehalten, (o) passt nicht ins System, (x) keine Bewertung möglich

 

Ralf Fährmann (+): Zeigt konstant starke Leistungen. Sehr gut auf der Linie, überragend im Eins-gegen-Eins. Fußballerisch mit weiter Schwächen. Neuer Kapitän. Mehr Wertschätzung geht nicht.

 

Alexander Nübel (x): Gilt als großes Torwart-Talent. Muss sich hinter Fährmann aber gedulden. Hat aber die Möglichkeit, sich jetzt bei der deutschen U21-Mannschaft zu präsentieren.

 

Thilo Kehrer (+): Zum Stammspieler aufgestiegen. Nach Wacklern zu Saisonbeginn (Tor in Hannover verschuldet) stabilisierte er seine Leistungen. Kompromisslos, zweikampfstark, variabel – eine Bank.

 

Naldo (+): Endlich der Souverän in der Dreierkette. Erlebt gerade seinen dritten Frühling. Mit seiner Erfahrung und seinem Stellungsspiel kaschiert er seine altersbedingten Defizite im Antritt.  

 

Matija Nastasic (=): Der Serbe steht für knallharte Verteidigung. Nüchtern und abgeklärt wie immer. Im Spielaufbau konservativ. Verzichtete auf jeglichen Risikopass. Leider verletzungsanfällig.

 

Benjamin Stambouli (+): Guter Schachzug: Umfunktioniert vom defensiven Mittelfeldspieler zum rechten Innenverteidiger. Dadurch besser als letzte Saison. Muss seine Risikopässe weiter reduzieren.

 

Pablo Insua (x): Der Spanier ist noch ohne Bundesligaeinsatz. Leider erkrankte er an einer Herzbeutelentzündung (8 kg Gewichtsverlust) und fällt auf unbestimmte Zeit aus.

 

Bastian Oczipka (=): Solide! Mal Licht, mal Schatten. Mal gute Flanken, mal schlechte Flanken. Mal gefährliche Standards, mal harmlose Standards. Leider konkurrenzlos, was nicht fördernd ist.  

 

Daniel Caligiuri (=): Im Vorwärtsgang stärker als in der Rückwärtsbewegung. Mit Stellungsfehlern in der Defensive. Spielt oft Sicherheitspässe. Seine Flanken sind ausbaufähig. Konkurrenz tut ihm gut.

 

Alessandro Schöpf (x): Nach seinem Kreuzbandriss kämpfte sich der Österreicher im Laufe der Hinrunde in den Kader. Sollte den Konkurrenzkampf auf rechts während der Saison noch erhöhen.

 

Coke (o): Nach der letzten verletzungsbedingten Seuchen-Saison kommt der Spanier auch unter Tedesco nicht in Schwung und scheint außen vor. Angeblich fehlt es ihm an Tempo und Spritzigkeit.

 

Sascha Riehter (x): Bekam im Laufe der Saison einen Vertrag bis Saisonende. Noch ohne Einsatz, was wohl auch so bleiben wird. Füllt den schmalen Kader auf. Wichtig für die Trainingsarbeit.

 

Weston McKennie (+): Schaffte problemlos den Sprung von der U19 zu den Profis. Ein Rohdiamant. Schon jetzt eine echte Alternative im zentralen Mittelfeld. Zweikampf- und spielstark. Ein Gewinn!

 

Max Meyer (+): Der Gewinner der Hinrunde. Zunächst nur Bankdrücker. Dann entdeckte Tedesco in Meyer den defensiven Mittelfeldspieler. Ein genialer Schachzug. Seitdem bärenstark auf der Sechs.

 

Nabil Bentaleb (=): Einerseits kann er Spiele mit genialen Momenten entscheiden. Anderseits hat er den Hang zu Risikopässen, die zu Ballverlusten führen. Diese kosten ihn den Stammplatz.  

 

Leon Goretzka (+): Aufstieg zum Führungsspieler und Vize-Kapitän. Erzielte vier Tore: drei Mal das 1:0, einmal zum 2:1-Sieg. Entwickelt sich immer weiter und wird besser. Leider verletzungsanfällig.

 

Amine Harit (+): Ein Glücksgriff. Dribbelstark und flink. Wirbelt Abwehrreihen durcheinander, vergisst aber nicht die Rückwärtsbewegung. Immer gut für gefährliche Aktionen. Eine Bereicherung für S04.

 

Yevhen Konoplyanka (+): Deutliche Steigerung zur Vorsaison. Vor allem die Defensivarbeit ist besser geworden. Kono macht gute Laufwege. Nur sein Abschluss ist stark verbesserungswürdig.

 

Guido Burgstaller (=): Nach einem Durchhänger zu Beginn kämpfte er sich in die Saison und belohnte sich mit Toren. Dem österreichischen Arbeitstier ist kein Weg zu weit und ist die erste Abwehrsau.

 

Franco di Santo (=): Der Argentinier reißt Kilometer ab und spielt sehr gut gegen den Ball. Das schätzt Tedesco an ihm. Doch ein Stürmer ohne jegliche Torgefährlichkeit wird es auf Dauer schwer haben.

 

Fabian Reese (=): Hat sich zum Kaderspieler entwickelt. Bekommt immer wieder Einsatzminuten als Joker. Er ist einsatzfreudig und geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Aber ohne Durchschlagskraft.

 

Breel Embolo (x): Nach seinem Totalschaden im Sprunggelenk zurück im Trainings- und Spielbetrieb. Jetzt braucht der Schweizer Zeit und Geduld. Offen bleibt, welches Leistungslevel er erreichen wird.

SC Freiburg – S04 0:1 (0:0)

 

Puuh, ein glücklicher Auswärtssieg. Mit 1:0 hat sich der FC Schalke 04 beim SC Freiburg durchgesetzt. Der Ex-Freiburger Daniel Caligiuri erzielte den entscheidenden Treffer (62.). Dabei hatte der 29-Jährige Glück, dass sein Schuss von Christian Günter unhaltbar für SCF-Keeper Alexander Schowlow abgefälscht wurde. Tja, wenn du oben stehst, geht so ein Ding rein. Trotz des Sieges war die Leistung der Königsblauen bescheiden. Obwohl hinten die Null stand, präsentierte sich die S04-Defensive alles andere als sattelfest. Selbst der sonst so souveräne Naldo schlug ein wildes Luftloch im eigenen Strafraum. So musste vor der Pause zwei Mal das Aluminium für Schalke retten. Nach dem Seitenwechsel konnten sich die Knappen bei Ralf Fährmann bedanken, dass ihr Kapitän im Eins-gegen-Eins gegen Nils Petersen die Oberhand behielt (50.). Nach der Führung stabilisierte sich die Schalker Defensiv-Reihe. Zudem profitierten sie vom verletzungsbedingten Aus für Freiburgs Aktivposten Mike Frantz nach einer Stunde, die zudem noch auf Top-Angreifer Florian Niederlechner verzichten mussten, der sich im Training die Kniescheibe gebrochen hatte. Die Breisgauer fanden in der Schlussphase keine Mittel mehr gegen die gut gestaffelte „weiße“ Wand. Im Verwaltungsmodus fuhren die Königsblauen den Auswärtssieg ein.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Alte Weisheit: „Wenne nicht aufs Tor knallst, kannste auch kein Tor machen“, sagten schon  unsere Jugendtrainer. Klingt abgedroschen, trifft es aber auf den Punkt. Wer nicht den Mut hat auf das Tor zu schießen, wird auch nicht belohnt. Das dachte sich wohl auch Caligiuri in der 62. Minute. Aus einer nicht gerade idealen Schussposition hielt Schalkes Nummer 18 einfach mal drauf. Eigentlich wäre es eine leichte Beute für Schowlow. Da aber Günter den Ball abfälschte, durften die Schalker Jubeln. Naja, Caligiuri tat es mehr innerlich, da er aus Respekt vor dem Gegner auf Jubel-Arien verzichtete. Immerhin spielte der Deutsch-Italiener acht Jahre für die Breisgauer. Einer seiner Jugendtrainer war unter anderem Christian Streich, Freiburgs aktueller Trainer. Mit seinem Ex-Coach gab es sogar während des Spiels an der Seitenlinie eine herzliche Umarmung und nette Worte. Vielleicht erkundigte sich Caligiuri auch nach dem Gesundheitszustand von Streich. Freiburgs Trainer wurde früh im Spiel unsanft von Janik Haberer (nach einem Schubser von Benjamin Stambouli) umgesenst. Dabei fiel der 52-Jährige auf die rechte Schulter. Mit schmerverzerrtem Gesicht coachte Streich weiter. Dennoch fasste er sich immer wieder an die Schulter. Nach der Partie gab er zu Protokoll: „Meine Schulter ist uninteressant, weil ich nicht kicken kann. Ich würde sie eintauschen, meine Schulter kaputt und zwei Spieler gesund.“

 

Alu im Weg: Die ereignisarmen ersten 45 Minuten hatten immerhin ihre drei Hallo-Wach-Effekte. Den Anfang machten die Schalker. Mit ihrem besten Angriff der Partie spielte Franco di Santo einen zentimetergenauen Pass in die Tiefe – zwischen zwei Freiburgern direkt in den Fuß von Yevhen Konoplyanka. Der Ukrainer lief alleine auf Schowlow zu und lupfte die Kugel am Torwart vorbei. Doch der Ball ging nur an den Innenpfosten (29.). Kono im Pech. Drei Minuten später zogen die Freiburger nach. Fährmann parierte zunächst einen Schuss von Frantz. Den Nachschuss setzte Nils Petersen, noch leicht abgefälscht von Stambouli, ans Lattenkreuz (32.). Pech für Freiburg, die aber noch nachlegten. Bartosz Kapustka zog von links in die Mitte und zog ab. Die Kugel klatschte an die Querlatte (37.). Pech für Freiburg, Glück für Schalke. Und zum Glück kein Videobeweis.

 

Schalkes Offensive: Das Problemkind auf Schalke bleibt die Abteilung Attacke. In Freiburg war sie erneut nicht mehr als ein laues Lüftchen. Bis auf den Pfostenschuss von Kono und dem glücklichen Tor produzierte sie nichts, was die Hausherren in Angst und Schrecken versetzte. Besonders ernüchternd waren die Konter in der Schlussphase. Obwohl die Hausherren immer mehr öffneten, war Schalke nicht in der Lage, die Räume sinnvoll zu nutzen. Falsche Laufwege und schlechte Pässe machten die guten Ausgangslagen immer wieder zu Nichte. Das war erschreckend. Schon gegen Wolfsburg fiel dieses Defizit auf, was in der Nachspielzeit bestraft wurde. In Freiburg blieb das böse Erwachen aus. Selbstverständlich schmerzt dabei der Ausfall von Leon Goretzka (knöcherne Stress-Reaktion im Unterschenkel – was es nicht alles gibt). Doch auch mit dem deutschen Nationalspieler lief die Offensive nicht gerade wie geschmiert. In Freiburg verzichtete S04-Coach Domenico Tedesco zudem noch freiwillig auch Amine Harit, der unter der Woche wegen einer leichten Blessur kürzer treten musste. Für Goretzka und Harit durften Weston McKennie und Konoplyanka vor dem erneut starken Max Meyer ran. Eine gewisse Struktur ins Offensivspiel konnte keiner des Trios bringen. Dadurch hingen auch Guido Burgstaller und Franco di Santo oftmals in der Luft und rieben sich bei Kopfballduellen auf. Doch auch sonst gelang dem Sturm-Duo nicht fiel. Und so stehen für die Knappen gerade einmal 14 Tore nach elf Bundesliga-Spielen zu Buche. Mager, reicht aber dennoch für Rang vier, punktgleich mit dem schwatt-gelben Nachbarn, die aber doppelt so oft getroffen haben (28 Mal). Bleibt zu hoffen, dass Tedesco im Laufe der Saison auch dieses Schalker Probleme in den Griff bekommt. Zuzutrauen ist ihm das allemal.

 

SCF: Schowlow – Koch, Schuster, Stanko – Stenzel, Frantz (61. Abrashi), Höfler, Günter – Kapustka (75. Kath), Haberer – Petersen (78. Terrazzino)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – McKennie, Konoplyanka (65. Harit) – di Santo (79. Embolo), Burgstaller (90. Reese)
Tor: 0:1 Caligiuri (62.)
Zuschauer: 24.000

 

S04 – VfL Wolfsburg 1:1 (1:0)

 

Kalte Dusche in der Nachspielzeit! In der 93. Minute musste der FC Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg den 1:1-Ausgleich einstecken. Nach einem langen Ball an die Strafraumgrenze verlängerte Mario Gomez den Ball irgendwie per Kopf in Richtung linkem Fünfmeter-Eck. Dort kam Divock Origi an die Kugel. Der VfL-Joker traf den Ball nicht richtig. Dennoch kullerte er aber an Ralf Fährmann vorbei ins königsblaue Nest. Der bittere Ausgleich! Zuvor hatte Nabil Bentaleb die Knappen mit einem verwandelten Foulelfmeter mit 1:0 in Front (43.) gebracht. Es war der Lohn für eine sehr gute erste Hälfte von Schalke, die zuvor Pech bei einem Pfosten-Schuss von Amine Harit (29.) hatten. Schalke war hinten kompromisslos und vorne variabel unterwegs. Dazu funktionierte das Pressing, so dass Wolfsburg meistens nur reagieren konnte. Nach dem Seitenwechsel wurden die Wölfe stärker und übernahmen das Kommando. Schalke ging in den Verwaltungsmodus über. Über weite Strecken hatte der S04 die harmlosen Wölfe defensiv im Griff, versäumte es aber, offensiv nachzulegen. Als dann zunächst noch das Glück auf Seiten der Heimelf war, Mario Gomez rutschte bei einem Foulelfmeter weg und drosch den Ball über das Tor (60.), schien es so, als ob die Gäste aus Niedersachsen gar nicht mehr treffen würden. Doch falsch gedacht. In der Nachspielzeit wurden die Königsblauen für ihre Passivität in der Offensive doch noch bestraft.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Videobeweis: Tja, der Videobeweis, er hat mal wieder genervt an diesem Nachmittag in Veltins Arena. Zwei Mal kam er zum Einsatz, einmal nicht. Eigentlich soll der Videobeweis für Klarheit sorgen. Doch davon kann aktuell keine Rede sein. Stattdessen wird weiterhin über die Entscheidungen diskutiert – sowohl bei den Experten als auch bei den Pay-TV-Zuschauern. Ach ja, und dann gibt es noch den Stadionbesucher. Ja, wir, die nicht gerade wenig Geld für so ein Ticket ausgeben, diskutieren auch über die Szenen, doch mit einem großen Nachteil: Wir wissen gar nicht, worum es letztendlich geht und werden auch nicht aufgeklärt. Doch der Reihe nach. Kurz vor der Pause ging es los. Ecke für Schalke. Kopfball Naldo und alle schreien: „Hand!“. Wir sind uns sicher, dass ein Wolfsburger Naldos Kopfball mit der Hand geblockt hat. Doch Schiedsrichter Markus Schmidt reagierte nicht, bis er sich plötzlich ans Ohr fasste. Oha, Videobeweis. Kurz darauf Elfmeter für S04, mit der Geste von Schmidt einer Umklammerung. Umklammerung? Fragende Gesichter auf den Rängen. Die Aufklärung erfolgte per WhatsApp-Gruppe von Blömme, der am Fernseher saß: „Kuscheln gegen Kehrer wurde gepfiffen.“ Die Diskussion gab es oben drauf. „Dann gibt es ab jetzt zehn Elfer pro Spiel. Unglaublich“, sagte Blömme. Doch Joe sah es anders: „Klares Foul. Er hat gehalten. Einfach zu blöd vom Wolf.“ Fakt ist, für den Stadionbesucher war es nicht klar, ob es sich um ein Hand- oder Foulspiel handelte. Der Schiedsrichter erkannte weder ein Foul- noch ein Handspiel. Der Video-Schiedsrichter sah ein Foulspiel und schritt ein. Letztendlich kann man den Elfer geben, ist aber kein Muss. Genauso strittig war die zweite Elfmeterentscheidung. Yannick Gerhardt ging im Schalker Strafraum nach einem Kopfballduell gegen Naldo zu Boden. Die Wolfsburger protestierten, der Schiedsrichter ließ weiter spielen. Dann wieder der Griff zum Ohr. Oha, Videobeweis. Die Entscheidung? Schmidt musste sich die Situation selbst im TV anschauen und hat danach auf Elfmeter entschieden. Doch allein die Tatsache, dass der Schiedsrichter die Szene selbst noch einmal am TV prüfen musste, lässt vermuten, dass das vermeintliche Foulspiel fragwürdig war. Beim Foulspiel an Thilo Kehrer musste Schmidt sich nicht selbst vergewissern. Allein dieser Umstand sorgt für Unruhe im Stadion und berechtigte Diskussionen nach dem Spiel. Und wie beim ersten Elfmeter auch hier das Urteil: man kann den Elfer geben, muss aber nicht. Zu guter Letzt gab es die dritte strittige Szene als Kehrer der Ball kurz vor Schluss an die Hand sprang. Schiedsrichter Schmidt reagierte nicht mit einem Pfiff und auch der Griff ans Ohr blieb aus. Kehrer fand nach dem Spiel dazu die richtigen und ehrliche Worte: „Das war strittig. Ich gehe mit dem Kopf zum Ball, aber der Ball springt mir erst gegen die Hand und dann an den Kopf. Wenn man die zwei Elfmeter sieht, dann kann man den Elfer vielleicht geben, muss man aber nicht.“ Da sind wir wieder beim „kann“, „muss“ aber nicht. Solange es für diese „kann/muss“-Situationen keine klare Regelung geben wird, bleibt es bei den elendigen Diskussionen um den Videobeweis. Darüber hinaus braucht es mehr Transparenz für den Stadionbesucher, damit er auch im Bilde ist und nicht von WhatsApp-Gruppen abhängig ist.

 

VfL-Joker sticht: Einen Ausgleich in der Nachspielzeit zu kassieren ist besonders ärgerlich. Aufgrund der zweiten Hälfte war der Punkt für Wolfsburg aber nicht mal unverdient. Zudem stach der Joker der Wölfe. Origi stand dort, wo ein Stürmer stehen muss. Während man bei Wolfsburg mit den Einwechslungen von Daniel Didavi, Origi und Landry Dimata zumindest das Gefühl hatte, dass die Mannschaft dadurch besser wurde, war es bei Schalke nicht der Fall. Fabian Reese, Weston McKennie und Yevhen Konoplyanka wurden eingewechselt, konnte aber keine Akzente setzen. Dabei hatte Reese eine vielversprechende Situation auf der rechten Seite, die er aber nicht gut zu Ende spielte. Wahrscheinlich wäre der ohne Frage schwere Querpass zu McKennie auch zu viel verlangt. Dennoch braucht es auch Qualität von der Bank, um solche Spiele vielleicht auch mal vorzeitig zu entscheiden.

 

Goretzka: Kurz vor Anpfiff entrollte die Nordkurve einen Banner. Ein Appell an Schalkes Nummer 8: „Ey Leon: Hier ist Deine Heimat, hier gehörst Du hin!“ Ein klares Statement der Schalke-Fans, dass Leon Goretzka doch bitte seinen auslaufenden Vertrag zum Saisonende auf Schalke verlängern soll. Goretzka ist aber (anscheinend) noch in der Findungsphase über seine Zukunft. Grund genug für alle Medienvertreter die Spekulationen rund um den deutschen Nationalspieler anzuheizen. Mal verlängert er seinen Vertrag auf Schalke für ein Jahresgehalt von zehn Millionen Euro inklusive 70-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel, dann wechselt er sicher zu den Weißwürsten gen Süden. Am nächsten Tag ist der FC Barcelona in der Pole Position, danach wieder Juventus Turin. Goretzka selbst sollen die Berichte nerven. Die Lösung: eine Entscheidung muss her. Wichtig ist aber auch weiterhin auf dem Platz. Doch gegen Wolfsburg musste Goretzka wie schon in Wiesbaden passen. Muskuläre Probleme ließen einen Einsatz nicht zu. Wann Goretzka auf den Platz zurückkehrt ist offen. Auch wenn der 22-Jährige das nicht gerne hören will, so stoppen ihn immer wieder muskuläre Probleme – mal größere, mal kleinere. Warum, wieso wird er besser wissen als alle anderen. Vielleicht aber ein Umstand, der andere Vereine abschreckt. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass Goretzka langfristig auf Schalke bleibt. Leon, wir warten!

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Harit (83. Konoplyanka), Bentaleb (77. McKennie) – di Santo (75. Reese), Burgstaller
WOB: Casteels – Verhaegh, Brooks, Uduokhai, Tisserand (66. Didavi) – Guilavogui (77. Origi), Arnold – Blaszczkowski (82. Dimata), Malli, Gerhardt – Gomez
Tore: 1:0 Bentaleb (43. FE), 1:1 Origi (90.+3)
Zuschauer: 60.429

SV Wehen Wiesbaden – S04 1:3 (0:2)

 

Pokalhürde beim Drittligisten souverän gemeistert! Der FC Schalke 04 hat sich mit 3:1 beim SV Wehen Wiesbaden durchgesetzt und ist damit ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Mit einem Doppelschlag innerhalb von 04 Minuten brachten Franco di Santo (26.) und Guido Burgstaller (30.) die Königsblauen auf die Siegesstraße. Nach dem Seitenwechsel fiel die endgültige Entscheidung nach einem Eigentor von Alf Mintzel (54.) zum 3:0, wobei man da durchaus ein Foul von Burgstaller hätte pfeifen können. Die Gastgeber aus Wiesbaden zeigten eine engagierte Leistung, ließen sich niemals hängen und wurden mit dem Anschlusstreffer zum 1:3 durch David Blacha (76.) belohnt. Am Ende setzte sich aber der individuell besser besetzte Bundesligist verdient durch.

 

Dreierpack zum Spiel                         

 

Rotation: Schalke-Trainer Domenico Tedesco hatte vor der Partie personelle Veränderungen angekündigt. Letztendlich nahm der 32-Jährige aber nur drei Änderung in der Startelf vor, allesamt im Mittelfeld. Coke durfte erstmals in dieser Saison von Beginn an ran und übernahm den Posten auf der rechten Seite von Daniel Caligiuri. Dem Spanier merkte man die fehlende Spielpraxis an. Es fehlte an Spritzigkeit und Timing in den Zweikämpfen. Auch wenn er beim Gegentor gegen Blacha zu spät kam, machte Coke seine Sache dennoch ordentlich. Eine Bewerbung für einen Stammplatz sieht aber anders aus. Der scheint für Nabil Bentaleb auch erstmal in weite Ferne gerückt zu sein. Der Algerier übernahm den Part von Leon Goretzka (pausierte wegen muskulärer Probleme) und zeigte eine gute Vorstellung, auch wenn er immer wieder mal einen Fehlpass im Repertoire hat. Allerdings musste der Algerier nach knapp einer Stunde mit Rückenproblemen raus. Wie schwerwiegend die Verletzung ist wird sich erst noch zeigen. Einen unauffälligen Abend bei seiner Rückkehr in die Startelf hatte Yevhen Konoplyanka. Der Ukrainer spielte für Amine Harit, konnte aber kaum Akzente setzen. Keine Änderungen nahm Tedesco indessen in der Dreierkette und bei den Stürmern vor.  

 

Erfolgreiches Sturm-Duo: Allein beim Jubeln konnte man erkennen, für welchen Stürmer das Tor eine Erlösung war und für wen es „buisness as usual“ war. Doch der Reihe nach. Es lief die 26. Spielminute als Bastian Oczipka eine scharfe Flanke in den Fünfmeterraum schlug. Perfekt getimt, köpfte di Santo die Kugel ins Tor. Kurz darauf sank er auf die Knie und zeigte gen Himmel. Was eine Erlösung für den Argentinier. Nach 598 Tagen hat der 28-jährige Angreifer wieder ein Törchen erzielt. Nur vier Tage musste Burgstaller auf seinen nächsten Treffer warten. Im Gegensatz zu di Santo verzog der Österreicher beim Jubel keine Miene, als wenn es total normal wäre. Und so abgezockt vollstreckte er auch. Nach einem Zuspiel von Oczipka, vernaschte er Sören Reddemann im Strafraum und chippte die Kugel lässig an Keeper Markus Kolke vorbei ins Tor. Bleibt zu hoffen, dass Burgi seinen 1-Wochen-Tor-Rhythmus beibehält und di Santo nicht wieder 600 Tage warten muss.

 

Embolo: In der 86. Minute bekam der eingewechselte Breel Embolo den Ball hinter der Mittellinie in den Fuß gespielt und hatte nur noch Mockenhaupt vor sich. Eigentlich eine ideale Eins-gegen-Eins-Situation, um mit Tempo an den Abwehrspieler vorbei zu gehen. Embolo versuchte es auch, aber ohne Erfolg. Im Antritt kam der Schweizer an Wiesbadens Abwehrmann, der den langen Pokal-Fight schon in den Beine hatte, nicht vorbei. Natürlich muss man diese eine Szene nicht überbewerten, aber sie zeigt, dass Embolo noch weit entfernt von seiner Top-Form ist. Man sollte keine Wunderdinge vom 20-Jährigen erwarten und ihm Zeit geben. Man sagt nicht umsonst, dass man nach einer Verletzung in etwa solange Zeit benötigt, um wieder sein altes Niveau zu erreichen, solange man ausgefallen ist. Bei Embolo war es knapp ein Jahr. Hinzu kommt, dass auch niemand außer Embolo und die S04-Verantwortlichen wissen, wie es mit seinem Sprunggelenk nach seinem Totalschaden aussieht. Ist es zu 100 Prozent wieder hergestellt oder wird er immer wieder Probleme damit haben? Nicht ohne Grund stand Embolo gegen Mainz nicht im Kader. Ob es nur am Fitnesszustand lag oder zum Schutz des Spielers galt, sei mal dahingestellt. Es bleibt nur zu hoffen, dass Embolo wieder der Alte wird und sich Schritt für Schritt an sein altes Niveau heran tastet.

 

SVWW: Kolke – Kuhn (70. Blacha), Mockenhaupt, Reddemann, Mintzel – Andrist, Andrich, Mrowca, Diawusie (58. Breitkreuz) – Schäffler, Mvibudulu
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Coke, Meyer (65. Schöpf), Oczipka – Bentaleb (57. McKennie), Konoplyanka – di Santo, Burgstaller (73. Embolo)
Tore: 1:0 di Santo (26.), 2:0 Burgstaller (30.), 3:0 Mintzel (54., ET), 3:1 Blacha (76.)
Zuschauer: 11.373

S04 – 1. FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

 

Heimsieg! Zu Null! Der FC Schalke 04 hat gegen den 1. FSV Mainz 05 die Oberhand mit 2:0 behalten. Leon Goretzka (13.) und Guido Burgstaller (74.) ließen die Königsblauen jubeln. Ein hochverdienter Dreier der Knappen. Nach der frühen Führung verpassten es die Schalker zwar schnell nachzulegen, gerieten aber dank der konzentrierten Defensivarbeit gegen harmlose Mainzer so gut wie nie in Bedrängnis. Am Ende stand der zweite Zu-Null-Sieg in Folge.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Tedescos Handschrift: Schalke-Coach Domenico Tedesco verzichtete auf personelle Wechsel und vertraut derselben Startelf, die in Berlin begonnen hatte. Burgstaller und Franco di Santo bildeten erneut das Sturmduo im 3-3-2-2. Angeführt von den beiden Angreifern machte Schalke Jagd auf die Kugel, um schnell in Ballbesitz zu kommen. „Ich habe selten eine Schalke-Mannschaft gesehen, die so aggressiv gespielt hat“, kommentierte der 05er-Abwehrspieler Stefan Bell nach der Partie. Eindeutig die Handschrift des neuen S04-Coaches. Durch die intensive Arbeit der Offensivspieler gewinnt auch die Defensive immer mehr an Stabilität und Souveränität. Die Folge: in den letzten beiden Partien verbuchten die Gegner insgesamt nur zwei Torchancen. Leider machen die Knappen noch zu wenig aus ihren Ballgewinnen. Zu oft werden noch falsche Entscheidungen im Umschaltspiel nach vorne getroffen. Aber auch das muss sich erst entwickeln.

 

Interessantes Dreieck: Sowohl beim 2:0 in Berlin als auch beim 2:0 gegen Mainz setzte Tedesco auf drei Youngster in der Zentrale. Meyer, Goretzka und Amine Harit bilden im Mittelfeld ein interessantes Dreieck, das in den beiden Spielen sehr gut funktionierte. Max Meyer agierte als alleiniger Sechser und überzeugte erneut. Neben seiner starken Laufleistung mit 12,3 Kilometer (Top-Wert der Partie) stopfte Schalkes Nummer 7 Löcher, war aggressiv im Duell Mann gegen Mann und sicher im Spielaufbau. Zudem hielt er Harit und Goretzka den Rücken frei, was vor allem Schalkes Nummer 8 sinnvoll nutzte. Wie so oft ging Goretzka den langen Weg mit Tempo in die Spitze. Burgstaller bediente den stürmenden Nationalspieler mustergültig und Goretzka lupfte die Kugel cool über 05-Keeper Rene Adler zum 1:0 ins Netz. Toller Spielzug, geniales Tor. Der Dritte im Bunde verfügt über die nötige Schnelligkeit und sorgt mit seinen Dribblings für Überzahlsituationen. Auch wenn Harit es manchmal übertreibt ist der 20-Jährige eine Belebung im Spiel der Schalker. Es scheint so, als ob sich da ein Trio gefunden hat, dass von seiner Veranlagung her unterschiedlicher nicht hätte sein können, aber als Gesamtwerk hervorragend zueinander passt. Jetzt gilt es, das Zusammenspiel weiter zu verfeinern und diese Leistungen konstant abzurufen.

 

Verwaltungsmodus: Schalke kontrollierte das Spiel und hatte mehr Ballbesitz als die Rheinhessen. Allerdings verwaltete der S04 lange Zeit nur die Führung und hielt die Mainzer so im Spiel. Eigentlich ein Vabanque-Spiel, das man gerade als gebranntes Schalke-Kind kritisch beäugt. Und fast hätte Yoshinori Muto die Schalker kurz nach der Pause kalt erwischt. Doch der Japaner scheiterte an Ralf Fährmann (47.). Danach gingen die Knappen wieder konzentrierter zu Werke und schalteten nach einer Stunde noch einen Gang höher. Nach einer Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka köpfte Thilo Kehrer die Kugel an den rechten Pfosten (67.). Besser machte es etwas später Burgstaller. Der Österreicher staubte in bester Stürmermanier zum 2:0 (74.) ab, nachdem Adler zuvor noch den Kopfball von Naldo pariert hatte. 120 Sekunden später hätte Yevhen Konoplyanka beinahe auf 3:0 erhöht. Nachdem der Ukrainer Bell den Ball stibitzte, schoss Kono jedoch knapp rechts vorbei (76.). Auf der Gegenseite hätte es Kenan Kodro fast noch einmal spannend machen können. Doch sein Kopfball aus fünf Metern ging rechts vorbei (81.). Das war es dann. Bis auf die beiden Chancen von Muto und Kodro war die S04-Defensive erneut sehr konzentriert und kompromisslos.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer, Oczipka – Goretzka, Harit (89. Coke) – Burgstaller (84. Reese), di Santo (68. Konoplyanka)
M05: Adler – Donati (70. Maxim), Balogun (79. Kodro), Bell, Diallo, Brosinski – Gbamin, Latza – Öztunali, De Blasis (62. Fischer) - Muto
Tore: 1:0 Goretzka (13.), 2:0 Burgstaller (74.)
Zuschauer: 59.476

Hertha BSC - S04 0:2 (0:0)

 

Drei Punkte in der Hauptstadt. Der FC Schalke 04 hat sich verdient mit 2:0 bei Hertha BSC Berlin durchgesetzt. Leon Goretzka per Foulelfmeter (54.) und Guido Burgstaller (78.) schossen den königsblauen Sieg heraus. Spielentscheidend war die Rote Karte von Genki Haraguchi kurz vor der Pause (44.). Etwas übermotiviert säbelte der Japaner an der Mittellinie Burgstaller um. Schiedsrichter Benjamin Brand zögerte keine Sekunde und stellte Haraguchi vom Feld. Bis dahin war es eine zähe Partie mit Vorteilen für die Knappen, die die harmlosen Berliner im Griff hatten, aber auch keine Torgefährlichkeit ausstrahlten. So verbuchten die Statistiker für beide Teams nur jeweils einen Torschuss in den ersten 45 Minuten – Minusrekord in der aktuellen Bundesliga-Saison. Auch in der 2. Halbzeit kontrollierte Schalke mit einem Mann mehr die Partie. Prunkstück war die Defensive, die überhaupt nichts anbrennen ließ. In der Offensive lief es zwar nicht wesentlich besser. Wenigstens kam dann der Elfmeter zum richtigen Zeit und die Kugel zappelte mit etwas Glück, da Hertha-Keeper Rune Jarstein mit den Fingerspitzen dran war, im Netz.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Personal-Rotation: Durch die Ausfälle von Matija Nastasic, Weston McKennie, Pablo Insua sowie dem Trainingsrückstand von Nabil Bentaleb war S04-Trainer Domenico Tedesco gezwungen, seine Startelf zu umzubauen. Und der 32-Jährige nahm nicht nur personelle Änderungen vor, sondern optimierte auch das System. Anstatt im 3-4-3 agierten die Schalker im Olympiastadion im 3-3-2-2. Im Mittelfeld setzte Tedesco dabei auf das Dreieck Max Meyer, Goretzka und Amine Harit, wobei Meyer den Part als alleinige Nummer Sechs übernahm. Wie schon in Hoffenheim überzeugte Schalkes Nummer 7 mit Zweikampfstärke und hielt Goretzka und Harit den Rücken frei. Es scheint so, als wenn Meyer seine neue Aufgabe annimmt und sich damit auch in Zukunft anfreunden kann. Zudem probierte es Tedesco mit der Doppelspitze Burgstaller / di Santo. Zum einen setzte er dabei auf zwei „Laufschweine“, die die ganze Zeit Jagd auf Herthas Abwehrspieler machen sollten, zum anderen erhoffte er sich dadurch auch eine Belebung der Offensive mit zwei echten Stürmern. Der Plan ging nur teilweise auf. Die Abteilung Attacke blieb auch in Berlin über weite Strecke ein laues Lüftchen. Wer weiß, wie viele Torschüsse (13 in 90 Minuten) es geworden wären, wenn Schalke nicht in Überzahl gespielt hätte. Oftmals wirkte es zu umständlich, was vor allem das Sturm-Duo fabrizierte. Es dauerte schlichtweg zu lange, bis sie zum Abschluss kamen. Anderseits bekamen sie auch kaum brauchbare Bälle. Die wenigen Flanken von Bastian Oczipka und Daniel Caliguiri waren einfach schlecht. Immerhin ging Tedescos Plan beim 2:0 auf. Burgstaller blieb zäh und spitzelte Karim Rekik den Ball vom Fuß. Naldo schaltete blitzschnell und spielte die Kugel direkt in die Tiefe auf den Österreicher. Burgstaller umspielte Jarstein und schob zum 2:0 ein.

 

Hege zu Tedesco: Schalkes Offensive läuft auch unter Tedesco alles andere wie geschmiert. Zehn Tore in acht Spielen sind nicht gerade furchterregend. Sieben von zehn Treffern fielen dabei aus Standardsituationen. Damit erzielten die Knappen gerade einmal drei Törchen aus dem Spiel heraus, was die Harmlosigkeit der königsblauen Offensive unterstreicht. Warum bekommt es auch Tedesco nicht hin, die S04-Offensive ins Laufen zu bringen? Doch die Diskussion will Hege erst gar nicht führen. „Ich finde, Tedesco macht einen guten Job. Muss er auch, denn die Mannschaft hat nicht gerade viel Potential“, meinte der ehemalige Spielmacher und Trainer von Horst 08 und legte nach: „Heidel hat für mich jetzt den richtigen Trainer geholt. Dazu scheint er die Finanzen und Gehälter gut im Griff zu haben. Jetzt nach und nach Einkäufe a la Harit und ich bin guter Hoffnung, dass es mittelfristig wieder was wird. Aber das braucht auch einfach Zeit und Geduld.“ Bleibt nur die Frage, ob das Duo Heidel und Tedesco in Ruhe weiter arbeiten können. Siege wie in Berlin helfen dabei.

 

Starke Defensive: Offensiv ist noch Sand im Schalker Getriebe. Da muss Tedesco noch tüfteln, wie es mit dem Spielermaterial besser läuft. Da ist die S04-Defensive schon einen deutlichen Schritt weiter. Schalke steht insgesamt gesehen stabil, hatte lediglich Phasen im Spiel, wo sie unsortiert standen. Doch was die Mannschaft defensiv in Berlin leistete, war schon außergewöhnlich. Trotz personellen Ausfällen ließ S04 bei heimstarken Herthaner nicht eine echte Torchance zu. Das wird nicht vielen Teams in Berlin gelingen. Wie die Elf als Mannschaft verteidigte, war schon herausragend. Selbst möglich Kontersituationen erstickten sie bereits im Keim. Ein Verdienst von Tedesco, was das Fundament für die nächsten „offensiven“ Schritte ist.

 

BSC: Jarstein – Pekarik, Stark, Rekik, Plattenhardt – Skjelbred, Darida – Weiser (64. Lazaro), Duda (46. Leckie), Haraguchi – Kalou (46. Selke)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Kehrer – Caligiuri, Meyer (87. Schöpf), Oczipka – Goretzka, Harit (67. Konoplyanka) – di Santo, Burgstaller (81. Reese)
Rote Karte: Haraguchi (44., Foul an Burgstaller)
Tore: 0:1 Goretzka (54., FE, Darida an Harit), 0:2 Burgstaller (78.)
Zuschauer: 50.590

S04 - Bayer Leverkusen 1:1 (1:0)

 

Kein Sieger im Duell der Möchtegern-Champions-League-Teilnehmer. Der FC Schalke 04 und Bayer 04 Leverkusen trennten sich in der Veltins-Arena 1:1. Die Königsblauen gingen durch einen tollen Freistoß-Treffer von Leon Goretzka vor der Pause mit 1:0 in Führung (34.). Nach dem Seitenwechsel vergab Goretzka ein dickes Ding zum 2:0 (54.). Kurz darauf glich Leon Bailey zum 1:1 (61.) aus. Unterm Strich ging das Remis in Ordnung, verdeutlichte aber, dass beide Mannschaften, wie schon in der letzten Saison, ihren eigenen Ambitionen hinterher rennen und im Mittelmaß der Liga stecken bleiben. Oder ist es einfach die neue (bittere) Realität?!?

 

Dreierpack zum Spiel

 

Traumtor und Fehlschuss: Es etwas mehr als eine halbe Stunde gespielt. Da lag der Ball. Freistoß für S04. 23 Meter vor dem Bayer-Tor, halbrechte Position. Vier Meter dahinter, einige Schalker in einer Diskussionsrunde. Dabei ist doch klar, dass Naldo drauf zimmern wird, oder? Falsch gedacht. Goretzka übernahm und zirkelte die Kugel rechts an der Mauer vorbei in die Maschen! Was ein geiles Ding, die Arena explodierte. Aus dem Nichts ging Schalke mit 1:0 in Führung. Was ein feines Füßchen von Goretzka, der der Held des Spiels werden konnte. Denn nach dem Seitenwechsel hatte der 22-Jährige das 2:0 auf dem Fuß. Nach einer Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka legte Naldo per Brust auf, doch Goretzka knallte die Kugel völlig unbedrängt aus sechs Meter über den Kasten. Schalkes Nummer 8 raufte sich die Haare und gab nach dem Spiel zu Protokoll: „Den hätte meine Oma gemacht.“ Kurz darauf glichen die Leverkusener durch einen von Matija Nastasic abgefälschten Schuss von Bailey zum 1:1 aus. So schnell geht es manchmal im Fußball.

 

Wir brauchen Tore: Sieben Spiele, acht Tore, davon nur zwei aus dem Spiel heraus. Immerhin sechs Treffer aus Standardsituationen. Okay, in der Bundesliga gibt es wahrhaftig noch neun Teams, die weniger Tore erzielt haben als die Knappen. Allerdings ist das nur ein schwacher Trost. Schalkes Offensive ist nicht mehr als ein laues Lüftchen. Tore zu schießen, scheint für Schalke wie eine Qual zu sein. Erspielten sich die Königsblauen in Hoffenheim wenigstens noch einige Torchancen, waren diese gegen Leverkusen Mangelware. Nach vorne ging nicht viel. Selbst wenn es zu Ballgewinnen an der Mittellinie oder in der gegnerischen Hälfte kam, wussten die Schalker damit wenig anzufangen. Es wird zu oft zu kompliziert gespielt bzw. es wird zu oft die falsche Entscheidung getroffen. So verlebte Leverkusens Keeper Bernd Leno einen ruhigen Abend, während Ralf Fährmann drei oder vier Mal in höchster Not retten musste. Bleibt Schalkes Abteilung Attacke weiterhin ein laues Lüftchen, wird die Realität weiter Bundesliga-Mittelmaß heißen. Jetzt alles auf die Karte Breel Embolo zu setzen, wäre zudem falsch. Glücklicherweise feierte der Schweizer nach einem Jahr sein Startelf-Comeback, was nach Aussagen von Manager Christian Heidel keineswegs selbstverständlich war, da ihm sogar die Sport-Invalidität (Totalschaden im Sprunggelenk inkl. Wadenbeinbruch) drohte. Doch man hat auch gesehen, dass der 20-Jährige noch einen weiten Weg vor sich hat. Deswegen braucht der Schweizer Zeit, um wieder in Schwung zu kommen und nicht den Druck, um für Schalke direkt 25 Tore zu schießen. Doch ob ihm die Zeit gegeben wird, ist bei einer Ablöse von über 20 Millionen Euro fraglich.

 

Video-Beweis: Und wieder sorgt der Video-Beweis in der Veltins-Arena für Kopfschütteln. Im Duell zwischen Guido Burgstaller und Jonathan Tah ging der Schalker im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiter spielen. Im Anschluss kam es an der Seitenlinie nach einem Zweikampf zwischen Kai Havertz und Oczipka zu einer Rudelbildung. Hektik, Handgreiflichkeiten, die Arena tobte. Plötzlich: Video-Beweis! Warum? War es doch Elfmeter an Burgstaller? Oder wegen der Rudelbildung? Deswegen doch nicht, oder? Genau das ist ein Problem des Video-Beweises. Die Zuschauer im Stadion wissen nicht Bescheid, warum das technische Hilfswerk zum Einsatz kommt. Alle Blicke gingen Richtung Winkmann. Doch der Schiedsrichter trabte nach zwei Minuten zur Außenlinie in Höhe der Mittellinie. Was macht der Schiri da? Die Antwort: Er schaute sich die Szene selber im Fernsehen an. Doch welche? Elfmeter? Rudelbildung? Und warum konnte der Video-Assistent Dr. Jochen Drees nicht in Köln selber entscheiden? Es folgte die Entscheidung: Gelb für Oczipka. Wahrscheinlich für das Foul? Eine Aufklärung gab es nicht. Das war es dann. Vier Minuten rumgeeiere für eine gelbe Karte? Ein Witz!

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Goretzka, McKennie (90. Meyer), Oczipka – Harit, Embolo (54. Burgstaller), Konoplyanka (84. di Santo)
B04: Leno – Retsos, Tah, S. Bender, Wendell – L. Bender, Aranguiz (46. Havertz) – Ballarabi (46. Bailey), Brandt (82. Kohr) – Volland, Alario
Tore: 1:0 Goretzka (34.), 1:1 Bailey (61.)
Zuschauer: 61.515

1899 Hoffenheim – S04 2:0 (1:0)

 

Unnötige Auswärtsniederlage im Kraichgau. Der FC Schalke 04 hat bei der TSG 1899 Hoffenheim mit 0:2 den Kürzeren gezogen. Dennis Geiger (13.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor (welch eine Überraschung, dass der Gegner Schalke hieß) und Lukas Rupp (90+3.) erzielten die Treffer für die Hausherren. Die Knappen haben die ersten 25 Minuten verschlafen. Sie hatten keinen Zugriff auf den Gegner, ließen ihm zu viele Freiräume und gerieten in Rückstand. Nach einer knappen halben Stunde übernahmen die Königsblauen dann das Kommando und waren das bessere Team – insgesamt 57 Prozent Ballbesitz. Vor allem fußballerisch war es im Vergleich zu den bisherigen Auftritten unter Domenico Tedesco ein Schritt nach vorne. Endlich wussten die Schalker etwas mit dem Ball im Offensivspiel anzufangen und spielten sich Chancen heraus. Besonders Amine Harit und Yevhen Konoplyanka konnten in Eins-gegen-Eins-Situationen überzeugen. Allerdings konnte der S04 keine der hochkarätigen Möglichkeiten nutzen, so dass Rupp in der Nachspielzeit (Fährmann kommt einen Schritt zu spät) den Deckel für Hoffenheim drauf machte.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Chancenauswertung: „Uns fehlte der Killerinstinkt“, brachte es Max Meyer nach dem Spiel auf den Punkt. Wer sich so viele Chancen heraus spielt und keine davon nutzt, muss sich am Ende nicht beklagen, mit leeren Händen zurück nach Gelsenkirchen zu fahren. Allein Konoplyanka vergab drei dicke Dinger. In bester Arjen-Robben-Manier zog der Ukrainer von links in die Mitte und visierte mit rechts das lange Eck an. Zwei Mal zischte die Kugel knapp rechts am Pfosten vorbei. Bei seiner besten Chance scheiterte Konoplyanka, nach guter Vorarbeit von Meyer, aus fünf Meter am Querbalken. Aber auch seine Kollegen machten es nicht besser. Guido Burgstaller verzog einmal aus 13 Metern und ballerte die Kugel aus fünf Metern daneben. Tragisch sind mittlerweile die Auftritte von Franco di Santo. Dem Argentinier kann man mangelnden Einsatz nicht vorwerfen, aber als Stürmer ist er leider die Harmlosigkeit in Person. Zudem war auffällig, dass die Schalker bei ihren Schüssen so gut wie nie das Tor trafen. Wie man überlegt und präzise auf das Tor schießt, zeigte Geiger. Mit einem Flachschuss aus 20 Metern traf der 19-Jährige unhaltbar ins linke Eck. Das ist auch eine Qualität, die den Unterschied ausmacht. Neu ist das Problem aber unter Tedesco nicht. Bereits in der Vorbereitung hatten die Knappen in den Tests kaum mehr als ein Tor geschossen. In der Bundesliga blieb der S04 in drei von sechs Spielen torlos.

 

Personelle Änderungen: Gefühlt bot Tedesco im Mittelfeld sein letztes Aufgebot auf. Mit Nabil Bentaleb und Bastian Oczipka standen zwei Spieler für das Mittelfeld nicht zur Verfügung. Für Leon Goretzka blieb nur der Platz auf der Bank. Demzufolge musste der S04-Coach in Hoffenheim ein neues Vierer-Mittelfeld aufbieten und entschied sich für Thilo Kehrer, Meyer, Weston McKennie und Daniel Caligiuri. Das neuformierte Quartett kam nur behäbig ins Spiel. 1899 hatte viel zu viel Raum, was Geiger eiskalt ausnutzte. Nach einer halben Stunde der Findungsphase wurde es besser, auch wenn die TSG nach dem Seitenwechsel einige Konterchancen hatte, was aber bei einem Rückstand auch nicht überraschend ist. Dennoch machte vor allem die neuformierte Doppel-6 ihre Sache ordentlich. McKennie macht dabei einfach nur Spaß, mehr muss man zum 19-jährigen US-Boy nicht sagen. Er soll sich weiter so entwickeln. Auch wenn der Einsatz von Meyer ein Risiko war, überzeugte der 22-Jährige endlich mal positiv. Meyer leitete nicht nur einige Angriff ein, sondern holte auch zu einer Grätsche aus. Zwar kassierte er dafür die Gelbe Karte, setzte aber ein Zeichen. Trotzdem bleibt festzuhalten: zu wenig Alternativen mit qualitativen Defiziten, vor allem auf den …

 

Außenpositionen: Oczipka ist auf links konkurrenzlos, Kehrer nur eine Notlösung. Der 21-Jährige machte seine Sache nicht schlecht, aber ihm fehlen die offensiven Waffen. Dazu ein linker Fuß, um in bestimmten Situationen einfach mal zu flanken. Ähnlich sieht es derzeit auf rechts aus. Caliguiri ist konkurrenzlos, da Alessandro Schöpf verletzungsbedingt weiterhin nicht zur Verfügung steht. Warum Coke überhaupt keine Option ist, verwundert schon. So viel schlechter kann der Spanier eigentlich gar nicht sein. Auf den Außenpositionen ist Schalke nur durchschnittlich besetzt und hat zudem keine Alternativen, um den Konkurrenzkampf zu schüren.

 

1899: Baumann – Kaderabek, Nordtveit, Hübner, Zuber (73. Schulz) – Vogt – Amiri (29. Rupp), Geiger, Kramaric – Uth, Gnabry (54. Wagner)
S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie (74. Goretzka), Meyer (78. Embolo), Kehrer – Harit, di Santo (55. Burgstaller), Konoplyanka
Tore: 1:0 Geiger (13.), 2:0 Rupp (90+3.)
Zuschauer: 30.150

S04 – FC Bayern München 0:3 (0:2)

 

Leck die Ziege, das sind so Spiele, die einen frustrieren. Den Willen kann man dem FC Schalke 04 im Heimspiel gegen den FC Bayern München nicht absprechen. Da aber die Qualität an zu vielen Ecken und Enden fehlt, mussten die Knappen eine 0:3-Heimpleite einstecken. Bis zum Doppelschlag durch Robert Lewandowsi (25., Handelfmeter nach Videobeweis) und James (29.) kann man den Königsblauen nicht viel vorwerfen. Sie waren aggressiv in den Zweikämpfen und verteidigten mutig. Sie erzielten sogar ein Tor durch Bastian Oczipka, welches aber wegen Abseits nicht gegeben wurde. Fast im Gegenzug gingen die Gäste in Führung und legten schnell nach. Danach war die Partie quasi entschieden. Die Müchener ließen Ball und Gegner laufen und dominierten das Geschehen. Schalke versucht zwar alles, hatte aber nicht die Mittel, um den Gegner dauerhaft unter Druck zu setzen. Mehr als Nadelstiche gab es nicht. Vielleicht wäre noch etwas gegangen, wenn Guido Burgstaller den Anschlusstreffer erzielt hätte. Doch der Österreicher scheiterte frei vor FCB-Keeper Sven Ulreich (66.). Endgültig durch war die Partie nach Arturo Vidals 3:0 (77.). Ernüchternd und frustrierend.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Videobeweis: Nach dem 5. Spieltag habe ich schon die Schnauze voll vom Videobeweis. Dabei geht es noch nicht einmal um die technischen Unterstützungen an sich, sondern an der Umsetzung des Ganzen. Hier scheint es zu viel Spielraum zu geben. Der Videobeweis soll für mehr „Gerechtigkeit“ sorgen und „Fehlentscheidungen“ vermeiden. Doch stattdessen gibt es Diskussionen. Der Handelfmeter auf Schalke ist das beste Beispiel. Aus meiner Sicht hat Schiedsrichter Marco Fritz das Handspiel von Naldo gesehen, es aber nicht als absichtliches gewertet, da der Ball vom Fuß an die Hand ging, und auf Ecke entschieden. Doch der Video-Assistent hatte eine andere Meinung und überstimmte die Entscheidung des Referees. Die Folge: Elfmeter. Beim Schalker Auswärtsspiel in Hannover gab es exakt dieselbe Situation. Dort wehrte Salif Sané die Flanke aus kurzer Distanz ebenfalls mit der Hand ab. Der Schiedsrichter wertete die Aktion ebenfalls nicht als absichtliches Handspiel und entschied auf Eckball. Doch in der AWD-Arena schritt der Video-Assistent nicht ein. Warum gab es in Hannover keinen Elfmeter? (Worüber sich ja auch keiner aufgeregt hat, weil es ja zweifelsohne nicht absichtlich war). Warum gab es dagegen aber auf Schalke einen Strafstoß? Ist das gerecht? Ist das eine einheitliche Vorgehensweise? Nein! Wenn das weiterhin der Fall sein sollte, sollte man lieber auf diese „Hilfe“ verzichten.

 

Nicht in Bestbesetzung: Jetzt müssen wir uns nichts vormachen. Der S04 hat nicht wegen des Videobeweises verloren. Die Münchener waren eine Nummer zu groß. Die Königsblauen haben nicht die Qualität im Kader, um den Bayern paroli zu bieten. Diese Erkenntnis ist jetzt auch nicht gerade neu. Meine (vielleicht auch gewagte und provozierende) These ist, dass Schalke nicht mehr als ernstzunehmender Konkurrent angesehen wird. Woran ich das festmache? An der Aufstellung der Bayern. Eigentlich liefen die Bayern in den letzten Jahren fast immer in Bestbesetzung auf. Darauf verzichtete Carlo Ancelotti bewusst. Unfreiwillig musste der FCB-Coach zwar ohne Arjen Robben (Grippe) und Manuel Neuer (Mittelfußbruch) auskommen. Doch freiwillig ließ der Italiener Thiago, Arturo Vidal, Franck Ribery, Jerome Boateng und Mats Hummels auf der Bank. Das Quintett wird gegen die Schwarz-Gelben, gegen Leipzig oder Paris St. Germain bestimmt nicht geschont. Ein weiteres Indiz war die Auswechslung und damit die Schonung von Lewandowski nach 65 Minuten (!) – beim Stand von 2:0. Zu guter Letzt war da der Auftritt von James über 90 Minuten. Vor dem Spiel hatte man aus München gehört, dass der 26-Jährige nach seiner Verletzung noch nicht fit ist. Für Schalke hat es gereicht. Der Kolumbianer holte den Elfer heraus, erzielte das 2:0 selbst und bereitete das 3:0 mit einem Lupfer-Pass auf Vidal genial vor. Die Knappen haben nicht enttäuscht, aber in der Wahrnehmung werden sie mittlerweile anders eingestuft.

 

Spielaufbau: Die Diskussionen rund um das 0:1 waren schon ärgerlich. Doch viel schlimmer war der Treffer zum 0:2, weil es wieder einmal ein Ballverlust im Spielaufbau war, der zum Gegentor führte. Schalke hatte einen Einwurf. Bentaleb vertändelte die Kugel gegen Thomas Müller tief in der eigenen Hälfte - verheerend. Danach ging es schnell. Über Lewandowski und Coretin Tolisso landete das Leder bei James, der eiskalt zum 2:0 vollstreckte. Das Defizit im Schalker Spielaufbau war nicht nur in dieser Szene eklatant. Es zog sich sowohl während der Partie sowie der bisherigen Saison wie ein roter Faden durchs blau-weiße Spiel – Hannover lässt grüßen. Riskante sowie ungenaue Pässe machen da die Runde. Hinzu kommt, dass dem Ballführenden zu wenig Anspielstationen zur Verfügung stehen, um hinten raus zu spielen. Wie es geht, zeigten die Bayern. Schalke presste in einigen Situationen gar nicht mal so schlecht. Aber Doppelpässe mit einem Kontakt sind halt Mittel, um sich ausbrenzligen Situationen zu befreien. Das ist aber leider auch eine Frage der Qualität. Und die ist bei Bayerns B-Elf immer noch besser als bei Schalkes Bestbesetzung.

 

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, McKennie (57. Embolo), Bentaleb, Oczipka – Goretzka, Burgstaller (78. di Santo), Harit (46. Konoplyanka)
FCB: Ulreich – Kimmich, Martinez (76. Hummels), Süle, Rafinha – Rudy, Tolisso (69. Vidal) – James, Müller, Coman – Lewandowski (65. Thiago)
Tore: 0:1 Lewandowski (25., Handelfmeter), 0:2 James (29.), 0:3 Vidal (77.)
Zuschauer: 62.271

Werder Bremen – S04 1:2 (1:1)

 

Auswärtssieg! Der FC Schalke 04 hat sich beim SV Werder Bremen mit 2:1 durchgesetzt. Dabei sind die Norddeutschen durch Lamine Sané in Führung (20.) gegangen. Allerdings konnten die Königsblauen schnell ausgleichen und profitierten von einem Eigentor von Milos Veljkovic (22.). Den Dreier machten die Knappen kurz vor Schluss perfekt. Leon Goretzka reagierte reflexartig und staubte zum 2:1 (83.) ab. Insgesamt ein glücklicher Sieg der Schalker. Kämpferisch hielten sie bei ungemütlichem Wetter mit Wind und Regen gut dagegen. Zu Beginn des Spiels pressten Gelsenkirchener sogar am gegnerischen Strafraum. Im Laufe der ersten Halbzeit funktionierte das Pressing nicht mehr, da immer mehr 2. Bälle verloren gingen, so dass Bremen etwas Oberwasser bekam. Nach der Pause zogen sich die Knappen etwas mehr zurück, gewannen aber deutlich mehr 2. Bälle. Dadurch konnten sie Werder besser vom eigenen Tor fernhalten und kamen besser in die gegnerische Hälfte. Allerdings war es dann spielerisch schwere Kost. Schalke versäumte es, aus ihren guten Ausgangslagen etwas Gefährliches zu kreieren. Da fehlte die zündende Idee oder der letzte Pass, um zum Abschluss zu kommen. So blieb der S04 aus dem Spiel heraus harmlos. Weder Amine Harit noch Yevhen Konoplyanka konnten Tempo aufnehmen. Guido Burgstaller rieb sich in vorderster Front an Sané auf. In der Zentrale tat sich Leon Goretzka schwer, weil ihm auch die Unterstützung durch Benjamin Stambouli fehlte. Das wurde erst nach der Pause mit Nabil Bentaleb (für Stambouli) besser. Goretzka riss Löcher, wenn er mit dem Ball am Fuß Geschwindigkeit aufnahm. Doch daraus entstanden letztlich auch kaum gefährliche Aktionen. Den Willen konnte man ihnen aber nicht absprechen. Auch Trainer Domenico Tedesco versuchte alles und brachte mit Franco di Santo und Breel Embolo, der nach fast einem Jahr sein Comeback in der Bundesliga gab, frische Kräfte für den Angriff. Die Belohnung folgte nach einer Ecke.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Eckenfestival: Alle Tore im Weserstadion fielen nach einer Ecke. Und alle drei Treffer hatten etwas Kurioses an sich. Den Anfang machten die Grün-Weißen. Nach einer Ecke von Florian Kainz köpfte Ludwig Augustinsson die Kugel am ersten Pfosten per Bogenlampe an den zweiten Pfosten. Alle Schalker schauten der Flugbahn des Balles hinterher, es fehlte nur noch Popcorn. Den Abpraller hätte Daniel Caligiuri klären können. Er trat aber über die Kugel, so dass Sané das Leder aus zehn Metern in die Maschen zimmerte. Die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten. Wobei man sagen muss, dass die Schalker sich erneut auf das Zuschauen (und Popcorn essen) beschränkten. Nach einer Ecke köpfte Thilo Kehrer den Ball Richtung Fünfmeterraum. Weiter und breit war dort allerdings kein Spieler im weißen Schalker Trikot (was wahrscheinlich auch gut so war :-) Dafür wollten Veljkovic per Kopf und Sané per Fallrückzieher klären. Der Serbe sah wohl im Augenwinkel, den Fuß seines Kollegen anrauschen und zog etwas zurück. Doch es war zu spät. Veljkovic köpfte die Kugel ins eigene Netz und bekam den Schlappen von Sané auf die Rübe. Neben dem 1:1 gab es noch Kopfschmerzen. Die gab es dann für die gesamte Werder-Mannschaft sieben Minuten vor Schluss. Wieder stand eine Ecke für Schalke auf dem Programm. Caligiuri brachte den Ball an den ersten Pfosten, wo Matija Nastasic köpften wollte, aber das Leder nicht traf. Der Ball ging an Freund und Feind vorbei und senkte sich mittig am Fünfmeterraum. Reflexartig hielt Goretzka seinen linken Schlappen hin und das Runde kullerte ins Eckige – 2:1 Schalke. Auswärtssieg.

 

Typsich, Schalke: Selbstverständlich ist es so, dass Gegentore immer unnötig sind. Doch bei Schalke schaut man sich irgendwie an und sagt: „Typisch, Schalke“. In gewissen Situationen wirkt die Mannschaft schlichtweg schlafmützig. So auch in Bremen. Das Momentum sprach eigentlich für die Knappen. Kurz zuvor musste Max Kruse verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Kehrer hatte gegrätscht, traf den Ball, aber auch Kruse. Der 29-Jährige fiel unglücklich und brach sich die Schulter. Gute Besserung, Max! Bremens bester Offensivspieler musste ausgewechselt werden. Ein Schock für Werder. Doch keine zwei Minuten später gingen die Hausherren in Führung, weil Schalke nicht wach war. Da fragt man sich schon, wer da gerade in Schockstarre war. Zum Glück für die Knappen, dass fast im Anschluss der Ausgleich fiel. Und wahrscheinlich wird der ein oder andere Werderaner in dieser Situationen ebenfalls gedacht haben: „Typisch, Werder.“

 

Alles Ansichtssache: Für die einen ist das Glas halbleer. „Da kannst besser 08 als Schalke gucken“, moserte Helle während des Spiels, da fußballerisch recht wenig bei den Knappen zusammen lief. Unrecht hat er ja nicht, da Horst 08 gerade mit der 1. und 2. Mannschaft mit jeweils sechs Siegen in sechs Spielen perfekt in die Saison gestartet ist. Für die anderen ist das Glas dagegen halbvoll. „Jetzt mal den Frust der letzten 20 Jahre weglassen. Ich fand es gut. Guter Kampf bis zum Schluss“, meinte Joe und hatte auch Recht. Endlich haben die Schalker bis zum Schluss dagegen gehalten, was leider nicht immer der Fall ist – siehe Hannover. Allerdings sollte die kämpferische Komponente für den selbsternannten Malocherklub zum Standard gehören und nicht „außergewöhnlich“ sein. Genauso kann man aber auch erwarten, dass die Mannschaft fußballerische Akzente setzt und nicht nur Magerkost. Trotz des abgespeckten Kaders ist genug Qualität vorhanden, um Mannschaften wie Hannover, Stuttgart oder Bremen auch spielerisch vor Problemen zu stellen. Daran hakt es derzeit. Im Spielaufbau quält sich die Mannschaft, die Offensive läuft alles andere als rund. Es erwartet keiner Champagner-Fußballer, aber die ein oder andere Kombination oder rausgespielte Chance möchte man dann doch sehen. Doch egal ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, am Ende zählt das Ergebnis. Da fasste Nobbi am Ende zusammen: „Ob verdient oder unverdient: Für Siege muss man sich nicht entschuldigen!“ 

 

SVW: Pavlenka – Bauer, Sané, Veljkovic – Gebre Selassie (84. Hajrovic), M.Eggestein, Augustinsson, Kainz, Delaney – Kruse (19. Belfodil)
S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Stambouli (46. Bentaleb), Goretzka, Oczipka – Harit (80. Embolo) , Burgstaller, Konoplyanka (61. di Santo)
Tore: 1:0 Sané (20.), 1:1 Veljkovic (22., Eigentor), 1:2 Goretzka (83.)
Zuschauer: 42.100

S04 - VfB Stuttgart 3:1 (1:1)

 

Königsblauer Doppelschlag entscheidet die Partie. Der FC Schalke 04 hat den VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt. Die frühe Schalker Führung durch Nabil Bentaleb (4., per Foulelfmeter durch den Videobeweis) konnten die Schwaben kurz vor der Pause verdient durch Chadrac Akolo (40.) ausgleichen. Doch gegen den Blitzstart der Knappen nach dem Seitenwechsel und dem Doppelpack durch Naldo (47.) und Guido Burgstaller (48.) zum 3:1 hatte der VfB nichts mehr entgegen zu setzen. Die Königsblauen ließen nichts mehr anbrennen und gingen als verdienter Sieger vom Feld.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Systemumstellung: Schalke legte munter los und ging schnell in Führung. Doch nach einer Viertelstunde stellten die Knappen das Fußballspielen ein. Sie verloren jeglichen Zugriff in den Zweikämpfen und rannten den Stuttgartern hinterher. Das Pressing funktionierte nicht. Die Raumaufteilung war schlecht. Konter erstickten bereits in der eigenen Hälfte im Keim. Der VfB bekam immer mehr Oberwasser, ohne gefährlich zu werden. Domenico Tedesco reagierte von der Bank aus und stellte das System um. Während des Spiels wurde von Dreier- auf Viererkette gewechselt. Benjamin Stambouli rückte von der rechten Verteidigerposition auf die Sechs vor. Thilo Kehrer und Bastian Oczipka ließen sich als Rechts- bzw. Linksverteidiger fallen. Doch die Umstellung schien die Spieler mehr zu verwirren als zu helfen. Kurz darauf erzielten die Stuttgarter den Ausgleich. Zum Glück für die Schalker, dass kurz darauf der Pausenpfiff ertönte.

 

Personelle Umstellung: In der Pause reagierte Tedesco erneut. Doch nicht die erneute Rückkehr auf das 3-4-3 brachte den Erfolg, sondern seine personellen Wechsel. Guido Burgstaller ersetzte Max Meyer, Daniel Caligiuri kam für Nabil Bentaleb. Die ganze Mannschaft wirkte sofort aggressiver, ging vorne drauf und zwang den VfB zu Fehlern. So holte Amine Harit einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte heraus. Die Flanke von Bastian Oczipka köpfte Naldo zum 2:1 ein. 82 Sekunden später vollendete Burgstaller nach einem Doppelpass mit Harit zum 3:1. Die Partie war entschieden, weil sich der VfB von diesem Doppelschlag nicht mehr erholte und insgesamt zu harmlos agierte.

 

Mentalität: „Der Unterschied zur ersten Hälfte war, dass wir eine andere Mentalität und Aggressivität hatten“, wurde Tedesco im „kicker“ zitiert. Da sind wir wieder bei einem alten Thema auf Schalke: Mentalität. Sobald die Knappen ein Ergebnis verwalten wollen oder sich zu sicher fühlen, lassen sich nach. Symbolisch stehen dafür die beiden ausgewechselten Spieler zur Pause: Max Meyer und Nabil Bentaleb. Der Algerier wirkte nach der Führung zu leichtsinnig in seinen Aktionen. Es fehlte die Klarheit in seinem Spiel. Bentaleb hat oft genug bewiesen, dass er es auch anders kann, allerdings schleicht sich bei ihm ab und an der Schlendrian ein. Die Auswechslung war nachzuvollziehen. Genauso bei Meyer, über den Nobbi direkt sagte: „Das war es für ihn auf Schalke.“ Der 21-Jährige stand mal wieder in der Startelf. Doch seine Chance wusste er nicht zu nutzen. Da es für Burgstaller und Breel Embolo nur für die Bank reichte und Franco di Santo verletzungsbedingt gar nicht zur Verfügung stand, optimierte Tedesco für Meyer das System. Schalkes Nummer 7 agierte nicht direkt als Sturmspitze, sondern zurückgezogen hinter Harit und Yevhen Konoplyanka, die mehr nach innen einrückten. Doch Meyer blieb blass. Jetzt kann keiner von ihm erwarten, dass er so aggressiv zu Werke geht wie Burgstaller nach seiner Einwechslung beim Pressing. Dafür ist Meyer auch nicht der Typ. Aber spielerisch drückt er dem Spiel auch nicht seinen Stempel auf. Wenn es läuft, spielt er mit und hat seine Aktionen. Wenn es nicht läuft, ist er nicht mehr als ein Mitläufer, der nicht in der Lage ist, das Spiel rumzureißen, weder spielerisch und schon gar nicht durch Zweikampftstärke und Aggressivität. Und einfach nur so seinen Stiefel runterspielen, geht weder bei Meyer noch bei der gesamten Mannschaft.

 

S04: Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Kehrer, Goretzka, Bentaleb (46. Caligiuri), Oczipka – Meyer (46. Burgstaller) -  Harit (76. McKennie), Konoplyanka
VfB: Zieler – Pavard, Baumgartl, Kaminski – Beck (77. Asano), Mangala (62. Ascacibar), Gentner, Aogo – Brekalo, Terodde, Akolo (59. Donis)
Tore: 1:0 Bentaleb (4., FE), 1:1 Akolo (40.), 2:1 Naldo (47.), 3:1 Burgstaller (48.)
Zuschauer: 61.098

18 Abgänge verzeichnet der FC Schalke 04

 

Das Personalkarussell am Schalke Markt hat sich in der Sommerpause mächtig gedreht. Durch die verpasste Qualifikation für das internationale Geschäft war die Hauptaufgabe von Christian Heidel den Kader zu verkleinern. Und der Sportvorstand hat eine Radikalkur vorgenommen. 18 Spieler haben den FC Schalke 04 in diesem Sommer ganz oder vorübergehend verlassen. Für den größten Wirbel sorgte der Abgang von Benedikt Höwedes. Der 29-Jährige wurde für ein Jahr an Juventus Turin ausgeliehen. Die Leihgebühr soll 3,5 Millionen Euro betragen. Neben vereinbarten Bonuszahlungen gibt es eine Kaufoption, die bei 13 Millionen Euro liegen soll, falls Höwedes auf 25 Pflichtspiele kommt. Ein Ende nach 16 Jahren auf Schalke, das sich Höwedes so sicherlich nicht gewünscht hat. Über die Art und Weise des Wechsels lässt sich diskutieren, ja gar streiten. Es gibt Pro und Contra für seine Absetzung als Kapitän. Genauso, ob er den Konkurrenzkampf auf Schalke hätte annehmen müssen. Die Aussage Tedescos mit den Reisenden, die man nicht aufhalten soll, war bei einer Identifikationsperson wie Höwedes nicht angebracht. Immerhin hat er sich dafür entschuldigt. In Zeiten der Fußball-Söldner, die für 222 Millionen Euro den Verein wechseln oder schon immer unbedingt in ihrem „Traumland“ China kicken wollten, galt Höwedes als Paradebeispiel der Fußballromantiker, die für Vereinstreue stehen. Aus dieser Sicht ist es unverständlich, warum man so einen verdienten und treuen Spieler nicht mit aller Macht im Verein hält. Betrachtet man die Lage allerdings nur nüchtern aus sportlicher Sicht, kommt man zu dem Schluss, dass Höwedes in den letzten beiden Jahren nicht mehr das Niveau eines unumstrittenen Stammspielers hatte. Was aber durch seine Verletzungen und dem damit verbundenen Fitnesszustand lag. Höwedes muss 100 Prozent fit sein, um seine Leistung abzurufen, das war er nicht. Aber vielleicht wäre er es gerade jetzt geworden, weil er sich auf Schalke ohne die Binde am Arm mehr auf sich selbst hätte konzentrieren können, um sein altes Niveau wieder zu erreichen und erneut zum unumstrittenen Abwehrrecken zu werden? Wir werden es niemals erfahren, sondern lediglich seinen Werdegang in Italien beobachten. Zyniker werden an dieser Stelle sagen: Für Juventus, die die Champions League gewinnen wollen, ist Höwedes gut genug, für Schalke nicht.   

 

Dreierpack zu den Abgängen

 

Verliehen: Neben Höwedes wurden vier weitere Spieler verliehen. In letzter Sekunden entschied sich Johannes Geis ein Angebot vom FC Sevilla anzunehmen. Der Mittelfeldspieler wechselt zunächst für ein Jahr nach Andalusien. Die Leihgebühr soll bei knapp unter einer Million Euro liegen. Dazu soll es eine Kaufoption über neun Millionen Euro geben. Vielleicht wird er der neue Ivan Rakitic. Umstritten auf Schalke zieht es ihn erstmal nach Sevilla, um dann den nächsten Schritt zum FC Barcelona zu gehen. Darüber hinaus wurden einige Youngsters verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Luke Hemmerich schließt sich dem VfL Bochum an. Haji Wright geht für den SV Sandhausen auf Torejagd. Bernard Tekpetey wechselt nach Österreich zum SCR Altach.

 

Vertragsende: Bei zehn Spielern lief der Vertrag auf Schalke zum 30. Juni 2017 aus, beziehungsweise wurde Einvernehmen aufgelöst. Die auslaufende Verträge von Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), Dennis Aogo (VfB Stuttgart), Sascha Riether, Eric-Maxim Choupo-Moting (Stoke City) und Timon Wellenreuther (Willem II Tilburg) wurden nicht verlängert. Dagegen hätte Heidel das Arbeitspapier von Sead Kolasinac gerne verlängert, jedoch entschied sich der bosnische Nationalspieler für einen Wechsel zum FC Arsenal. Darüber hinaus liefen die Leihverträge von Holger Badstuber (VfB Stuttgart) und Abdul Rahman Baba (FC Chelsea) aus. Zudem hat man sich mit Atsuto Uchida und Sidney Sam auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Beide Spieler kicken demnächst in der 2. Liga. Uchida verteidigt für den 1. FC Union Berlin, Sam wird Flügelflitzer beim VfL Bochum.

 

Verkauft: Rund zwei Millionen Euro nehmen die Königsblauen durch Spielerverkäufe ein. Felix Platte schließt sich diesmal endgültig dem SV Darmstadt 98 (ca. eine Millionen Euro) an. Fabian Giefer versucht sein Glück beim FC Augsburg (ca. 750.000 Euro), während Phil Neumann die Defensive des FC Ingolstadt 04 (ca. 250.000 Euro) verstärkt.

Der Kader des FC Schalke 04

 

Neben 18 Abgängen präsentierte der FC Schalke 04 auch NullVier Neuzugänge. Pablo Insua (Deportivo La Coruna), Amine Harit (FC Nantes), Bastian Oczipka (Eintracht Frankfurt) und Michael Langer (IFK Norrköping) tragen ab sofort das königsblaue Trikot. Darüber hinaus wurde Nabil Bentaleb (Tottenham Hotspur) und Yevhen Konoplyanka (FC Sevilla) fest verpflichtet. Zudem stößt Weston McKennie aus der Knappenschmiede zu den Profis. Damit stehen Trainer Domenica Tedesco 19 Feldspieler und drei Torhüter zur Verfügung. Auch ohne internationalen Wettbewerb scheint es ein schmaler Kader zu sein, wo Verletzungen und/oder Sperren für Engpässe sorgen könnten. Hier der Kader des FC Schalke 04:

 

Tor: Ralf Fährmann (Rückennummer: 1), Alexander Nübel (34), Michael Langer (35)

Abwehr: Pablo Insua (3), Matija Nastasic (5),Thilo Kehrer (20), Coke (23), Bastian Oczipka (24), Naldo (29)

Mittelfeld: Weston McKennie (2), Max Meyer (7), Leon Goretzka (8), Nabil Bentaleb (10), Yevhen Konoplyanka (11), Benjamin Stambouli (17), Daniel Caligiuri (18), Amine Harit (25), Alessandro Schöpf (28)

Sturm: Franco di Santo (9), Fabian Reese (16), Guido Burgstaller (19), Breel Embolo (36)

 

Dreierpack plus 1 zu den Neuzugängen

 

Michael Langer: Die Knappen haben mit dem 32-Jährigen ihr Torhüter-Trio komplettiert. Hinter Ralf Fährmann und Alexander Nübel übernimmt der 1,94 Meter große Österreicher die Planstelle der Nummer 3. Langer ist ablösefrei, da sein Vertrag bei IFK Norrköping nach einem Jahr ausgelaufen ist, und erhält einen Vertrag bis 2019. „Wir haben uns für einen Erfahrenen entschieden, weil wir einen dritten Torwart brauchen, der akzeptiert, dass er eher nicht zum Zuge kommen wird, den wir jedoch angesichts seiner Qualität bedenkenlos ins kalte Wasser werfen können, wenn plötzlich mal Not am Mann ist“, erklärt Christian Heidel gegenüber dem „kicker“. Das Fußballspielen im Verein hat Langer beim FC Hard begonnen. 2003 zog es Schalkes neue Nummer 34 weiter zu Viktoria Bregenz, wo er ein Jahr später den Sprung in die Senioren schaffte. 2006 wechselte der Keeper zum VfB Stuttgart. Bei den Schwaben feierte er seinen größten Erfolg. Als Ersatzmann von Timo Hildebrand wurde Langer zum Leidwesen der Königsblauen deutscher Meister. 2008 zog es ihn weiter zum SC Freiburg. Über den FSV Frankfurt (2010 bis 2012), SV Sandhausen (2012 bis 2014), Valarenga Oslo (2014 bis Dezember 2015) und Tampa Bay (Februar bis Juni 2016) landete er in Schweden bei Norrköping.

 

Pablo Insua: Der spanische Innenverteidiger wechselt von Deportivo La Coruna zu den Königsblauen und hat einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Die Ablösesumme soll um die 3,5 Millionen Euro betragen. „Er ist ein taktisch sehr gut geschulter Spieler, handlungsschnell, hat eine gute Antizipation“, freut sich Trainer Domenico Tedesco über den 1,87 Meter großen Abwehrmann, der aber nicht der Schnellste sein soll. In den letzten beiden Spielzeiten wurde der 23-Jährige von La Coruna an CD Leganes ausgeliehen, wo er Heldenstatus erlangte. Den Madrider Vorort-Verein köpfte er am letzten Spieltag der Saison 2015/2016 gegen CD Mirandes zum Aufstieg in die Primera Division. Insua ist in der Nachwuchsabteilung von Depor groß geworden und schaffte dort auch den Sprung ins Profi-Team, bevor es ihn weiter nach Leganes zog. Insgesamt stehen bei ihm 74 Spiele (4 Tore) in der Segunda Division und 49 Partien (1 Tor)  in der Primera Division zu Buche. Bei Spaniens U19-EM-Sieg 2012 stand er im Kader, kam aber nur zu einem Einsatz. Ob Insua bei der Konkurrenz mit Naldo, Benedikt Höwedes, Matija Nastasic und Thilo Kehrer zu vielen Einsatzminuten kommt, erscheint auf den ersten Blick fraglich. Die Chance von Schalkes neuen Nummer 3 liegt vor allem darin, dass er im Spielaufbau überzeugt, einer der großen Baustellen der Knappen in der letzten Saison. Bringt er diese Qualität mit, wird er sich über mangelnde Einsatzzeiten nicht beschweren können.

 

Amine Harit: Am 8. Juli postete Harit auf Instagram ein Bild von sich vor einem Privat-Jet mit den Worten: „Off to Germany“. Einen Tag später bestätigte Tedesco: „Amine ist unser zweiter Neuzugang“. Offiziell wurde der Deal am 10. Juli. Der Franzose mit marokkanischen Wurzeln kommt für ca. zehn Millionen Euro vom FC Nantes und erhält beim S04 einen Vier-Jahres-Vertrag. Tedesco lobt: „Amine ist ein technisch versierter Spieler, der über ein starkes Tempo-Dribbling verfügt und sich zudem defensiv gut einbringt. Er sucht oft mutige Offensivlösungen und kann dadurch den Unterschied ausmachen.“ Gelernt hat Harit seine Fertigkeiten u.a. in der Jugend von Paris St. Germain und Red Star Paris. 2012 wechselte Schalkes 25 ins Jugendinternat von Nantes. Bei den Kanarienvögeln schaffte mit 19 Jahren den Sprung ins Prof-Team und etablierte sich direkt als Stammspieler. Harit absolvierte 30 Spiele, verbuchte aber nur zwei Scorerpunkte (1 Tor, 1 Assist). Für einen offensiven Spieler überschaubar. Diese Quote muss er auf Schalke steigern. Über die Voraussetzungen verfügt der Floh - 67 Kilogramm auf 1,79 Meter verteilt. Die Chancen wird er bekommen. Nach quirligen und schnellen Spielern sehnt man sich auf Schalke. Mit Konoplyanka könnte es eine interessante Konstellation auf den blau-weißen Flügeln geben, die für Highspeed-Fußball sorgen. Harit muss nur auf dem Boden bleiben und den Privat-Jet im Hangar lassen.

 

Bastian Oczipka: Zu Beginn der Vorbereitung stand Schalke ohne einen gelernten Linksverteidiger da. Kolasinac, Baba und Aogo suchte man vergeblich am Schalker Markt. Mit der Verpflichtung von Oczipka hat das ein Ende. Die Knappen verpflichteten den 28-Jährigen für ca. vier Millionen Euro von Eintracht Frankfurt. Dafür bekommen sie einen erfahrenen Spieler, der zu den Leistungsträgern der Frankfurter gehörte. „Bastian ist ein zuverlässiger Linksverteidiger, der die Bundesliga gut kennt. Er besitzt die Fähigkeit, seine Seite als Außenverteidiger defensiv zu schließen und offensiv dennoch für Gefahr zu sorgen“, beschreibt Tedesco Oczipkas Vorzüge, der einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hat. In den letzten fünf Jahren trug er 146 Mal das Adler-Trikot (2 Tore) und entwickelte sich zu einer Konstanten am Main. Seine Fußball-Karriere hatte er als Fünfjähriger beim BW Hand begonnen. 1997 wechselte er zu Bergisch Gladbach, wo Bayer Leverkusen auf ihn aufmerksam wurde. Als Zehnjährige schloss sich Oczipka der Jugendabteilung der Werkself an und schaffte es bis in den Bundesliga-Kader. Den Durchbruch schaffte er dort aber nicht. Der Linksverteidiger ließ sich ausleihen und sammelte in Rostock (2008) und auf St. Pauli (2010) Spielpraxis. 2012 zog es ihn weiter in die Main-Metropole, wo er sich als Bundesliga-Spieler etablierte. Für Schalke scheint es eine solide Lösung zu sein, den der ein oder andere im königsblauen Umfeld auf den ersten Blick unterschätzen wird.

Hannover 96 – S04 1:0 (0:0)

 

Enttäuscht auf ganzer Linie! Der FC Schalke 04 hat bei Hannover 96 mit 0:1 verloren. Jonathas markierte den Treffer des Tages (67.) unter gütiger Mithilfe der Knappen. Thilo Kehrer spielte im Spielaufbau einen katastrophalen Fehlpass quer vor dem eigenen Strafraum. Marvin Bakalorz eroberte die Kugel und legte ab auf Jonathas, der frei vor Fährmann cool blieb. Der brasilianische Stürmer wurde erst drei Tage zuvor für die 96er-Rekordsumme von 8,5 Millionen Euro von Rubin Kasan verpflichtet und netzte direkt fünf Minuten nach seiner Einwechslung ein – gefühlt war das mal wieder „irgendwie typisch Schalke“! Im Duell zweier fußballerisch limitierter Mannschaften ging Hannover als verdienter Sieger hervor. Sie leisteten sich keine Fehler und nutzten selbst einen des Gegners gnadenlos aus.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Ratlosigkeit: Nach dem Heimspielerfolg gegen RB Leipzig war zu vermuten gewesen, dass Schalke mit Selbstvertrauen an die Leine fahren und mit breiter Brust auftreten würde. Doch was die Mannschaft in der AWD-Arena zeigte, war ernüchtern. Die Königsblauen verfielen in alte Muster der letzten Jahren und offenbarten Defizite in allen Belangen. Angeblich war der Plan, Hannover aus der eigenen Hälfte zu locken, um dann die Linie zu überspielen und selber schnell vor das Tor zu kommen. Die Realität sah anders aus. Der Spielaufbau funktionierte überhaupt nicht. Hannover stellte gut zu und sorgte dafür, dass Fährmann gefühlt 50 Mal die Murmel aus seinem Strafraum drosch. Dass hohe Bälle auf Yevhen Konoplyanka und Amine Harit sinnlos sind, versteht sich bei ihrer Körpergröße von selbst. Doch auch di Santo (1. Hälfte) und Guido Burgstaller (2. Hälfte) sahen in Kopfballduellen gegen Salif Sane oder Felipe kein Land. Da Schalke zudem die zweiten Bälle nicht gewann, kamen die Königsblauen selten in die gegnerische Hälfte. Warum die Knappen die Hannoveraner nicht mal selbst in deren Hälfte unter Druck setzten, bleibt ein Geheimnis. Entweder sie sollten nicht oder sie können es einfach nicht. Schafften die Schalker es in den wenigen Fällen doch mal über die Mittellinie, folgte das nächste Problem. Es fehlte an Kreativität. Schalke war schlichtweg zu harmlos in Hannovers Hälfte. Flanke oder Pässe in die Tiefe fanden so gut wie nie einen Abnehmer. Unterm Strich standen zwei gute Chancen auf der Guthabenseite. Vor der Pause säbelte Daniel Caligiuri über einen flachen Rückpass von Bastian Oczipka, nach dem Seitenwechsel ging der Schuss von Konoplyanka nach Oczipka-Flanke knapp rechts vorbei. Mehr kam nicht vom S04. Viel zu wenig und enttäuschend! Oder wie Helle es sagte: „Das ist noch nicht einmal mehr peinlich, das ist einfach ‚es geht nicht‘.“

 

Standardsituationen: Wenn schon aus dem Spiel nicht viel bei rum kommt, bleibt die Hoffnung auf Standards. Doch mittlerweile entpuppt sich das zu einem hoffnungslosen Fall. Ecken und Freistöße sind total ungefährlich. Bestes Beispiel war ein Freistoß aus dem Halbfeld, 30 Meter vor dem Tor. Der eingewechselte Max Meyer drosch die Bogenlampe direkt ins Toraus. Ganz anders Hannover. Auch sie strahlten aus dem Spiel heraus null Torgefährlichkeit aus. Doch bei Standards hatte man stets das Gefühl, dass da was möglich war. Die beste Chance hatte Sane nach einer Ecke per Kopf, doch Fährmann lenkte die Kugel zur Ecke. So sah es lange Zeit nach einem torlosen Remis aus – bis zum Blackout von Kehrer, den 96 eiskalt ausnutzte.

 

Personal: Tedesco setzte auf die Erfolgself des 1. Spieltags. Also wieder mit di Santo als Sturmspitze, obwohl sich Burgstaller fit meldete. Der Argentinier konnte an seiner Leistung der Vorwoche bei weitem nicht anknüpfen, was aber auch an seinen Kollegen lag, die Kick-and-Rush spielten. Di Santo musste zur Pause mit einer starken Schulterprellung raus, doch auch mit Burgstaller wurde es nicht besser. Vor allem Konoplyanka und Harit hingen in der Luft und konnten ihre Schnelligkeit nie ausspielen. Das Thema der Woche war aber Benedikt Höwedes, der dem Verein mitteilte, dass er sich vorstellen könnte, zu Juventus Turin zu wechseln. Jetzt liegt es am S04 und den Italienern sich auf eine Ablösesumme zu einigen. Das erste Angebot, angeblich zwei Millionen Euro Leihgebühr für ein Jahr plus Kaufoption über acht Millionen Euro, lehnten die Knappen ab. Höwedes stand zwar im Kader, saß aber 90 Minuten auf der Bank. Kehrer erhielt aufgrund seiner Leistung gegen Leipzig (zu Recht) den Vorzug. Wie es aber so im Fußball ist, verschuldete ausgerechnet Kehrer das Gegentor. Wie es mit Höwedes weiter geht, wird sich bis zum Ende des Transferfensters am 31. August klären. Die Tendenz: man wird sich trennen.

 

H96: Tschauner – Korb, Sane, Felipe, Ostrzolek – Bakalorz, Anton, Schwegler – Harnik (81. Maier), Füllkrug (62. Jonathas), Klaus (73. Karaman)
S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri (83. Reese), Bentaleb, Goretzka – Harit (73. Harit), di Santo (46. Burgstaller), Konoplyanka
Tor: 1:0 Jonathas (67.)
Zuschauer: 49.000

S04 – RB Leipzig 2:0 (1:0)

 

Traumstart in der Bundesliga. Der FC Schalke 04 ist mit einem 2:0-Erfolg gegen Rasenballsport Leipzig in die neue Saison gestartet. Nabil Bentaleb (44., Foulelfmeter) und Yevhen Konoplyanka (73.) erzielten die Treffer. Damit feierte Neu-Trainer Domenico Tedesco einen Einstand nach Maß. Zwar waren die Gäste von der Spielanlage, dem Spielerischen und die Raumaufteilung beim Pressing besser als die Königsblauen, aber in puncto Leidenschaft, Zweikampfstärke und Aggressivität wussten die Knappen zu überzeugen. So ließ die S04-Defensive die roten Bullen bis zum Strafraum austoben, um dann kompromisslos zu zeigen, dass es von da an kein Durchkommen gab. Demzufolge kam Leipzig erst in der 80. Minute zu seiner ersten und einzigen guten Torchance. Doch Ralf Fährmann entschärfte die Schuss von Naby Keite aus kurzer Distanz. Insgesamt war es kein unverdienter Dreier.

 

Dreierpack zum Spiel

 

Startaufstellung: Für die größte Überraschung sorgte Tedesco in der Sturmspitze. Dort durfte Franco di Santo ran. Allerdings profitierte der Argentinier vom kurzfristigen Ausfall von Guido Burgstaller (Fußverletzung). Auch für Breel Embolo wäre ein Einsatz zu früh gekommen, obwohl er im Kader stand und einen Tag später auch 90 Minuten in der U23 spielte. Doch di Santo enttäuschte nicht. Wie immer, wenn er fit ist, war dem 28-Jährigen kein Weg zu weit und übte seine Aufgabe als erster Verteidiger hervorragend aus. Was ihm leider immer noch abgeht ist die Torgefahr. Immerhin war di Santo aber einer der Hauptprotagonisten beim 1:0. Schalke konterte und schickte Schalkes Nummer 9 auf Reisen. Im Strafraum stellte sich Gegenspieler Dayot Upamecano ungeschickt an und foulte di Santo. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte auf den Punkt. Bentaleb vollstreckte eiskalt zur Führung. In der Startelf zu erwarten, war dagegen die defensive Dreierreihe mit Thilo Kehrer, Naldo und Matija Nastasic. Für Benedikt Höwedes, der noch nicht bei 100 Prozent ist, blieben nur die 90 Minuten auf der Bank. Enttäuschend für den Ex-Kapitän, der nach dem Spiel von der Nordkurve gefeiert wurde. Jedoch auch nachvollziehbar, da das Trio eine überragende Leistung zeigte. An den drei Türmen war für Leipzig kein Vorbeikommen. Vor der Dreierkette erledigten Daniel Caligiuri, Leon Goretzka, Bentaleb und Bastian Oczipka mit viel Laufarbeit vor allem defensiv stark ihren Job. Für die Ausrufezeichen sorgten derweil die beiden offensiven Außenspieler. Amine Harit und Konoplyanka sorgten mit ihrem Tempo immer wieder für Entlastung. Folgerichtig ging das 2:0 auch auf deren Konto. Harit eroberte tief in der eigenen Hälfte den Ball, vernaschte mit starker Ballbehandlung zwei, drei Gegenspieler und schickte Konoplyanka in die Tiefe. Der Ukrainer startete aus der eigenen Hälfte, blieb eiskalt vor dem Tor und netzte aus 15 Metern zum 2:0 ein. Verdammt noch mal, war das ein geiler Konter, den man so lange nicht mehr in der Donnerhalle gesehen hat.   

 

Grundausrichtung: Schalke agierte in der defensiven Variante des 3-4-3, in dem die beiden offensiven Außen sich hinter der Sturmspitze fallen ließen. Zwar versuchten die Knappen, von Beginn an auch die Leipziger zu pressen, doch dies war nicht von Erfolg geprägt. Leipzig schnürte die Knappen regelrecht in deren eigenen Hälfte ein, die in den ersten 25 Minuten gefühlt kaum über die Mittellinie kamen. Doch gefährlich wurden die Bullen nicht. Schalke hielt physisch dagegen. Kehrer und Oczipka setzten Grätschen an, bei denen nicht nur der Ball auf die Tribüne flog, sondern auch Yussuf Poulsen über den grünen Rasen. Danach machte dem Dänen das Fußballspielen sichtlich keinen Spaß mehr. Nach einer halben Stunde kamen die Schalker auch fußballerisch besser ins Spiel und konterten. Denn sobald Leipzigs Pressing-Netz in der S04-Hälfte nicht zum Erfolg kam und die Blau-Weißen sich in die gegnerischen Hälfte spielten, zeigte sich, dass Rasenballsports Viererkette nicht die Qualität des Mittelfelds und Sturms hat. Dort sind sie verwundbar, was vor allem die beiden Tore zeigten. Die Basis für den S04-Erfolg war aber ohne Zweifel die Defensivarbeit, wo sich jeder Spieler den Arsch aufriss und sich nicht zu schade war, für seinen Mitspieler in die Bresche zu springen. Und so war es am Ende ein Sieg der Maloche.

 

Tedescos Debüt: Mit einem Sieg in der Bundesliga zu starten, ist das Beste was einem neuen Trainer passieren kann. Dazu war es ein Erfolg gegen den aktuellen Vizemeister, der auf Leidenschaft und Wille basierte. Was will man mehr auf Schalke? Nach der Partie konnte man zudem hören, dass Schalkes Matchplan aufging und es taktisch eine Entwicklung gab. Allerdings sollte man auch die Kirche im Dorf lassen oder wie es Tedesco immer wieder sagt: Demut zeigen. Keine Frage, es war ein toller Erfolg und Balsam auf die Schalker Seele. Jedoch sah es nach 25 Minuten noch nicht danach aus. Leipzig war überlegen, Schalkes Pressing funktionierte nicht, was Tedesco in der PK auch zugab: „Wir sind häufiger zu spät gekommen.“  Vom Offensivspiel war nicht viel zu sehen. Positiv war aber, dass Schalke sich darauf einstellte und einen anderen Weg fand, um ins Spiel zu kommen. Dafür war Tedesco verantwortlich. „Trotzdem ist es so, dass wir auch eine gewisse Idee haben, wie wir so etwas verteidigen“, sagte Tedesco. Und Plan B war erfolgreich. Lapidar gesagt, bestand der Plan auf gute Defensivarbeit mit Kampf, Wille und Leidenschaft. Das klappte, weil sich die Knappen keine individuellen Fehler leisteten, was in der Vergangenheit selten der Fall war. Die kommenden Spiele müssen allerdings zeigen, ob Plan A auch funktioniert. Es gab aber noch einen anderen Aspekt, bei dem Tedesco bei den S04-Fans Punkten konnte: seine Auswechslungen! Für den von Krämpfen geplagten di Santo kam Fabian Reese, der den Platz in der Sturmspitze übernahm. Kein Sicherheitswechsel mit einem Defensivmann. Doch nur für 15 Minuten. Dann ersetzte Weston McKennie Harit – erster Gedanken: ein Defensiver für einen Offensivmann kennen wir ja. Doch falsch gedacht. Die Grundausrichtung wurde nicht geändert. Reese ging auf Rechtsaußen und McKennie, der defensive Mittelfeldspieler, übernahm die Position in vorderster Front. Ein überraschender Schachzug, der voll aufging und die Erkenntnis brachte: Auch auf Schalke kann ein Trainer sinnvolle und innovative Wechsel durchführen und nicht nur die 0815-Wechsel in der 83., 86. und 89. Minute.

 

S04: Fährmann – Kehrer, Naldo, Nastasic – Caligiuri, Goretzka, Bentaleb, Oczipka – Harit (78. McKennie), di Santo (63. Reese), Konoplyanka (89. Meyer)
Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg (46. Forsberg) – Laimer (76. Augustin), Ilsanker – Sabitzer, Keita – Poulsen (75. Bruma), Werner
Tore: 1:0 Bentaleb (44., FE), 2:0 Konoplyanka (73.)
Zuschauer: 61.435

Horster Kurve hat abgestimmt

 

In einer Umfrage bei den Mitgliedern der Horster Kurve wurde gefragt: Welche Platzierung erreicht der FC Schalke 04 am Ende der Saison 2017 / 2018?

 

20 Kurvis haben mitgemacht und wie folgt abgestimmt:

45 Prozent der Mitglieder der Horster Kurve sind der Meinung, dass sich die Königsblauen am Ende der kommenden Spielzeit für die Europa League qualifizieren und unter Neu-Trainer Domenico Tedesco auf Rang fünf oder sechs landen.

 

Etwas optimistischer sind 04 Kurvis, die der Mannschaft vom Schalker Markt zutrauen, die Qualifikation für die Champions League zu schaffen und am Ende zwischen Rang zwei und vier einzulaufen.

 

Dagegen sind 25 Prozent nicht so optimistisch und glauben nicht an eine Rückkehr ins internationale Geschäft. Sie sehen die Königsblauen im oberen Mittelfeld zwischen Platz sieben und zehn.

 

Ein Kurven-Duo glaubt derweil an den großen Coup. Blömme und Jörg träumen von der deutschen Meisterschaft. "Wir machen die Leicester-City-Nummer", zwinkert Blömme.

BFC Dynamo – S04 0:2 (0:0)

 

Schalke 04 müht sich in die nächste Runde im DFB-Pokal. Beim BFC Dynamo haben sich die Knappen mit 2:0 durchgesetzt. Yevhen Konoplyanka erzielte beim Viertligisten in Berlin einen Doppelpack. Wie in den Testspielen setzte Tedesco auch im ersten Pflichtspiel auf eine 3-4-3-Grundformation. Große Überraschungen in der Startelf gab es nicht. Weston McKennie übernahm den Part im zentralen Mittelfeld von Leon Goretzka, der nach seinem leichten Muskelfaserriss zunächst auf der Bank saß, und erhielt damit den Vorzug vor Johannes Geis. Für Verwunderung sorgten aber doch noch zwei Personalien. Franco di Santo stand im Kader und wurde sogar direkt zur 2. Hälfte eingewechselt. Dagegen fehlte Coke auf dem Spielberichtsbogen, obwohl der Spanier fit war. Erst gar nicht nach Berlin reisten Breel Embolo, Alessandro Schöpft, Benedikt Höwedes (alle Trainingsrückstand) und Naldo (Zerrung).

 

Dreierpack zum Spiel

 

Neuer Kapitän: Bei der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel in Berlin teilte S04-Coach Domenico Tedesco mit, dass Ralf Fährmann ab sofort der neue Kapitän des FC Schalke 04 ist und damit Benedikt Höwedes nach sechs Jahren beerbt. Tedesco wolle die anderen Spieler, die sich hinter dem deutschen Weltmeister verstecken, mehr in die Verantwortung nehmen. Höwedes zeigte sich enttäuscht und erklärte in einer selbst veröffentlichen Meldung in den sozialen Medien, dass er diese Meinung nicht teilt, er aber weiterhin alles für den Verein geben wird. Das Echo auf diese Entscheidung war natürlich gewaltig, die Reaktionen vielfältig. Von Skandal bis absolut richtig war alles dabei. Es hängt alles von der Sicht des Betrachters ab. Fakt ist, dass Höwedes unbestritten den Verein lebt und mit Leib und Seele Schalke verkörpert. Allerdings muss man festhalten, dass er sportlich nicht mehr vollends überzeugen konnte. Seine Defizite im Spielaufbau sind bekannt, aber es gesellten sich individuelle Fehler hinzu, die zu Gegentore führten. Das Problem: durch Verletzungen wirkte Schalkes Nummer 4 seit zwei Jahren nie hundertprozentig fit. Und gerade so ein Spieler wie Höwedes lebt von seiner Fitness, um technische Mängel zu kaschieren. Deswegen scheint die Entscheidung von Tedesco nachvollziehbar zu sein, damit sich Höwedes wieder auf sich selbst konzentrieren kann. Ob darüber hinaus mannschaftsinterne Dinge vorgefallen sind, wird gegebenenfalls die Zukunft zeigen. Doch wer letztlich die Kapitänsbinde am Oberarm trägt, sollte in auf dem grünen Rasen egal sein. Da sind sowieso alle elf Mann auf dem Feld gefragt, und dass war eins der großen Defizite der letzten Saison.

 

1. Halbzeit: Schalke fand schnell in die Partie und übernahm das Kommando. Konoplyanka und Guido Burgstaller verpassten aber die schnelle Führung. Nach der guten Anfangsviertelstunde ließen die Knappen allerdings nach beziehungsweise legten die Berliner ihre Nervosität ab und kamen besser ins Spiel. Ein Dilemma, das man auch in der letzten Saison immer wieder beobachten konnte. Schalke scheint alles im Griff zu haben und lässt die Zügel schleifen. Offensiv brachte der S04 nicht mehr viel zu Stande, viel schlimmer noch, in der Defensive leisteten sich die Spieler Nachlässigkeiten. Nach einem Querschläger von Benjamin Stambouli als letzter Mann scheiterte Matthias Steinbron mit seinem Schuss an Fährmann. Dank des neuen S04-Kapitäns ging es torlos in die Kabine.

 

2. Halbzeit: Tedesco nahm zur Pause zwei Veränderung vor. Zum einen tauschten Thilo Kehrer (von der Mitte nach rechts) und Stambouli in der Dreierkette ihre Positionen, zum anderen ersetzte di Santo den blassen Amine Harit. Doch die erste Chance nach dem Pausentee hatte Dynamo. Nach einer Freistoß-Flanke von Ugurtan Cepni lenkte Fährmann einen Kopfball von David Kamm Al-Azzawe stark über die Latte. Danach übernahm aber wieder Schalke das Kommando und hatte mehrmals die Führung auf den Fuß. Aber Konoplyanka drosch die Kugel knapp drüber, Goretzka traf nur die Latte und Di Santos Schuss entschärfte BFC-Keeper Bernhard Hendl. Als die Berliner die Partie dann wieder erneut verschleppten, schlugen die Königsblauen zu. Goretzka schickte Konoplyanka auf die Reise, der seinen Gegenspieler Al-Azzawe tunnelte und mit einem Flachschuss aus 16 Metern zum 1:0 vollendete. Der BFC konnte nix mehr entgegensetzen und kassierte in der Nachspielzeit noch das 0:2. Diesmal bediente Max Meyer Konoplyanka mustergültig und der Ukrainer traf aus 15 Metern. Damit wurde die Pokal-Hürde in der Hauptstadt letztlich souverän genommen.

 

BFC Dynamo: Hendl – Rausch, Kamm Al-Azzawe, Adomah, Cepni – Steinborn, Schulz (63. Lambach), Cubukcu, Breustedt (86. Joshua Silva) – Dadashov, Okronkwo (70. Brand)
S04: Fährmann – Stambouli, Kehrer, Nastasic – Caligiuri, McKennie (55. Goretzka), Bentaleb, Oczipka – Harit (46. di Santo), Burgstaller (71. Meyer), Konoplyanka
Tore: 1:0 Konoplyanka (78.), 2:0 Konoplyanka (90.+1)
Zuschauer: 14.117

Crystal Palace – S04 1:1 (0:1)

 

Im letzten Testspiel vor dem Pflichtspielbeginn ist Schalke 04 zu einem 1:1-Remis bei Crystal Palace gekommen. Nach Anlaufschwierigkeiten bekamen die Knappen die Partie nach zehn Minuten besser in den Griff. Chancen waren auf beiden Seiten aber Mangelware. Kurz vor der Pause gingen die Knappen nach einer kurz ausgeführten Ecke in Führung. Pablo Insua erzielte nach einer Flanke von Bastian Oczipka das 1:0. Die 800 mitgereisten S04-Fans jubelten. Nach dem Seitenwechsel wurde Schalke gefährlicher, verpasste aber die Führung auszubauen. Naldos Kopfball nach Freistoßflanke von Oczipka, der auf seiner linken Seite einige Probleme mit Andros Townsend hatte, ging knapp vorbei. Dafür fiel der Treffer auf der Gegenseite. Nach einem Fehler von Ralf Fährmann staubte Christian Benteke zum 1:1 ab. Danach war es erneut ein Spiel auf Augenhöhe ohne nennenswerte Torchancen. Erst kurz vor Schluss hatte Benteke den Siegtreffer für die Londoner auf dem Fuß, scheiterte aber an Fährmann. Letztendlich aber ein leistungsgerechtes Unentschieden. Dabei agierte Schalke erneut im 3-4-3, was wohl die Grundformation für den Saisonstart sein wird. Allerdings musste Tedesco im Selhurst Park kurzfristig auf Yevhen Konoplyanka (Probleme mit dem Visum) und Matija Nastasic (Magen-Darm) verzichten. Dafür stand etwas überraschend Fabian Reese in der Startelf, zudem gab Goretzka sein Comeback nach seinem Muskelfaserriss. Dagegen gab der Kader in London einen Hinweis darauf, wer in Zukunft eventuell nicht mehr das blau-weiße Trikot tragen wird. Franco di Santo, Bernard Tekpetey, Luke Hemmerich und Atsuto Uchida machten die Reise erst gar nicht mit. Dagegen wurden Breel Embolo und Alessandro Schöpf noch geschont. Auffällig war erneut, dass die Defensive über weite Strecken sicher stand, die Offensive sich weiterhin schwer tut.

 

Crystal: Speroni – Milivojevic, Dann, Riedewald (81. Tomkins) – Townsend (70. Ward), Puncheon, Loftus-Cheek, van Aanholt – Zaham Benteke, Eyenka Lokilo (79. Lee)
S04: Fährmann – Stambouli (60. Goretzka), Naldo (60. Geis), Insua (46. Höwedes) – Caligiuri, Kehrer, Bentaleb, Oczipka (60.) – Reese (46. McKennie), Burgstaller, Harit (60. Meyer)
Tore: 0:1 Insua (43.), 1:1 Benteke (62.)

S04 - SD Eibar 1:0 (0:0)

 

Schalke hat auch sein zweites Testspiel während des Trainingslagers in Österreich mit 1:0 gewonnen. Gegen den spanischen Erstligisten aus Eibar entschied im Waldstadion in Mittersill Eigentor von Jose Angel die Partie zugunsten der Knappen. Und das gehört in die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“. Amine Harit presste Angel. Unter Druck wollte der spanische Außenverteidiger zu Torwart Riesgo spielen. Dieser stand aber weiter vor seinem Gehäuse als Angel angenommen hatte. Und so flog die Kugel über den Keeper ins Tor der Basken. Mehr Treffer gab es nicht zu bestaunen, da beide Abwehrreihen kompakt standen und kaum Torchancen zuließen. In der S04-Startelf standen dabei die drei U21-Europameister, die sich für 45 Minuten erstmals dem neuen Trainer präsentieren konnten. Im bereits bekannten 3-4-3 besetzte Felix Platte das Sturmzentrum, Meyer agierte auf Linksaußen und Kehrer spielte im defensiven Mittelfeld. Wie zuvor auch, wechselte Domenico Tedesco im Laufe der 2. Halbzeit komplett durch. Wie vor der Vorbereitung angekündigt, gibt der S04-Coach jedem Spieler im Kader Einsatzzeiten, um sich zu zeigen. Die ersten Erkenntnisse nach den Testspielen gegen Paderborn (1:0), Besiktas (3:2), Inter Mailand (1:1), Baku (1:0) und Eibar sind, dass Schalke defensiv stabil agiert, nach vorne aber noch Luft nach oben hat. Im letzten Vorbereitungsspiel am 5. August bei Crystal Palace sollte es den letzten Fingerzeig in Richtung Startelf geben. Meine Prognose: Fährmann – Stambouli, Naldo Nastasisc – Coke (defensive Variante) oder Caligiuri (offensive Variante), McKennie, Oczipka – Konoplyanka, Burgstaller, Harit

 

S04: Fährmann (63. Nübel) – Stambouli (63. Höwedes), Naldo (63. Insua), Nastasic (71. Hemmerich) – Caligiuri (63. Coke), Bentaleb (46. McKennie), Kehrer (63. Geis), Oczipka (63. Tekpetey) – Burgstaller (46. Harit), Platte (46. Reese), Meyer (46. Konoplyanka)
Eibar: Riesgo (71. Areitio) – Isasa, Ramis (88. Galvez), Oliveira, Angel – Pena, Rivera, Garcia, Bebe – Charles, Enrich (53. Capa)
Tor: 1:0 Angel (67., ET)
Zuschauer: 2 500

S04 – Neftchi Baku 1:0 (1:0)

 

Im ersten Testspiel während des königsblauen Trainingslagers in Österreich hat Schalke gegen Baku mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages bei der Wasserschlacht in Neukirchen erzielte Bernard Tekpetey, der erst kurz vor Anpfiff für den am Rücken verletzten Yevhen Konoplyanka in die Startelf rutschte, auf Vorarbeit von Fabian Reese. Die Knappen waren insgesamt die spielbestimmende Mannschaft. Allerdings war ein gepflegter Fußball bei den Witterungsbedingungen und dem tiefen, mit Pfützen übersäten Grün nicht möglich. Besonders erfreulich waren die Comebacks von Breel Embolo (nach neun Monaten Pause) und Benedikt Höwedes (nach Leisten-OP). Auch gegen den achtmaligen Meister aus Aserbaidschan setzte S04-Coach Tedesco erneut auf eine 3-4-3-Formation. Und wie auch schon in den Testspielen zuvor wechselte er zur Pause munter durch. Mit Beginn des Trainingslagers begann auch für ein S04-Quartett Vorbereitung auf die neue Saison. Die Partie gegen Baku kam aber für den Confed-Cup-Sieger Leon Goretzka, der sich allerdings im ersten Training direkt einen Muskelfaserriss zuzog und eine Woche pausieren muss, sowie die U21-Europameister Max Meyer, Felix Platte und Thilo Kehrer noch zu früh. Dagegen gehören Sidney Sam, Donis Avdijaj und Haji Wright (U23) nicht mehr zum Kader der königsblauen Reisegruppe.

 

S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Nastasic – Coke, Geis, Bentaleb, Oczipka – Reese, di Santo, Tekpetey
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua (67. Höwedes), Stambouli, Uchida – Harit, Hemmerich, McKennie, Caligiuri – Reese (62. Embolo), Burgstaller, Tekpetey
Baku: Agayev – Mirzabekov (62. Rahman), Dreksa (70. Mammadov), Petrov, Abishov – Isayev (70. Edson), Jahangirov – Jafarov (46. Muradbayli), Segovia (46. Bargas), Aleskerov (70. Buludov) – Herrera (70. Abbasov)   
Tor: 1:0 Tekpetey (27.)
Zuschauer: 1 000

Inter Mailand – S04 1:1 (0:0)

 

Im 2. Testspiel der China-Reise in Changzhou haben sich Schalke und Inter 1:1 getrennt. Nach einer Stunde gingen die Knappen in Führung. Tekpetey zog von Linksaußen in die Mitte und spielte rechts raus auf Caligiuri. Der 29-Jährige zog in den Strafraum, ließ einen Mailänder stehen und drosch die Kugel mit links in die Maschen. Keine Viertelstunde später antworteten die Italiener mit einem sehenswerten Distanzschuss von Murillo zum 1:1. Dabei war Nübel chancenlos. Ansonsten wusste der junge S04-Keeper aber zu überzeugen. Tedesco wechselte wieder munter durch, vertraute aber durchweg auf seine Grundformation im 3-4-3. Bei den klimatischen Gegebenheiten mit hoher Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad gibt es durchaus angenehmeres als 90 Minuten auf dem grünen Rasen zu verbringen. Da fragt man sich schon, warum Spieler freiwillig ins Reich der Mitte wechseln – aber der Yen steht gerade hoch im Kurs.

 

Inter: Handanovic – D’Ambrosio (69. Murillo), Skriniar (79. Valietti), Miranda (69. Ranocchia), Nagatomo – Gagliardini (69. Pinamonti), Kondogbia (46. Borja Valero) – Candreva (46. Joao Mario), Brozovic (69. Biabiany), Perisic (46. Barbosa) – Eder (46. Jovetic)
S04: Nübel – Stambouli, Naldo, Nastasic (74. Insua) – Caligiuri (64. Hemmerich), McKennie (46. Geis), Bentaleb, Oczipka (46. Tekpetey) – Konoplyanka (74. Coke), Burgstaller (64. Wright / 82. Avdijaj), Harit (46. Reese)
Tore: 0:1 Caligiuri (60.), 1:1 Murillo (73.)
Zuschauer: 20.000

 

Besiktas Istanbul – S04 2:3 (0:1)

 

Im ersten Test auf der Asienreise hat Schalke in Zhuhai den türkischen Meister mit 3:2 besiegt. Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit verlief die erste Halbzeit schleppend. Das Highlight setzte McKennie mit einem Zuckerpass in die Tiefe auf Harit, der vor dem Tor eiskalt zum 1:0 verwandelte. Zu Beginn der 2. Hälfte wechselte Tedesco neun Mal aus, agierte aber weiterhin im 3-4-3. Und das erfolgreich. Ballgewinn Hemmerich an der Mittellinie. Nach einem Doppelpass mit Avdijaj traf der 19-Jährige mit links zum 2:0. Das 3:0 war eine Kopie des 2. Treffers – Ballgewinn, schnelles Umschalten, Tor. Burgstaller hatte sich die Kugel in der gegnerischen Hälfte erkämpft. Der Österreicher schickte Avdijaj steil, der quer auf Konoplyanka legte. Der Ukrainer schob ins leere Tor ein. Im sicheren Gefühl der 3-Tore-Führung wurden die Knappen (mal wieder) nachlässig und musste noch einmal um den Sieg zittern. Tosun brachte Besiktas per Doppelpack zurück ins Spiel. Nach einer Freistoßflanke vollstreckte der Torjäger blank am 2. Pfosten. Kurz darauf lupfte er den Ball über Fährmann ins Tor hinein, nachdem die Schalker die Kugel im Strafraum nicht klären konnten. Danach fingen sich die Königsblauen und brachten den Sieg konzentriert nach Hause.

 

Besiktas: Zengin (46. Fabri) – Beck, Mitrovic, Tosic (90. Bukari), Adriano (62. Nukan) – Hutchinson (62. Pektemek), Arslan (74. Aksoy) – Babel (74. Özbiliz), Özyakip, Caner - Tosun
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Stambouli, Nastasic – Coke, Geis, McKennie, Caliguiri – di Santo, Wright, Harit
S04 (2. Halbzeit): Fährmann – Stambouli (66. Sam), Naldo, Uchida – Reese, Hemmerich, Bentaleb, Tekpetey – Avdijaj, Burgstaller, Konoplyanka
Tore: 0:1 Harit (42.), 0:2 Hemmerich (57.), 0:3 Konoplyanka (63.), 1:3 Tosun (68.), 2:3 Tosun (75.)
Zuschauer: 6.500

SC Paderborn 07 – S04 0:1 (0:1)

 

Einen Tag vor der Marketing-Reise nach China hat der S04 das Vorbereitungsspiel beim SC Paderborn 07 mit 1:0 gewonnen. Den Treffer des Tages erzielte Yevhen Konoplyanka nach Vorarbeit von Franco Di Santo. Insgesamt war es ein glücklicher Sieg, da man merkte, dass der 3. Ligist in der Vorbereitung vier Wochen weiter war als die Knappen. Interessant war lediglich die System-Frage. Wie schon in Erkenschwick setzte Tedesco auf ein 3-4-3-System. Vielleicht die neue Grundausrichtung der Knappen. Für Erkenntnisse der neuen Spielphilosophie ist es noch zu früh.

 

Paderborn: Ratajczak (46. Zingerle) – Vucinovic (82. Herzenbruch), Boeder, Strohdiek, Bertels (82. Mauer) – Wimmer (62. Zolinksi), Antwi-Adjej (62. Soyak), Wassey (70. Piossek), Krauße – Srbeny, Michel (70. Geurts)
S04: Fährmann (46. Nübel) – Insua (59. McKennie), Naldo (59. Geis), Nastasic (59. Hemmerich) – Caligiuri (59. Tekpetey), Stambouli (59. Bentaleb), Coke (59. Reese), Uchida – Burgstaller (59. Harit), Di Santo (59. Wright), Konoplyanka (59. Sam)
Tor: 0:1 Konoplyanka (20.)
Zuschauer: 8.017

SpVgg Erkenschwick - S04 1:9 (0:3)

 

Im ersten Testspiel unter Neu-Trainer Domenico Tedesco ist Schalke zu einem 9:1-Erfolg gegen die SpVgg Erkenschwick gekommen. Avdijaj trug sich als erster Torschütze in der Ära Tedesco ein. Konoplyanka erhöhte per Doppelpack bis zur Pause. Nach dem Seitenwechsel überraschte Uchida mit einem Doppelpack. Richtig Feuer fing danach Wright. Der 19-jährige US-Boy traf vier Mal innerhalb von 15 Minuten. Drepper gelang der Ehrentreffer für den Westfalenligisten. Für die Knappen war es ein lockeres Warmlaufen für den Start der Sommer-Vorbereitung.

 

Erkenschwick: Kunz (46. Kröger / 85. Karatas) – Tottmann (64. Drepper), Mandla (84.Schulz), Konarski, Weßendorf (69. Kniza) – Sawatzki (64. Moughli), Bröcker (46. Ilias), Lehmann (59. Hildwein), Avci (46. Filipovic), Hegel (46. Soltane) – Kündig (46. Bamba)
S04 (1. Halbzeit): Fährmann – Insua, Naldo, Stambouli – Coke, Geis, McKennie, Caligiuri – Avdijaj, Di Santo, Konoplyanka
S04 (2. Halbzeit): Nübel – Insua, Geis, Hemmerich – Uchida, Stambouli, McKennie, Tekpetey – Konoplyanka (60. Sam), Wright, Reese
Tore: 0:1 Avdijaj (8.), 0:2, 0:3 Konoplyanka (14., 27.), 0:4, 0:5 Uchida (48., 54.), 0:6, 0:7, 0:8, 0:9 Wright (58., 61., 65., 73.), 1:9 Drepper (77.)
Zuschauer: 5.187

Schalkes Sponsoring: Veltins, Umbro & AllyouneedFresh

 

Sportlich war der FC Schalke 04 in der Bundesliga nur Mittelmaß. Doch wirtschaftlich spielen die Knappen weiterhin im nationalen Konzert der Großen mit. Der eingetragene Verein, mit über 140.000 Mitgliedern, erzielte in der letzten Saison einen Umsatz von 265,1 Millionen Euro - Vereinsrekord. Unterm Strich stand ein Gewinn von 29,1 Millionen Euro zu Buche. Die Verbindlichkeiten sanken auf 129,7 Millionen Euro. „Dank der verlässlichen Einnahmenquelle wie der Veltins-Arena, unseren treuen Partnern und Sponsoren sowie Transfererlösen war dieses Ergebnis möglich“, freute sich Finanzvorstand Peter Peters bei der Mitgliederversammlung 2017. Darunter fiel natürlich auch der Rekordtransfer von Leroy Sané für ca. 50 Millionen Euro zu Manchester City. Aber auch die 95 Millionen Euro Umsatzerlöse aus dem Marketing, die der zuständige Vorstand Alexander Jobst jährlich steigert. „Wir haben eine klare Strategie, die wir konsequent umsetzen. Das honorieren unsere Partner, die weiterhin auf uns setzen“, erklärte Jobst auf der MV. Diese Strategie stößt aber nicht immer auf Gegenliebe. Vor allem die Internationalisierung gen USA oder China wird kritisch gesehen. Was will man da? Wo ist die Identifikation oder die Langfristigkeit, die man anstrebt? Als Beispiele gelten Huawei und Hisense, die bereits nach kurzer Zeit ihr Sponsoring wieder eingestellt haben. Weil der Tabellen-Zehnte der Bundesliga nicht mehr attraktiv ist? Weil das Werben für die UEFA oder FIFA lukrativer ist? Im Millarden-Geschäft Fußball dreht sich vieles nur noch um Gewinnmaximierung. Dieser Kommerz geht vielen Fußball-Fans gegen den Strich. Zwar betont Jobst, dass „die Tradition die DNA von Schalke 04 ist, die Seele des Vereins“, um aber auch direkt nachzuschieben: „Aber Tradition allein reicht nicht“. Wollen die Königsblauen weiterhin im Konzert der Großen mitspielen, sind die Märkte in Übersee und/oder Asien unabdingbar. Dann muss sich Schalke dort präsentieren und etablieren. Ein Balanceakt für Jobst zwischen Tradition und Moderne, den die S04-Fans genau beobachten. Doch es gibt auch Deals, über die sich die Anhängerschaft freuen.

 

Dreierpack zum Sponsoring

 

Schluck auf, Veltins: Seit 1997 gibt es die Sponsoring-Ehe zwischen Schalke und Veltins, seit 2005 heißt die Donnerhalle Veltins-Arena. Seit 20 Jahren hält die Partnerschaft und wird noch mindestens ein weiteres Jahrzehnt anhalten. Beide Seite einigten sich auf eine vorzeitige Verlängerung der Namensrechte der Arena bis 2027. „Wir sind stolz, dass wir unsere Partnerschaft fortsetzen. Das unterstreicht die Langfristigkeit und Glaubwürdigkeit unserer Zusammenarbeit, die nicht zuletzt von unseren Fans intensiv gelebt wird“, sagte Jobst über den Deal, der S04 angeblich 6,5 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Doch auch für Veltins ist es ein lukrativer Deal, wie Veltins-Chef Michael Huber launig auf der MV erklärte: „Schalke ist unsere größte Kneipe“, und versprach: „Beim ersten Heimspiel gibt’s eine Runde Freibier.“ Das ist mal ein Wort J

 

Welcome, Umbro: Umbro wird neuer Trikot-Ausrüster auf Schalke. Ab Juli 2018 tragen sowohl das Profi- als auch die Knappenschmiede-Teams die Trikots des britischen Traditionsunternehmens. Damit endet nach 55 Jahren die Sponsoren-Ehe zwischen Adidas und Schalke. Keine große Überraschung, da sich die Trennung in den letzten Monaten abgezeichnet hat. Adidas setzt nur noch auf die Zugpferde der Branche wie Real Madrid, Manchester United, den Bazen oder dem DFB-Team. Zwar gab Adidas ein Angebot ab, das lehnten die Knappen allerdings ab. „In unserer Entscheidungsfindung der letzten Monate lag das Augenmerk auf drei wesentlichen strategischen Punkten: Wertschätzung, Wirtschaftlichkeit und Identität“, erklärte Jobst und stellte klar: „In allen drei Komponenten fiel die Entscheidung eindeutig zugunsten von Umbro.“ Die in den Medien gehandelten sechs Millionen Euro pro Jahr stimmen laut Jobst nicht. Bei Umbro, die u.a. Nürnberg und Everton ausrüsten, sollen die Königsblauen das Zugpferd der Marke werden. „Der FC Schalke 04 und Umbro haben beide eine große Fußballtradition. Wir teilen gemeinsame Ziele und Werte“, freute sich Umbro-Sprecher Michael Scholz über die Zusammenarbeit.

 

AllyouneedFresh: Erstmals dürfen die Bundesligisten ihren Trikotärmel selbst vermarkten. Hier sorgten die Knappen direkt für ein Novum. Für die kommenden vier Jahren und angeblichen 20 bis 22 Millionen Euro wird das Logo von AllyouneedFresh das königsblaue Trikot am Ärmel zieren. AllyouneedFresh, ein Tochter-Unternehmen der Deutschen Post, ist ein Online-Supermarkt, der auch für Amazon ausliefert. Der Clou beim Schalke-Trikot: Im Ärmelbadge ist ein Chip integriert, mit dem man in den Arena-Kiosken sein Veltins oder seine Bratwurst bezahlen kann.  „Wir sind stolz, so eine Weltneuheit zu präsentieren. Dies unterstreicht einmal mehr unsere Position als Innovationsführer der Bundesliga“, strahlte Jobst bei der Präsentation.

Schalkes neuer Trainer: Domenico Tedesco

 

Der Nächste, bitte! Zum dritten Mal in Folge geht der FC Schalke 04 mit einem neuen Trainer in die Saison. Nach Andre Breitenreiter folgte Markus Weinzierl, und jetzt soll Domenico Tedesco das schwankende königsblaue Schiff auf Kurs bringen. Keine leichte Aufgabe für den 31-Jährigen, der sofort liefern muss. „Mit ihm wollen wir zurück ins internationale Geschäft“, meinte Christian Heidel auf der Mitgliederversammlung 2017. Die Ankündigung scheint den Deutsch-Italiener zumindest äußerlich nicht zu belasten. Auf der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung im Medienzentrum der Veltins-Arena wirkte der neue Schalke-Coach zunächst zurückhaltend und verzichtete auf große Ankündigungen: „Es wird keine One-Man-Show, ich gehe mit Demut heran.“ Allerdings betonte er, dass „ich von dem Projekt und der Qualität der Mannschaft überzeugt bin.“ Er ist heiß auf die neue Herausforderung. Das waren aber auch die unzähligen vorherigen Coaches am Schalker Markt. Tedesco muss beweisen, dass seine Vorstellungen vom Fußball die Spieler auf dem grünen Rasen umsetzen können.

 

Dreierpack zum neuen Trainer

 

Der Trainerwechsel: Heidel sah keine Entwicklung und suchte vergeblich nach einer Spielphilosophie in der letzten Saison. „Wir hatten klare taktische Defizite und Probleme gegen tiefstehende Mannschaften“, kritisierte Heidel auf der MV. Da ihn die Pläne von Weinzierl in der Saisonanalyse nicht hatten überzeugen können, vollzog er den Trainerwechsel von Weinzierl zu Tedesco. Doch was muss der neue Trainer anders machen als seine Vorgänger? Fachlich waren alle Trainer der letzten Jahre top geschult. Als Außenstehender hatte man jedoch immer das Gefühl, dass die Kellers, di Matteos, Breitenreiters und Weinzierls ab einem gewissen Zeitpunkt (mal früher, mal später) die Kabine verloren haben, so dass die Spieler nicht mehr das umgesetzt haben, was von ihnen erwartet wurde. Einem Ex-Schalke-Coach hat in der Vergangenheit kein Spieler öffentlich nachgeweint. Die Problematik scheint Heidel erkannt zu haben: „Tedesco ist taktisch sehr versiert, hat hohe soziale Kompetenzen und große Kommunikationsbereitschaft. Domenico ist ein Workoholic.“ Die (angeblichen) Vorzüge Tedescos kann man durchaus als Kritik am Vorgänger verstehen. Vor allem die sozialen Kompetenzen und die Kommunikationsbereitschaften deuten auf Probleme im Umgang mit den Spielern hin. Dort ist Tedesco besonders gefordert.

 

Infos zu Tedesco: Vielleicht bringt Tedesco den Fußball-Gott mit auf Schalke J Immerhin ist er im italienischen Rossano geboren, wo auch die früheren Päpste Johannes VII. (um 700 n. Chr.) und Johannes XVI. (um 1000 n. Chr.) das Licht der Welt erblickten. Lange hielt es ihn nicht in der Provinz Cosenza. Im Alter von zwei Jahren wanderte seine Familie nach Deutschland (Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg) aus. Als aktiver Fußballer dürfte der neue S04-Coach auf Augenhöhe mit vielen S04-Fans sein. Tedesco kickte in der Kreisliga A beim ASV Aichwald. Ebenso weiß er, was es bedeutet, einen „stink“-normalen Job zu haben. Er malochte als Paketpacker und bei einem Zulieferer für Automobil-Teile. Als Berufsausbildung steht in seiner Vita: Groß- und Außenhandelskaufmann. Es folgte ein Studium mit dem BA-Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen mit anschließendem Master in Innovations-Management. Tedesco ist verheiratet und hat eine Tochter (Dezember 2016).

 

Werdegang als Trainer: Seine Trainer-Karriere begann im Juli 2008 beim VfB Stuttgart. Neben seinem Studium assistierte der damals 22-Jährige dem heutigen DFB-Nationalmannschaft Co-Trainer Thomas Schneider. Fünf Jahre später stieg Tedesco zum Co-Trainer der U17 auf, die er im Laufe des Jahres als Chef-Coach übernahm. 2015 zog es ihn weiter in die Jugendabteilung von 1899 Hoffenheim, wo er 2016 die U19 der Kraichgauer übernahm. Am 8. März 2017 folgte der Schritt in den Profibereich. Erzgebirge Aue verpflichtete den Trainer-Youngster. Seine Aufgabe: den Tabellenletzten der 2. Liga  irgendwie vor dem Abstieg zu retten. Und Tedesco startete direkt durch – aus den ersten fünf Spielen holte Wismut 13 Punkte und legte mit diesem Zwischenspurt den Grundstein für den Klassenerhalt, der am letzten Spieltag, trotz einer 0:1-Pleite in Düsseldorf, geschafft wurde. Einen Monat später zog es ihn direkt weiter von den „Schalkern des Ostens“ zu den richtigen Schalkern, wo die nächste „Mammut“-Aufgabe auf ihn wartet.